Regionalarbeit - damit Gemeinde lebendig bleibt

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 03.07.2012
Letzte größere Änderung: 03.07.2012
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Regionalisierung
Gemeinden/Institutionen
Ev. Kirche in der Region Saale-Unstrut-Finne = "surf" im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz
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Mitarbeitende
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Vorbereitung: unbezifferbar, da ständig nötig
Durchführung: ebenso
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Kirchentag der Region "Surf" (Saale-Unstrut-Finne) in Bad Bibra

Kurzbeschreibung

Damit unter sich ständig verändernden Mitarbeiterstrukturen Gemeinden verlässlich zusammenarbeiten können, Kirche im Dorf erreichbar bleibt und zugleich Formen kirchlichen Lebens erfahren werden können, die kleine Gemeinden schwer realisieren können, wird in der Saale-Unstrut-Finne-Region (=surf) ein Konzept für Großregionen entwickelt.

Situation / Kontext

  • 9 Pfarrbereiche mit 91 Kirchen, 21 Kirchspiele / Kirchengemeindeverbände, 17 selbständige Gemeinden, 42 Friedhöfe
  • 9 PfarrerInnen, 7 Mitarbeitende im Bereich Kinder-und Jugendpädagogik (Teilstellen), 1 Regionalkantor, viele Ehrenamtliche, Lektoren, einige nebenamtlich Beschäftigte in den Bereichen Kirchenmusik und Verwaltung
  • ca. 9800 Gemeindeglieder in 75 Orten

Die Ortsgemeinden wurden in den letzten 20 Jahren häufig von Neustrukturierungen aufgrund von sinkenden Bevölkerungszahlen und im Gefolge veränderten Stellenplänen betroffen. Das bringt Unsicherheit in die Gemeinden. Um diese Unsicherheit zu beenden, wird mit „surf“ eine Form von Dienst - leistender – Mitarbeitendengemeinschaft entwickelt, die die Arbeit in der Region über die Pfarrbereichsgrenzen hinweg aufteilt, sodass die Gemeindeverbände auch bei zurückgehenden Christenzahlen bestehen bleiben können.

„surf“ ist die Gesamtregion, die die Ebene der bestehenden und teilweise sehr aktiven Kleinregionen einschließt. Da in der Gesamtregion die Gemeinden noch stabil sind und darum Spielräume für Konzepte noch bestehen, hat sich die Region auf diesen Weg begeben. Wir wollen agieren, um nicht nur reagieren zu müssen.

Ziele

Gemeinden werden als tragende Gemeinschaft in sich verändernden Strukturen entwickelt. Gemeinden sollen mit ihren Kirchen als geistliche Heimat erlebt werden und so auch Heimat für alle Menschen der Region sein können. Die Region dient der Stärkung der Gemeinden, indem sie den Zusammenhang der Gemeinden nicht antastet, wenn sich Stellenplanänderungen ergeben. Die vorhandene Arbeit wird über die Pfarrbereichsgrenzen hinweg aufgeteilt.

Daraus ergeben sich Teilziele:

Mehrere Gemeinden sollten sich miteinander verbunden fühlen. In jedem Fall sollen Kirchspiele / Kirchgemeindeverbände als Grundlage für Seelsorgeeinheiten erhalten bleiben. Auf der Seite der Mitarbeiter soll gabenorientiertes Arbeiten ermöglicht werden. Das erfordert ein gutes Management des Mitarbeiterteams. Es ist darauf zu achten, dass von den Gemeinden keine aus dem Blick gerät und auf Seiten der Mitarbeitenden alle gleichmäßig belastet werden.

Gemeindliches Leben soll in allen Kirchengemeinden erhalten, gestärkt, gefördert werden. Darüberhinaus sollen übergemeindliche Angebote das Gemeindeleben ergänzen und bereichern:

  • das Abenteuercamp „Quetzdölsdorf“ führt Kinder der 6. Klassen an Kirche heran – es ist eine Kooperation von Pfadfindern, kirchlichen Mitarbeitern und dem Verein LandLebenKunstWerk Quetzdölsdorf.
  • gemeinsame Konfirmandentage, Fahrten und Jugendgottesdienste vernetzen die Konfirmanden-und Jugendgruppen miteinander
  • regionale Kirchentage (alle 2 Jahre) vertiefen die Gemeinschaft und lassen ein Bewusstsein für die Region wachsen
  • die Arbeit des Regionalkantors unterstützt und fördert die ehrenamtlichen Chorleiter und Orgelspieler
  • die gemeinsame Bibelwoche macht die Gemeinden mit den verschiedenen Zugängen der Mitarbeitenden bekannt und fördert so die Vertrautheit mit verschiedenen Hauptamtlichen
  • attraktive Kinderangebote wie Kinder-und Familientage, das Kinderbibelcamp und gemeinsame Freizeiten öffnen Nichtchristen Zugänge zu Gemeinden, die Arbeit von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen in Schulen sowie kirchlichen und kommunalen Kindergärten dient dem gleichen Ziel
  • die Ausbildung von Lektoren und Ehrenamtlichen für die Besuchsdienstarbeit soll perspektivisch regional organisiert werden.

