Silversurfer - Computer machen keine grauen Haare

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 26.11.2012
Letzte größere Änderung: 26.11.2012
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Senioren, Neue Medien und Web 2.0, Mitgliederbindung, Gemeindeaufbau, Bildung und Unterricht, Integration und Inklusion
Gemeinden/Institutionen
St. Dionysius in Bad Fallingbostel
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: 20-30 Stunden verteilt auf 6-9 Monate
Durchführung: 3 Stunden im Monat
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Silversurfer

Kurzbeschreibung

Jugendliche geben einen Computer- und Internetkurs für Senioren.

Situation / Kontext

Die St. Dionysiusgemeinde liegt in einer Kleinstadt. Dörfliche Strukturen sind noch stark erhalten.

Im Bereich der Jugendarbeit gibt es eine Gruppe Konfirmandenhelfer, die sich einmal im Monat treffen.

Selbstbestimmte Jugendarbeit und die Übernahme von Verantwortung und Eigenständigkeit ist noch eine zarte Pflanze.

 
Im Bereich der Altenarbeit hat die Gemeinde ein klassisches Profil mit Frauenkreis und Erzählcafe. Der Schwerpunkt der Altenarbeit liegt bei 75+. Die Generation der 55+, bei der Bundesbahn schon berechtigt zu Seniorentarifen, wurde nicht spezifisch ins Auge genommen.

  

Als die Internetarbeit zu einem Standbein der Öffentlichkeitsarbeit wurde, kam der Einwand, damit würden wir die Generation der Älteren ausschließen.

  

Ausgehend von der Prämisse, dass unsere christliche Botschaft "für alle" ist, entstand die Idee einer generationsübergreifenden Arbeit. 60jährige kaufen bei H&M ein, Jugendliche scheinen die Abgrenzung von Erwachsenen nicht mehr als so bedeutend zu empfinden wie noch vor 20 Jahren - da muss es doch möglich sein, ein Gemeindeprojekt durchzuführen, dass verschiedene Altersgruppen zusammenführt.

Ziele

So wie die Entstrehung des Computerkurses aus den verschiedenen Kontexten der Gemeinde heraus entstanden ist, so gibt es auch mehr als ein Ziel.

 

1. Jugendliche für eigenverantwortliche Arbeit zu begeistern

Kirchliche Jugendarbeit, da steht unsere Gemeinde nicht alleine, ist zur Zeit geprägt von erlebnispädagogischer Arbeit. Die Jugendlichen kommen oder kommen nicht zu den Treffen und eine Verbindlichkeit ist nicht allgemein zu beobachten. Die Ausweitung der Schule bis in den Nachmittag hinein und der wachsende Leistungsdruck mögen daran Anteil haben, dass die Bereitschaft zu Verbindlichkeiten geringer geworden ist.

Im Bereich Computer haben die Jugendlichen Kompetenzen. Diese Kompetenzen können sie in diesem Projekt einbringen und die Erfahrung machen, dass ihre Kompetenzen gefragt sind und sie etwas in die Gemeinde einbringen können, was keine andere soziologische Größe der Gemeinde so kann. Kurz gesagt: Ich bin ein Teil der Gemeinde und habe einen Platz, den ich ausfüllen kann.

 

2. Senioren den Zugang zu modernen Kommunikationswegen ermöglichen.

Die neuen Medien sind für viele Menschen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Aber eben nicht für alle. Teilnahme an allen Aspekten einer Gesellschaft zu ermöglichen, gehört zur Aufgabe der Kirche. Mut zu machen, die digitale Welt kennen zu lernen, Freude am Experiment zu fördern und die Bereitschaft, auch im Alter noch neues zu lernen war der Beweggrund zu diesem Projekt aus dem Blickwinkel der Seniorenarbeit.

Um am digitalen Leben teil zu nehmen bedarf es allerdings Voraussetzungen. Zum einen Hardware: einen Computer und einen Internetzugang. Das kostet Geld. Und unzweifelhaft relativ viel Geld um mal etwas auszuprobieren.

Wir haben in der Gemeinde und in ortsansässigen Firmen deshalb gebrauchte Laptops als Spende gesucht. Jedem Teilnehmer des Kurses konnten wir so einen internetfähigen, tragbaren Rechner zur Verfügung stellen. Diesen Laptop können die Teilnehmer für ein Jahr kostenlos benutzen und auch mit nach Hause nehmen. Wer den Laptop über die Dauer des einjährigen Kurses weiter nutzen möchte, wird gebeten mit dem Laptop "etwas für die Gemeinde" zu machen.

Ein W-LAN-Zugriff ist im Gemeindehaus möglich. Wer nicht von zu Hause aus ins Internet kann, hat die Möglichkeit ins Gemeindehaus zu kommen zum Surfen oder E-Mailen. Eine andere Möglichkeit des Internetzugangs ist das Einwählen über das Funknetz eines Nachbarn. Bei einer Flatrate verursacht das keine zusätzliche Kosten, aber es entsteht die Möglichkeit in Kontakt mit Nachbarn zu treten, mit denen man vielleicht vorher nicht viel zu tun hatte.

Einige Teilnehmer hatten bereits einen eigenen Laptop und bringen diesen mit zum Kurs.

Für die Senioren ist die Teilnahme an diesem Kurs also völlig voraussetzungslos.

