„Es ist genug für alle da“

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 01.03.2012
Letzte größere Änderung: 01.03.2012
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
(Wieder)eintritt, Citykirchen und Profilgemeinden, Gemeindeaufbau, Andachten, Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung, Mission
Gemeinden/Institutionen
Ev.-luth. Kirchengemeinde Bad Salzuflen in Bad Salzuflen
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Ca. 3 - 4 Monate
Durchführung: 1 Sonntagnachmittag
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Es ist genug für alle da

Kurzbeschreibung

Kirchengemeinden müssen sich unter anderem der Herausforderung stellen, dass die gesellschaftliche Bedeutung unseres Glaubens durch den Traditionsverlust und eine gewisse „Gottvergessenheit“ kontinuierlich abnimmt.

Darum scheinen uns in unserer Gemeinde Bemühungen angezeigt, mit denen wir unverkrampft und niederschwellig, kreativ und werbend den christlichen Glauben in der Öffentlichkeit zur Sprache bringen. Zum wiederholten Mal haben wir am Sonntagnachmittag einen Aktionstag in der Fußgängerzone der Innenstadt durchgeführt, das jüngste Projekt unter dem von Brot für die Welt übernommenen Motto: „Es ist genug für alle da“

Situation / Kontext

Kirchengemeinden müssen sich unter anderem der Herausforderung stellen, dass die gesellschaftliche Bedeutung unseres Glaubens durch den Traditionsverlust und eine gewisse „Gottvergessenheit“ kontinuierlich abnimmt.

Darum scheinen Bemühungen angezeigt, mit denen unverkrampft und niederschwellig, kreativ und werbend der christlichen Glaube in der Öffentlichkeit zur Sprache gebracht wird.

Ziele

In den einzelnen Bereichen der Aktion ergeben sich vielfältige kommunikative Prozesse, in denen „Kirche“ für die Passanten ein konkretes Gesicht bekommt:

  • Passanten erleben: Kirche hat etwas zu sagen. Kirche macht was. Kirche ist lebendig und kreativ.
  • Passanten sollen eine elementare Erfahrung des Glaubens machen können, nämlich das Beschenkt-Werden: mit einem kleinen Brötchen; mit der Begegnung eines freundlichen Menschen; mit einer Gemeinschaft, die gut tut (z.B. beim Kaffeetrinken); mit der schönen Erfahrung: Mit Kirche hatte ich jetzt gar nicht gerechnet, aber das war klasse.
  • Passanten sollen für sie interessante Impulse aus den Gesprächen zum Thema Nahrungsmittel und Konsum aufnehmen.

In der Abendandacht am Schliepsteiner Tor, die den Aktionstag abschließt, wird an öffentlicher Stelle Gott gefeiert und Glauben gelebt. Die zentrale Aussage der Andacht ist: Gott umsorgt uns mit seiner Güte. Mit unseren Klagen und mit unserem Lob wissen wir uns bei ihm geborgen. Das Teilen eines Brotes regt an, dem Impuls nachzugehen: Wovon lebe ich? Was sind meine Kraftquellen im Leben?

Reflexion / Hintergrund

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Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

„Es ist genug für alle da“ ist ein missionarisches und soziales Projekt, bei dem 47 ehrenamtlich Mitarbeitende, die aus der Breite der Gemeinde kommen, es wagen, in der Öffentlichkeit auf Menschen zuzugehen, um sich ansprechbar zu machen im Hinblick auf Themen des kirchlichen Lebens und des Glaubens.

Das kommunikative Geschehen ist das zentrale Element des Projektes. In die Aktion einbezogen sind bestehende soziale und missionarische Projekte der Gemeinde (z.B. Partnerschaft nach Äthiopien, MahlZeit, Eine-Welt-Laden).

