Interreligiöses Singen

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 17.01.2013
Letzte größere Änderung: 17.01.2013
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Gospel, Musicals und Co., Kultur und Kirchenmusik, Theater und Tanz, Interreligiöse Begegnungen, Integration und Inklusion, Ökumene und Internationales
Gemeinden/Institutionen
die Gospel gGmbH in Berlin
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: mehrere Monate
Durchführung: 1 Jahr plus weitere Jahre zur Pflege des Chores
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Arbeitsgruppe Musik der Religionen Berlin im Roten Rathaus zur Langen Nacht der Religionen 2013

Kurzbeschreibung

Zur Zusammenführung der Mitglieder eines interreligiösen Chores mit einem entsprechenden Begleitensemble (Band) wurde eine Reihe von mehreren Konzerten mit  jeweils 3-4 Chören und Ensembles der verschiedenen Religionen veranstaltet. In diesen Konzerten wurde eine immer weiterführende und vertiefende Begegnung von bereits im interreligiösen Singen und Spielen erfahrenen MusikerInnen und SängerInnen mit anderen, an Musik und Gesang innerhalb und außerhalb der christlichen und anderen religiösen Gemeinden interessierten MusikerInnen und SängerInnen, nachhaltig gefördert.

Situation / Kontext

Sechstes Jahr der Reformationsdekade: "Reformation und Toleranz". Besonderes Thema sind der Interreligiöse Dialog, Integration und Inklusion, die als große Aufgaben der modernen christlichen Kirchen gesehen werden.

Ziele

Das Ziel des Projekts ist die Formierung eines interreligiösen Chores mit Begleitensemble  aus bestehenden (multi-religiösen) Chören und Ensembles und anderen interessierten MusikerInnen und SängerInnen der verschiedenen Religionen.

Dieser Chor kann zu allen Festen und anderen Aktivitäten in Kirche und Gesellschaft, die sich mit dem Dialog der Religionen und Kulturen, Integration und Inklusion beschäftigen, auftreten.

Reflexion / Hintergrund

„Toleranz heute aber ist die größte Herausforderung mit Blick auf den Dialog der Konfessionen, der Religionen und auch der Kulturen. … Toleranz bedeutet Interesse am anderen, am Gegenüber, etwa an der anderen Religion…“ [1]

„Religion und religiöse Räume ent-tabuisieren, … als Kulturgeschichte präsentieren ... Der gemeinsame Nenner ist die Gestaltung des – dieses multireligiösen Zusammenlebens.“ [2]

Musik ist eine allen zugängliche und verständliche Sprache, unabhängig von Herkunft, Religion, Region und Kultur. [3]

Musik ist immer eine der kreativsten Kräfte in der Reformationsbewegung über alle Jahrhunderte gewesen. Dies wurde bereits im fünften Themenjahr der Lutherdekade in aller Form gewürdigt. [4]

  

Anmerkungen

[1] Gottesdienst anlässlich des Reformationsfestes 2012 und zur Eröffnung des „Jahres der Toleranz“, Predigttext Galater 5, 1-6, Dreifaltigkeitskirche Worms, 31. Oktober 2012, http://www.luther2017.de/sites/default/files/downloads/reformationstag_12_predigt_kaessmann_margot.pdf

[2] Siehe DOKUMENTATION des Workshops zum Reformationsdekadenjahr 2013 „Reformation und Toleranz“ am 11. August 2012 im AKD der EKBO zusammengestellt von Pfr. Dr. Bernd Krebs (Vorsitzender der AG zur Gestaltung der Reformationsdekade in der EKBO) Pfr. Peter Martins (Pastoralkolleg der EKBO im AKD), S.27-30 http://www.akd-ekbo.de/files/ekbo_workshop_toleranz_dokum_120811.pdf

[3] http://www.luther2017.de/18583-lutherschrift-frau-musika

[4] Vgl. Reformation und Musik

http://www.luther2017.de/luthderdekade/themenjahr-2012

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Es muss ein multireligiöses und multikulturelles Umfeld vorhanden sein. Es sollte bereits eine Basis für den interreligiösen Dialog geschaffen worden sein, z.B. durch gemeinsame Feste und andere Veranstaltungen. Ein bestehender Chor mit Mitgliedern aus verschiedenen Konfessionen oder Religionen ist hilfreich, ebenso wie Sponsoren aus allen Religionen.

Vorbereitung

Jeweils eine Gruppe einer Religion sollte der Gastgeber für vorbereitende Gespräche sein. Es bietet sich an, mit christlichen Gruppen (Chören) zu beginnen, da die Initiative von den Christen ausgehen soll.

