Esther von Händel als szenische Aufführung

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 01.07.2010
Letzte größere Änderung: 01.07.2010
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
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Musik
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Sylvestri-/Liebfrauengemeinde, Kirchenmusik in Wernigerode
Stichworte
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Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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Aufführung Esther von Händel in Wernigerode

Kurzbeschreibung

Ein barockes Oratorium mit Jugendlichen "In-Szene" gesetzt. Die Geschichte wird dadurch erlebbar. Die Trennung zwischen Zuschauern und Musiker/innen wird durchlässig. Die Geschichte der Königin Esther und Gottes rettendem Handeln wird aktualisiert.

Situation / Kontext

Das Schauspiel wurde von Jugendlichen ausgeführt, die teilweise noch nie mit der Kirche in Kontakt getreten waren.

Ziele

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Reflexion / Hintergrund

Eine Abschrift des Textbuches von Händel trägt die Bezeichnung "Masque" und meint dadurch eine Verbindung von Musik, Text, Schauspiel und Tanz.

 

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Viele Proben für die Musik und das Schauspiel

 

Materialien

 

 

Kosten

6000,- Euro

 

Durchführung

3. Oktober 2009 in Wernigerode

 

 

Der Tag der Deutschen Einheit wird in Wernigerode jährlich mit einem Geistliches Konzert der Kantorei- und dem Philharmonischen Kammerorchester Wernigerode begangen. Im Händeljahr 2009 stand das Oratorium „Esther“ auf dem Programm. Dies wurde nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch aufgeführt.

Inspiriert wurde ich durch eine Abschrift des Oratoriumtextes für Händel, das die Gattungsbezeichnung „Masque“ trägt. Damit war im England des 18. Jahrhunderts eine Kombination von Musik, Pantomime und Tanz gemeint. So entstand das Aufführungskonzept: Solisten, Chor und Orchester konzertieren musikalisch. Davor im Chorraum wird die Rettung und Befreiung des Volkes Israel vor der Vernichtung durch Hamann im Weltreich der Meder und Perser szenisch dargestellt.
Die Regie führte Horst Flechsig und die Choreographie entwickelte Johanna Meinig (beide Leipzig). Unter der Führung der Theater Kompanie Leipzig (ehemals Leipziger Spielgemeinde), verstärkt mit 15 Laienschauspielern – überwiegend Schülerinnen und Schüler der umliegenden Gymnasien wurde die Darstellung umgesetzt. Unter ihnen waren einige, die bisher noch nie mit Kirche in Berührung gekommen waren und auch ein Moslem, der dann aber aufgrund der Thematik nicht mitspielte, sondern nur in der Aufführung war.
Mit drei kräftigen Schlägen ihres Zeremonienstabes eröffnete Johanna Meinig, die als Maître (-sse) de Plaisir fungierte, die Aufführung. Die ganze Kirche durchschreitend, und damit die Besucher einschließend, zogen die Soldaten mit dem König Ahasverus und zwei gefangenen Juden in den Chorraum. Als der persische Gott Ahuramazda – aussehend wie eine geflügelte Sonne – aufgestellt wurde, begann die Sinfonia. Dabei wurde die biblische Vorgeschichte gespielt, die im Oratorium fehlt: Die Auswahl der neuen Königin Esther durch Ahasverus.
Die für eine szenische Aufführung langen Arien wurden durch beeindruckend langsame Bewegungen oder Standbilder ausgefüllt, sodass ein Wechselspiel entstand. Die Aufmerksamkeit wurde abwechselnd gebunden, einmal durch die Schauspieler, dann wieder durch die Musik. Besonders wirkungsvoll war eine Klageszene der Israelitinnen, die befürchteten „ye never to our country shall return – O Jordan sacred tide, shall we no more behold thee glide the fertile vales along?“ Die Mädchen waren umringt von Soldaten, ihre gelben Gewänder durch schwarze Tücher verdeckt. Schließlich wurden sie einzeln, zwischen zwei Lanzen eingeklemmt von der Bühne geführt. Die Verbindung von Musik und Spiel verlieh dieser Szene eine besondere Intensität. Hier kam Händels Meisterschaft, Klage und Schmerz bewegend in Musik zu übersetzen, voll zur Entfaltung. Und spätestens hier drängten sich Parallelen zum Herbst 1989 auf, als das Volk gegen die Staatsmacht der DDR aufbegehrte.
Anfänglich brauchte man etwas Zeit, um sich auf diese ungewöhnliche Aufführungsart, die an das barocke Theater anschließt, einzulassen. Doch im Laufe der Aufführung entwickelte sich dadurch eine Dynamik, die dazu verhalf, Aufstieg und Fall des mächtigen Hamann eindrücklich nachzuempfinden. Der jubelnde Schlusschor der geretteten Israeliten (ca. 15 Minuten) wurde mit einem Triumphzug durch die Kirche unterlegt und zeigte, wie der persische Gott Ahuramazda gegen eine Menora ausgetauscht wurde. Hier wurden die schwarzen Tücher der Trauer und der Bedrängnis abgelegt und durch ein helles Tuch verdeckt und verwandelt.
Anders als in der biblischen Geschichte endete das Oratorium mit dem Jubel der Israeliten und dem Dank an ihren Gott. In der Wernigeröder Aufführung waren auch Ahasverus und seine Soldaten an dem Jubelzug beteiligt und stimmten mit ein: „Forever blessed be thy holy name. Let heav'n and earth his praise proclaim“. Gottes rettendes Handeln wird dann erkennbar, wenn unüberwindbar scheinende Hindernisse überwunden werden und Gemeinschaft sich ereignet – vor 2500 Jahren, vor 20 Jahren und heute. (Nach einer Beschreibung von Prof. Dr. Michael Domsgen)

 

 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

 

 

Wirkung / Erfahrung

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Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Oratorium für Kinder
      Oratorien werden für Kinder gekürzt und mit kindgerechten musikalischen und theologischen Erläuterungen dargeboten.
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