Wenn's kritisch wird, fürs Leben eintreten - Kurs zur Seelsorge an alten, pflegebedürftigen Menschen

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 27.01.2014
Letzte größere Änderung: 27.01.2014
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Senioren, Alter und Pflege, Seelsorge
Gemeinden/Institutionen
Evangelische Kirche Dortmund in Dortmund
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
Meinungen
2 Stimmen
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Kurzbeschreibung

Menschen für seelsorgliche Besuche im Altenpflegeheim und im ambulanten Pflegekontext ausbilden

Situation / Kontext

Seelsorge der Ev. Kirche in Dortmund

Ziele

Ziel des Kurses ist es

Menschen für seelsorgliche Besuche im Altenpflegeheim und im ambulanten Pflegekontext auszubilden. Nach Abschluss des Kurses wird ihnen der Titel „Seelsorglicher Begleiter/seelsorgliche Begleiterin – beauftragt von der Ev. Kirche in Dortmund“ verliehen. Die Absolventen sind sich ihrer Rolle als von der Ev. Kirche Beauftragte bewusst. Sie handeln entsprechend. Sie kennen die Möglichkeiten und Grenzen ihres Dienstes und wissen, wann sie an einen Pfarrer/eine Pfarrerin verweisen müssen.

   

Adressaten des Kurses sind Männer und Frauen, die

  • sich in der Ev. Kirche zuhause fühlen
  • die physisch und psychisch belastbar sind
  • die ihren Glauben, ihre Lebenserfahrung und Phantasie einbringen wollen
  • die sich selbst besser kennenlernen wollen
  • die ihre Fähigkeit entwickeln wollen, Kontakt zu knüpfen und sich auf andere einzulassen
  • die Seelsorge als Lebensdimension für pflegebedürftige alte Menschen verantwortlich und qualifiziert gestalten wollen
  • die zwei Jahre dabei bleiben.

   

Weitere Informationen zum Kursprogramm gerne auf Nachfrage.

Reflexion / Hintergrund

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Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Teilnehmende an dem Kurs haben ein Bewerbungs- und Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen.

Der Kurs  bietet Selbsterfahrung (nonverbale Kommunikation, Alter(n) und Pflegebedürftigkeit, Abschied und Sterben, Trauer und Tod) als auch Fachwissen. Die Teilnehmenden beschäftigen sich mit ihrer Person und ihrer Rolle als SeelsorgerIn. Verortet ist die Tätigkeit im ambulanten Pflegekontext oder einer Einrichtung der stationären Altenhilfe. Adressaten sind sowohl pflegebedürftige alte Menschen in einer Gemeinde bzw. im Altenheim als auch  deren Angehörige. Die Ehrenamtlichen werden sensibilisiert für eine achtsame Gestaltung von Kontakten. Sie üben, verbal und nonverbal zu kommunizieren und Glauben zur Sprache zu bringen. Sie eignen sich eine Übersicht über  verschiedene Krankheitsbilder an. Sie erwerben Grundkenntnisse von den Rahmenbedingungen professioneller Pflege und juristischen Implikationen (Patientenverfügung und Betreuungsrecht). Sie werden mit dem Netzwerk Gemeinde und das System Altenpflegeheim bekannt gemacht. Nach Abschluss der Fortbildung können sie (Beratungs-)Angebote und Dienste der Ev. Kirche in Dortmund und der Kommune vermitteln.

  

Der Kurs läuft über 2 Jahre: Im ersten Jahr nehmen die Absolventen neben der Praxisphase an 3 ganztägigen Ausbildungseinheiten, 6 Abenden und Gruppensupervision teil. Im 2. Jahr arbeiten die Teilnehmenden verlässlich im Praxisfeld, treffen sich zu regelmäßiger Gruppensupervision und nehmen an 2 ganztägigen Ausbildungseinheiten und 2 Abenden teil. Nach erfolgter Fortbildung erhalten die Absolventen ein Zertifikat der Evangelischen Erwachsenbildung, in dem sind Umfang und Inhalt des Kurses festgehalten sind.

Die Absolventin, der Absolvent wird in einem Gottesdienst  in ihren/seinen  Dienst eingeführt. Auch nach Abschluss des Kurses besucht sie/er jährlich mindestens 1 Fortbildungsangebot im Fachbereich I Seelsorge und Beratung und hat Gruppensupervision.

