Gedenken an den 17. Juni 1953

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 02.12.2013
Letzte größere Änderung: 02.12.2013
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Stadtjugendpfarramt Gera in Gera
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17. Juni 1953

Kurzbeschreibung

Der Aufstand am 17. Juni 1953 gehört zur Widerstandstradition der DDR. Durch eine jahrzehntelange Tabuisierung besteht noch heute eine gewisse Unkenntnis, was die Ereignisse betrifft. Deshalb hat die Kirchgemeinde Gera sich bewusst diesem Thema zugewandt.

Situation / Kontext

Der Aufstand am 17. Juni 1953 gehört zur Widerstandstradition der DDR. Durch eine jahrzehntelange Tabuisierung besteht noch heute eine gewisse Unkenntnis, was die Ereignisse betrifft. Deshalb hat die Kirchgemeinde Gera sich bewusst diesem Thema zugewandt.

Ziele

  • Erinnerung und Vergegenwärtigung
  • Bessere Kenntnis der Ereignisse am 17. Juni 1953

Reflexion / Hintergrund

„Friedliche Revolution – Erinnerung und Vergegenwärtigung“

Praxisbeispiel aus Gera

 

Als 1989 durch Massenproteste das SED-Machtgefüge in sich zusammenbrach und die Teilung Europas überwunden wurde, stellte das auch eine Kirchengeschichtliche Zäsur da. Die Evangelischen Kirchen der DDR schüttelten die Repression ab und wanderten in eine demokratisch verfasste und ökonomisch dominierte Gesellschaft ein.

Nun stellte sich die Frage, wie die Erfahrungen von Diktatur und Widerstand auf eine lebendige Weise in die neue Situation hinein tradiert werden können. Nicht nostalgische Rückschau, sondern eine vergegenwärtigende Übertragung ins Heute war dabei der eigene Anspruch.

  

In der Evangelischen Kirchgemeinde Gera gab es mehrere Projekte, Veranstaltungen und Gottesdienste, die sich diesem Bereich gewidmet haben. Oft ging die Initiative dabei vom Stadtjugendpfarramt aus, doch wurde die Umsetzung im Kirchenkreis sowie in ökumenischer Zusammenarbeit realisiert.

   

Im Folgenden wird dies am Beispiel Aufstand am 17. Juni 1953 benannt und zum Teil erläutert.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

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Durchführung

Der Aufstand am 17. Juni 1953 gehört zur Widerstandstradition der DDR. Durch eine jahrzehntelange Tabuisierung besteht noch heute eine gewisse Unkenntnis, was die Ereignisse betrifft. Deshalb hat die Kirchgemeinde Gera sich bewusst diesem Thema zugewandt.

 

Schulprojekt 2003

Zum 50. Jahrestag des Aufstandes wurde ein Schulprojekt entwickelt, das junge Menschen anleitete, sich mit den historischen Vorgängen auseinanderzusetzen. Die Schüler wurden in einem fiktiven Fahnenappell hineingenommen, bei dem vier Jugendliche von der Schule verwiesen wurden, weil ihre Eltern auf unterschiedliche Weise in den Aufstand beteiligt waren. Es wurde dabei u.a. die Auseinandersetzung um die Jungen Gemeinden, die Streikkomitees oder Republikflucht thematisiert. Im Anschluss wurden Gruppen gebildet, die anhand von Dokumenten und Filmbeiträgen sich mit den Vorwürfen beschäftigten und eine Verteidigungsrede für die relegierten Schüler erstellten. Das förderte die Auseinandersetzung mit der Zeit, mit den politischen Verhältnissen, mit Arbeits- und Lebenssituationen und mit den Menschen. Ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung war die Frage nach Zivilcourage.

  

Zeitzeugengespräch

Was geschah am 17. Juni vor Ort? Wie haben es die Menschen erlebt?

Mit einem Zeitzeugengespräch im Gemeindehaus wurden zwei wichtige Punkte erreicht: einerseits bekamen Menschen, die die Ereignisse selbst erlebt haben und unter dem langen Schweigen leiden mussten, den Freiraum, einen wichtigen Teil ihre Biographie zur Sprache zu bringen. Andererseits wurde für jüngere Menschen die Gelegenheit eröffnet, in direkter Weise und auf eine sehr persönliche Art von diesem Ereignis zu erfahren. Der lokale Bezug zu Gera machte das Zeitzeugengespräch zusätzlich interessant. Um den Wirkradius noch zu erhöhen, wurde die Veranstaltung, die bereits an sich auf eine sehr gute Resonanz gestoßen ist, aufgezeichnet und im Offenen Kanal Gera ausgestrahlt.

  

Gedenk-Gottesdienst

Thematische Gottesdienste stellen eine sehr authentische Form dar, um Erinnerungen zu vergegenwärtigen. In Gera wurden mehrfach Gottesdienste zum 17. Juni gestaltet, so „Vermächtnis Demokratie – eine Erinnerung an den 17. Juni“ (2011) und „Erinnerungen – Angst und Würde, ein Gottesdienst im Gedenken an das, was zum 17. Juni geschah“ (2012).

   

Auseinandersetzung mit der rechten Szene

Seit mehreren Jahren versucht die rechtsradikale Szene, das Datum des 17. Junis für eigene Propaganda zu missbrauchen. Darauf haben wir als Kirchgemeinde mit Presseerklärung und Gegenaktionen offensiv reagiert.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Kyrie-Ruf

  

DDR im Juni 53

Viele Menschen sind auf den Beinen. Sie streiken gegen ständig höhere Normen. Sie demonstrieren gegen Willkür und politische Unterdrückung. Sie wehren sich gegen Angst, Ohnmacht und Verzweiflung. Betriebe werden besetzt, Gefängnisse werden gestürmt. Auf den Straßen und Plätzen ist der Ruf nach Freiheit zu hören…

  

Doch die Panzer rollen, der Widerstand wird erstickt. Es gibt Tote, es gibt Verhaftungen, es gibt Resignation.

Herr erbarme dich.

   

  

Ungarn im Jahr 1956

CSSR im Jahr 1968

Polen im Jahr 1980

China im Jahr 1989

Viele Menschen sind auf den Beinen. Sie haben die Nase voll von all den Repressionen und ideologischen Lügen. Sie wollen Wahrheit. Sie drängen auf Veränderungen. Sie haben Ideen und Mut. Auf den Straßen und Plätzen ist der Ruf nach Freiheit zu hören…

   

Doch die Panzer rollen, der Widerstand wird erstickt. Es gibt Tote, es gibt Verhaftungen, es gibt Resignation.

Christus erbarme dich.

    

  

DDR im Herbst 1989

Viele Menschen sind auf den Beinen. Ganz Osteuropa ist in Bewegung. Mauern stürzen ein: Gefängnismauern, Mauern des Schweigens; und auch die Mauer, die eine Stadt, ein Land, einen Kontinent, eine Welt zerteilt hat. Auf den Straßen und Plätzen ist der Ruf nach Freiheit zu hören.

   

Doch der Weg zur Freiheit wird länger dauern. Der Weg zur Freiheit braucht immer wieder neu Mut, Geduld und langen Atem. Auf diesen Weg dürfen wir die vergangenen Opfer nicht vergessen und müssen auch morgen noch wachsam bleiben.

Heiliger Geist erbarme dich.

  

  

Eine Predigt findet sich im Anhang.

 

 

Wirkung / Erfahrung

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Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterlager in Neukölln
      Gedenken und Erinnern an Ereignisse wie den 9. November oder die Befreiung von Auschwitz.
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