"Auf Kurs" - Gemeindebrief für die Stadt

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 29.03.2010
Letzte größere Änderung: 03.06.2010
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Gemeindebrief und Schaukasten, Regionalisierung
Gemeinden/Institutionen
Kirchenkreis Bremerhaven in Bremerhaven
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: 1 Jahr
Durchführung: Auf Dauer
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Auf Kurs

Kurzbeschreibung

Die Gemeinden einer Großstadt geben eine gemeinsame Zeitung heraus. Die Gemeinden möchten auf diese Weise frischer, bunter und professioneller in die Öffentlichkeit treten. 1. Preis im Förderpreis

Situation / Kontext

Die gemeinsame Herausgabe von Gemeinde und die Herausgabe von Journalen auf Kirchenkreisebene ist mittlerweile in vielen Regionen Deutschlands zu beobachten. Das Innovative bei "Auf Kurs" ist, dass das Journal in einer derart hohen Auflage erscheint, die Gemeindebriefe eines ganzen Kirchenkreises ersetzt und größtenteils durch Werbung finanziert wird. Das Journal ist ein missionarisches Medium, das auf ansprechende Weise kirchliche Themen und Veranstaltungen allen Haushalten in Bremerhaven zugänglich macht - nicht mehr nur Kirchenmitgliedern und zudem auch den Gemeinden untereinander. Durch "Auf Kurs" wurde eine wesentlich höhere Öffentlichkeitswahrnehmung für kirchliche Themen und Veranstaltungen erreicht - interessanterweise auch bei der örtlichen Presse.

Sie finden eine Liste der im Förderpreis eingereichten Beiträge unter diesem Link.

Ziele

Die Gemeinden einer Großstadt geben eine gemeinsame Kirchenkreiszeitung heraus. Dieses Journal ersetzt nach und nach die bisherigen Gemeindebriefe. Die Gemeinden möchten auf diese Weise frischer, bunter und professioneller in die Öffentlichkeit treten, eine wesentlich höhere Öffentlichkeitswahrnehmung erreichen und zugleich auch noch Geld sparen.

Reflexion / Hintergrund

Folgende Ziele sind mit dem Journal verbunden:

  • verbesserte Öffentlichkeitswahrnehmung kirchlicher Veranstaltungen und Themen, auch im Umland Bremerhavens
  • gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinden in Kooperation mit den Nachbarkirchenkreisen Wesermünde Nord und Süd
  • deutlich bessere Wahrnehmung der Veranstaltungen untereinander und durch die Gemeinden im Umland
  • Kirchenkreisidentität stärken: Verbindung der Gemeinden untereinander
  • Kircheneintritte fördern
  • Kosten senken trotz professioneller Gestaltung und höherer Auflage
  • Arbeitsentlastung für diejenigen, die bisher Layout und Endredaktion der Gemeindebriefe getragen haben
  • Entlastung der Austräger der Gemeindebriefe.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Dem ersten Erscheinen von "Auf Kurs" ging ein jahrelanger Prozess voraus. Zuerst hatte eine Region aus vier Gemeinden die Idee, gemeinsam einen Gemeindebrief herauszugeben. Dann stellte sie fest, dass andere Regionen auch in diese Richtung dachten. Man beschloss, sich gemeinsam zu informieren, aber niemand dachte daran, gemeinsam zu erscheinen. Viel zu groß war die Angst vor den Kosten und davor, als einzelne Gemeinde in dem Gesamtwerk unterzugehen. Erst durch den finanziellen Anreiz, den ein Druckvolumen von mehr als 20.000 Exemplaren bedeutet, begannen die Gemeinden zu überlegen, wie eine Kirchenzeitung in zwei Ausgaben mit einem gemeinsamen Kirchenkreis-Redaktionsteil aussehen könnte.
Der oft mühsame basisdemokratische Prozess führte letztlich dazu, dass fast alle Gemeinden Bremerhavens gemeinsam mit einer Nord- und einer Südausgabe in Druck gingen.

