Treffpunkt Gottesdienst

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 17.09.2012
Letzte größere Änderung: 17.09.2012
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Alternative Gottesdienste
Gemeinden/Institutionen
Evangelische Christuskirchengemeinde in Bad Vilbel
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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Treffpunkt Gottesdienst Logo

Kurzbeschreibung

Ein regelmäßiger sonntäglicher Gemeindegottesdienst mit Orgelmusik und Band sowie mit integrierten Gottesdiensten für Kinder (Kids-Treff) und Konfirmanden (JAC – „Jesus alive Club“); das ist seit Advent 2008 der „Treffpunkt Gottesdienst“ sonntags um 10.30 Uhr in der Christuskirche Bad Vilbel.

Situation / Kontext

Für jede Zielgruppe ein eigenes gottesdienstliches Angebot. Das war in den 90er Jahren ein Ziel für die Weiterentwicklung der Gottesdienst in unserer Gemeinde. Im Hintergrund standen die Erfahrung einer sich immer stärker ausdifferenzierenden Gesellschaft und das Wissen darum, dass auch der traditionelle liturgische Gottesdienst längst zu einem Zielgruppengottesdienst geworden war. Die Folge waren Gottesdienste für Kinder, Jugendliche und Familien, mit „Kirche anders“ für kirchlich gering verbundene Menschen, eine wöchentliche Taizéandacht und so weiter. Als wir vor rund fünf Jahren vor der Frage standen, ob wir sonntags regelmäßig nach dem traditionellen Gemeindegottesdienst einen weiteren „Gottesdienst modern“ feiern (mit Band und im Wechsel mit Familiengottesdiensten und Krabbelgottesdiensten), waren die Anstöße für einen ganz neuen „Treffpunkt Gottesdienst“ geboren.

Ziele

Auch wenn es in unserer Gemeinde weiterhin „Kirche anders“ gibt, Krabbelgottesdienste und Jugendgottesdienste, kamen wir 2007 zur Überzeugung, dass der Sonntagvormittag verstärkt zu einem gemeinsamen Gottesdiensterlebnis werden sollte. In dieses neue verbundene Konzept sollten vor allem in zwei Bereichen sehr unterschiedliche Zielgruppen integriert werden:

  • Kinder, Konfirmanden, Jugendliche und Erwachsene sollten mit einem Gottesdienst erreicht werden. Lediglich Familien mit Vorschulkindern sollten im eigenen Krabbelgottesdienst (aber ebenfalls parallelisiert) selbstständig bleiben.
  • Musikliebhaber von Orgel und Bandmusik sollten sich gleichermaßen im gemeinsamen Gottesdienst wieder finden.

Reflexion / Hintergrund

So richtig auch heute noch die Zielgruppenorientierung ist und durch alle Milieuforschung mehr denn je bestätigt wird, so wichtig ist gleichzeitig das Erleben von Anders-sein sowie das Erleben von Gemeinsamkeit über Geschmacksgrenzen und andere Unterschiede hinweg. Dies gilt für eine christliche Gemeinde mehr als sonst in unserer Gesellschaft. Zugleich aber kann dies nicht von Pfarrern oder Kirchenvorständen angeordnet werden. Wie also sollten Menschen bewegt werden zu einem gemeinsamen Gottesdienst, der zwar eigene Identifikationsmerkmale enthält, aber eben auch sehr Fremdes? Im Jahr 2007 haben wir einen breit angelegten Kommunikations- und Entwicklungsprozess gestartet.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Bis zum Beginn des Jahres 2008 hatte ein Team aus den verschiedenen bisherigen Sonntags-Vormittagsgottesdiensten ein Konzept für einen neuen gemeinsamen Gemeindegottesdienst erarbeitet und breit zu drei Probegottesdiensten eingeladen. Fragebögen haben alle Elemente und Hintergründe abgefragt und mehrere hundert Fragebögen gaben Auskunft über eine Vielzahl von Details. Diese wurden in einer zweiten Gemeindeversammlung vorgestellt und das veränderte Konzept erneut vorgestellt. Mit der Adventszeit 2008 wurde der „Treffpunkt Gottesdienst“ – nach Genehmigung durch die Kirchenleitung – zum neuen regulären Gemeindegottesdienst am Sonntag Vormittag.
Zeitaufwand: sehr unterschiedlich für Pfarrer/in, Band, Organist, Küster/in, weitere Mitwirkende

Durchführung

Der „Treffpunkt Gottesdienst“ wird grundsätzlich von einem Team geleitet. Da sind