 

3. Generationsübergreifende Arbeit

Jedem Teilnehmer des Kurses wird ein Jugendlicher als Pate zur Seite gestellt. BEi den monatlichen Treffen gibt es dadurch eine 1 zu 1 Betreuung. Jedes Paar arbeitet an dem Bereich, wo Interesse besteht und auf dem jeweiligen Kenntnisstand. Bei einem Teilnehmer begann der Kurs mit: "wo schalte ich so ein Ding eigentlich an?", bei einer anderen ging es schon um Formatieren von Dokumenten.

Jeder Pate fühlt sich seinem "Patenkind" verbunden. Das monatliche Treffen dient vor allem dem Gemeinschaftsgefühl - viel wichtiger ist die Möglichkeit seinen Paten anrufen zu können bei Fragen oder Einzeltreffen zu verabreden. Es liegt an den Teilnehmern selbst, wie intensiv sie dies nutzen.

Die Hoffnung ist, dass sich aus dieser Lehrer/Schüler-Konstellation eine generationsübergreifende Freundschaft entwickeln kann und in anderen Lebensbereichen das Verhältnis Pate-Patenkind sich umdrehen kann.

 

4. Erreichen neuer Ehrenamtlichen

Der Kreis der Paten setzt sich aus Jugendlichen des letzten Konfirmandenjahrganges zusammen. Einige nehmen auch am bestehenden Jugendkreis teil, andere jedoch haben erst über diesen Arbeitsbereich Zugang zur Gemeinde gefunden.

Unterstützt wird der Kurs auch von der Mutter eines Paten, die für die Beköstigung nach dem Kurs die Verantwortung übernommen hat.

Die Hälfte der Kursteilnehmer sind bislang im Gemeindeleben nicht besonders in Erscheinung getreten. Sobald die grundlegenden Kenntnisse im EDV-Beireich vorhanden sind, stellt sich diesen die Aufgabe, ihr neu gewonnenes Wissen auch in den Dienst der Gemeinde zu stellen.

 

5. Belebung des Gemeindehauses

Durch den W-LAN Zugang im Gemeindehaus wird das Gemeindeleben belebt. Menschen kommen "einfach so" in die Gemeinde.

 

Reflexion / Hintergrund

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Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

1.

Die erste Hürde, die es zu nehmen galt, war das Besorgen von internetfähigen Laptops. Wir haben Firmen angefragt und einen Aufruf im Gemeindebrief geschrieben. Nicht alle Rechner die wir bekommen haben waren brauchbar, an vielen musste noch geschraubt und eingestellt werden. Vor allem die Jungens haben dabei ein profundes Wissen an den Tag gelegt, das über ein Anwenderwissen weit hinaus ging. Größtes Problem war die W-LAN-Tauglichkeit zu gewährleisten. USB-Netzwerkadapter für ca 10 € haben dieses Problem meistens lösen können.

 

2.

Ein W-LAN einrichten im Gemeindehaus. Um den Gemeindesaal zu befunken haben wir einen Funkverstärker eingebaut (gab es im Supermarkt für 30 € und muss nur an eine Steckdose angeschlossen werden).

 

3.

Das Gewinnen von Paten war einfach: Einmal nachfragen nach dem Konfirmandenunterricht.

 

4.

Die Teilnehmer haben sich nach einer Ankündigung im Gemeindebrief angemeldet.

 

5.

Für die gemeinsamen Treffen braucht man:

  • Tische und genügend Steckdosen.
  • Ein Beamer ist hilfreich, aber nicht zwingend notwendig.
  • Damit über den EDV-Bereich hinaus Kommunikation stattfindet, gibt es im Anschluss entweder ein Mittagessen oder wenigstens Kaffee und Kuchen.

Durchführung

Für das erste Treffen war eine Einheit vorbereitet. Die ist nie gehalten worden, da sich ganz von alleine Paten und Kursteilnehmer gefunden haben und sofort begonnen haben zu arbeiten.

Ab dem dritten gemeinsamen Treffen gab es Inputs, für die, die bereits die Basiskenntnisse hatten. Als ein Beispiel für ein soziales Netzwerk und die Fragen, wie meldet man sich im Internet an und welche Daten soll man von sich preisgeben (Fragen des Datenschutzes und des Internetbetruges sind eine große Verunsicherung für die meisten Teilnehmer), haben wir die Seite www.unsere-zeiten.de besucht.

Weitere Schwerpunkte wird "Einkaufen im Internet" und aktive Beteiligung im Web 2.0.

 

Großen Spaß gab es bei Google Maps: sich die Häuser der eigenen Kinder mal von oben anzuschauen.

 

Alles in allem sind die Treffen sehr zwanglos und offen für die Interessen der jeweiligen Teilnehmer.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Der Kurs läuft noch.

Wirkung / Erfahrung

  • Wir konnten Menschen erreichen, die wir mit unserem bisherigen kirchlichen Angeboten nicht erreicht haben. Mit ausreichend Vorlaufzeit (vor allem für das Besorgen der Laptops) ist dieses Projekt keine große Arbeit.

 

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Projekt 60+ und 6-
      Generationenübergreifende und intergenerationelle Projeke.
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    • smartphone
      Medienprojekte transportieren christliche Inhalte über Medien, über das Internet und über Neue Medien.
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    • Baugruppe
      Kirche für Senioren oder Kirche mit Senioren?
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