Integrativer und interreligiöser Kindergarten

Autor/innen
2 Geistreich-Mitglieder
Erstellt am: 14.11.2012
Letzte größere Änderung: 26.02.2014
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Kleinkinder und KiTas, Interreligiöse Begegnungen, Integration und Inklusion
Gemeinden/Institutionen
Ev. Kindergarten Cantate Domino in Frankfurt Am Main
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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Kinder aus dem Kindergarten Cantate Domino

Kurzbeschreibung

Ein Kindergarten macht besondere Angebote zur Inklusion behinderter Kinder und bietet eine interreligiöse Kindergruppe.

Situation / Kontext

Unser pädagogisches Konzept basiert auf den Grundsätzen des Situationsansatzes. Danach vollziehen Kinder die für ihre Entwicklung und Entfaltung erforderlichen Schritte durch eigene Aktivität. Wir als Erwachsene sind dafür verantwortlich, diese Aktivität wahrzunehmen, Angebote zu machen und die Kinder durch verlässliche Bindungen und ein anregendes Umfeld in ihrem Streben nach Entwicklung und Bildung zu fördern.

Ziele

Ein weiterer Eckpfeiler unseres pädagogischen Handelns basiert auf den Gedanken von Professor Milani Comparetti, der engagiert für die Nichtaussonderung von Menschen mit Behinderung eintrat. Er lehrt uns ebenfalls die Eigenaktivität des Kindes zu achten, Kinder zu begleiten und sie in den für sie bedeutsamen Situationen zu fördern.

Reflexion / Hintergrund

Als evangelischer Kindergarten stehen wir in regelmäßigem Kontakt zu unserer Pfarrerin, dem Kirchenvorstand und der Gemeinde. In unserer täglichen Arbeit mit Kindern und deren Familien orientieren wir uns an den christlichen Wertvorstellungen und greifen religiöse Fragen auf. Höhepunkte im Jahresverlauf sind das gemeinsame Gestalten und Feiern von christlichen Festen, aber auch andere Religionen mit ihren Festen werden bei uns wertgeschätzt und zum Teil begangen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Der Kindergarten Cantate Domino ist ein evangelischer Kindergarten mit Stadtteilbezug im Nordwesten Frankfurts. Unser Kindergarten wird besucht von Kindern unterschiedlicher Kulturen und Religionen, von Kindern mit Behinderung und Kindern ohne Behinderung

Vorbereitung

Unseren Kindergarten besuchen zurzeit 45 Kinder in drei Gruppen. In jeder Gruppe spielen und lernen 15 Kinder altersgemischt vom dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt. Vier bis fünf Kinder mit Behinderung und besonderem Förderbedarf belegen in jeder der drei Gruppen einen sogenannten „Integrationsplatz“.

Durchführung

Projekte mit Kindern entstehen aus den Themen, die Kinder interessieren und dem, was sie vom Leben wissen wollen. Die Vorschläge der Kinder werden aufgegriffen und verknüpft mit den relevanten Themen, die Erwachsene an Kinder herantragen.

  • Kinder wollen sich bewegen – der große Bewegungsraum, der Flurbereich und das Außengelände werden hierfür vielfältig genutzt.
  • Gruppenübergreifend bieten wir regelmäßig Psychomotorikstunden an. Vier Kolleginnen sind speziell hierfür ausgebildet.
  • Eine Musikpädagogin macht zwei Mal wöchentlich Angebote für die Kinder.
  • Jeweils an zwei Vormittagen in der Woche kommen eine Logopädin und eine Physio-therapeutin in den Kindergarten und arbei-ten mit einzelnen Kindern oder in kleinen Gruppen.
  • Das gemeinsame Mittagessen ist Teil des pädagogischen Konzeptes. Alle Kinder und Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen erhalten ein frisch zubereitetes Essen. Hierfür sorgt ein ausgebildeter Koch.

  
Für Kinder im Vorschulalter gibt es eine interreligiöse Kleingruppe. 6-8 Kinder lernen mit dem Esel Ruben Geschichten kennen, die in Bibel und Koran vorkommen. Für die Auswahl gibt es wichtige Kriterien: Was ist die Botschaft? Was sind die Herausforderungen an die Hauptpersonen? Können sich Kinder mit ihnen identifizieren? Wie kann ich die Hauptperson lebendig werden lassen? Wie endet die Geschichte - befreiend, wird Vertrauen belohnt, wird alles gut? Dann ist herauszufinden, wie die Hautpersonen auf Arabisch heißen: z.B. Abraham=Ibrahim, Adam=Adem, Eva=Hava, Jona=Yunus.
Die Handpuppe Ruben hilft Kindern sich in Personen und Situationen hineinzuversetzen. Zum Erzählen werden eine Kinderbibel und der "Koran für Kinderund Erwachsene" benutzt. Ausmalbilder, Spielfiguren und andere Materialienwerden nach Bedarf eingesetzt.
Im wöchentlichen Erzählkreis begrüßt Esel Ruben jedes Kind. Als Anfangsritual bekommen alle einen Tropfen Duftöl zum Verreiben auf die Handflächen. Den KInder werden Koran und Bibel gezeigt und erläutert, dass die folgende Geschichte in beiden Büchern vorkommt. Die Hauptpersonen werden in beiden Sprachen genannt. Der Esel Ruben tritt beim Erzählen mit den Kindern in einen Dialog und stellt Fragen. Der weitere Verlauf ist offen und situationsabhängig gestaltet. Z.B. entsponn sich bei der Behandklung von Jona ein längeres Gespräch über die Gebetserfahrungen der Kinder.
Zum Abschluss der Treffen gibt es meist ein passendes Spiel oder etwas zu essen. So gab es nach der Arche-Noah-Geschichte Kekse in Tierform und Meertestiere aus Fruchtgummi.
Das Thema Gotteshäuser erarbeiteten wir uns zunächst im Kindergarten. In Gesprächen, in denen Esel Ruben wieder viel wissen wollte, stellten wir viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede fest. Dias, Fotos, Klänge von Glocken, ein Gong oder Gebetsrufe sowie ein Zeichentrickfilm über einen Kirchenbesuch wurden außerdem eingesetzt. Anschließen unternahmen wir Ausflüge in Kirchen und Moscheen.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung in der Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung werden wir regelmäßig von Hospitationsgruppen im Rahmen von Fort- und Weiterbildungsangeboten, aber auch von interessierten Fachkolleginnen / Fachkollegen besucht.

Wirkung / Erfahrung

In der "Esel-Ruben-Gruppe" zeigt sich, dass es Kindern wichtig ist, ihre religiösen Erfahrungen und Fragen einzubringen.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

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