Evangelische Schule Neuruppin

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 22.05.2014
Letzte größere Änderung: 22.05.2014
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Jugendliche und Schule
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Evangelische Schule Neuruppin in Neuruppin
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Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Auf Dauer
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Evangelische Schule Neuruppin

Kurzbeschreibung

Die Schule pflegt ein besonderes geistliches und pädagogisches Profil, das insbesondere der individuellen Förderung jedes einzelnen Schülers dient. 

Situation / Kontext

Das Gymnasium wurde 1993 nach der Wende von Eltern gegründet. Sie trafen sich in der alten Klosterkirche aus rotem Backstein, die Bürgerbewegung „Neues Forum“ bot Raum für solche Träume. Anke Bachmann, Lehrerin für Physik und Mathe, war von Anfang an dabei, zunächst als stellvertretende Schulleiterin, seit zwölf Jahren als Direktorin. „Wir wollten eine Schule, die Werte vermittelt, dies aber mit neuen Lernformen.“

Ziele

Unsere Schule will den Lernenden ermöglichen, aus einer christlich-ethisch begründeten Grundhaltung die Welt kritisch zu sehen und dem Menschen in Verantwortung zu begegnen. Dazu wollen die Lehrkräfte sie mit einem grundlegenden, soliden und anwendungsbereiten Wissen und Können ausstatten.

Reflexion / Hintergrund

Der Auftrag der Evangelischen Schule ist im Evangelium von Jesus Christus begründet. Die Evangelische Schule Neuruppin will die Freiheit, Gemeinschaft und Verantwortung erkennen lassen, zu denen Jesus Christus befreit. (In Anlehnung an §1 KSG)

Aus diesem Auftrag ergibt sich ein ganz besonderes Schulprogramm:

Beschluss des Kuratoriums und des Gemeinsamen Ausschusses vom Mai 1997:

Unsere Schule ist ein evangelisches Gymnasium. Als eine von der Evangelischen Kirche getragene Schule ist die Evangelische Schule Neuruppin offen auch für den Zugang von Kindern ohne christliche Sozialisation. Ebenso ist sie für alle soziale Schichten sowie für ausländische Kinder zugänglich.
Unsere Schülerinnen und Schüler sollen zu freundlichen und selbstbewussten Menschen heranwachsen, die über eine gute Allgemeinbildung verfügen und die Qualität ihrer Schule auch nach außen bezeugen. Wir sind keine Eliteschule im sozialen konfessionell-kirchlichen oder nationalen Sinn (offener Zugang), wir sind es bezogen auf unsere Ansprüche an uns selber, unsere Motivation und unsere Konzeption im Spektrum der brandenburgischen Schullandschaft.
Zu den Aufgaben der Schule gehört es, die Schülerinnen und Schüler für ethisch-soziale Fragen zu sensibilisieren und Haltungen und Verhaltensweisen einzuüben, die zu einem sinnerfüllten Leben in ihren individuellen und gesellschaftlichen Bezügen helfen. Unsere schulische Erziehung soll die Schülerinnen und Schüler befähigen, die christliche Verantwortung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu entdecken und so weit wie möglich in die persönliche Lebensorientierung hineinzunehmen. Auch in diesem Sinn soll sich unsere Schule als Schulgemeinde entwickeln und Lebens- und Wertorientierung vermitteln. Daraus wächst die christliche Orientierung und Prägung des Schulklimas. Leben und Lernen in der Schulgemeinschaft bedeutet auch, Schule als Lebensräume im christlichen Sinne wahrzunehmen, also: Mitschülerinnen und Mitschüler nicht als Konkurrentinnen und Konkurrenten, sondern als gleichberechtigte Nachbarinnen und Nachbarn zu verstehen und zu akzeptieren, was Gewaltlosigkeit in Sprache und Verhalten einschließt. Das Verhältnis zwischen Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern soll sich von beiden Seiten her als Partnerschaft gemeinsamer Arbeit entwickeln, die bei unterschiedlicher Aufgabenstellung für Lehrerschaft und Schülerschaft von gegenseitigem Vertrauen getragen wird. Das Erfahren von Wärme und Nächstenliebe fördert die Fähigkeit und die Bereitschaft, Konflikte und Probleme gewaltfrei zu lösen.
Andachten, :Schulgottesdienste, Religionsunterricht, Morgenbesinnung und Teilnahme am kirchlichen Leben sollen die christliche Orientierung und Prägung unserer Schule immer wieder unterstützen und zu ihr führen. Dazu ist die Einübung in allgemein anerkannte Werte der Gesellschaft wie Toleranz, Offenheit soziale Sensibilität und Identität, bezogen auf den Menschen als gesellschaftliches Wesen, sowie in demokratische Lebens- und Verhaltensweisen unverzichtbar. Zu den häufig beklagten Problemen von und mit Jugendlichen gehören der Verlust sozialer Bindungen sowie mangelnde Korrespondenz mit einer Wertegemeinschaft, von der sich die Jugendlichen getragen fühlen. Die Eröffnung einer christlichen Lebensperspektive und das Angebot sozialer Kommunität im Raum der Kirche sollen Bindungslosigkeit von Jugend1ichen entgegenwirken. Die Verknüpfung reformpädagogischer Ideen mit einem christlichen Menschenverständnis ist für uns wichtig. Zur pädagogischen Arbeit gehört daher eine Öffnung nach innen und außen, offenere Unterrichtsformen und ein vielfältiges Angebot von Arbeitsgemeinschaften - speziell im musischen und sportlichen Bereich - tragen ebenso dazu bei wie Projekttage und -wochen, das diakonisch-soziale Praktikum und die Pflege von Schulpartnerschaften. Freiheit und Selbstständigkeit im Denken und Handeln, Emanzipation und Selbstbestimmung sollen nicht zur eigenen Identitätssicherung und Machtbehauptung auf Kosten des Mitmenschen dienen, sondern befähigen, in Gemeinschaft zu leben und Verantwortung füreinander zu übernehmen. Wir wollen an unserer Schule Selbstverantwortung und gegenseitiges Vertrauen stärken. Auch darin soll unsere Schule für alle Beteiligten, also für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Eltern als offene Tür zu Christsein und Glauben erlebbar werden. Eine "Offene Tür" als Angebot einer christlichen Lebensperspektive schließt Indoktrination sowie Erzeugung einer Anpassungsmentalität aus und bedarf einer ökumenischen Weite des christlich - kirchlichen Horizonts.
In einem ständigen Prozess muss sich die Schulgemeinde damit auseinandersetzen, wie der Anspruch, eine christliche Schule zu sein, mit Leben erfüllt und umgesetzt werden kann.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Träger unserer Schule ist die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Darüber hinaus unterstützte uns die Evangelische Schulstiftung der EKD. Seit 20 Jahren (2014) unterstützt und berät die Evangelische Schulstiftung evangelische Schulen in allen Teilen Deutschlands. Die Kernaufgabe bestand darin, Schulgründungen in den neuen Bundesländern zu fördern. Dabei konnten in den letzten 20 Jahren über 130 allgemeinbildende Schulen auf den Weg gebracht werden. Die Anzahl der allgemeinbildenden evangelischen Schulen hat sich in dieser Zeit fast verdoppelt.

