Kasualien: "Neue" Kasualien

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created at: 2010-06-04
Last major update at: 2010-06-04
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Deutsch (Original, currently shown)
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Seelsorge und Kasualien
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Neue Kasualien

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Gelegenheit macht Gottesdienst: Es gibt neben den bekannten Kasualien noch mehr Umbruchsituationen im Leben der Menschen, die offen sind für eine gottesdienstliche Begleitung. Diese Situationen aufzuspüren und angemessen gottesdienstlich zu gestalten bietet neue Chancen für eine lebensnahe Kommunikation des Evangeliums.

SITUATION / KONTEXT

Die klassischen Kasualien haben sich von ihrem usprünglichen Sitz im Leben gelöst und finden oft nicht mehr an den eigentlichen Umbruchsituationen im Leben der Menschen statt. Sie sind oft zu „rites sans passages“ geworden, zu Kasualien ohne Kasus.

Daneben gibt es zahlreiche Umbruchsituationen in den Lebensgeschichten moderner Menschen, die offen sind für die situative Kommunikation des Evangeliums und nach gottesdienstlicher Begleitung rufen, für die es aber noch keine etablierten Formen der gottesdienstlichen Gestaltung gibt.

IDEE

Gemeinden entwickeln neue Kasualien, die an den lebensgeschichtlichen Umbruchsituationen moderner Menschen hilfreiche gottesdienstliche Begleitung anbieten.

GRÜNDE & HERAUSFORDERUNGEN

Die Idee der neuen Kasualien geht davon aus, dass es lebensgeschichtliche Umbruchsituationen gibt, die nach gottesdienstlicher Begleitung verlangen, weil sie die Menschen dazu zwingen, ihr Lebenskonzept zu überdenken und ihre Lebensgeschichte neu zu entwerfen. Und dass die Begleitung dieser Situation durch ein gottesdienstliches Ritual den Menschen die Möglichkeit gibt, ihr Selbstverständnis und ihr Lebenskonzept auf Gott und sein Wort hinzu öffnen und zu erfahren, dass er ihren Weg mit seiner Gnade und seinem Segen begleitet.

Eine solche Kasualpraxis hat eine diakonische Dimension, weil sie die Menschen auf ihrem Weg begleitet, sie in einer schwierigen Situation unterstützt und hilfreich weiterführt.

Sie hat eine verkündigend-missionarische Dimension, weil sie durch die Kommunikation des Evangeliums in den Übergängen des Lebens neue Perspektiven des Glaubens eröffnet.

Denn für die Menschen heute stellt sich zumeist nicht die Frage, "ob das Evangelium an sich wahr ist, sondern ob es in einer konkreten Situation für konkrete Menschen wahr wird." (Meyer-Blanck). Und ihnen diese Erfahrung zu ermöglichen, ist die Aufgabe der neuen Kasualien.

Denn die Plausibilität der Religion und des Glaubens wird heute daran gemessen, was sie zum Gelingen oder Misslingen der Geschichte eines Lebens beitragen. Früher interpretierte die Religion den Lebenslauf, heute interpretiert die Lebensgeschichte des Einzelnen seinen Zugang zu Religion und Glaube. (H. Luther)

WIRKUNG / ERFAHRUNG

Das Evangelium wird an Lebensübergängen erfahrbar und gibt Impulse für die neue Lebensphase.

ALLGEMEINE HINWEISE ZUR UMSETZUNG

Es geht in einem ersten Schritt darum, die Gelegenheiten aufzuspüren, die Bedürfnisse nach Gottesdiensten freisetzen. Von ihnen aus ist dann danach zu fragen, welche Botschaft aus dem Horizont von Bibel und Glauben an Menschen in dieser Situation kommuniziert werden kann, um dann in einem dritten Schritt zu überlegen, wie diese Kommunikation im Hinblick auf die Menschen in ihrer spezifischen Situation gottesdienstlich gestaltet werden kann. (siehe Leitfaden unter Materialien)

Mögliche Anlässe können sein:

Lebenszeitlich motivierte Anlässe von Einzelnen, z.B. Schwangerensegnung, Neugeborenensegnung, Zusammenziehen unverheirateter Paare (Verlobungsritus), Scheidung, Arbeitsplatzverlust, Wohnortwechsel, Neue Partnerschaft im Alter, Eintritt in den Ruhestand, Wechsel ins Seniorenheim, Erinnerungsgottesdienst für Verstorbene (6-Wochen- und Jahresamt)

Lebenszeitlich motivierte Anlässe, die spezifische Gruppen betreffen: Eintritt und Abschied in Kindergarten und Schule, Volljährigkeit, Führerschein, Eintritt in Lehre, Beruf, Studium, silberne und goldene Konfirmation, „Halbzeitgottesdienst“ für 40jährige, Gottesdienste für frischgebackene Großeltern, Leben mit altersbedingten Behinderungen

Es gibt jahreszeitlich motivierte Anlässe, die Einzelne betreffen, z.B. Valentinstag

Es gibt jahreszeitlich motivierte Anlässe, die Gruppen betreffen, z.B. Ferienbeginn, Gedenken der Verstorbenen, Tauferinnerung am weißen Sonntag

Es gibt ereignisorientierte Anlässe, z.B. Dorf- oder Gemeinschaftsfeste, Schließung eines Betriebes mit dem Verlust zahlreicher Arbeitsplätze u.a.

IMPULS

Kirche gelangt dichter an die Lebenswirklichkeit der Menschen. Es gibt andere Bereiche, wo dies auch gelingen kann!

 

Siehe auch:

http://www.geistreich.de/discussions/286

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