Wiedereintritt: Ich glaube. Hier bin ich richtig.

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created at: 2011-06-27
Last major update at: 2011-06-27
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Deutsch (Original, currently shown)
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(Wieder)eintritt
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Preparation: no information
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Plakatmotiv EKKW

Abstract

Eine Initiative zur Einladung zum Kirchen(wieder)eintritt. Landeskirchlicher Ansatz am Beispiel eines Kirchenbezirks.

Situation / context

Die Initiave wurde entwickelt in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW).

Die derzeitige Situation der EKKW ist gekennzeichnet von zurückgehenden Mitgliederzahlen, die zum größten Teil aus der negativen demographischen Entwicklung resultieren. Diese Entwicklung betrifft besonders stark Nordhessen und den evangelischen Bevölkerungsanteil. Hinzu kommen die Taufzurückhaltung evangelischer Eltern und die Austritte, die weiterhin die Zahl der Eintritte um das zweieinhalbfache übersteigt.

In dieser Situation ist jedoch gleichzeitig - über die landeskirchlichen Grenzen hinaus im Raum der EKD - so etwas wie ein „Aufbruchsklima“ zu verzeichnen: Unsere Landeskirche hat, ausgehend von „Bezeugung des Evangeliums“[1], mit dem Handbuch und der Kampagne „Anderen Begegnen. Mitglieder gewinnen“[2] und der expliziten Aufnahme des Themas Mission und Mitgliedergewinnung  in Reformprozess der Landeskirche ebenfalls ihr Augenmerk auf das Thema „Mitgliedergewinnung“gelegt.

Eine landeskirchlichen Arbeitsgruppe „Mitgliedergewinnung“ arbeitet seit 2007 an der Entwicklung von Materialien, der Koordination der Arbeit der Kircheneintrittsstellen und an dem Thema „aktive Mitgliedergewinnung“, die in die Aktion "Ich glaube. Hier bin ich richtig" einflossen.

[1] Bezeugung des Evangeliums, EKKW 1997

[2] Anderen Begegnen. Mitglieder gewinnen, EKKW 2005

Goals

Maßgebend für die Annahme, ein aktives Bemühen um ehemalig oder noch nie zur Kirche gehörende Personen könne Erfolg haben, ist die Erkenntnis, dass ein Teil der Menschen, die die Kirche aus unterschiedlichen Beweggründen verließen (Entfremdung, Verärgerung, religiöse Umorientierung, finanzielle Gründe), nach ein paar Jahren durch lebensbiographische Veränderungen, Kontakte und bedeutsame Gespräche mit sprachfähigen Kirchenmitgliedern oder Pfarrerinnen und Pfarrern durchaus mit dem Gedanken eines Kirchen(-wieder)eintritts spielen [1].

Um diese Gruppe von Menschen mit latenter Kircheneintrittsbereitschaft gezielt zu erreichen, bedarf es geeigneter – um die Sprache der Werbung zu benutzen – „Marketinginstrumente“.

Folgende Maßnahmen dienen dazu:

  • Erleichterung des Kircheneintritts durch geeignete Maßnahmen (kirchengesetzliche Maßnahmen, flächendeckende Einrichtung von Kircheneintrittsstellen)
  • Bewerbung der Kirchenmitgliedschaft und der Wege dorthin im öffentlichen Raum (mediale Werbung durch Printmedien und Internet)
  • Begleitende Aktionen
  • Direkter schriftlicher Kontakt („direct mailing“)
  • Persönliche Ansprache auf einen möglichen Wiedereintritt

Zu einer lokalen Eintrittskampagne wird sich stets eine auf die Verhältnisse abgestimmte Mixtur dieser Instrumente anbieten.

 

[1] Vgl. Volz, Rainer, Massenhaft unbekannt – Kircheneintritte, Karlsruhe 2005, S. 16 f.

Reflection / background

Theologisch steht hinter der Einladung zum Wiedereintritt die Verpflichtung der Kirche, der Verheißung Gottes, die er in der Taufe über den Menschen ausspricht, auch in der Gestalt lebendiger Gemeinschaft - das ist die Kirche - Ausdruck zu verleihen.  