Es bietet sich auch an, mit den Chor- und Gemeindeleitern der verschiedenen Gemeinden Kontakt aufzunehmen. Allerdings ist es auch sehr sinnvoll, Leiter von Musikgruppen, die nicht in Gemeinden gebunden sind, anzusprechen.

Es sollte ein Team aus bereitwillig Mitwirkenden aller Religionen gebildet werden, das die Idee in ihren jeweiligen Gemeinden und Musikgruppen / Chören propagiert.

Vor jedem Konzert müssen sich die Leiter der jeweiligen Chöre/Gruppen treffen, um das Programm zu besprechen und mindestens ein gemeinsam zu singendes Lied zu bestimmen.

Durchführung

Die Konzerte sollten mit mehreren Chören bzw. Musikgruppen, vorzugsweise 3-4 pro Konzert, durchgeführt werden. Es können verschiedene oder auch immer wieder die gleichen Chöre / Ensembles sein; das wird durch die Menge der vorhandenen Religionen, Sängern und Musikgruppen bestimmt.

Die Konzerte sollten jeweils in den sakralen Räumen einer Religion stattfinden, bei Bedarf kann jedoch auch ein geeigneter säkulärer Raum dienen, der mit entsprechenden Symbolen der jeweiligen gastgebenden Religion geschmückt ist. Um Berührungsängste (besonders bei Moslems) abzubauen, sollten evtl. zunächst nur säkulare Räume benutzt werden.

Ein monatliches gemeinsames Konzert sollte mindestens stattfinden. Bei Bedarf müssen die Chöre/Ensembles vorher zusammen proben.

Es muss immer wieder auf das Ziel, den gemeinsamen Chor mit Begleitensemble hingewiesen werden, um die SängerInnen und MusikerInnen daran zu erinnern, dass dies nicht nur ein Konzert ist, um Zuschauer zu unterhalten oder finanzielle Mittel einzuspielen.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Zur Formierung eines großen Chores mit entsprechendem Begleitensemble muss die Leiterfrage geklärt werden. Dies kann nur unter Beteiligung aller Leiter von mitwirkenden Chören/Ensembles entscheiden werden. Bei Übereinstimmung können dann ein Leiter oder ein Leitungsteam gewählt werden.

Dem Chor müssen Auftrittsmöglichkeiten geboten werden, z.B. bei Festen oder öffentlichen Veranstaltungen. Politiker und Firmen müssen auf die Existenz des Chores aufmerksam gemacht werden, ggf. Sponsoren gefunden werden.

Wirkung / Erfahrung

Die Erfahrungen, die bei den Konzerten gesammelt werden konnten, waren durchweg gut. Die MusikerInnen und SängerInnen waren durchweg begeistert von den neuen Möglichkeiten, die Stücke, die ihnen als sakrale Musik auch heilig sind, einem breiteren Publikum vorzuspielen.
Die ZuschauerInnen, die gekommen waren - es war durchaus unterschiedlich in den verschiedenen Gegenden Berlins - waren neugierig und aufgeschlossen. Insbesondere bei dem Lied "I am a friend of God", das durch den Gospelchor intoniert wurde und auf dessen Melodie Hallelujah, Ilahi and Hare Krishna passen, sangen die allermeisten fröhlich mit.
Schwieriger war es schon, einzelne Kirchengemeinden davon zu überzeugen, uns die Kirchenräume zu überlassen. Es gab von Gleichgültigkeit bis zu strikter Ablehnung (Stichwort: Synkretismus) eine ganze Palette von Reaktionen des Unverständnisses und Desinteresses. Davon lassen wir uns aber nicht entmutigen. Es gibt auch positive Beispiele. Besonders hervorzuheben ist die Kirchengemeinde in Markgrafpieske mit ihrem Pfarrer Stefan Felmy, der sich sogar um einen Transportbus gekümmert hatten, damit wir aus Berlin anreisen konnten.
Im Hindutempel oder bei den Sufis wurden die Konzerte mit Freude und Interesse aufgenommen. Mit deren Unterstützung werden diese Konzerte jetzt auch mehr im säkularen Raum aufgeführt, wie in der Werkstatt der Kulturen, der Fete de la musique und dem Karneval der Kulturen.
So wird auch nicht religiös gebundenen Menschen gezeigt, welche Schätze eine Religion zu bieten hat, und dass Kriege in dieser Welt nicht aus religiösen Gründen geführt werden, sondern ganz andere Ursachen haben. Und wie so ganz nebenbei wird ihnen auch vermittelt, dass wir einen Schöpfer haben, den wir auf ganz unterschiedliche Weise, aber doch eben loben können und sollen.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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