Kinderbischöfe: Botschafter von Kinderinteressen

Autor/innen
2 Geistreich-Mitglieder
Erstellt am: 28.02.2014
Letzte größere Änderung: 03.03.2014
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Kinder und Grundschule, Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung, Gemeinwesen
Gemeinden/Institutionen
Wichern-Schule der Stiftung Das Rauhe Haus in Hamburg
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: 3 Monate
Meinungen
2 Stimmen
Kommentare zum Dokument
Kinderbischöfe Sophie, Tim und Marek, Sozialsenator Detlev Scheele, Hauptpastor Alexander Röder

Kurzbeschreibung

Drei Kinder aus unseren fünften Klassen haben jedes Jahr die Chance als Kinderbischöfe Botschafter von Kinderinteressen in der Hamburger Öffentlichkeit zu werden. Die Bischöfe bzw. Bischöfinnen, aber auch ihre neun Assistenten, ihr Gefolge und alle Kinder aus dem Jahrgang beschäftigen sich in Projektarbeit mit einem Thema, das für das Wohlergehen von Kindern in Hamburg wichtig ist und präsentieren ihre Arbeitsergebnisse in zwei großen, festlichen Gottesdiensten. Die Kinderbischöfe tragen darüberhinaus die Anliegen zu den politisch Verantwortlichen.

Situation / Kontext

Kinder haben Bedürfnisse, Interessen und Ideen, die Erwachsene oft nur unzureichend wahrnehmen, vertreten und umsetzen. Das Kinderbischofsprojekt knüpft an eine mittelalterliche Tradition an, die herrschenden Machtverhältnisse für einen kurzen Zeitraum umzukehren und Kindern gesellschaftlichen Einfluss zu geben.
Auf dem Bild zu sehen: Die Kinderbischöfe Sophie, Tim und Marek (alle 5. Klasse) empfangen Sozialsenator Detlev Scheele  im Herrensaal der Hauptkirche St. Jacobi. Als Moderator mit dabei: Hauptpastor Alexander Röder, Hauptkirche St. Michaelis.

Ziele

Kinderbischöfe wollen Sprachrohr für Kinder und Kindheit in der Metropole Hamburg sein.

Reflexion / Hintergrund

Das Kinderbischofsprojekt knüpft an eine mittelalterliche Tradition an, die herrschenden Machtverhältnisse für einen kurzen Zeitraum umzukehren und Kindern gesellschaftlichen Einfluss zu geben.

Das gründet in einem Gedanken, der die jüdisch-christliche Tradition wie ein roter Faden durchzieht:

  • Den Schwachen, Machtlosen und Unterdrückten muss Gehör und Recht verschafft werden, bis hin zur Machtumkehr. („Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen“ (aus dem Lobgesang der Maria, Lukas 1, 46ff))

In unserer Zeit verbindet sich dieses religiöse mit dem demokratischen Anliegen, schon Kinder zu ermutigen und zu befähigen, ihre eigenen Interessen, aber auch die anderer Kinder wahrzunehmen, auszudrücken und einzubringen. So kann das Kinderbischofsprojekt als ein wichtiger Schritt verstanden werden, Kinder an politische Prozesse und das Recht auf Mitbestimmung und -gestaltung heranzuführen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Ab März/April wird das Thema vorbereitet. den Herbstferien werden  Kinder und Eltern über das Projekt informiert. Interssierte Kinder reichen eine schriftliche Bewerbung ein (1 Seite, Selbstvorstellung und Begründung der Bewerbung).

Der Kinderbischofswahlausschuss (drei ehemalige Kinderbischöfe, die Unterstufenkoordinatorinnen, die Schulpastorin) wählt nach einem Bewerbungsgespräch (10 Minuten) die Bischöfe aus.

Schüler/innen der 5. Klasse erarbeiten mit ihren Lehrer/innen das jeweilige Thema. Dazu gehört insbesondere auch die Vorbereitung und Durchführung der Gottesdienste zu Beginn und am Ende der Aktion. 

Durchführung

Seit 1994 gibt es Kinderbischöfe an der Wichern-Schule. Das Projekt hat sich im Laufe der Jahre immer wieder gewandelt, weil sich die schulischen Rahmenbedingungen stetig ändern. Die Grundidee ist aber dieselbe geblieben. Das Projekt ist in seiner jetzigen Form breit angelegt:

  • Es sieht die inhaltliche Beschäftigung aller Fünftklässler mit dem Thema des Projektes vor, das in der Regel das Jahresthema der Schule sein wird.

Der Höhepunkt des Projektes ist der Gottesdienst in der Hauptkirche St. Nikolai am oder um den 6. Dezember herum. Hier werden die Kinderbischöfe in ihr Amt eingeführt und die Kinder des Jahrgangs präsentieren ihre Projektergebnisse. Daran schließen sich die öffentlichkeitswirksamen Auftritte der Kinderbischöfe (und ihres Gefolges) an, von denen die Kinderbischöfe im Rahmen des Ausführungsgottesdienstes Mitte Januar  allen Kindern des Jahrgangs berichten.

