Berufswelt: Gedanken über die Zukunft der Arbeitswelt

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
erstellt am: 18.06.2015
Letzte größere Änderung: 03.07.2015
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Inhaltsverzeichnis
Arbeitswelt und Arbeitslosigkeit
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Meinungen
eine Stimme
Kommentare zum Dokument

Definition

Die Digitalisierung und Globalisierung der Arbeitswelt bewirken einen unaufhaltsamen Wandel des sozialen Gefüges. Die Menschen erwarten von Kirche und Politik Antworten, wie dieser Prozess gestaltet werden soll.

Digitalisierung und Globalisierung der Arbeitswelt

Die Welt wächst dank neuer Technologien und Globalisierung zusammen und der Arbeitsmarkt mit ihr. Vielerorts treibt die Digitalisierung die Menschen als Arbeitskräfte um. Soziale Ordnungen werden auf den Kopf oder die Probe gestellt. Die Auswirkungen des World Wide Web und der grenzenlosen Marktwirtschaft sind nicht erst seit heute spürbar. Grund genug, kritisch zu hinterfragen.

Globalisierung Vor- und Nachteile!?

Für flexible Individualisten erscheinen die unendlichen Möglichkeiten im globalen Netz, vor, sowie hinter dem Bildschirm, wie ein freiheitlicher Segen. Jung und dynamisch begegnen sie den Anforderungen, stets lernfähig und erreichbar zu bleiben. Andere Arbeitskräfte erhoffen sich dank der Globalisierung endlich satt zu werden.

Hier entpuppt sich die Vernetzung als Risiko und Chance zugleich. Schließlich ist der Zugang zum großen Arbeitsmarkt durch strukturelle Rahmenbedingungen wie EU, Digitalisierung und Co. vielen erleichtert worden. Generell ist dadurch aber auch der Wettbewerb und daraus resultierend die Konkurrenz gestiegen. Sichere Jobs über einen langen Zeitraum hinweg sind folglich keine Selbstverständlichkeit. Vorbei die guten alten Jahre, in denen die berufliche Biografie bis zur Rente mit nur einem Arbeitgeber verwoben blieb. Grenzen, gleich ob in sozialer oder politischer Form verschwinden mit der Globalisierung, verschwinden mit der Digitalisierung der Arbeitswelt. Zweifelsohne profitieren einige Unternehmen von den dadurch verfügbaren Massen an Arbeitswilligen. Bereit, sich dem hohen Tempo, dem immensen Druck und letztlich der leichten Austauschbarkeit zu stellen. Wem dies erfolgreich gelingt, dem offenbaren sich Chancen.

Doch wie sieht es mit dem sozialen Gefüge aus, welches der Mensch als solcher existenziell benötigt? Ordnet sich "die Arbeit" dem "Mensch sein" unter oder verhält es sich vielmehr umgekehrt? Der Globalisierung Vor- und Nachteile sind untrennbar mit diesen Fragen verknüpft.
Durch den Arbeitswandel, weg von den vielen Mitarbeitern in regulärer Festanstellung unter einem Dach, hin zu den Home-Office verteilt auf der ganzen Welt; keine direkten Ansprechpartner mehr vor Ort; Produktionswege werden aus Wirtschaftlichkeit in Länder mit billigen Arbeitskräften outgesourct; verliert sich der Einzelne in der globalisierten sowie digitalen Welt.
Die eigentlichen Vorteile der technischen Errungenschaften, sprich die Möglichkeiten an individueller Selbstentfaltung und somit Selbstbestimmung werden ad absurdum geführt.

Zusammengefasst ergeben die Nachteile eine Eintrittskarte in einen immer häufiger diagnostiziertem Burnout, sofern keine Abhilfe durch brauchbare Lösungsansätze geschaffen wird.

