Querschnittsvisitation Taufe

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 12.01.2012
Letzte größere Änderung: 12.01.2012
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Qualitätsentwicklung im Gottesdienst
Gemeinden/Institutionen
Lutherische Klasse (Kirchenkreis) der Lippischen Landeskirche (Superintendent Andreas Lange) in Lemgo
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Vorbereitung: -
Durchführung: Auf Dauer
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Weiße Weste

Kurzbeschreibung

Der Kirchenkreis verzichtet in einem Jahr auf die Visitation von Einzelgemeinden mit den jeweiligen Arbeitsfeldern. Besucht werden stattdessen alle Gemeinden für den Arbeitsbereich  Taufpraxis und Taufgottesdienst.

Situation / Kontext

Im Rahmen von Visitationen werden Gottesdienste - meist auch recht aufwändig - gefeiert. Diese Praxis lässt allerdings wenige Rückschlüsse auf das „normale“ gottesdienstliche Leben zu. Kasualien werden oft nur in Ausnahmefällen visitatorisch wahrgenommen.
Nach  Visitationsordnungen in verschiedenen Landeskirchen  ist eine solche thematische Visitation möglich.
Der Anlass zu einer thematischen Visitation kann ein Themenjahr sein.

Ziele

  • Taufpraxis und Taufgottesdienst sollen  in den Gemeinden, Kirchenvorständen  und ggfs. Gottesdienstausschüssen zum Thema werden
  • Reflexion und Weiterentwicklung von Tauftheologie und Taufpraxis bei Pfarrerinnen und Pfarrern
  • kreativer und produktiver Umgang mit der jeweiligen Taufpraxis vor Ort: Weiterarbeit an  mindestens einem Element des taufenden Handelns (Nachhaltigkeit)
  • voneinander lernen (Anregungen)
  • stärkere öffentliche Wahrnehmung der Taufe

Reflexion / Hintergrund

Der demografische Wandel, der sich in den Mitgliederzahlen der Gemeinden niederschlägt, und das (Selbst-)Bewusstsein, mit der Taufe über ein gutes „Angebot“  für Menschen von heute zu verfügen geben – neben theologischen Publikationen - weitere Impulse zu dieser Querschnittsvisitation.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Das Kirchengesetz über die Visitation der Kirchengemeinden in der Lippischen Landeskirche besagt:“Auf Beschluss des Klassenvorstandes können …thematische Visitationen für einzelne oder alle Gemeinden einer Klasse durchgeführt werden“ (vom 27.11.2007  II, §3, (2)).
Ähnliches ist laut Dekanehandbuch in der  Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Bayern möglich oder wäre nunmehr auch nach der Visitationsordnung der Oldenburgischen Kirche durchführbar .

Vorbereitung

  • eine Online-Befragung der betreffenden Kirchengemeinden zur Taufpraxis und zumTaufgottesdienst vor Ort (u.a. zur agendarischen Form der Taufgottesdienste, zu Taufterminen, zur   Taufe von KonfirmandenInnen, zu Taufgespräche, Paten etc.) mit Auswertung vor dem Beginn der Visitation
  • ein Beobachtungsbogen für die Taufgottesdienstbesuche
  • ein Fragebogen für das sich anschließende Gespräch im Kirchenvorstand
  • die jeweiligen Terminlisten für Gottesdienst- und Kirchenvorstands-Besuche.

Durchführung

Die Leitfrage  für die Besuchten bei der Durchführung der Querschnittsvisitation  lautet:

  • „Was können wir gut?“

Der zugehörige Arbeitsauftrag an die Gemeinden ist:
Weiterarbeit an mindestens einem Element der Taufe. 

