Querschnittsvisitation Gottesdienst

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a geistreich member
Created at: 2012-11-15
Last major update at: 2012-11-19
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Qualitätsentwicklung im Gottesdienst
Institutions
Reformierte Klasse Bad Salzuflen
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: zusammen mit der Vorbereitung mindestens ein Jahr
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003_1601.pjg

Abstract

Der Kirchenkreis verzichtet in einem Jahr auf die Visitation von Einzelgemeinden mit den jeweiligen Arbeitsfeldern. Besucht werden stattdessen alle Gemeinden für den Arbeitsbereich Gottesdienst

Situation / context

Im Rahmen von Visitationen werden Gottesdienste - meist  recht aufwändig - gefeiert. Diese Praxis lässt allerdings wenige Rückschlüsse auf das „normalsonntägliche“ gottesdienstliche Leben zu.
Nach  Visitationsordnungen in verschiedenen Landeskirchen  ist eine solche thematische Visitation möglich.

Siehe auch

http://www.geistreich.de/FokusVisitation

Goals

  • Wahrnehmung der „Gottesdienst-Schätze“ in den Gemeinden zur Stärkung des gemeindlichen Selbstbewusstseins und der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft
  • Gottesdienstordnungen und die Gottesdienstpraxis sollen  in den Gemeinden, Kirchenvorständen und ggfs. deren Gottesdienstausschüssen zum Thema werden
  • Liebe zum Gottesdienst in den Gemeinden und Kirchenvorständen wecken, Spaß mit und Freude an der Arbeit mit dem Gottesdienst vermitteln
  • von- und miteinander lernen(Botschafter- und Kundschafter-Funktion)
  • Reflexion und konstruktive Kritik bzgl. des Gottesdienstes vornehmen
  • Ermutigung zum kreativen und produktiven Umgang mit der jeweiligen Gottesdienstordnung und -praxis vor Ort: Weiterarbeit an konkreten Vorhaben
  • Weiterentwicklung qualitätvoller Gottesdienste

Reflection / background

Der von Seiten der EKD angestoßene Reformprozess, u.a. die „Programmschrift“  „Kirche der Freiheit“, aber auch weitere Studien zum Gottesdienst fokussieren auf den Gottesdienst als zentrale Lebensäußerung von Kirche.

Mit dem Ergebnis der bundesweiten Konfirmandenstudie zum Gottesdienst erging ein weiterer „Weckruf“ im Hinblick auf die Arbeit am Gottesdienst.

Die Erkenntnis der Studie "Wachsen gegen den Trend" (S. 319ff), dass die Arbeit am Gottesdienst und Wachstum in der Gemeinde zusammenhängen, wird im Blick auf die Gottesdienstvisitation virulent.

Bei der Sichtung landeskirchlicher Visitationsgesetze und -materialien ist festzustellen, dass der Gottesdienst zwar in den Blickpunkt rückt. Es gibt allerdings nur wenig Material, um vor oder während des Visitationsprozesses mit dem Potenzial, das der (sonntägliche) Gottesdienst für das Leben der Gemeinde und darüber hinaus bietet, um zu gehen und dieses auszuschöpfen.

General information on realization

Das Kirchengesetz über die Visitation der Kirchengemeinden in der Lippischen Landeskirche besagt:

  • “Auf Beschluss des Klassenvorstandes können … thematische Visitationen für einzelne oder alle Gemeinden einer Klasse durchgeführt werden“ (vom 27.11.2007  II, §3, (2)).

Auch Visitationsgesetze/Visitationsordnungen anderer Landeskirchen ermöglichen eine Querschnittsvisitation zum Gottesdienst.

Manche dieser Gesetze und Ordnungen weisen auf die Dringlichkeit „regionaler Gottesdienstkonzepte“ hin – die Querschnittsvisitation zum Gottesdienst erweist sich als ein geeigneter methodischer Schritt auf dem Weg dorthin.

Gesellschaftliche Veränderungen schließlich erfordern auch eine entsprechend veränderte Gottesdienstfeier-Kultur und diversifizierte Gottesdienstkonzepte. Hierbei hat diese Visitationsform „Botschafter- und Kundschafter“ - Funktion nach beiden Seiten hin: Den Gemeinden eignet die Basiskompetenz, dem Kirchenkreis, bzw. der Landeskirche die Globalkompetenz.

Preparation

  • Ein Vorabfragebogen des Kirchkreisvorstandes zum Gottesdienst der jeweiligen Gemeinde für die Kirchenvorstände
  • Ein Kirchenkreistag zum Thema „Querschnittsvisitation Gottesdienst“, u.a. mit thematischen Impulsen, z.B. zur Frage von „Qualität und Gottesdienst“
  • Eine Pfarrkonferenz mit dem Thema „ Frage hinsichten in Bezug auf den Gottesdienst“ – Was wollen wir von Gottesdienstbesuchern wissen?
  • Ein Fragebogen für Gottesdienstbesucher in den jeweiligen Gemeinden
  • Terminlisten für Gottesdienst- und Kirchenvorstandsbesuche