  

Der Kurs vermittelt folgende Kompetenzen:

  

Personale Kompetenzen

  • Die TN entwickeln die Wahrnehmung für die Möglichkeiten und Grenzen der eigenen Person in Beziehung zu anderen.
  • Die TN entwickeln ihre Empathiefähigkeit.
  • Die TN sensibilisieren die Wahrnehmung ihrer Biografie und deren Konsequenzen für eigenes Erleben und Verhalten.
  • Die TN klären die verschiedenen Aspekte von Motivationen für die Tätigkeit in der Seelsorge
  • Die TN entwickeln die eigene Rolle und Identität als SeelsorgerIn und reflektieren sie in unterschiedlichen Bezügen (zwischenmenschlich und institutionell)
  • Die TN entwickeln eine ethische Kompetenz und bringen diese ein.

   

Soziale Kompetenzen

  • Die TN nehmen sich selbst und andere in unterschiedlichen Seelsorgesituationen mit ihren emotionalen, sozialen, kulturellen und spirituellen Bezügen wahr und bringen sich angemessen ein.

  

Kommunikative Kompetenzen

  • Die TN üben unterschiedliche kommunikative Zugänge ein und wenden diese an ((non-)verbale Kommunikation/validierende Begleitung)
  • Die TN üben aktives Zuhören
  • Die TN üben sich in Grundhaltungen und Fertigkeiten der Gesprächsführung
  • Methodenkompetenzen
  • Die TN üben, Rituale zu gestalten und darin Verlässlichkeit zu bieten.

   

Theologische Kompetenzen

  • Die TN bringen den eigenen Glauben angemessen zum Ausdruck.
  • Die TN üben sich ein ins Singen und Beten
  • Feldkompetenzen
  • Die TN setzen sich mit den Zielvorstellungen des Praxisfeldes kritisch auseinander und sind bereit, im Praxisfeld loyal mitzuarbeiten.

    

Fachkompetenz

  • Die TN erwerben Wissen über das System Altenpflegeheim und dessen rechtliche Grundlagen.
  • Die TN werden ins Thema Demenz und in verschiedene Krankheitsbilder eingeführt.
  • Die TN erhalten Informationen zum Patientenverfügungs- und Betreuungsgesetz.
  • Die TN erhalten einen Überblick über verschiedene Beratungsangebote in Dortmund, auf die sie im Bedarfsfall verweisen können (Netzwerkkompetenz).

Vorbereitung

Werbephase

  • Auf einem Studientag für Ehrenamtliche in den Besuchsdiensten; Ankündigung des Kurses und Auslegen einer Liste für Interessierte
  • mit Flyer und auf den Webseiten der VKK Dortmund und Lünen, Ansprechen von MultiplikatorInnen (Pfarrkonvente, Einrichtungen der Altenpflege, Seniorenbüros der Stadt Dortmund etc.) Besuche in Ehrenamtsgruppen
  • Artikel in Dortmunder Tageszeitungen
  • Interessierten wird der Flyer zugesandt.
  • Weiter Interessierten wird der Fragebogen zugesandt
  • 20minütige Einzelgespräche mit 14 Interessierten
  • Vorstellungstag in der Gruppe (Motivation, Erwartungen der TeilnehmerInnen und der Kursleitung)
  • 1. Treffen mit der Praxisbegleiterin, dem Praxisbegleiter
  • 1. Treffen mit der Praxisbegleiterin, dem Praxisbegleiter und Beginn der Tätigkeit im Praxisfeld.
  • Wünschenswert: Vorstellung im Gottesdienst des Praxisfeldes

Durchführung

Kurselemente

  • 5 Samstage
  • 8 Abende
  • Praxisfeld
  • Supervision
  • Kurstagebuch (fakultativ)

    

Die Struktur der 5 Samstage

  • Sa10.00 – 18.00 Uhr

  • Andacht
  • Ankommen
  • Thema
  • Elemente der Selbsterfahrung
  • Klärungs-, Sicherungsphase für die Seelsorge
  • Aufgaben für das nächste Treffen
  • Feedback
  • Verabschiedung & Segen

   

Die Struktur der 8 Abende

  • Do 17.00 – 20.00 Uhr
  • Andacht
  • Ankommen
  • Offene Runde
  • Imbiss
  • Thema/Verbatim
  • Absprachen
  • Feedback

Im Rahmen des Kurses finden auch Öffentliche Veranstaltungen statt.