Zum Start und zum Abschluss der thematischen Visitation finden zwei Klassen (Kirchenkreis)tage statt. Der erste setzt mit einem Referat einen systematisch-theologischen Schwerpunkt zum Thema, der zweite ist mit Berichten ökumenischer Gäste zum Taufthema, dem Visitationsbericht des Superintendenten  und einer „Galerie der guten Praxis“  praktisch-theologischen Aspekten gewidmet.
Zwischen den Klassentagen liegen die Gottesdienst- und Kirchenvorstandsbesuche des Visitationsteams, ebenso die Gespräche des Superintendenten mit den jeweiligen Gottesdienstverantwortlichen.
Der Gottesdienstbeobachtungsbogen erfragt z.B. die Anzahl der Täuflinge, den Platz der Tauffamilie(n) im Gottesdienst/Kirchenraum, Zeitpunkt und Form der persönlichen Begrüßung der Taufgesellschaft, die Gottesdienstatmosphäre, etc.( s.u. Materialien).
Die Gespräche in den Kirchenvorständen basieren auf dem Material der  Online-Befragung,  die Fragen orientieren sich am Beobachtungsbogen und beziehen sich u.a. auf: Separate Taufgottesdienste oder Taufen im Sonntagsgottesdienst, Patenamt, Frage christlicher Erziehung der Täuflinge durch Eltern und Paten, der „ Ort“ von Tauferinnerung, Vorstellung der Tauffamilie, Rückmeldungen zur Online-Befragung.
Im Verlauf der Visitation kommt der Pfarrkonvent  zum Thema „Tauftheologie der lutherischen Bekenntnisschriften“  zusammen. Ein Tauffest aller evangelischen Gemeinden Lemgos findet im Juni auf Schloss Brake statt.
Mehrere Gemeindebriefe widmen sich dem Thema Taufe.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Die Gemeinden und v.a. die  PfarrerInnen arbeiten weiter am Thema, an „blinden Flecken“, bzw. „Baustellen“ der eigenen Tauftheologie und Gottesdienstpraxis.
Zur Weiterarbeit in den Gemeinden gehören desweiteren: Überarbeitung von Patenbriefen, Vorabversand von Patenbroschüren, Arbeit mit Elementen der Taufagende (z.B. Frage an Eltern/Paten), ein Gemeindeseminar.
Der  Superintendent schreibt einen Brief  an (700) lutherische Familien mit noch nicht getauften Kindern im Alter zwischen 1 und 5 Jahren.
Weitere Gemeinden feiern Tauffeste.

Wirkung / Erfahrung

Die Arbeit an der Taufe, bzw. dem Taufgottesdienst  in Theorie und Praxis wird durch diese Visitationsform befördert. Über den Zeitraum der Visitation hinaus kommt es zur Weiterarbeit am Taufthema.
Die thematische Visitation wird als wertschätzender „Blick von außen“, als hilfreiche Reflexion der Praxis und bereicherndes Miteinander der verschiedenen landeskirchlichen Ebenen wahrgenommen.
Es kommt zu einem intensiven Austausch über die theologische Bedeutung der Taufe, bzw. des Gottesdienstes.
Im Rahmen von „Galerien guter Praxis“ sind gemeindeübergreifende Mitnahmeeffekte bewährter Ideen festzustellen.
Insofern  resultieren aus dem Austausch im Verlauf einer thematischen Visitation Gemeinschaft, Vernetzung, ja auch in gewissem Sinn Teambildung (z.B. für künftige kollegiale Hospitation) - also Stärkung der gegenseitigen Beziehungen in Pfarrerschaft, Gemeinden und Kirchenkreis.
Aufgeworfen wird die Frage von Kommunikation und Kritikfähigkeit: Wie gut werden Visitationsteams darauf vorbereitet? Wie kann eine Kultur der aktiven  und passiven Kritikfähigkeit eingeübt werden?
Eine Querschnittsvisitation stellt Anregungen und Potenziale zur Weiterarbeit auch über den Taufgottesdienst hinaus bereit.
Sie erweist sich ebenfalls als ein hilfreiches Mittel zum Feedback.
Die Querschnittsvisitation Taufe ist auch „Werbung für die Taufe“. Insofern wird damit ureigene kirchliche Arbeit in der Öffentlichkeit stärker präsent und „Taufe“ deutlicher wahrgenommen.
Die örtliche Presse hat die öffentliche Wahrnehmung der Taufe und der Taufvisitation verstärkt.
Bezogen auf das öffentlichkeitswirksame Tauffest ist fest zu halten, dass dadurch insgesamt die Zahl der Taufen in den Gemeinden der Klasse gestiegen ist. Zum anderen ist eine wichtige Erfahrung: Für das Gelingen von Tauffesten ist es notwendig, dass sich mehrere Partner zusammen tun.

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