http://www.ekd.de/ekd_kirchen/bereiche/ess.html

Vorbereitung

Träger unserer Schule ist die Schulstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz:

http://www.schulstiftung-ekbo.de

Unsere Schule entstand aus einer Initiative von Eltern, Lehrern und Erziehern und nahm im August 1993 den Schulbetrieb auf. Im Schuljahr 1998/99 legte der erste Jahrgang das Abitur ab und es erfolgte die Anerkennung unserer Schule durch das Bildungsministerium.
Im September 2001 wurde zum ersten Mal eine 5. Klasse an unserer Schule eröffnet. Die an unserer Schule erworbenen Abschlüsse sind denen staatlicher Schulen in Brandenburg gleichgestellt und werden bundesweit anerkannt.

Durchführung

Evangelische Schule Neuruppin - Hauptgebäude. Quelle: Evangelische Schule NeuruppinIn einem problemorientierten Unterricht lernen unsere Schüler selbstständig weiterzudenken und Antworten auf existentielle Fragen zu finden. Sie sollen sich angenommen fühlen, auch in den täglichen Sorgen und Beschwernissen. Die geringe Größe der Schule (es gibt nicht mehr als drei Parallelklassen) ließ eine familiäre Schulatmosphäre entstehen. Zu diesem Klima gehört auch, dass auftretende Konflikte angesprochen und gewaltfrei bewältigt werden.
Unsere Schule stärkt das Elternrecht und bietet die Möglichkeit gemeinsamer Erziehung und aktiver Mitgestaltung von Schulleben und Schulgemeinde. Generelle Aufgabe ist es, das Gespräch zwischen Schule und Elternhaus zu fördern. Der Besuch der Schule ist nicht abhängig von einer Konfessionszugehörigkeit. Es wird Schulgeld erhoben, das aus sozialen Gründen reduziert oder ganz erlassen werden kann.
Das Schulgebäude besitzt 21 allgemeine Unterrichtsräume und alle erforderlichen Fachräume, eine Aula, eine Cafeteria, Bibliothek, Verwaltungs- und Vorbereitungsräume und ein Lehrerzimmer.
Hinter dem Schulgebäude befindet sich der 1999 mit dem Ökumenischen Umweltpreis ausgezeichnete Schulgarten.
Das Haus ist behindertengerecht umgebaut und seine Technik wird modernsten Ansprüchen gerecht.