Die Einladung, auch wieder Mitglied der verfassten Kirche zu werden ist somit genauso geboten, wie es die Einladung zu einem persönlichen Glaubensvollzug sein kann, wie sie in den Angeboten unserer Kirche zum Ausdruck kommt.

Insofern stehen Mitgliederwerbung und missionarischer Auftrag nicht im Widerspruch zueinander sondern bedingen und ergänzen sich.

Implementation

General information on realization

Die Umsetzung der Kampagne unterscheidet sich im ländlichen und im urbanen Kontext etwas, besteht aber grundsätzlich aus drei Phasen: 

  • Der Werbung für die Mitgliedschaft im öffentlichen Raum,
  • die direkte Ansprache ehemaliger Kirchenmitglieder per Brief (direct mailing) und
  • einer Phase der vertiefenden Nacharbeit.

Hinzu kommt die vorbereitende (interne) Phase, die neben der Verständigung auf die Durchführung der Aktion auch eine allgemeine Denkphase über den Umgang mit Ausgetretenen einleitet, zum Beispiel die Verfassung von Standard-Briefen.   

Preparation

Entscheidungsfindung

Die Planung der durchzuführenden Maßnahmen, die Aufgabenverteilung und der Zeitplan wird in den entsprechenden Gremien erarbeitet und beschlossen.

Entscheidend ist eine gute Massnahmenplanung und Aufgabenverteilung.  

 

Beispielhaft ist hier die Planung des Kirchenbezirks Ahnatal aufgeführt:  

 

Planungsschritt

 

Schritt 1:             

 

Entscheidungsfindung

Die Planung der durchzuführenden Maßnahmen, die Aufgabenverteilung und der Zeitplan wurden in den regulären und in einer außerordentlichen Sitzung des Kirchenbezirksvorstandes erarbeitet und von den Beteiligten vor Ort umgesetzt.

 

Herbst/Winter 2008

Schritt 1:             

  • Planung und Organisation
  • Maßnahmen werden geplant und vorbereitet. 
  • Kirchenbezirksvorstand beraten durch landeskirchlichen Beauftragten

März 2009

Schritt 2:             

  • Öffentlichkeitsarbeit
  •  Gemeindebrief
  • Ortspresse wird informiert (Blickpunkt Ahnatal)
  • Zeitungsinterview mit einem der Pfarrer 
  • PfarrerInnen laden Pressevertreter in die Dienstbesprechung ein

 

März bis Ostern 2009

  • Konzertierte Werbeaktion
  • Plakate
  • Homepage
  • Werbeaktion für Kirche vor örtlichem Einkaufszentrum (an einem Samstag) 

beteiligt: engagierte MitarbeiterInnen, ein gemeindliches Öffentlichkeitsarbeitsteam

und KirchenvorsteherInnen

 

ab Mitte März 2009

Schritt 3: „Direct mailing“

               

  • ca. 100 Briefe werden durch Mitglieder des KV persönlich an Ausgetretene überreicht
  • Kontaktgespräche 
  • PfarrerInnen erarbeiten einen Brief in ihrer Dienstbesprechung

beteiligt: Kirchenvorstand/ PfarrerInnen 


Mai 2009

Schritt 4: Abschluss der Aktion

  • gemeinsamer Himmelfahrtsgottesdienst
  • kleine Auswertung 

 

Frühsommer 2009

Schritt 5: Nacharbeit

  • Einladung zu einem besonderen inhaltlichen Gemeindeangebot (Glaubenskurs) 

 

 

Herbst 2009

Schritt 6:  Auwertung der Ergebnisse

  

 

Realization

Werbebanner an der Karlskirche in Kassel . Quelle: EKKWIm Aktionszeitraum wird im öffentlichen Raum geworben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sowohl in gemeindlichen Medien (Internet/Gemeindebriefe) als auch im öffentlichen Raum auf Plakaten.

Der Stadtkirchenkreis Kassel   z. B. beschloss, in einer konzertierten Aktion mit großflächigen Werbeplakaten, die aus der landeskirchlichen Printserie stammen, an zentral gelegenen kirchlichen Gebäuden und Grundstücken für die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche zu werben.

