Mahnmal für die deportierten Juden Badens

Author
a geistreich member
Created at: 2014-04-28
Last major update at: 2014-04-28
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Frieden, Gerechtigkeit, Schöpfung
Institutions
Arbeitsstelle Frieden in der Ev. Landeskirche Baden
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Mahnmal Neckarzimmern

Abstract

Ein Betonband in Form eines Davidsterns, etwa zwanzig auf zwanzig Meter groß, ist in eine Wiese auf dem Gelände der Tagungsstätte der Ev. Jugend in Neckarzimmern eingeschrieben. Dieser Davidstern bietet Platz für Erinnerungssteine aus den 137 badischen Gemeinden, deren jüdische Bürger am 22.10.1940 nach Südwestfrankreich verschleppt wurden. Es wird jeweils ein Stein in Neckarzimmern und im Heimatort der Juden aufgestellt.

Situation / context

In Baden waren über 5'600 Personen aus insgesamt 137 Gemeinden von der Deportation betroffen. Die meisten von ihnen lebten in Mannheim (über 2000 Personen) und in Karlsruhe (etwa 900), aus einigen Orten wurde nur eine Person deportiert, wie beispielsweise aus dem kleinen Weiler Saig im Hochschwarzwald. In etlichen der 137 Gemeinden ist heute das Gedenken an den 22. Oktober 1940 Teil der kommunalen Erinnerungskultur, in anderen Orten ist nicht einmal mehr bekannt, dass jüdische Menschen dort lebten und von dort verschleppt wurden.

Goals

Die Idee des Jugendprojektes ist so einfach wie genial:

  • In jedem der Deportationsorte sollen Jugendgruppen oder Schulklassen sich mit der Deportationsgeschichte auseinandersetzen und zwei Gedenksteine gestalten. Einer der beiden Steine soll in der Gemeinde bleiben und dort einen angemessen Standort erhalten, der andere wird Teil des zentralen Mahnmals in Neckarzimmern.

 

Links

http://www.ekiba.de/html/content/jugendprojekt_mahnmal.html

http://mahnmal.kja-freiburg.de

    

Weiterer Träger

Erzbischöfliches Seelsorgeamt / Abteilung Jugendpastoral Jugendarbeit

  

Reflection / background

So hat das Projekt einen dualen Charakter mit dem Mahnmal als zentralen Fixpunkt und den dezentralen Aktivitäten der Gruppen vor Ort. Das Mahnmal ist die einzige Gedenkstätte in Baden, die an die landesweite Deportation am 22. Oktober 1940 erinnert.

Der künstlerische Leiter des Projektes, Karl Vollmer aus Gondelsheim, von dem der Entwurf für die Bodenskulptur stammt, verweist auf den Prozesscharakter des Projektes. Er selbst habe lediglich den „statischen Teil“ geschaffen. „Der andere Teil – der dynamische – ist die Erinnerungsarbeit der Jugend in den Heimatgemeinden und die Anfertigung der Steine als Erinnerungszeichen.“

General information on realization

Das ursprünglich von dem katholischen Arbeitkreis „erinnern und begegnen – forum christlicher gedenkarbeit“ entwickelte Projekt wird heute von der katholischen und evangelischen Jugendarbeit der Erzdiözese Freiburg und der Evangelischen Landeskirche Baden getragen. Die ökumenische Dimension erweitert den Kreis der ansprechbaren Gruppen und Personen.

Preparation

Am 23. Oktober 2005 wurde auf dem Gelände der Tagungsstätte der Evangelischen Jugend in Neckarzimmern das Mahnmal zur Erinnerung an die am 22. Oktober 1940 ins südwestfranzösische Gurs deportierten badischen Juden der Öffentlichkeit übergeben. Auf einer frei zugänglichen Wiese des Tagungsgeländes bildet ein Betonfundament einen 25 mal 25 Meter großen Davidstern. Diese Bodenskulptur bietet Platz für Erinnerungssteine aus den 137 Deportationsorten. Bei der Übergabe umfasste das Neckarzimmerer Mahnmal Steine aus 41 Orten.
Das zentrale Mahnmal sollte seinen Standort auf dem Gelände einer kirchlichen Einrichtung finden, die von vielen Jugendlichen besucht wird. Nach längerer Suche entlang der Rheinschiene fand sich schließlich in der Tagungsstätte Neckarzimmern ein geeigneter Ort. Neckarzimmern war selber einer der Deportationsorte. Die Tagungsstätte hat für das Projekt eine zusätzliche Symbolkraft, da auf ihrem Gelände während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter interniert wurden.

Realization

Eine Arbeitshilfe gibt Anleitung für die Spurensuche vor Ort. Außerdem werden Fragen formuliert, die für die Jugendlichen bei der Spurensuche hilfreich sein können. Im Zentrum des Projektes stehen natürlich die beiden Gedenksteine, die für jeden der Deportationsorte gestaltet werden sollen. Dazu gibt es Vorgaben, wie etwa die Größe der Steine (Höhe circa 100 cm, Breite circa 50 cm). Beachtlich sind die dokumentarischen Ergebnisse. Manche Gruppen organisierten eine Ausstellung über die Deportierten, andere entwarfen eine Homepage oder verfassten eine Broschüre über die Schicksale der Deportierten aus ihrer Gemeinde. In der Regel haben die Gegenstücke der auf dem Mahnmal angebrachten Steine einen würdigen Platz in der jeweiligen Heimatgemeinde gefunden.

Wrap up & follow-up actions

Das Projekt wird erst abgeschlossen sein, wenn alle 137 Steine aus den 137 Deportationsorten auf der Bodenskulptur versammelt sind.
Auch andere Orte am Oberen Neckar waren Schauplatz nationalsozialistischer Verfolgung. KZ-Häftlinge mussten Zwangsarbeit in den Gipsstollen für die Rüstungsindustrie leisten, die zahlreichen Mitglieder der jüdischen Gemeinden der Region fielen dem Rassenwahn zum Opfer – unter ihnen auch die israelitische Gemeinde Neckarzimmern, deren dort noch ansässige zwölf Mitglieder ebenfalls am 22. Oktober 1940 verschleppt wurden. Diese dunkle Seite der Geschichte wird an etlichen Gedenkstätten und Gedenkorten in der Region dokumentiert. Das Mahnmal in Neckarzimmern ist ein weiterer Baustein in der Erinnerungskultur der Region.

Effect / experience

Das Mahnmal stößt bei den in der Tagungsstätte untergebrachten Gruppen und Schulklassen auf großes Interesse. Etliche integrieren es in ihr Tagungsoder Freizeitprogramm. Es kommen auch Gruppen aus den Deportationsorten und besuchen die Gedenkstätten der Umgebung. Interessant ist die Beobachtung, dass nicht nur Jugendliche, sondern zunehmend auch Einzelbesucher, Wandergruppen oder Menschen jeden Alters, die einen persönlichen Bezug zu den Deportierten des 22. Oktober 1940 haben, den Weg nach Neckarzimmern finden.
Verschiedentlich gab es Widerstände, beispielsweise in einer Gemeinde in Nordbaden, wo eine Leserbriefkampagne gestartet wurde, um die Aufstellung des Steines auf dem zentralen Gemeindeplatz zu verhindern. Der Tenor der Kampagne lautete: Ein Holocaust-Mahnmal in Berlin ist genug.

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