Gebete sichtbar gemacht

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 12.07.2012
Letzte größere Änderung: 15.07.2012
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Kirchenraum und Kirchenpädagogik, Gebet und Stille, Kinder und Grundschule
Gemeinden/Institutionen
Evangelische Kirchengemeinde Annen in Witten
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: ein Tag
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Kommentare zum Dokument
Ev. Erlöserkirche Annen - Gebetsinstallation Bild 1

Kurzbeschreibung

Einen Tag lang steht in einer Kirche das Thema "Gebet" im Mittelpunkt.

Situation / Kontext

Das Projekt entstand im  Rahmen des bundesweiten "Tages des Offenen Denkmals."

Ziele

Eine Reflexion über das Beten soll angeregt werden. Zum eigenen, persönlichen Gebet wird motiviert.

Reflexion / Hintergrund

Besonders die Kirchenpädagogik bietet Möglichkeiten, über Beten anders als gewohnt nachzudenken.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Im Vorfeld wurde eine Installation hergestellt. Folgendes hat mich zur Installation "Gebete sichtbar gemacht" geführt: Kirchen sind durch-betete Räume, verschiedene Menschen haben im Laufe des Bestehens der Kirche unterschiedliche Gebete in der Kirche gesprochen. Die Installation sollte beispielhaft einige dieser Gebete sichtbar machen. Dabei kam es weder auf historische Authentizität noch auf Lesbarkeit an. Viele Gebete sind nicht überliefert oder wurden leise gesprochen. Deshalb sind auch einige Bahnen unbeschriftet, sie können zudem stellvertretend für aktuelle bzw. zukünftige Gebete stehen. 

Verschiedene Gruppen der Gemeinde (Bibelkreis, Kindergottesdienst, Jugendgruppen, Frauenhilfe, Chor, …) habe ich gebeten einen Gebetstext auszuwählen und möglichst auch selbst auf die Stoffbahnen zu schreiben. Dazu habe ich das Vaterunser, ein Gebet aus der Äthiopisch-orthodoxen Kirche in Deutschland (es gibt freundschaftliche Beziehungen zur Gemeinde in Köln) und der Anglikanischen Kirche (wir haben im Rahmen des Meißen-Prozesses eine lokale ökumenische Partnerschaft mit einer Gemeinde in England) auf Stoffbahnen geschrieben. 

Bei der Installation handelt es sich um durchscheinende und leicht glänzende, mit Stoffmalstiften beschriftete Stoffbahnen, die in das Kircheninnere gehängt wurden. Durch Zugluft und Thermik bewegen sich die Bahnen leicht. Ev. Erlöserkirche Annen - Gebetsinstallation Bild 3. Quelle: Foto: Wolfgang SchneiderEv. Erlöserkirche Annen - Gebetsinstallation Bild 2. Quelle: Foto: Wolfgang Schneider

Durchführung

Der Tag des offenen Denkmals begann bei uns in der Erlöserkirche in Annen mit einem Gottesdienst, zu dem auch die Besucher des Tages des offenen Denkmals herzlich eingeladen wurden. Der Gottesdienst  hatte ebenfalls das Thema Gebet und die Installation wurde eröffnet und mit einbezogen.

Insgesamt 3 kirchenpädagogische Führungen (ca. 30 Minuten) habe ich angeboten, von denen die Führungen für Erwachsene allerdings aus einer Mischung von historisch-genetischer und kirchenpädagogischer Führung bestanden. Wie vermutet erwarten nämlich die meisten Besucher beim Tag des offenen Denkmals eher eine "klassische" Führung, haben sich aber auf das "Andere" eingelassen und sich über das "Mehr" gefreut.

Zunächst habe ich in Zusammenarbeit mit der Kinderkirche eine kirchenpädagogische Führung für Kinder im Kindergottesdienstalter angeboten. Dabei ging es u.a. um das Erlernen des Vaterunsers in Gebärdensprache. Begleitende Erwachsene wie die Kinder waren mit Eifer dabei.