Mit der Aktion suchen wir Begegnungsmöglichkeiten mit den Passanten, um über Kirche, Glauben und soziale Verantwortung ins Gespräch zu kommen:

An den vier Zugängen zum Platz „Schliepsteiner Tor“, einem zentralen Platz des öffentlichen Lebens in Bad Salzuflen, gehen an einem Sonntagnachmittag jeweils zwei Gemeindeglieder freundlich mit Minibrötchen und Losen auf Passanten zu. Ziele dieser kurzen Begegnungen sind:

  • die Passanten zu beschenken
  • sich kenntlich zu machen und der Ortsgemeinde ein zusätzliches öffentliches Gesicht verleihen
  • Interesse für die Aktion und das Thema wecken
  • Zugewandt sein und offen sein für die Menschen signalisieren
  • die Passanten durch die kostenlose Vergabe von Losen auf einen in die Aktion eingegliederten Film mit dem Titel „we feed the world“ hinweisen

Verschiedene Elemente und Stationen geben Impulse zur Produktion von Nahrungsmitteln, zu Handel, zur Vermarktung und zu globalen Zusammenhängen im Hinblick auf die Nahrungsmittelproduktion.  

Die Aktion „Es ist genug für alle da“ will über provokative und meditative Elemente zum Nachdenken und zum Austauschen anregen. Dabei sollen positive Ansätze aufgezeigt werden, die im Handlungsspektrum des einzelnen liegen, nach dem Motto: think global – act local. Mit diesen positiven Beispielen soll einem resignativen Denkansatz entgegen gewirkt werden und das Bewusstsein gestärkt werden, dass Kirche etwas zu sagen hat und etwas unternimmt. Im Falle der luthersichen Gemeinde z.B.

  • das diakonischen Projekt MahlZeit
  • die Äthiopienpartnerschaft
  • die Beteiligung am Eine-Welt-Laden

Über die Gemeinde hinaus beteiligt sich auch der Bioladen. Durch diese Beteiligung wird unterstrichen, dass der Verbraucher nicht vollständig den Marktstrukturen ausgeliefert ist. Durch das Kaufverhalten hat der Konsument sehr wohl die Möglichkeit, Einfluss auf die Herstellung und den Vertrieb von Nahrungsmitteln zu nehmen.

Um diesen Aspekt zu verstärken, werden an verschiedenen Stellen des Platzes Karten ausgelegt und an Passanten verteilt, die 6 kurze Impulse unter dem Aspekt vermitteln: „Was kann ich persönlich tun?“ (Anlage 1)

Vorbereitung

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Durchführung

Ein Team von fünf Personen hat die Idee dieses Projektes entwickelt, geplant und auf den Weg gebracht. Das Team hat unterschiedlichste Mitglieder unserer Gemeinde persönlich angesprochen und 47 Personen für die Beteiligung am Aktionstag geworben. In mehreren vorbereitenden Treffen wurden die Interessierten an der Idee des Projektes beteiligt, so dass sie es sich aneignen und weiterentwickeln konnten. Gleichzeitig wurden die Interessierten durch die partizipatorische Form zu Multiplikatoren.

Folgende Aktionen wurden umgesetzt:

a) Bodeninstallation

Eine Bodeninstallation provoziert zum Gespräch:
Präsentiert wird ein Weizenfeld in der Größe 3x2 Meter (Styroporboden, Papierähren auf dünnen Holzstäben), das sich im Winde wiegt.
Auf der einen Seite des Feldes werden unterschiedliche Produkte aufgebaut, die aus Weizen hergestellt sind (Brot/Brötchen; Kuchen; Weizenkorn/Weizenbier; „Veredelung“ des Weizens in der Fleischproduktion; Weizen als Energieträger: Heizmittel; Agrodiesel).
Die aktuelle Diskussion in der Verwendung von Weizen als Energieträger drängt sich hier geradezu auf.
Auf der anderen Seite des Feldes wird ein durch Dürre ausgetrockneter Boden präsentiert, der die Themen Hunger und Klimaveränderungen veranschaulicht.
Menschen aus der Gemeinde, die sich in besonderer Weise mit diesem Themenfeld auseinandergesetzt haben, stehen hier zum Gespräch bereit (siehe Bild Anlage 3).