  • eine Pfarrerin oder ein Pfarrer (oder Prädikanten)
  • ein Mitglied des nebenamtlichen Organistenteams
  • eine unserer inzwischen vier Gottesdienstbands (plus zwei Jugendbands)
  • 2-4 weitere mitwirkende Ehrenamtliche – bei Abendmahl auch mehr
  • Die Mitglieder des Teams vom Kids-Treff (für Kinder zwischen 5 Jahren und 5. Klasse)
  • Die Mitglieder des JAC-Teams (für die drei Konfirmandenjahrgänge 6.-8. Klasse)

Das gemeinsame Feiern wird durch diese Teamvielfalt sehr gut in die Gemeinde hinein transportiert. Der Ablauf des Gottesdienstes orientiert sich an der EKHN-Form 2 ohne Wechselgesänge in der Eingangsliturgie, dafür aber mit mehr Gemeindeliedern. Das bedeutet:

  • Begrüßung, Mitteilungen, Lesungen sowie die Verabschiedung der Kinder und Konfirmanden nach dem gemeinsamen Eingangsteil werden von Laien übernommen. Beim Gebet wirken Pfarrer/in und Laien zusammen.
  • Band und Orgel teilen sich in Vor- und Nachspiel sowie in die Begleitung der in der Regel jetzt sechs Gemeindelieder – die Bands begleiten dabei moderne christliche Lieder.
  • -Die Predigt ist mehr als zuvor am Alltag und Leben der Menschen orientiert und wird besonders bei Gottesdiensten „mit Familienschwerpunkt“ oft frei, interaktiv und visualisiert vorgetragen.
  • Das Kirchencafé am Ende ist zu einem wichtigen Begegnungsort geworden. Die Freude am Miteinander aber wird auch in der intensiven Kommunikation vor Beginn des Gottesdienstes deutlich.
  • Ab und an bekommen Gottesdienste besondere Schwerpunkte: Orgelschwerpunkt ohne Band oder Familienschwerpunkt ohne Orgelmusik. Dies wird vorab bekannt gegeben.
  • Abendmahl (Festtage und am ersten Sonntag im Montag), Taufen, Mitarbeitereinführungen, Predigtreihen und vieles mehr gehören ebenfalls zum „Treffpunkt Gottesdienst“.

Zeitaufwand: Sonntag Vormittag mit brutto 2,5 Stunden

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Das Team des Treffpunkt Gottesdienst und der übergeordnete Gottesdienstausschuss reflektieren die Entwicklung der Gottesdienste regelmäßig und haben beispielsweise als neues Element einen „Bericht“ eingefügt: Menschen erzählen mit wenigen Sätzen und ein bis zwei Bildern von vergangenen Gemeindeangeboten oder auch persönlichen Glaubenserfahrungen.

Wirkung / Erfahrung

Der „Treffpunkt Gottesdienst“ hat zu einer deutlichen Belebung des Sonntag Vormittag in unserer Gemeinde geführt. Die Akzeptanz gerade der Bandmusik geht durch alle Altersschichten und eine aktuelle Gemeindebefragung aus dem Frühjahr 2012 hat gezeigt, dass je regelmäßiger Menschen diesen Gottesdienst besuchen, sie die Bandmusik umso höher einschätzen. Vorbehalte dagegen gibt es bei denen, die den Gottesdienst nicht oder kaum besuchen. Es ist mit dem „Treffpunkt Gottesdienst“ nun deutlich leichter, Menschen beispielsweise von „Kirche anders“ herkommend zum Gemeindegottesdienst am Sonntag einzuladen. Die Erfahrung zeigt, dass dies in der Praxis auch deutlich besser gelingt als früher.

Der intensive Erarbeitungsprozess hat ermöglicht, dass es keine Polarisierungen in der Gemeinde gab, auch wenn zunächst gerade die Bandmusik nicht überall auf Gegenliebe gestoßen ist. Bis heute aber gab es keine Gemeindeaustritte oder Beendigung von Mitarbeit wegen der Gottesdienstreform.

Ebenfalls enorm gewonnen hat der auch bislang schon samstags in der alten Auferstehungskirche gefeierte Wochenschlussgottesdienst. Als neuer „Abendgottesdienst“ jetzt vollständig nach der EKHN Form 1 ist er die traditionell-liturgische Ergänzung zum „Treffpunkt Gottesdienst“ und hat am Samstag um 16.30 Uhr sein ganz eigenes Gottesdienstpublikum gefunden.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

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      Alternative Gottesdienste oder Zweitgottesdienste sind ergänzend zum klassischen 10-Uhr-Gottesdienst am Sonntagmorgen Gottesdienste in anderer Form oder an anderem Ort.
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    • Krabbelgottesdienst
      Etwa monatlich feiern parallel zum Treffpunkt Gottesdienst feiern Familien mit Vorschulkindern ihren Krabbelgottesdienst im Saal des Gemeindezentrums. 2012 feiert das Team das 20jährige Bestehen dieser besonderen Gottesdienstform.
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