Pflege-Azubis aus Litauen beim Ev. Stift Freiburg

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Erstellt am: 05.07.2013
Letzte größere Änderung: 05.07.2013
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Alter und Pflege
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Ev. Stift Freiburg in Freiburg
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Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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Pflege-Azubis aus Litauen zu Besuch im Evangelischen Stift Freiburg

Kurzbeschreibung

Zweiwöchiger Besuch von acht Auszubildenden und einer Lehrerin der Altenpflege aus den Orten Kaunas und Vilnas, Litauen, im Evangelischen Stift Freiburg, vom 21.04. bis 05.05.2013. Der arbeitspraktische Einsatz und die kulturellen Einblicke wurden im Rahmen des EU-Förderprogramms "LEONARDO DA VINCI / Mobilität" organisiert.

Situation / Kontext

Das Projekt wurde kurzfristig vom Evangelischen Stift Freiburg übernommen und organisiert, weil die ursprünglich eingeplante Gast-Institution keine Unterbringung anbieten konnte. Das Evangelische Stift ist aktuell bereits mitten in der Umsetzung eines eigenen Projektes im Rahmen des EU-Förderprogramms "LEONARDO DA VINCI / Mobilität": Im September werden vier Auszubildende der Altenpflege aus dem Evangelischen Stift nach Rumänien gehen und dort in einem Seniorenzentrum arbeiten und leben. Auch der Kontakt mit Litauen soll weiter fortgesetzt werden.

Ziele

Für die Besucher/innen aus Litauen und für die Mitarbeitenden des Evangelischen Stifts: Blick über den kulturellen Tellerrand. Interkultureller Kompetenzerwerb. Fachkompetenz erweitern. Persönlichkeit bilden. Bewusstsein für Europa als Gemeinschaft stärken. Für das Evangelische Stift erhöhen die Kontakte ins Ausland und die besonderen Chancen und Perspektiven, die sich gerade für junge Menschen dadurch ergeben, nicht zuletzt auch die Attraktivität des Arbeitsplatzes. Das Evangelische Stift gibt so eine aktive Antwort auf den Fachkräftemangel in der Altenpflege.

Reflexion / Hintergrund

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Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

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Durchführung

Die acht Jugendlichen und ihre Lehrerin Reda Paplauskiene arbeiteten im Pflegeheim Haus Schloßberg, zwei von ihnen auch im ambulanten Pflegedienst des Evangelischen Stifts. Sie wohnten vor Ort in Gästezimmern des Carl-Mez-Hauses und wurden dort auch verpflegt. Die organisatorische Durchführung übernahm die Leiterin des Hauses Schloßberg, Birgit H.E. Walkenhorst, gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Vorstand Hartmut von Schöning. Ihnen stand das ganze Team der beteiligten Häuser tatkräftig zur Seite.

Am 22.04.2013 wurden die litauischen Gäste vom Geschäftsführenden Vorstand, der Hausleitung und den Mitarbeitenden feierlich mit einem Sektempfang begrüßt. Die Azubis übernahmen unter Anleitung der Mitarbeitenden sofort die typischen Arbeiten in der Altenpflege.

Am Wochenende begleitete Pflegedienstleiter Raphael Kirchherr die Gruppe zu zwei Ausflügen auf Freiburgs "Hausberg" Schauinsland und in die Stadt Staufen, mit Burg- und Besenwirtschaftsbesuch. Zusätzlich organisierte die Gruppe selbst noch eine Fahrt in die Europastadt Straßburg.

Am 29.04. empfing Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach die litauischen Gäste des Evangelischen Stifts im Freiburger Rathaus. Nach einer Einführung in die Besonderheiten der Stadt Freiburg antwortete er kundig auf die Fragen der jungen Leute, die sich vor allem auch für die Chancen von geistig, körperlich und psychisch Behinderten in Deutschland interessierten. Das Inklusions-Prinzip wird zwar in ersten Ansätzen auch schon in ihrem Land praktiziert, doch "die Entwicklung steckt bei uns noch in den Kinderschuhen", erklärte Paplauskiene. "Auch bei uns ist Inklusion und Barrierefreiheit oft ein mühsamer Prozess", meinte von Kirchbach und erinnerte daran, dass die Innenstadt Freiburgs erst jetzt in Teilen barrierefrei gestaltet wird. "Aber wir machen uns auf den Weg." Von seinen Gästen bekam Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach gleich eine ganze Reihe von Geschenken überreicht: Unter anderem litauische Süßigkeiten, einen kleinen landestypisch bemalten Schuh, ein Bernstein-Stück und Informationen zu den Städten Vilnas und Kaunas, in denen die acht Jugendlichen ihre Pflege-Ausbildung machen. Von Kirchbach zeigte seinen Gästen anschließend nicht nur den Historischen Ratssaal, sondern auch den dazugehörigen Rathausbalkon, das Heiratszimmer, die alte Aula und den Neuen Ratssaal. Im Anschluss an diesen ausführlichen und warmen Empfang lud Vorstand Hartmut von Schöning die Gruppe noch zum genüsslichen Abschluss ins Café Schmidt.