Durchführung

Da die beteiligten Gemeinden vor der ersten Ausgabe noch eine große Angst verspürten, in dem gemeinsamen Journal "unterzugehen", erschien zunächst eine Nord- und eine Südausgabe für den Kirchenkreis, die jeweils 32 Seiten umfasste.

"Auf Kurs" wurde zunächst in Zusammenarbeit mit einer kostenlosen Bremerhavener Sonntagszeitung produziert und als deren Beilage verteilt. Dadurch wurde es möglich, durch einen sogenannten "Einklinker" (einen Hinweis mit Abbildung der Titelseite von "Auf Kurs" oben auf der Titelseite des Sonntagsjournals) in der jeweiligen Ausgabe auf das beiliegende Kirchenjournal hinzuweisen.
Die häufigste Reaktion auf die erste Ausgabe bestand in dem Verlangen vieler Gemeindeglieder, nun doch bitte auch von allen Gemeinden etwas lesen zu können.
Daher erschien die zweite Ausgabe bereits als Gesamtausgabe mit einem Seitenumfang von 48 Seiten.
Bei der dritten und bei der vierten Ausgabe wurden die Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Sonntagsjournal deutlich. Obwohl wir ein stets vergleichbar hohes Anzeigenaufkommen hatten, schraubte das Sonntagsjournal die Ansprüche immer höher, so dass wir als Gemeinden sehr viel dazu bezahlen mussten
Dieses erste Erscheinungsjahr gab aber die Gelegenheit, auf redaktioneller Ebene Strukturen zu schaffen sowie am Layout und dem gesamten Erscheinungsbild zu feilen. Die Redakteurin hatte einen geschützten Raum unter dem Mantel des Sonntagsjournals, um sich einen eingeschworenen, aber zunächst journalistisch völlig ungebildeten Redaktionskreis zu formen.
Dieser Prozess ist noch lange nicht abgeschlossen. Da in den Gemeinden und Einrichtungen zwischen 100 und 200 Menschen an jeder Ausgabe mitwirken, muss man klare Verabredungen treffen. Bis zum Redaktionsschluss schicken alle ihre Texte an die Kontaktperson ihrer Gemeinde und diese sendet sie weiter an die Redakteurin. Letztere schickt die fertige Seite zurück zur Korrektur und wartet auf Antwort. Meist gehen dann auch noch Änderungsvorschläge und z.T. komplett neue Seiten ein.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

 Aus oben angedeuteten Gründen haben wir uns vom Sonntagsjournal getrennt und uns selbständig gemacht, das Verteilungsgebiet etwas reduziert (nur Bremerhaven und die angrenzenden Ortsteile, Auflage: 73.000). und das Format etwas verkleinert , was etwas günstiger und angenehmer zu lesen ist. Wir lassen nun selbständig verteilen und sind für Layout, Grafik und Anzeigenakquise selbst verantwortlich und tragen als Gemeinden das volle Risiko.Bei Gesamtkosten von etwa 100.000 Euro im Jahr ist das Risiko groß und nur mit einer guten eigenen Anzeigenakquise zu bewältigen.

 

Kosten

Bei Selbständigkeit betragen die Kosten für "Auf Kurs":

  • Einmalige Anschaffungen:   5.275,40 € (Drucker, Grafik-Computer, Programme etc.)
  • Kosten für eine Ausgabe:  19.518 € / bei 5 Ausgaben 97.590 € pro Jahr
  • Druck (halbes Berliner Format, 73.000 Exemplare)    7.018 € + MwSt.
  • Verteilung durch Firma:                                              ca. 3.500,- €
  • Redaktion und Verlagsleitung (100 € pro Seite)        5.600,- €
  • Technische Umsetzung (Grafikerin):                           ca. 1.500,- €
  • Kosten für Bürounterstützung:                                  400,- €
  • Anzeigenakquise (10 % der Werbeeinnahmen)         ca. 1.500,- €