 

Insgesamt wurden 5 Großbanner (2x5m), 7 Großflächenplakate (3x2m) und 5 Banner (1,5x2,5m) auf kirchlichen Flächen in der Stadt ab Anfang Juni 2009 bis zum Ende der Sommerferien aufgestellt, dazu gab es Plakate für die Schaukästen und Gemeindehäuser der Kirchengemeinden.

Wrap up & follow-up actions

Es emphieltsich die Aktion in gegebenem Abstand zu wiederholen bzw. vertiefende Angebote (Glaubenskurse etc.) anzuschließen.

Effect / experience

Die Aktion wurde von den Verantwortlichen und den Beteiligten durchweg positiv beurteilt. Der Imagegewinn in der Öffentlichkeit, die positiv besetzte Präsenz kirchlicher Themen in der Stadtöffentlichkeit, und die erfolgten Gespräche und tatsächlich erfolgten Eintritte sprechen für sich.

Im betreffenden Quartal traten (vorläufige Zahl, da die Meldungen aus den Gemeinden teilweise noch nicht erfolgt sind) 20 Menschen (wieder) in die evangelische Kirche ein, wobei nicht immer der Zusammenhang zwischen Aktion und Eintrittswunsch nachzuweisen ist (2008: 18 Eintritte).

Subjektiv habe ich in dieser Zeit eine Belebung der Eintrittsnachfrage in der von mir geleiteten Eintrittsstelle im Haus der Kirche feststellen können (12 Eintritte aus dem Stadtgebiet Kassel im Aktionszeitraum). Bei den Gesprächen gaben einige Personen an, den Wunsch nach einem Eintritt schon länger gehegt zu haben und die Aktion auch wahrgenommen zu haben.

Der Stadtkirchenkreis wird die Aktion in einem angemessenen Abstand wiederholen, das Motto „Ich glaube. Hier bin ich richtig.“ hat großen Wiedererkennungswert und wird dauerhaft in Kassel eingesetzt (z.B. auf der Startseite des neuen Internetauftritts).

 

Fazit:

„Ich glaube. Hier bin ich richtig.“ ist ein Schritt in die richtige Richtung: Bemühungen um neue Mitglieder entspringen nicht nur dem Selbsterhaltungswillen einer Organisation, sondern nehmen sowohl den  Missionsauftrag der Kirche ernst, als auch die bleibende Verpflichtung der Kirche gegenüber getauften Menschen, auch wenn diese die Organisation Kirche aus unterschiedlichen Gründen verlassen haben.

Aktionen dieser Art erreichen die Öffentlichkeit in einer ansprechenden und deutlichen Weise, liefern klare Informationen und laden offensiv zur Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche ein.

Sie stärken auf diese Weise auch das „corporate-identity“ und das Selbstbewusstsein der eigenen Mitglieder.

Der vergleichsweise geringe materielle Aufwand und die Nutzung ohnehin vorhandener medialer Ressourcen lohnen sich, wenn auch – und dass muss man der Ehrlichkeit halber betonen – der zahlenmäßig zu Buche schlagende Erfolg gegenüber den Zahlen der Kirchenaustritte sich eher gering ausnimmt.

Weiterarbeit ist an den Themen „Datenlage“, „urbaner Kontext“, „Milieudifferenzierung“ und „junge Menschen“ nötig, sowie an der bewussten Verbindung von Gemeindeentwicklungsthemen, missionarischen Aktionen und Mitgliederwerbung. 

Der langfristige Effekt, der erst durch regelmäßige Wiederholung solcher Aktionen deutlich wird, ist noch nicht absehbar. Er erlangt seine größte Effektivität wohl erst durch die Verbindung mit der Optimierung aller anderen „einladenden“ kirchlichen Strukturen, ob in einer missionarisch orientieren Gemeindearbeit, in der Gestaltung des „normalen“ kirchlichen Lebens in Gottesdiensten, Kasualien, der Arbeit mit der nachwachsenden Generation und in der übrigen Gemeindearbeit, und darüberhinaus in der Arbeit übergemeindlicher kirchlicher Einrichtungen und Werke.

Aktionen dieser Art sind also kein „Allheilmittel“ gegenüber dem Mitgliederschwund, aber ein wertvoller Beitrag zu einer Kirche, die „gegen den Trend“ zu wachsen sucht.

stimulus

Was sind mögliche weitere Kampagnenziele?

Experience reports

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