Am 03.04. veranstaltete das Haus Schloßberg für seine Gäste einen Abschiedskaffee, zu dem auch alle BewohnerInnen und Mitarbeitenden eingeladen waren. Der Andrang und die Begeisterung waren groß. Azubi Linas hatte sich in Freiburg Klaviernoten besorgt und spielte zur Freude aller einige Stücke. Die Auszubildenden waren über den Abschied traurig und wären gerne länger geblieben. Auch die Mitarbeitenden des Evangelischen Stifts hatten sie innerhalb der kurzen Zeit ihres Aufenthalts schon in ihr Herz geschlossen. Der Kontakt zu ihnen und zu ihrer Fachschule soll weiter gepflegt und ausgebaut werden.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Für das Evangelische Stift Freiburg war dieses erste EU-Projekt eine bereichernde Erfahrung, die viele frische Impulse in die Häuser gebracht hat. Der Träger wurde darin bestärkt, Kontakte ins Ausland zu suchen und den Austausch gerade zwischen jungen Menschen in der Ausbildung möglich zu machen. Der jugendliche Esprit der bescheidenen, interessierten und engagierten Gäste aus Litauen hat die Mitarbeitenden beeindruckt und beflügelt.

Die Projektleiterin und Hausleiterin des Hauses Schloßberg, Birgit H. E. Walkenhorst, schreibt in ihrer Rückschau:

"Es war ein spontan eingeplantes, wunderbares und nachwirkendes Praktikum.

Ich stehe noch unter dem Eindruck meines gestrigen letzten Abends mit der ganzen Gruppe – in der kleinen Küche im Dachgeschoß des Carl-Mez-Hauses - bei Wein, Schokolade, Chips... und einem 2,5-stündigen, frischen, sympathischen und motivierten Gedankenaustausch!

Die eindrücklichsten Gesprächsinhalte möchte ich Ihnen gerne mitteilen:

Die jungen Leute waren beinahe entsetzt darüber, wie in unserem Land mit Nahrungsmitteln umgegangen wird - dass täglich Essen weggeworfen wird, stieß auf Unverständnis, das in den Gesichtern ablesbar war.

Dass in Deutschland nur 7-8 Stunden täglich gearbeitet werden und wir für die Bewohner soviel Zeit und Zuwendung (dort werden pro Pfleger 19 Senioren versorgt) aufbringen können, versetzte die Litauer in Begeisterung und ließ sogar ein wenig Neid aufkommen. Pflegequalität definiert sich in Litauen (leider) häufig über Geldscheine, die in die Kitteltaschen von Verantwortlichen wandern.

Morgens um 04:50 Uhr habe ich die Gruppe verabschiedet.

Sie freuten sich auf Zuhause und werden zuerst ihre Mütter aufsuchen.

In Litauen wurde an diesem Tag Muttertag gefeiert!

Die Gruppe...

Viele Begegnungen fanden statt zwischen diesen jungen Menschen, die zum ersten Mal nach Deutschland gereist sind und ganz andere 'Bilder im Kopf hatten', wie sie selbst am Abschiedskaffee mitteilten. Sie fühlten sich sehr wohl und herzlich aufgenommen. Sie fanden uns höflich und freundlich sowie auch neugierig... Sie haben gelernt und gesehen, manchmal auch gesprochen.

 

Wir...

waren sehr gespannt auf diese Gruppe - vor allem auf das Phänomen, was 'gebrochen Deutsch zu sprechen' bedeutet  und wie das in der Praxis ausreichen würde. Nach allem, was ich erfahren habe, lässt sich die Erfahrung so zusammenfassen: Wir haben alles gegeben - sprachlich - mit Händen und Füßen, mit den Augen und Ohren, mit den Worten aus dem Englischen, jeder so, wie es ging. Aber auch das: Die Mitarbeitenden aus unseren Teams, die unterschiedlicher osteuropäischer Herkunft sind, fanden mit den jungen Leuten 'Muttersprache' und damit Vertrautes; ich blickte häufiger in strahlende Gesichter!

Fachlich wurden sie beteiligt, einbezogen, wurde ihnen etwas zugetraut und sie wurden begleitet, freundlich, humorvoll und beherzt.

 

Die BewohnerInnen...

Sie schlossen diese freundlichen, hilfsbereiten und gut gelaunten Menschen in ihr Herz – beim 'Abschiedskaffee', der mit fast 50 Personen das Praktikum festlich abrundete - wurde es sehr sichtbar!

Beziehungen und Zuneigungen entstanden... Das geht vielfach auch ohne Sprachkenntnisse und zeigt die Fähigkeit der vielfältigen menschlichen Ausdrucksmöglichkeiten!

Es gab auch hier Überraschungen: Senioren, die plötzlich eifrig und ehrgeizig nach englischen Worten fahndeten...

Oder Bewohner, die ganz unerwartet anders oder überhaupt reagierten...

 

Wir haben uns gegenseitig beschenkt und uns ein wenig von den Einzelnen und der Gruppe 'verzaubern' lassen. Das macht Mut bei dem gemeinsamen Anliegen, an Europa mitzubauen."

 

Wir blicken gern auf dieses rundum gelungene und empfehlenswerte Projekt zurück.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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