Begründung der Öffnung: Bei diesen Veranstaltungen geht es nicht um gruppendynamische Prozesse, sondern um Informationen und erfahrungsbezogenes Lernen.  Die Teilnahme von anderen Interessierten ist gewollt: Der Fachbereich Seelsorge und Beratung stellt die Fachkompetenz der ReferentInnen über den Kurs hinaus zur Verfügung. Er erreicht Menschen, die sich (noch) nicht in Langzeitkursen binden lassen. Er wirbt für die Teilnahme an weiteren Angeboten, möglicherweise auch für die Teilnahme an einem nächsten Seelsorgekurs.

  

Geworben wird über bekannte Verteiler, Printmedien und Internet.

 

 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Erwartete und aufgetretene Probleme und Widerstände

Dem Leitungsteam ist die Dilemma-Situation des Werbens und Ausbildens von Ehrenamtlichen in der Seelsorge bewusst. Diese ergibt sich aus folgenden Aspekten:

  • Konkurrenz mit den Parochien bei der Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen
  • Hauptamtliche versus Ehrenamtliche („Ich reduziere mich doch nicht selbst weg“)
  • Trägerinteresse  versus Interesse der verfassten Kirche: Dokumentation versus Schweigepflicht in der Seelsorge.
  • Wer bestimmt die Inhalte der Ausbildung und die Tätigkeitsbereiche im Praxisfeld (Träger von stationären Einrichtungen der Altenhilfe haben ein Interesse daran, Vorgaben z.B. des Wohn- und Teilhabegesetzes des Bundeslandes NRW, Prüfkataloges des medizinischen Dienstes der Krankenkassen und der Heimaufsicht zu erfüllen. Danach richten sie ehrenamtliche Tätigkeiten aus.)?  
  • Zur Wahrung der Unabhängigkeit der Ehrenamtlichen in der Seelsorge gegenüber institutionellem Interesse müssen vorab folgende Fragen geklärt sein: Wer begleitet die Ehrenamtlichen? Wer ist AnsprechpartnerIn für sie? Wer finanziert die Ausbildung? Wer ist versicherungstechnisch verantwortlich?
  • Wer bildet den Personenpool für Fortbildung und Praxisanleitung?

Um der Dilemma-Situation zu begegnen, hat das Leitungsteam bereits  vor der Werbephase mit allen Beteiligten das Gespräch gesucht, über Phasen, Inhalte und Ziele des Kurses informiert und die Rahmenbedingungen geklärt. Das Leitungsteam wird über die gesamte Kursdauer im Gespräch mit den Beteiligten bleiben und bedacht sein, Vorbehalte, Widerstände etc. zu lösen.

   

Beachtet werden müssen auch folgende Themenkreise:

  • Das Zusammenspiel zwischen den Praxisfeldern in den Bereichen der ambulanten und stationären Pflege: Schon zu Beginn des Kurses wird deutlich, dass im Bereich der ambulanten Pflege viel mehr vertrauensbildende und organisatorische Vorarbeit zu leisten ist als im stationären Bereich, um die Zielgruppe der alten, pflegebedürftigen Menschen und deren Angehörigen zu erreichen.
  • Das unterschiedliche Interesse von Ehrenamtlichen und Interessierten  an Fortbildung: Diesem trägt das Projekt durch die Öffnung einiger Veranstaltungen Rechnung.  
  • Wo befindet sich die Ausbildung zwischen KSA und Predikantenausbildung im Institut für Aus-, Fort- und Weiterbildung der EKvW in Villigst?
  • Welche Ausbaustufen des Kurses soll es an welcher Stelle geben? Wozu qualifizieren sie?
  • Wie machen wir im Kirchenkreis Dortmund (und darüber hinaus in der EKvW) Seelsorge an alten, pflegebedürftigen Menschen zu einer anerkannten Marke wie es z.B. die Telefonseelsorge und  die Hospizarbeit ist? Wie werben wir erfolgreich auf dem „Markt“ um Menschen, die sich qualifizieren wollen?

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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