Realization

Im Zeitraum von ca. 5 Monaten besuchen die Visitationsteammitglieder in Untergruppen die entsprechenden Gottesdienste.
Pro Gottesdienst werden 10-12 GottesdienstbesucherInnen in einem breit gestreuten Spektrum gebeten, den  Fragebogen zum besuchten Gottesdienst auszufüllen.
Die Teammitglieder notieren sich ihre jeweiligen Eindrücke in freier Form oder anhand eines Beobachtungsbogens.
In leicht versetztem Abstand und in einem Zeitraum von gut drei Monaten finden die KV-Besuche auf der Basis der ausgewerteten Gottesdienstbesucherfragebogen, der Rückmeldungen der Teamwahrnehmungen und der Vorabfragebogen der Kirchenvorstände zum gottesdienstlichen Leben in der Gemeinde statt.
Hinzu kommen eingetragene thematische Impulse zum Thema Gottesdienst.
Die Durchführungsphase wird ergänzt durch einen Pfarrkonvent zum Thema „Kollegiale Beratung“.
Die Kirchenvostände beschäftigen sich am Ende dieser Phase an einem Tag  in Vortrags- und Workshop-Einheiten damit, sich die Liturgie des Sonntagsgottesdienstes auf neue Weise zu erschließen.

Wrap up & follow-up actions

Ein auf die Einzelgemeinden ausgerichteter Abschlussbericht der Superintendentin bilanziert die Vorbereitungs- und Durchführungsphase.
An Themen zur Weiterarbeit haben sich u.a.herauskristallisiert:

  • Die Gottesdienstbesucherfreundlichkeit (z.B. Technik, Begrüßung an der Tür, Einlegeblatt mit der Ordnung des Gottesdienstes...)
  • Einrichtung eines Gottesdienstausschusses und / oder Arbeitsgruppen zur Gottesdienstvorbereitung (zu Themen wie „Konfis / Jugendliche und unser Gottesdienstangebot“, eine „Werkstatt lesen“ , „Partizipation“ / Potenziale ehren- wie hauptamtlich Mitarbeitender gezielt nutzen)
  • Planung und Durchführung von Fortbildungen zum Gottesdienst vor Ort
  • Die Einladungs- und Feed-back-Kultur in einer Gemeinde oder Region be- und überdenken, Erwerb von konstruktiver Kritikfähigkeit (aktiv wie passiv)
  • Das Verhältnis von Gottesdienst des ersten wie des zweiten Programms ausloten (Konzept für die Region, Frage von Mission und Werbung in Bezug auf beide Formate)
  • Die Frage nach dem Thema, bzw. dem „roten Faden“ eines Gottesdienstes
  • Genaue Planung kleinerer Zwischenteile/Zwischenschritte im Gottesdienst
  • Produktiver Umgang mit „Störungen“ im  Gottesdienstablauf
  • Das Thema „Gemeinden besuchen einander“
  • Die Herausforderung im Gottesdienst Menschen mit Gottesdiensttraditionserfahrung und Menschen ohne diese Erfahrung im Blick zu haben und zusammen zu bringen
  • Der Bezug zum Alltag und  Zeitgenossenschaft des Gottesdienstes (s. Liedtexte und -melodien, Gebete, Sprache…)
  • Wie ist der Raum beschaffen und gestaltet, in dem der Gottesdienst gefeiert wird?
  • Was gehört nicht in einen Gottesdienst?

Effect / experience

Eine Querschnittsvisitation wird als wertschätzende Wahrnehmung, wohltuende Reflexion der Praxis, Chance zu konstruktiver Kritik und als gelingendes Miteinander der verschiedenen kirchlichen Ebenen wie der unterschiedlich Beteiligten erlebt. Sie fördert die Identifikation der Gemeinden mit ihrem Gottesdienst, damit das Selbstbewusstsein und so auch die Liebe zum Gottesdienst.
Sie wird als effektiv, erfahrungsreich und auch persönlich bereichernd empfunden.
Eine Querschnittsvisitation wirkt nachhaltig in Bezug auf Gottesdienstplanung,- vorbereitung- , durchführung und die Nachbereitung vor Ort, bzw. in einer Region.
Hinsichtlich möglicher Widerstände vor allem bei der Vorbereitung und Durchführung  kommt es auf die demokratischen Entscheidungsstrukturen, Transparenz (des Prozesses) und eine gute Kommunikationskultur an.
Eine Querschnittsvisitation generiert ganz automatisch Themen und Ansatzpunkte zu einer Weiterarbeit am Gottesdienst innerhalb einer Gemeinde oder Region, einer Gruppe von Kollegen/Innen und im Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen.
Positiv eingeschätzt wird die Mitwirkung von  moderierenden und „Input gebenden“ Gottesdienst-Sachverständigen außerhalb des Kirchenkreises/ Dekanates/Bezirks.
Die Erfahrungen zeigen, dass eine Querschnittsvisitation das Von- und Miteinander-lernen befördert, dass diese Visitationsform eine gute Feed-back-Methode zum Gottesdienst darstellt, als Mittel zur Steigerung von „Qualität im Gottesdienst“ fungieren und als ein Schritt auf dem Weg zu regionalen Gottesdienstkonzepten betrachtet werden kann.

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      Visitation ist ein Besuch in der Gemeinde zur Inspiration und Sicherung der Qualität bspw. durch Propst oder Pröpstin.
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