Als nächstes habe ich unserer katholischen Nachbargemeinde vorgeschlagen eine ökumenische Führung durch die beiden Kirchen anzubieten, die unter dem Thema stand: "Glocken rufen zum Gebet." Ein Höhepunkt darin war ein Glockenkonzert mit allen 7 aufeinander abgestimmten Glocken der beiden Kirchen. Der zuständige Glockensachverständige hat uns nicht nur zu den entsprechenden Glocken geraten, sondern auch eine Choreografie für ein solches Glockenkonzert augearbeitet. Dabei habe ich kurz die jeweils hinzukommende Glocke vorgestellt. "Das ist ein richtiges Gänsehauterlebnis!" sagte eine Besucherin.

Die dritte Führung (wieder in der Erlöserkirche) stand unter dem Thema: 130 Jahre Gebet in der Erlöserkirche. Die Besucher begrüßte ich vor der Kirche und habe kurz die Kirche vorgestellt. Im Innern gab es Gelegenheit die Kirche selber wahrzunehmen. Dann habe ich die Installation vorgestellt und die Besucher gebeten sich eine der vorbereiteten Karten zu wählen. Diese Karten enthielten kurze Angaben zu meist fiktiven Personen, die im Laufe des Bestehens der Kirche hier ein Gebet gesprochen haben könnten (Beispiele: ein Menschen der Erbauergeneration, der in die langersehnte Kirche kommt | eine Kriegerwitwe | ein Hinterbliebener des schweren Roburitunglücks in Witten | der Baumeister der Kirche | eine Konfirmandin von heute | eine Braut | ein Taufpate | eine unheilbar Kranke | eine pflegende Angehörige | ...). Den Besuchern habe ich vorgeschlagen: `Versetzen Sie sich in diese "fiktive" Person und überlegen Sie: wo würde die Person in der Kirche hingehen und welches Gebet würde sie sprechen. ́ Die meisten Besucher haben sich darauf eingelassen und haben sich so auch getraut, ein Gebet zu formulieren. Zum Abschluss habe ich alle in den Chorraum gebeten und auf den segnenden Christus im Chorfenster verwiesen, dessen Wundmale deutlich machen: er weiß was Schmerzen sind, er kennt auch Verrat, Folter und Tod. Bei ihm sind unsere Gebete gut aufgehoben. Und: er möchte immer bei uns sein. Danach habe ich die Geschichte von dem Mann erzählt, der immer in der Kirche das Alphabet sprach. Auf die Frage, warum er das tue, antwortete er: "Ich verstehe nicht zu beten, ich habe nie ein Gebet gelernt. Aber Gott wird sich aus den Buchstaben das richtige zusammensetzen, denn er weiß was ich brauche und um was ich bitten möchte." Jede/r durfte sich zum Abschied einen Buchstaben (z.B. Russisch Brot) mitnehmen. 

Ev. Erlöserkirche Annen - Gebetsinstallation 2012/22. Quelle: Foto: Wolfgang SchneiderAbgeschlossen haben wir den Tag mit einem Evening Prayer im Stil unserer Partnergemeinde in England. Da z.Z. niemand aus der Partnergemeinde anwesend war, haben wir der Gemeinde zu Liebe das Ganze in deutscher Sprache gehalten. Im Zentrum stand die Versöhnungslitanei von Coventry.

In der Erlöserkirche gab es für Besucher Getränke und Brot/Kuchen. Außerdem wurden verschiedene (meist kostenlose) Materialien zum Thema Gebet (Gebetsleporello, Teelicht mit Gebetstext, Tischset mit Tischgebet usw.) angeboten. Eine kleine Ausstellung von Tonfiguren zeigte die Auseinandersetzung einer Mädchengruppe mit dem Thema Beten.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Für Schukis (Kinder, die demnächst eingeschult werden) biete ich seitdem regelmäßig einen Kirchenbesuch an, der sich mit dem Thema Gebet befasst. Auch mit Erwachsenen greife ich bei Kirchenführungen das Thema auf.

Wirkung / Erfahrung

Obwohl es bei der Öffentlichkeitsarbeit Pannen gab, kamen doch ca. 150 Menschen, von denen sicher 1/3 nicht direkt der (Kern-)gemeinde zuzuordnen war.

Diese Aktion hat lange für positive, intensive Gespräche Anlaß gegeben.

Nach etwa 5 Jahren habe ich die Installation erneut ins Kirchenschiff gehängt (zur Nacht der offenen Kirchen). Wieder waren die Besucher beeindruckt und die örtliche Presse hat eine Fotostrecke ins Netz gestellt.

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