Jugendwerkstatt Emden

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 06.08.2012
Letzte größere Änderung: 06.08.2012
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Arbeitswelt und Arbeitslosigkeit
Gemeinden/Institutionen
Jugendwerkstatt des Ev.-luth. Kirchenkreises Emden in Emden
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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Jugendwerkstatt Emden

Kurzbeschreibung

Das Land Niedersachsen hat mit Unterstützung des ESF die Jugendwerkstatt des Ev.-luth. Kirchenkreises Emden gefördert.

Situation / Kontext

Die Jugendlichen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, kommen schwerpunktmäßig aus benachteiligten sozialen Schichten der Gesellschaft. Für diese Jugendlichen, die oft auch mittelbar von Arbeitslosigkeit betroffen sind (Arbeitslosigkeit der Eltern), zeichnet sich ein Teufelskreis ab, der für sie nur schwer zu durchbrechen ist. Der weitere soziale Abstieg und die steigende Armut, die durch die eigene Arbeitslosigkeit bzw. die der Eltern entsteht, führen gleichzeitig dazu, dass die Chancen auf einen Zugang zu Bildung sinken. Der vergleichsweise niedrige Bildungsstand verringert wiederum den Zugang zur Erwerbsarbeit. Neben den wirtschaftlichen Folgen für die Jugendlichen (Armut) sind die Konsequenzen für die Persönlichkeits- und Identitätsentwicklung sehr problematisch. Vor allem unter jungen Menschen gilt Leistungsfähigkeit und Erfolg als besonders anstrebenswertes Ziel in der eigenen Lebensplanung. Durch Arbeitslosigkeit fehlen den Jugendlichen entscheidende Sozialisationsmöglichkeiten und persönliche Anerkennung.
Der ausbleibende Erfolg in der Arbeitswelt zieht das Gefühl des Versagens und der Leistungsschwäche nach sich, wodurch eine positive Identitätsentwicklung nur schwer gelingen kann. Leistungsschwächere Jugendliche und Jugendliche mit Entwicklungsdefiziten sind von dieser Tendenz besonders betroffen.
Von allen Problemen, die bei den jugendlichen Teilnehmern vorhanden sind, ist die (drohende) Arbeitslosigkeit das primäre Thema. Hintergründe sind die Sorge vor Ausgrenzung, Statusverlust, fehlender gesellschaftlicher Integration und nicht zuletzt Existenzangst.

Ziele

Die Jugendwerkstatt Emden ist Anwältin für Jugendliche, die auf dem ohnehin angespannten Lehrstellen- und Arbeitsmarkt in Ostfriesland sonst keine Chance haben. Sie will Hilfe zur Selbsthilfe sein und ist beispielhaft für die Kooperation von Kirche, öffentlicher Hand, Arbeitsverwaltung und privater Förderer.

Reflexion / Hintergrund

Am Anfang stand der Aufruf der 19. Landessynode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, sich der wachsenden Arbeitslosigkeit junger Menschen anzunehmen.
In Emden war man dafür offen:
Am 5. Mai 1980 beschloss der Kirchenvorstand der Martin-Luther-Kirchengemeinde, eine Werkstatt für arbeitslose Jugendliche zu gründen.
Der Kirchenvorstand bildete einen Leitungsausschuss. Zu ihm gehörten Superintendent Dr. Menno Smid, der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Dr. Eckart Krömer und der Oberstudiendirektor der Berufsbildenden Schulen II Wilhelm Leeker sowie als Leiter des Kirchenkreisamtes Wulf Erbe. Dieses Gremium leitete im Auftrag des Kirchenvorstandes die Jugendwerkstatt bis Ende 1993.
In diesen Jahren hatte die Jugendwerkstatt eine Größe erreicht, die es geboten scheinen ließ, die
Trägerschaft dem Ev.-luth. Kirchenkreis Emden zu übertragen, der sie bis heute inne hat.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Unzählige Maßnahmen wurden in Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung Emden durchgeführt.
Bei der Konzipierung der Maßnahmen wird besonders darauf geachtet, dass auch arbeitslose junge Frauen integriert werden können.

Vorbereitung

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Durchführung

Die Maßnahmen in den letzten 30 Jahren waren Qualifizierungsmaßnahmen wie Arbeiten und Lernen, Hotel und Gaststätten, Gartenbau und Hauswirtschaft, Weben und Spinnen, Textil, Metall, Holz, Gartenbau und Holz, Nachbau einer historischen Seetjalk.
Die Jugendwerkstatt ist für den gesamten Sprengel Ostfriesland tätig.
Es wurden Spielgeräte für Kindergärten und Spielplätze gebaut und gewartet und Außenanlagen angelegt. Auch Schränke, Regale und Tische wurden für Kirchenkreisämter und diakonische Einrichtungen angefertigt. Bei Neubauten von Pfarrhäusern war die Jugendwerkstatt ebenfalls beteiligt.
Unter anderem hat die Jugendwerkstatt auch für die Kirchenkreise Leer und Rhauderfehn Aufträge ausgeführt. So wurden z.B. Pflasterarbeiten in der Diakoniestation Friesenstr. erledigt, später auch Zaunanlagen errichtet. Für die Kindergärten Ostrhauderfehn und Rhaudermoor wurden große Spiellandschaften hergestellt. Für das Dr.-Reil-Stift in Westrhauderfehn wurden 450 m Metallzaun gefertigt und aufgebaut.

Die großen Auftragsarbeiten der Jugendwerkstatt bestanden u. a. aus dem:

  • Bau eines Bootshafens in Loppersum
  • Bau einer Slipanlage
  • Bau des Glockenstuhls der Martin-Luther-Kirche (unter Anleitung einer Glockenbaufirma)
  • Nachbau der historischen Seetjalk (siehe Foto)

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Ein biblisches Motto in angefochtener Zeit könnte man für die Jugendwerkstatt im Hebräerbrief (Kap.13, Vers 14) finden: Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Ein schwankender Schiffsboden, die zeitlich auf ein Jahr befristete Verweildauer der Jugendlichen, die immer wieder unsichere Raum- und Finanzsituation machen deutlich: Die Gegenwart erscheint immer als ein Stück vergangener Zukunft und als Möglichkeit, die Zukunft unter Gottes Verheißung neu zu erfinden und niemals abzuschreiben.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Schweißen
      Arbeitswelt und Kirche ist ein zentrales Thema; ebenso auch die Frage nach der Arbeitssuche.
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