Seniorenarbeit

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ein Geistreich-Mitglied
erstellt am: 12.07.2011
Letzte größere Änderung: 07.09.2011
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Senioren
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Baugruppe

Definition

Kirche für Senioren oder Kirche mit Senioren?

Einführung

Der Begriff "Senior" bezeichnet eine große Spannbreite von Menschen und Lebensstilen:

  • Viele Senioren sind tragende Säulen im Kirchenvorstand, leiten Gruppen oder als Ehrenamtliche Gottesdienste - Stichwort "55plus".
  • Manche Senioren betreiben auch eine Baugruppe in der Gemeinde (siehe Titelbild oben, Bericht unten).
  • Reizvoll wäre es, in Mentoringprogrammen den Erfahrungsschatz von Senioren fruchtbar zu machen.
  • Ältere Senioren wiederum brauchen eine Einkaufshilfe oder sind gar dement.

Weitere Themen sind die Goldene Konfirmation und Rituale zum Eintritt in den Ruhestand (als "neue" Kasualie).

 

Kirchliche Altenarbeit

Schon der erste Blick auf eine Kirchengemeinde macht deutlich: Ältere prägen das Bild des Gemeindelebens. Sie überwiegen in den Gottesdiensten, leiten Gemeinde-, Besuchsdienst- und Bibelkreise, sind die Hauptakteure im Frauenkreis und in der Männergruppe, singen im Kirchenchor und besuchen die Kirchenkonzerte. Ältere nehmen also nicht nur rege am kirchlichen Leben teil, sie sind zugleich tragende Säulen der Gemeindearbeit. So sind die über 65-Jährigen auch in der Gruppe der Ehrenamtlichen überproportional zu finden.

Darüber hinaus wenden sich viele gemeindliche Angebote explizit an Ältere: Seniorennachmittage, -ausflüge und -freizeiten oder Festgottesdienste zu Konfirmationsjubiläen. Da überrascht es nicht, dass der 6. Altenbericht der Bundesregierung (2010) feststellt, dass „die Kirchen eine große Loyalität von älteren Menschen (erfahren). Und so ist etwas dran an der Aussage: „Die Kirche ist eine Kirche von Alten und für Alte. Sie finden in den Gemeinden Raum und Heimat.“ [1]

 

Differenzierungen

Doch Alter ist nicht Alter. Mit der Ausdehnung des 3. Lebensalters ist es bunter und vielfältiger geworden. Die „jungen Alten“ sind aktiv und mobil, haben gelernt, sich für ihre Interessen einzusetzen und verfügen über eine höhere Bildung als frühere Rentnergenerationen. Ihr Lebensgefühl und die Lebensorientierungen weichen deutlich von dem ab, was früher mit dem Alter verbunden wurde.

Ein großer Teil der heutigen Seniorinnen und Senioren erwartet gemeindliche Angebote, die Eigeninitiative und Mitgestaltung ermöglichen. Eine wachsende Zahl will die gewonnene Lebenszeit mit einer sinnstiftenden Aufgabe füllen und möchte aktiv am gemeindlichen Leben teilnehmen. Auf diese Entwicklung reagierte die evangelische Seniorenarbeit, wenn sie älteren Menschen einen Raum anbot, in dem diese sich mit anderen austauschen, ihre Situation gemeinsam reflektieren und Ideen und Visionen für ein Engagement entwickeln konnten. Heute wird das lange vorherrschende Betreuungs- und Versorgungsmodell der kirchlichen Seniorenarbeit, das alte Menschen primär als hilfs- und fürsorgebedürftig ansah, durch ein Modell der Selbstbeteiligung ergänzt. Während sich die Betreuungsangebote nach wie vor an Menschen wenden, deren nachlassende Kräfte eine rege Mitarbeit nicht mehr zulassen, eröffnet die selbstorganisierte Altenarbeit ein Handlungsfeld für ein aktives Altern.