Reflexion / Hintergrund

Auch in der großen Region „surf“ mit ihren Kleinstädten und vielen Dörfern gilt der bewährte Grundsatz: Kirche gehört ins Dorf. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Immobilität weiter Kreise der Gemeinden muss Kirche vor Ort erlebbar sein.

Das ist nur mit neuen Arbeitsformen und einem verstärkten Bewusstsein für die Verantwortung aller erreichbar. Viele Gemeinden können derzeit nur bedingt vorleben, was Kirche ist, weil sie mit den Folgen des Strukturwandels beschäftigt werden. Kirchliches Leben zu bereichern und kirchliche Arbeit zu unterstützen, ist die Hauptaufgabe der Region.

Die Gemeinden in der Region sind äußerst unterschiedlich: die Skala reicht von kaum noch lebendig bis ausgesprochen vital. Darum muss es in der Region unterschiedliche Arbeitsformen geben. Die werden in den Pfarrbereichen von Gemeindekirchenräten mit den Haupt-und Ehrenamtlichen organisiert, mit der Kleinregion abgestimmt und als Grundlage / Ressource in die regionale Mitarbeitendenrunde eingebracht. Durch die Zusammenarbeit der Mitarbeitenden und Erfahrungen auf surf-Veranstaltungen werden über die Gemeindegrenzen hinweg Angebote von Gemeinden bzw. Kleinregionen in anderen Bereichen wahrgenommen:

Beispiele sind die Friedensdekade in Bad Bibra, die Frauenhilfstreffen Finne Sternwanderungen, die Veranstaltungen der Erlebniskirche Markröhlitz, das Passionsspiel Laucha, die Reihe „Pöde –liest“, das Bibelwochentheater Laucha, Bikerarbeit in Bad Kösen, Orgel,- Chor,- und Bandkonzerte, Kirchenkino Bad Bibra, uva.

Ein Konsens muss noch über die künftige Struktur für die Zusammenarbeit erzielt werden. Hier stehen sich zwei Ansätze gegenüebr, die derzeit mit einer Beraterin diskutiert und weiterentwickelt werden.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Wir befinden uns mitten in einem Selbstversuch. Er wird von verschiedenen Mitarbeitenden verschieden erlebt und beurteilt. Darum ist es gut, dass eine externe Beratung auf eine Phase der Entwicklung im Progress folgte bzw. immer noch folgt.

Es wird sich herausstellen müssen, wie hilfreich die vorhandenen rechtlichen Regelungen für Regionen sind. Derzeit findet sich wenig, was die Arbeit einer Region wie "surf" unterstützt bzw. ermöglicht. Hier ist Kirchenleitung noch gefordert.

Vorbereitung

Als klar wurde, dass mit dem neuen Stellenplan eine Pfarrstelle wegen zu geringer Mitgliederzahlen ersatzlos wegfallen sollte, wurde überlegt, ob der Mangel in der einen Stelle nicht mit dem Überschuss einer nur wenig entfernten Stelle auszugleichen wäre. Rechnerisch wurde auf einmal vieles möglich. So begannen erste Sondierungen über eine regionale Zusammenarbeit von Gemeinden, um die Zerschlagung von Gemeindeverbänden zu verhindern, die Stellensituation angemessener zu gestalten und Spielräume auszuloten. Nach einem Synodenbeschluss zum Stellenplan, der die Region als Berechnungsgröße festlegte, folgte eine Phase der Entwicklung von Konzepten für die Arbeit mit Konfirmanden, für Zusammenarbeitstrukturen und Öffentlichkeitsarbeit. Da dies neben der Organisation der Zusammenarbeit geschah und von den Ehren- und Hauptamtlichen der Region zusätzlich geleistet werden musste, waren die Erfolge unterschiedlich. Es ist gut, dass der Kirchenkreis sich entschloss, die Arbeit in der Region durch eine externe Beratung zu begleiten und zu entwickeln. Derzeit befinden wir uns in der Beratungsphase, arbeiten aber gleichzeitig in bewährten Formen und an etablierten Punkten weiter zusammen.

Durchführung

  • Gründung eines XXL-Rates (aus jeder Kleinregion 1 EA + 1 HA)
  • Etablierung der Planungsform "Mitarbeiterfrühstück"
  • Umsetzung des Konfirmandenarbeitskonzeptes
  • Beginn von gemeinsamen Veranstaltungen
  • Entwicklung von pfarrbereichsübergreifenden Kooperationen
  • Organisation von Vakanzvertretungen usw.
  • Beginn und Fortgang der Beratungsphase

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Das Projekt ist permanent in der Entwicklung

Wirkung / Erfahrung

Es lässt sich erstaunlich viel pragmatisch regeln, es braucht dabei aber Mitarbeitende, die sich miteinander verstehen bzw. verständigen können.

Wie die Gremien auf der Gemeindeebene stärker einbezogen werden können, das heißt, wie Ehrenamtlichen und Nebenamtlichen die Arbeit der Region erschlossen / vermittelt werden kann, ist eine Frage, die dringend beantwortet werden muss. Das umso mehr, als nur mit den Gemeinden eine dauerhafte Arbeitsstruktur für die Region entwickelt werden kann.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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