Wirkung / Erfahrung

Wir haben, wie andere Gemeinden, die ihre Gemeindebriefe auf ein ähnliches Layout umgestellt und mit mehreren Gemeinden zusammengefasst haben, die Erfahrung gemacht, dass es einige Zeit benötigt, bis alle Gemeindeglieder begriffen haben, dass es das Gemeindeblatt nicht mehr gibt. Die Öffentlichkeitswahrnehmung war von Anfang an sehr hoch. Insbesondere Mitglieder der Kerngemeinde haben einige Zeit gebraucht, bis sie "Auf Kurs" nicht mehr mit anderen Werbebeilagen der Zeitung weggeworfen haben.
"Auf Kurs" wird von vielen Menschen gelesen. Das erfährt man als Pfarrer auch in Gesprächen unterschiedlichster Art. Auch die bessere Werbung von Kirchengemeinde zu Kirchengemeinde ist immer wieder spürbar, wenn z.B. zu einer Kinderveranstaltung neuerdings Kinder aus ganz Bremerhaven kommen.
Alle Haushalte werden erreicht. Bremerhaven hat eine Kirchenmitgliedschaft von 55 %. Dabei erleben wir ein breites Interesse für kirchliche Veranstaltungen und Themen bei Menschen, die keine Kirchensteuer zahlen. Daher hatten bereits einige Gemeinden ihre Gemeindebriefe an alle Haushalte im Gemeindegebiet verteilt. Nun erreicht "Auf Kurs" alle Haushalte im Kirchenkreis (etwa 72.000) und sogar im Umland.
Vieles ist nicht messbar. Dennoch haben wir den Eindruck, dass die Verbundenheit der Gemeinden untereinander, also die Identität als Kirchenkreis, deutlich gestiegen ist - obwohl "Auf Kurs" in Verantwortung der Gemeinden und nicht des Kirchenkreises entsteht.
Die Zusammenarbeit mit den Nachbarkirchenkreisen ist das einzige Ziel, das bisher nicht wie erhofft eingetreten ist. Soweit wir wissen, planen diese mittlerweile ein eigenes Produkt.

 

Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden

Vor einem Jahr gab es viele Bedenken in den Gemeinden und auch viel Kritik am gemeinsamen Vorgehen. Kritik gibt es immer noch – bei so vielen Menschen ist dies zu erwarten. Aber die Kritik betrifft nur noch Details. In den beteiligten Kirchenvorständen und Gemeinde-Redaktionen scheint niemand grundsätzlich an "Auf Kurs" zu zweifeln, nur um Details und finanzielle Aspekte wird noch gestritten. Es gibt keinen Weg zurück.

Die Redaktion hat viel Freude an der Arbeit. Und das merkt man "Auf Kurs" auch an.

 

Tipps für Nachahmer/innen

In unseren Augen ein nachahmenswertes Projekt. Es ist mühsam, die Gemeinden zu überzeugen. Hierzu bieten wir auch unsere Hilfe an.
Kirchenvorständen geht es immer (bestimmt zu Recht) auch um die Finanzen und die Gemeinden haben Angst, so etwas Identitätsstiftendes wie einen eigenen Gemeindebrief aufzugeben.

Darauf sollte man durch ein zumindest vorläufiges redaktionelles und ein schlüssiges finanzielles Konzept vorbereitet sein.
Ohne eine Professionelle geht es nicht! Eine Journalistin oder Redakteurin, die die Zeit hat, sich dem Projekt zu widmen, ist notwendig!

Wir hätten uns den Weg in die Selbständigkeit vor einem Jahr nie getraut. Und wir sind ihn nur notgedrungen gegangen. Zudem war es anzeigentechnisch das schwierigste Jahr der Zeitungsgeschichte.
Darum sucht Kontakt zu eurer kostenlosen Sonntagszeitung (oder Tageszeitung) und macht ihr das Projekt in Kooperation schmackhaft. Macht einen Vertrag mit einer klaren Ober- und Untergrenze für die Werbung. Wir wünschen allen viel Glück beim Nachahmen!

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