Stadtkloster Segen

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 27.01.2014
Letzte größere Änderung: 30.05.2018
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
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Citykirchen und Profilgemeinden, Besondere Gemeindeformen
Gemeinden/Institutionen
Verein Don Camillo Stadtkloster e.V.
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Auf Dauer
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Kurzbeschreibung

Der Stadtklosterkonvent lebt, betet und arbeitet im Stadtkloster. Er öffnet und gestaltet diesen Ort für Einzelne und Gruppen, damit er zum Raum werden kann, in dem Menschen sich selbst, Gott und dem Mitmenschen neu begegnen können.

Situation / Kontext

Die Segensgemeinde fusionierte 2001 mit drei anderen Kirchgemeinden im Prenzlauer Berg. Die Bezirksausschüsse überlegten sich, was an den jeweiligen Standorten entwickelt werden könnte, damit sich die Orte unterscheiden. Man wollte nicht viermal das gleiche „Programm“ senden.

Aus der Fülle der Ideen kristallisierte sich das Projekt „Stadtkloster“ heraus. Aus der Erkenntnis, dass dieses Projekt von den Mitgliedern der Gemeinde nicht alleine realisiert werden könnte, machte sich der Pfarrer, Gisbert Mangliers, auf den Weg und besuchte während einer Sabbatzeit Kommunitäten in Deutschland und in der Schweiz. Auf dieser Reise kam er im September 2004 auch nach Montmirail, dem Ort der evangelischen Familiengemeinschaft „Don Camillo“. Dort stellte er sein Projekt vor und fragte, ob einige Mitglieder bereit seien, sich auf den Weg nach Berlin zu machen. Er traf auf eine gewisse Offenheit, weil in der Communität selbst der Wunsch vorhanden war, wieder in einer Stadt eine kleine Gemeinschaft zu verankern.

In einem längeren Prozess entschieden sich zwei Familien nach Berlin zu ziehen und dort das Projekt zu realisieren. Zwei Alleinstehende stießen im Lauf der Zeit dazu. Aus wirtschaftlichen Gründen schlug die Communität vor, das Gebäude zu kaufen und auf eigene Verantwortung zu sanieren und das Stadtkloster zu betreiben.

   

Träger ist der Verein Don Camillo Stadtkloster e.V.
Das Projekt wird getragen von der Evangelischen Kirchengemeinde Prenzlauer Berg Nord, Berlin und der Communität Don Camillo, Montmirail, Thielle-Wavre Schweiz.
Wirtschaftlich ist der Verein Don Camillo Stadtkloster e.V. verantwortlich für das Projekt. Der Verein erhält keine regelmäßige Unterstützung durch die Kirche oder eine kirchliche Institution.

Ziele

In der Segenskirche entsteht ein Ort, an dem Kirche sichtbar wird und an dem Menschen verlässlich präsent sind. Durch die Feier der Stundengebete, von Gottesdiensten, durch Angebote im Bereich christlicher Meditation und Seelsorge öffnet die Gemeinschaft Räume, in denen Menschen zur Ruhe und zu sich kommen können. Die Hoffnung ist, dass Menschen Gott begegnen.   

Zielgruppen

  • Menschen aus dem Kiez, eher Kirchendistanzierte
  • Die AbendbeSINNungen richten sich an ungebundene Menschen. 60% der Wohnungen im Kiez sind Single-Haushalte.
  • „Passanten“. Die offenen Türen zu den Gebeten und zur offenen Kirche „verführen“ immer wieder Menschen, einzutreten.
  • Interessierte aus Berlin, die sich mit christlicher Meditation beschäftigen und einen Ort suchen, das zu praktizieren.

Reflexion / Hintergrund

Mehr als 70% der Menschen leben in Deutschland in Städten (Zahlen von 2011). Kirche lebt aber oft noch in dörflichen Strukturen. Das Ziel ist immer noch, das Gebiet flächendeckend zu versorgen. Das wird aber aus finanziellen, zum Teil auch aus personellen Gründen immer schwieriger. Die eine Lösung praktiziert die römisch-katholische Kirche zurzeit in Berlin: Sie bildet immer größere parochiale Räume, die von Priestern und Laien versorgt werden sollen.

Einen anderen Ansatz hat unter anderen Prof. M. Zulehner vorgeschlagen: Die Bildung von Zentren, an denen Glaube verdichtet gelebt wird. Als die ersten Jünger Jesus fragten, wo er wohne, lud er sie ein: Kommt und seht.

Wir sind überzeugt, dass in einer Zeit, in der Worte immer weniger glaubwürdig werden, das Beispiel wieder eine gewisse Kraft entwickelt. Aufgabe der Gemeinde wäre es dann, Orte zu schaffen, an denen man sehen kann, wie Christen leben. Wir hören immer wieder, dass Leute schätzen, dass wir hier leben und arbeiten.

Sr. Ruth Meili von der Communität Casteller Ring lebte selbst 10 Jahre in einem „Stadtkloster“ in Erfurt. Sie formulierte, dass in der heutigen Zeit – vor allem auch im Osten Deutschlands – verlässliche Präsenz der Kirche nötig sei. Das, so war ihre Erfahrung, ermögliche neue Formen auch der Seelsorge und Begleitung. Wenn 90% der Menschen keinen Bezug zur Kirche haben, können wir nicht erwarten, dass sie zu den im Gemeindebrief publizierten Zeiten zur Kirche kommen. Sie treten ein, wenn sie eine offene Tür finden.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

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Durchführung

In der konkreten Durchführung bedeutete das, dass zwei Familien von der Westschweiz nach Berlin zogen und hier anfingen, Stundengebete zu halten, Gottesdienstformen zu entwickeln, Angebote für Stille in der Stadt zu machen.
Einen großen Raum nahm (und nimmt!) zunächst die bauliche Sanierung der Gebäude ein.
Ein Gästehaus bietet Platz für Gruppen und Einzelne, ein Garten lädt zum Verweilen ein. Auch Kurse und Seminare findet im Stadtkloster statt.

   

Mitarbeitende
Neben dem Stadtklosterkonvent, der hier lebt und arbeitet, hat sich ein Kreis von etwas mehr als 20 Menschen gebildet, die bei der Durchführung der AbendbeSINNung und bei anderen Angeboten mithelfen.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Es ist nicht leicht, die Wirkung selbst zu beschreiben. Wir stellen fest: die Medien in Berlin, aber auch darüber hinaus, haben großes Interesse an dem Projekt gezeigt. Von Bild bis FAZ erschienen kurze oder längere Berichte über das Stadtkloster. Aus unserer Erfahrung in der Schweiz haben wir nicht damit gerechnet, ein solches Echo auszulösen.

Wir stellen fest, dass sich die Zahl der Gottesdienstbesucher am Sonntagabend kontinuierlich und langsam steigert. Wir haben mit etwa 20 Leuten begonnen. Nun tragen etwa 20 Leute die Vorbereitung mit, ca 60 Leute kommen zu den Gottesdiensten. Die Nachfrage nach geistlicher Begleitung ist vorhanden. Oft bietet die AbendbeSINNung oder die Gebete den Einstieg für Gespräche. Die Lage an einer großen, auch vielbefahrenen und begangenen Straße bringt nicht nur Lärm sondern auch „Passanten“. Immer wieder hören wir, dass Leute die offene Tür gesehen haben, die Glocken hörten und dann an einem Gebet teilnahmen.

Wir werden von Kirchgemeinden oder Pfarrkonventen angefragt, Tage zu geistlichem Leben zu gestalten.

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