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Menschen in der Insolvenz - Eine Ausstellung im Schauspielhaus
Situation / KontextDie Soziale Schuldnerberatungsstellen des Diakonischen Werkes Stadtverband Hannover organisieren eine Ausstellung über Menschen in der Insolvenz im Schauspielhaus Hannover. Diese Ausstellung besteht aus Fotos und Berichten von Betroffenen. Sie finden eine Liste der eingereichten Beiträge unter diesem Link. Ziele--- Reflexion / HintergrundIn Deutschland gelten sechs Millionen Menschen als überschuldet. Überschuldung entsteht durch Arbeitslosigkeit , Trennung oder Krankheit. Fehlt plötzlich ein Einkommen oder müssen zwei Haushalte unterhalten werden, zerbricht nicht nur die persönliche sondern auch die finanzielle Lebensplanung. Jahrelang zahlen die Menschen aus Angst und Scham Raten, die sie sich gar nicht leisten können. Sie verschulden sich bei Angehörigen und Freunden, trauen sich nicht mehr, ihre Briefkästen zu öffnen, verzichten auf frische Lebensmittel, melden ihre Kinder von Schulausflügen ab, schlafen nicht mehr, werden krank. Kein Geld mehr zu haben, stattdessen jede Menge Schulden. Allein in Hannover sind Zehntausende überschuldet. Viele von ihnen schämen sich, das zuzugeben. Sie fürchten, zurückgewiesen zu werden, auch von Angehörigen. Seit 10 Jahren gibt es auch für Privatpersonen die Möglichkeit, ein Insolvenzverfahren zu beantragen und nach 6 Jahren von ihren Schulden befreit zu werden. Seitdem haben über 500.000 Menschen diesen Ausweg gefunden und sich eine zweite Chance auf ein besseres, schuldenfreies Leben eröffnet. Das massenhafte Phänomen der privaten Überschuldung wird von Insolvenzgerichten und Insolvenzverwaltern, von Richtern, Rechtspflegern und Rechtsanwälten auch als Massengeschäft wahrgenommen und verwaltet. Die Sozialen Schuldnerberatungsstellen im Bereich des Diakonischen Werks Stadtverband Hannover haben –auch im Angesicht der Finanzkrise – ,diese Umstände zum Anlass genommen, über Kreditgeschichten und Finanzprobleme wieder aus der Perspektive „der kleinen Leute“ zu berichten. Sie haben für ihre Ausstellung über Menschen in der Insolvenz im Schauspielhaus Hannover einen Ort gefunden, der Multiplikatoren, Meinungsbildner und Entscheidungsträger der Mehrheitsgesellschaft mit den Einzelschicksalen überschuldeter Menschen konfrontiert. UmsetzungAllgemeine Hinweise zur Umsetzung--- VorbereitungDiesen Menschen soll mit dem Projekt (wieder) Ansehen gegeben werden, da durch dieses „Crossover“ von sozial-diakonischen Einrichtungen und etabliertem Kulturbetrieb die Akteure und ihre jeweiligen Zielgruppen in einen wechselseitigen Kontakt kommen. Die Schuldnerberatungsstellen wollen damit eine Armutspolitik erproben, die Unterstützungsbedürftige als Individuen wahrnimmt, ohne Abstiegsängste oder Verdrängung auf Seiten der Mehrheitsgesellschaft auszulösen. Zusammen mit dem Fotografen Jan Lieske konnten 17 Klientinnen und Klienten porträtiert werden, die sich entschlossen haben, aus der Anonymität herauszutreten und der Überschuldung, aber auch dem Neuanfang nach dem Insolvenzverfahren ein Gesicht zu geben. Diese 17 Menschen beschreiben begleitend zu diesen großformatigen Bildern ihre jeweilige Lebenssituation, ihre Befürchtungen, aber auch Ihre Hoffnungen in sehr individueller Weise. 17 Mal sind dem hannoverschen Fotografen Jan Lieske sehr persönliche und berührende Portraits gelungen. 17 Mal beschreiben die Betroffenen mit kurzen, eigenen Texten, wie es zu den Schulden kam. Die Gründe sind sehr unterschiedlich und auch die mit Hilfe der Schuldnerberatungsstellen gefundenen Auswege und Lösungen. Eines spricht aber aus allen: starke Wille, aus den Schulden herauszukommen. DurchführungIm Foyer des Schauspielhauses Hannover war diese einzigartige Ausstellung vom 19. Oktober bis zum 28. November 2009 anzusehen. Ein Begleitkatalog mit den 17 vierfarbigen Bildern und Texten der Betroffenen steht in einer Auflage von 3000 Stück zur Verfügung. Das sich die Mühe lohnt, wollten die beiden diakonischen Schuldnerberatungsstellen mit Hilfe dieser Ausstellung zeigen. Im Schauspielhaus Hannover konnte diese starke Botschaft im vergangen Herbst über viele Wochen den Theaterbesuchern vermittelt werden. Auch Ministerpräsident Christian Wulff als Premierengast von Tschechows „Kirschgarten“ zeigte sich von der Ausstellung berührt. Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)--- Wirkung / Erfahrung„Und es kamen Briefe ohne Ende. Einen Brief zu öffnen war wie eine Ohrfeige. Ich nahm das alles nicht mehr mit in mein Leben und schob es vor die Tür“, schreibt eine Betroffene. Bei den meisten hat es Überwindung gekostet, sich an die Schuldnerberatung zu wenden, aber alle sind im Nachhinein glücklich, das getan zu haben. „Ich bin selbstständiger, selbstbewusster, aber auch etwas härter geworden. Und ich habe gelernt, besser mit Geld umzugehen, aus wenig viel zu machen, mir Ziele zu setzen und durchzuhalten“, schreibt eine andere über ihre Erfahrung mit der Schuldnerberatung. Und fügt hinzu: „Ende gut, alles gut.“ Die Wanderausstellung reist bis Ende August durch verschiedene niedersächsische Städte und wird Ende August wieder nach Hannover zurückkehren. Sie wird vom 30. August bis 17. September 2010 in der Volkshochschule Hannover zu sehen sein. Der Ausstellungskatalog ist erhältlich über die Soziale Schuldnerberatung der ZBS Hannover Hagenstr. 36 30161 Hannover 0511/99040-0 E-Mail: schuldnerberatung@zbshannover.de
Einen Film zum Projekt finden Sie hier. MaterialienKeine vorliegend Erwähnt in den folgenden Artikeln und Praxisbeispielen
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