„Die Kunst des Erinnerns“ - Wittenberger Spurensuche

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 12.02.2014
Letzte größere Änderung: 12.02.2014
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung
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Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017" in Lutherstadt Wittenberg
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Durchführung: Keine Angaben
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Friedrich Schorlemmer

Kurzbeschreibung

Eine Tagung erinnerte an die Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" 1983 in der DDR und suchte nach künstlerischen Formen des Erinnerns.

Situation / Kontext

Die Stadt bereitet sich mächtig vor – es wird gehämmert und gezimmert, programmiert und konferiert, alles für 2017, das Jubiläum der Reformation. Lutherstadt Wittenberg läuft sich warm. Wie kaum anderswo schlägt hier die reformatorische Erinnerungskultur Purzelbäume, fast verwegen wird zuweilen vom „Oberammergau des Protestantismus“ getextet. Doch auch andere Erinnerungen an historische Taten haben in dem Städtchen an der Elbe, der ICE-Zugstation zwischen Berlin und Leipzig (und vom Bahnpersonal leicht zärtelnd auch schon einmal LuWi genannt) ihren Platz. Ende September 2013 schuf eine gemeinsame Tagung der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und der im selbigen Bundesland beheimateten Evangelischen Akademie dafür eine berührende Bühne.

  

Mehr zur Friedlichen Revolution in der DDR 1989

http://www.geistreich.de/Fokus89

Ziele

Die Tagung sollte an die Aktion "Schwerter zu Pflugscharen" 1983 in der DDR erinnern und nach künstlerischen Formen des Erinnerns suchen.

Reflexion / Hintergrund

Am 24. September 1983 fand während eines evangelischen Kirchentages in Wittenberg auf dem Lutherhof eine symbolische Aktion statt: Der örtliche Schmied Stefan Nau schmiedete vor etwa 4000 Teilnehmern ein Schwert zu einer Pflugschar um. Wegen der Präsenz von westlichen Medienvertretern und Richard von Weizsäcker als Gast griffen die Staatsorgane nicht ein. Manche Quellen sprechen die Idee zu dieser Aktion Stefan Nau selbst zu; Friedrich Schorlemmer, damals Prediger an der Schlosskirche Wittenberg, trug die Initiative dazu mit. Er hatte bereits 1980 einen Friedenskreis gegründet, der sich auch nach dem Verbot des Aufnähers und dem Abklingen der westdeutschen Friedensbewegung hielt.

Das Bild von den Schwertern, die zu Pflugscharen gemacht werden, stammt aus dem Buch des Propheten Micha (Micha 4,1-4):

  • In den letzten Tagen aber wird der Berg, auf dem Gottes Haus steht, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben.

    Und die Völker werden herzulaufen, und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln!

    Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des Herrn Wort von Jerusalem. Er wird unter großen Völkern richten und viele Heiden zurechtweisen in fernen Ländern. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.

    Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.

    Denn der Mund des Herrn Zebaot hat es geredet.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

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Durchführung

Über ihr leuchtete die Überschrift „Die Kunst des Erinnerns – Wie aus einem Schwert eine Pflugschar wurde“ und sie bot den Raum für den „Auftakt zur Suche nach künstlerischen Formen des Erinnerns an die Aktion ,Schwerter zu Pflugscharen‘“, die  am 24. September 1983 im Hof des wittenbergischen Lutherhofes ihren Ausgang nahm.

Zur tagsüber durchgeführten Tagung – an der u.a. Prof. Dr. Rainer Eckert (Zeitgeschichtliches Forum Leipzig), Lothar Tautz (Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.) und Dr. Anderes H. Apelt (Deutsche Gesellschaft e.V.) mitwirkten – kam die „Abendveranstaltung mit Musik, Brot und Wein“. Und damit der Zauber einer „abendlichen Zusammenkunft, die die Atmosphäre des Ereignisses mit Fotos, Filmen und Texten noch einmal aufleben lässt“ (Mitteldeutsche Zeitung vom 30. September 2013).


Die damalige Schmiedeaktion – das „historische Ereignis mit Strahlkraft für die oppositionelle Bewegung in der ehemaligen DDR“ (Mitteldeutsche Zeitung) – stand dank Bildern, Filmen, Texten und Thesen wieder vor Augen, vorgetragen und vorgestellt durch Friedrich Schorlemmer und damaligen Mitgliedern seiner Gruppe „Frieden 83“. Mit Besuchern, die für die Bandbreite des gesellschaftlichen Aufbruchs und Miteinanders stehen, der „katholische CDU-Mann Rainer Haseloff <Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt> neben dem protestantischen SPD-Oberbürgermeister Eckard Naumann, der Zeitzeuge neben dem Historiker, alteingesessene Wittenberger neben Gästen aus dem Osten wie dem Westen der Republik“ (Mitteldeutsche Zeitung).

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Ein Abend, an dem alles stimmte. Und eine Veranstaltung, die auch anderswo für Resonanzen sorgt. 30 Jahre älter ist Friedrich Schorlemmer seit der Aktion Aktion ,Schwerter zu Pflugscharen‘“, geworden, doch die Kraft seiner Präsenz ist ungeschmälert.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterlager in Neukölln
      Gedenken und Erinnern an Ereignisse wie den 9. November oder die Befreiung von Auschwitz.
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