Themen und Aktionen der letzten Jahre:

  • Das Leben von Familien und Kindern in St. Pauli
    (Gemeinsam mit der Schule Friedrichstraße und der Kirchengemeinde. Prozession der Kinderbischöfe, ihres Gefolges und vieler Kinder aus St. Pauli über die Reeperbahn
  • Spiel(t)räume
    In der Wichern-Schule und in St. Nikolai finden Aktionen statt. Auf der Davidwache informieren Kinderbischöfe und Schüler der Friedrichstraße den Innensenator und leitende Polizeibeamte. Aus der St. Pauli Kirche wird ein Gottesdienst bundesweit ausgestrahlt.
  • Jung und Alt
    Altenheime wurden besucht, ein Kino (das Abaton) veranstaltete eine Filmreihe zum Thema, in der Wichern-Schule fanden Großelternabende statt. Die Kinderbischöfe: „Wir haben gemeinsam mit alten Menschen, dass wir nicht die Bestimmer sind.”
  • Zwischen Himmel und Erde - Zeiten, Plätze, Freunde, Feste
    Im Mittelpunkt standen die ev. und kath. Kindertagesstätten in Hamburg. Konkret beteiligt waren mehr als 20 kirchliche Kitas. Große Prozession mit rund 2.000 Kindern, Eltern und Pädagogen über diie Mönckebergstraße
  • Gewalt unter Kindern
    Alltägliche Streitigkeiten, Ausgrenzung von Außenseitern und was man dagegen tun kann, ist das Thema der Kinderbischöfe. Einige Schulen beteiligen sich am Thema „Streitschlichter”. Auch in der Wichern -Schule wird beschlossen, dieses Programm einzuführen.
  • Freude am Leben – Kinder mit und ohne Behinderung in Hamburg
    Die Kinderbischöfe besuchen Orte, an denen behinderte Kinder leben, lernen und ihre Freizeit verbringen. Sie informierten Sozialsenatorin Birgit Schnieber-Jastram und berichteten über ihre Erfahrungen. Sie erreichten, dass alle Jugendlichen mit Behinderung die Garantie erhalten, bis zu ihrem 18. Lebensjahr ihre Schule besuchen zu können.
  • Lernen mit Leib und Seele
    Die Kinderbischöfe setzten sich für mehr Bewegung in Schulen ein und für bessere Ernährung. Die Wichern-Schule erhält den Titel „Gesunde Schule“ von der hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung. Die Kinder hatten den wissenschaftlich belegten Zusammenhang von Ernährung, Bewegung und Lernfähigkeit herausgefunden. Sie wiesen auf den Bewegungsmangel vieler Kinder hin (Computer, Fernsehen).
  • Lebens(T)räume
    Die Kinderbischöfe beschäftigten sich mit Kinderträumen und untersuchten, ob hierfür geeignete Räume vorhanden sind bzw. wie Räume sich geeignet entwickeln müssen. Sie untersuchten daraufhin drei sehr unterschiedliche Stadtteile: Das wohlhabende Harvestehude, Hamm-Horn und Neu-Allermöhe, nirgendwo in Hamburg leben so viele Kinder. Die Kinderbischöfe arbeiteten eng mit der Kirchengemeinde Bergedorfer Marschen zusammen und begleiteten die Fertigstellung der Spielscheune der Geschichten.
  • „Mit meinem Gott springe ich über Mauern“
    Die Kinderbischöfe untersuchten Spielplätze im Hamburger Osten und Möglichkeiten für arme Kinder in Sportvereinen. Die Dokumentation ihrer Ergebnisse übergaben sie dem Bezirksamtsleiter.
  • Gottes Liebe ist jeden Morgen neu.
    Thema waren die Kinderrechte: Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung, Recht auf Gesundheit (gesundes Mittagessen in der Schule), Recht auf Gewaltfreiheit. Die Kindrbischöfe besuchten Sozialsenator Detlef Scheele und Bischöfin Kisten Fehrs.

  

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Am Ende steht für alle Beteiligten hoffentlich die Erfahrung, dass eine (neu konstituierte) Klasse gemeinsam erstaunliche Dinge herausfinden und ausdrücken kann, dass ein ganzer Jahrgang gemeinsam eine große Kirche mit einer prächtigen Inszenierung füllen und bewegen kann und dass sich Kinder mit Mut und Selbstvertrauen Gehör verschaffen können. Eltern - nicht nur die der Kinderbischöfe - berichten immer wieder vom großen inneren Wachstum ihrer Kinder in dieser Zeit.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

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      Familien- und Kinderprojekte, sowie Projekte, die bei der Erziehung unterstützen.
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      von einem Geistreich-Mitglied
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      Politisches Engagement der Kirche.
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    • Thumb_institution HamburgHorner Weg 164, 22111 Hamburg
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