 

Fünf zielgruppenspezifische Arbeitsfelder

Weil es das Alter nicht gibt, kann es auch nicht die kirchliche Seniorenarbeit geben. Es gilt vielmehr, traditionelle und innovative Ansätze der kirchlichen Altenarbeit in das sich neu entwickelnde Gesamtkonzept zu integrieren. Als zielgruppenspezifisches Arbeitsfeld wird die Altenarbeit künftig vor allem fünf Bereiche zu bedenken haben:

  1. In der Altenbildung geht es insbesondere um eine lebensweltbezogene und lebenspraktische Bildung, um technische Bildung, um Förderung der Autonomie und Selbstbestimmung alter Menschen wie auch um Sinnfindung und Glaubensfragen.
  2. Der Bereich Gottesdienst und Spiritualität hat stärker neue Formen für Jubiläen, für Rituale in Übergangs- und Umbruchssituationen, aber auch für Demenz-Gottesdienste oder Gottesdienste, die Generationen- oder Altersfragen zum Thema haben, zu bedenken.
  3. Die Angebote der Kommunikation und Unterhaltung schaffen Gelegenheitsstrukturen für die Begegnung im Alter und zwischen den Generationen.
  4. Eine aufsuchende Altenarbeit ist nötig, weil Älteren gelegentlich die sozialen Ressourcen fehlen, sich auf Gruppen und Kreise einzulassen oder auf Grund nachlassender Kräfte nicht in der Lage sind, sich auf den Weg zu machen.
  5. Das Motto der aktivierenden Altenarbeit lautet: „Wer keine Aufgabe hat, der gibt sich auf.“ Sie tut nicht nur den alten Menschen gut, es ist auch zunehmend für die Kirche wichtig. Denn ohne die Mithilfe der Alten wird sie ihre Aufgaben zukünftig nicht wahrnehmen können.

 Weil das Angebot in der Altenarbeit vielfältig sein muss – so vielfältig wie das Alter selbst – wird es in der Regel auch nicht von einer Kirchengemeinde allein angeboten werden können. „Eine differenzierte, milieuspezifische und die einzelnen Altersphasen berücksichtigende Altenarbeit kann nur regional geplant und verantwortet werden.“ [2]

So aufgestellt wird die evangelische Altenarbeit einen unverzichtbaren Beitrag zum Reformprozess in den evangelischen Kirchen im demografischen Wandel leisten. Schon 2009 hat die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Altenarbeit zuversichtlich formuliert: „Die Evangelische Kirche hat eine gute Chance, mit dem Trend zu wachsen, weil sie die wachsende Zahl der Älteren schätzt, weil sie die sehr unterschiedlichen Milieus im Alter wahrnimmt, …weil sie auf die Lebens- und Glaubenserfahrung der Altersgenerationen setzt. … Die Kirche wird mit dem Trend wachsen, weil in der Kirche jedes Alter Zukunft hat.“ [3]

von Jens-Peter Kruse

  

Fußnoten

  • [1] Karl Foitzik, Gemeindepädagogik: Alte Menschen in Kirche und Gemeinde, in: Praktische Theologie des Alterns, Hrsg. von Thomas Klie, Martina Kumlehn und Ralph Kunz, Berlin 2009, Seite 521
  • [2] Im Alter neu werden können. Evangelische Perspektiven für Individuum, Gesellschaft und Kirche. Eine Orientierungshilfe des Rates der EKD, Hannover 2009
  • [3] Das Positionspapier der EAfA wurde von der Mitgliederversammlung im Oktober 2006 in Löwenstein beschlossen.  

Weitere Literatur

Literatur zu Altenheimen und Demenz

  • Dorothee Peglau, Kirsten und Norbert Prey: Gottesdienste im Altenheim, Luther-Verlag Bielefeld, 2. Auflage 2002
  • Susanne Schildknecht, Mit sprechenden Gesichtern. Gottesdienste in Altenheimen. Güterloher Verlagshaus, 2. Auflage, 2000.
  • Ev. Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit in der EKD (EAfA) und Dt. Ev. Verband f. Altenarbeit und ambulante pflegerische Dienste e.V. (DEVAP), Herausforderung Demenz, Broschüre, 47 Seiten, via E-Mail: eafa@ekd.de (vergriffen)
  • dies., Vergessliche - vergessen? Menschen mit Demenz, via E-Mail: eafa@ekd.de
  • Jürgen Gauer, Du hältst deine Hand über mir: Gottesdienste mit Demenzkranken
  • Kirchenamt der EKD (Hg.), Leben mit Demenz, EKD-Text 98: http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2009_01_30_4_ekd_text_demenz.html und Download: www.ekd.de/download/ekd_texte_98.pdf

 

Links

http://www.geistreich.de/discussions/60

http://www.ekd.de/eafa

http://www.unserezeiten.de



Praxisbeispiele

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