Keine Zeit für Burnout-Symptome

Es mag zynisch wirken, aber viele Menschen können sich einen Burnout gar nicht leisten. So werden die schleichend auftretenen Burnout-Symptome wie Müdigkeit und Kopfschmerzen ignoriert, unterdrückt, letztlich verschlimmert.
Die Auslöser von Burnout sind vielfältig und finden sich leider in der Digitalisierung der Arbeitswelt wieder.
Zunächst wäre da der unpersönliche Kontakt. Paradoxerweise leidet der Mensch als soziales Wesen unter den neuen Kommunikationsformen, zumindest, wenn sie zum Beispiel ein persönliches, kollegiales Verhältnis ersetzen. Hinzu kommt die fehlende Wertschätzung dem Arbeitnehmer selbst sowie seiner Arbeit gegenüber. Anstatt sich gebraucht zu fühlen, steigt der Druck, stets über die eigenen Kapazitäten zu gehen. Funktionstüchtige Arbeitnehmer sind erwünscht. Ersatz ist bei dem Angebot an Arbeitskräften schnell gefunden. Ein Druck, der Pausen und Privatleben klein hält. Dabei macht es die permanente Erreichbarkeit ohnehin schon schwer, beruflich und privates voneinander abzugrenzen. Doch ist das Privatleben als Kraftquelle umso wichtiger, die Gefahr, sich über einen langen Zeitraum gänzlich auszupowern, zu minimieren.

Nachteile von Globalisierung + Digitalisierung suchen Lösungsansätze

Globale, politische Gegebenheiten werden wirtschaftlich ausgenutzt. Unter sozialen Gesichtspunkten ist es schwer vertretbar, Armut, sprich existentielle Angewiesenheit auf Arbeit, gegeneinander auszuspielen. Frei nach dem Motto: Irgendeiner findet sich immer, welcher so arm dran ist, dass er sich nicht mit noch weniger Lohn zufrieden geben würde.

Selbstverständlich, die Globalisierung lässt sich nicht aufhalten, das Rad der Digitalisierung nicht zurückdrehen. Doch damit die Vorteile der neuen Arbeitswelt nicht von den Nachteilen aufgefressen werden, sind Rahmenrichtlinien notwendig. Die Gestaltung von Maximen und deren Mindeststandards für eine Arbeitswelt, die sich endlich den Bedürfnissen der Unternehmen und seiner Belegschaft gleichermaßen unterordnet, können bzw. sollten Hand in Hand ausgearbeitet werden.

Sinnige Forderungen, wie die Rufe nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf, treffen seit langem auf die neue Arbeitswelt. Nun ist es Zeit, als Regierung und Unternehmen auf diese Bedürfnisse genauso flexibel, ja innovativ zu reagieren, wie es der globale Wettbewerb ohnehin schon fordert.

Es überrascht nicht, dass eben jene Firmen, welche es verstanden haben ihre Belegschaft kreativ in die Gestaltung von Arbeitsprozessen einzubinden, Marktführer auf ihren Gebieten sind und vermutlich auch bleiben. Die Zukunft wird zeigen, wie lange die Volks- sowie Betriebswirtschaften es sich erlauben können, allein die Produktivität, gemessen an Umsatz und regulären Arbeitsplätzen steigern zu wollen. Wichtige Säulen der "alten" Arbeitswelt sind bereits am Wanken.

Quellen

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/papst-franziskus-fordert-in-laudato-si-globale-umkehr-13651991.html
http://www.ekd.de/arbeit/vortraege/98514.html
http://www.bpb.de/izpb/8588/schoene-neue-arbeitswelt-die-zukunft-der-arbeit
http://zweiteilen.de/arbeitswelt-im-wandel/
http://www.moebelshop24.de/blog/erholung/burnout-im-buero.html
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/mobbing-am-arbeitsplatz-so-wehren-sie-sich-wenn-ihr-chef-sie-mobbt/11108496.html
http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-05/ttip-ceta-kosten 

Bilder:

Rainer Sturm  / pixelio.de / http://www.pixelio.de/media/350009

Uwe Jülkenbeck / churchphoto.de / https://www.churchphoto.de/action/showpic/cat/250/pic/27180#.VZZazEY_xqw

Praxisbeispiele

Verwandte Artikel

Umfeld des Beitrags

geistreich Videos

Videos ausblenden