 

b) Aktionsstände und Informationswände

Kirche ist aktiv. Sie bringt sich in die gesellschaftlichen Prozesse ein, um sich an die Seite von Ausgegrenzten zu stellen und diese zu unterstützen. Und dabei kann sich jeder engagieren – dieser Aspekt wird durch drei Initiativen der Gemeinde präsentiert:

  • diakonisches Projekt MahlZeit
    Mitarbeiter des Projektes MahlZeit machen auf Verarmungsprozesse in unserer Gesellschaft aufmerksam: Zunehmend mehr Menschen haben mit der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse Schwierigkeiten und können sich nicht täglich satt essen – darum bereiten sie samstags festlich gedeckte Tische im Gemeindehaus vor und empfangen freundlich ihre Gäste, um sie kostenfrei mit einem Eintopf zu bedienen. Was heißt da: „Es ist genug für alle da“ - und warum ist für sie nicht genug da?
  • Äthiopienpartnerschaft
    Aktive in der Partnerschaftsarbeit präsentieren Beispiele gelungener kirchlicher Entwicklungsarbeit: Aufforstungsprojekt, Brunnenbauprojekt, Landwirtschaftsprojekt
  • Eine-Welt-Laden (wird ökumenisch von allen Kirchengemeinden getragen)
    Mitarbeiter des Eine-Welt-Ladens machen darauf aufmerksam, wer im Welthandel welche Gewinne abschöpft. Kooperativen und Fair-Trade bieten alternative Möglichkeiten.

 

c) Kartenständer

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“… Um dem geistlichen Hunger zu begegnen, der in unserer Zeit deutlicher wahrzunehmen ist, wird in der Mitte des Platzes ein Kartenständer aufgebaut, auf dem grafisch gut gestaltete Karten des Gottesdienstinstituts in Nürnberg zum Mitnehmen angeboten werden (Anlage 2) – es ist genug für alle da. Auch an diesem Stand sind Mitarbeiter, die auf Passanten offen zugehen.

 

d) Straßenkaffee

Beim Straßenkaffee besteht die Möglichkeit, einladende Gemeinschaft zu erleben. Bei Kaffee und gesponserten Keksen vom Bioladen lässt sich leicht ins Gespräch kommen. Einige Mitarbeiter berichten davon, dass sie ganze Lebensgeschichten erzählt bekommen haben. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, die Relevanz unseres Glaubens ins Gespräch zu bringen. (siehe Bild Anlage 3)

 

e) Pavillon für Kinder

An einem Pavillon für Kinder machen Jugendliche ein kreatives Angebot für Kinder. Während die Kinder mit Begeisterung ihr Lieblingsessen aus Knete gestalten, haben die Eltern Gelegenheit, sich auf die Aktionsangebote einzulassen.

 

f) Filmvorführung

Um inhaltliche Fragen zur Nahrungsmittelproduktion zu vertiefen, soll der Film „we feed the world“ beworben werden, der 8 Tage nach dem Aktionstag in Kooperation mit dem Kino „Filmbühne“ gezeigt wird. Eine Verlosung mit Eintrittskarten ist geeignet, etwas Lockeres und Leichtes in die Begegnungen zu bringen und den Spieltrieb der Passanten zu locken.

 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Infoblatt. Quelle: Uwe Wiemann

Wirkung / Erfahrung

Mit dem Projekt „Es ist genug für alle da“ ist Kirche aus den eigenen vertrauten Räumen hinausgegangen in die Öffentlichkeit. Kirche hat sich mit dem, was sie sagt und tut, überzeugend präsentiert. Der Aktionstag ist ein gelungenes missionarisches Projekt, das Aktive in der Breite der Gemeinde geworben und beteiligt hat.

Die Kontaktaufnahme mit den Passanten ist mit dem Überreichen der Minibrötchen gut gelungen. Die Aktion bot viele Begegnungsmöglichkeiten und kommunikative
Elemente, die von den Beteiligten überzeugend ausgefüllt wurden.

Das Motto bot gute Anknüpfmöglichkeiten für die Passanten, zum Ernährungsthema konnten viele sofort etwas beitragen.

Leider ist es nicht gut gelungen, Menschen für den Kinofilm zu motivieren; die Beteiligung war nur mäßig. Offenbar waren die Plakate, die den Film bewarben, in der Aussage zu unklar. Auch die Verlosung der Eintrittskarten erbrachte nicht den gewünschten Erfolg.

Eine ermutigemde Rückmeldung eines Beteiligten lautete: „Ich wünsche mir regelmäßig solche Veranstaltungen. Kirche und Öffentlichkeit sollten viel öfter auf diese Weise zusammen kommen.“

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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