Orgelbauer und Gemeinde - Eindrücke aus der Praxis

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ein Geistreich-Mitglied
erstellt am: 24.03.2015
Letzte größere Änderung: 24.03.2015
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Als Orgelbauer in eine Kirche und ihre Gemeinde zu kommen, ist immer wieder aufs Neue eine Besonderheit - Berufsbild Orgelbauer.

Als Orgelbauer eine neue Gemeinde kennen lernen

Als Orgelbauer in eine Kirche und ihre Gemeinde zu kommen, ist immer wieder aufs Neue eine Besonderheit.

Man kommt beispielsweise mit einem neuen Instrument oder für eine umfangreiche Renovierung der vorhandenen Orgel in die Gemeinde.

Was für ein Bauwerk, was für einen Kirchenraum trifft man an? Wie stellt sich die akustische Situation dar und was für einen Eindruck vermitteln einem der Raum und seine Ausgestaltung? Die Darstellung der Kirchengemeinde und ihr Leben und Wirken im Raum? Wie ist der Standort für das neue Instrument beschaffen? Oder aber: auf was für ein Instrument wird man treffen, bei dem mitunter viel umzusetzen ist?

 

Und dann die immer spannende Komponente, mit was für Menschen man im Verlaufe der kommenden Zeit zusammenkommt:

Von den Kirchenmusikern über den Küster und die Verwaltung bis zu den Pastoren (ich meine Frauen wie Männer natürlich gleichermaßen). Die interessierten Mitglieder der Gemeinde und jene Menschen, die sich lange für das Projekt engagiert haben, mitunter auch Menschen, die das ganze Projekt kritisch und skeptisch begleitet haben – jede Gemeinde ist ein Kosmos und etwas unverwechselbares!

Uns Orgelbauern wird mit viel Offenheit und mit froher Erwartung begegnet, denn jetzt naht zum Greifen nah, worauf mitunter lange hingearbeitet wurde und wofür sehr oft ein unermüdlicher ehrenamtlicher Einsatz unbedingte Voraussetzung gewesen ist.

In manchen Fällen haben Aktive der Gemeinde schon jahrelang den Prozess der Entstehung des neuen Orgelwerkes begleitet, erkennen die Orgelbauer wieder, die jetzt das neue Instrument, Teil für Teil, in die Kirche bringen. Mitunter wird mit angepackt beim Ausladen, es wird bestaunt und uns begegnet viel Neugierde auf das, was sich in den vielen, manches Mal sehr rätselhaft erscheinenden Bestandteilen darstellt.

 

 

Das Interesse der Kirchengemeinde

Es gibt aber wirklich alle denkbaren Varianten des Interesses und der Anteilnahme!

Kirchen, wo sich die Arbeit wie „kaum bemerkt“ entwickelt und nur wenige sich anschauen, was jetzt endlich schönes entsteht, wo sich wochenlang nur selten jemand sehen lässt: eine zum Glück seltene Situation, denn natürlich ist es so, dass alles Tun und alle Anstrengung sich in besonderer Weise steigern, wenn man spürt, für wen man sich ins Zeug legt und dass die Arbeit gleichermaßen anspruchsvoll wie voller Freude begleitet wird.

Weitaus mehr haben ich und die Kollegen genossen, dass man sich auch ganz besonders um uns kümmert, uns „bemuttert“ und verwöhnt, dass es eine herzerwärmende Freude ist und motiviert, sich für die Menschen ins Zeug zu legen. Einladungen zum Essen bei Gemeindemitgliedern, gemeinsame Aktivitäten in der Freizeit... bilden das schöne Gefühl, willkommen und – auf Zeit – ein wertvolles Mitglied des Gemeindelebens zu sein. Doch: wenn man es zulässt, spürt man, sich mit der Gemeinde zu verbinden und etwas „dazuzugehören“ – in Zeiten von so viel Unverbindlichkeit und Flüchtigem etwas sehr Schönes. Nicht selten leben diese Kontakte in ihrer Herzlichkeit weiter, wenn die „gute Tat“ schon lange vollendet ist.

 

 

Die Orgel und ihre Wirkungen

So empfinde ich (wie sicherlich viele meiner Kollegen) die Zeit „vor Ort“ auch nach langer beruflicher Tätigkeit stets aufs Neue im beruflichen Leben als das „Salz in der Suppe.“ Hier, in den Gemeinden, nehmen wir ganz konkret wahr, was das Besondere unseres Kunsthandwerkes ist:

 

Wir bauen Musikinstrumente, deren Anblick von außen, deren Technik im Inneren und oftmals auch die Dimensionen die Menschen beeindrucken und deren Klang das Sinnempfinden herausfordert: Nachdenklichkeit auslöst, Traurigkeit auffängt und widerspiegelt, vielleicht sogar erst auslöst.

Musikinstrumente, die aber auch Jubelstimmungen erzeugen können, die Großartigkeit des Daseins und der Schöpfung verdeutlichen und uns versichern, dass wir selber es in Händen haben, für einander Sorge zu tragen, Wohlfahrt miteinander zu schaffen und damit den Glauben und die Menschlichkeit zu leben.

     

     

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