Schulische Angebote:

  • Eine Sport-Schwerpunktklasse pro Jahrgang
  • Fremdsprachenunterricht in Englisch, Französisch, Latein, (Spanisch-Wahlpflichtunterricht ab Klasse 9)
  • Gemeinsame Feste und Andachten
  • Religion als ordentliches Lehrfach
  • Kleingruppenunterricht in den musischen Fächern
  • Medienerziehung in den 7. und 8. Klassen
  • Diakonisch-soziales Praktikum in Klasse 9 und Berufspraktikum in Klasse 11
  • Klassenfahrten, Exkursionen, Projekte

  
  
Außerunterrichtliche Angebote:

  • Viele Arbeitsgemeinschaften, z.B.:
    Töpfern, Schülerzeitung, Theater, Kunst, Fußball, Handball, Homepage-AG, Schulgarten, Video-AG, Fotografie, Schulchor und BigBand
  • Hausaufgabenhilfe
  • Kostenlose Nutzung des Internets (jederzeit im Rahmen der Schulöffnungszeiten)
  • Hilfe und Beratung im Konfliktfall durch die Vertrauenslehrer und den Schulpfarrer
  • Ausstellungen
  • Schulinterne und externe Wettbewerbe (u.a. Jugend forscht, sportliche Wettbewerbe,.... )
  • und auch hier noch vieles andere mehr...

 
  
Entsprechend dem Wort des Apostels Paulus aus 1. Korinther 13,13 ist es seit der Gründung unserer Schule das Anliegen unserer pädagogischen Arbeit, eine Bildung zu vermitteln, die auf den ganzen Menschen zielt: auf sein Denken und Handeln, auf seine Freiheit und seine Verantwortung, auf seinen Verstand und seinen Glauben. Darum geht es uns im pädagogischen Handeln mit den Schülerinnen und Schülern immer auch um ein bestimmtes, vom christlichen Glauben geprägtes Bild vom Menschsein. Denn wir verstehen uns selbst als geprägt von einer Kultur, deren Geschichten von der Freiheit und der Würde des Menschen sprechen und von dem Geheimnis des Lebens, dessen Name Gott ist. So wie die Schöpfungsgeschichte etwa, die nicht nach den Regel und den Gesetzen der Natur fragt, sondern davon erzählt, dass alles Leben einen guten Anfang und einen guten Grund hat. Oder wie die großen Hoffnungsbilder der Propheten, die von einem Land träumen, in dem denen, die unter den Lasten des Lebens erblindet und verstummt sind, Augen und Ohren übergehen werden vor Freude. Das Vertrauen und die Kraft jenes suchenden Glaubens, der uns in der jüdisch-christlichen Tradition begegnet, versuchen wir selbst im Miteinander an unserer Schule zu leben.
Dabei ist die tägliche Morgenstation so etwas wie der geistliche Grundschlag unseres gemeinsamen Arbeitens. Am Beginn jedes Schultages gestalten Lehrkräfte und Schüler/innen eine etwa zehnminütige Andacht, die i.d.R. aus einem geistlichen Impuls besteht (einer kurze Geschichte, ein Bibelwort, ein Gedicht, eine mediale Nachricht, die zu denken gibt o.a.) und dem abschließenden gemeinsam gesprochenen Klassensegen, den jede Klasse sich zu Beginn eines Schuljahres wählt.
Das wöchentlich auf unserer Schulhomepage veröffentlichte "Wort zur Woche" will die geistliche Dimension unseres gemeinsamen pädagogischen Handelns hervorheben und besteht zumeist aus einem kurzen geistlichen Text (Gedicht, Zitat, Bibelwort o.ä.). Gelegentlich wird es ergänzt durch eine Geschichte, eine Bildmeditation oder einen ausführlicheren geistlichen Text als Anregungen für eine mögliche Morgenstation.
Die monatlichen Andachten bzw. Gottesdienste werden jeweils von einer Klasse bzw. einem Oberstufenkurs unter Anleitung der/des Klassenlehrers/in und unter Hilfestellung des/der Religionspädagogen/in bzw. des Schulpfarrers in der Klosterkirche gestaltet. Auf möglichst jugendgerechte Weise werden in diesen Andachten sowohl Themen des Kirchenjahres (Advent/Weihnachten, Buß- und Bettag, Passion/Ostern, Himmelfahrt) als auch des Schuljahreskreislaufes gestaltet (Beginn und Abschluss des Schuljahres, Reisesegen zu den Klassenfahrt- oder Projektwochen u.a.).
Zum Ende jedes Schuljahres finden an unserer Schule zudem die jährlichen Religionspädagogischen Tage statt. An den beiden letzten Tagen eines Schuljahres haben alle Klassen und Kurse noch einmal die Möglichkeit, über den in der Grundschule und der Sekundarstufe I obligatorischen Religionsunterricht hinaus gemeinsam und intensiv an grundlegenden religionspädagogischen Themen zu arbeiten wie etwa der Geschichte des Judentums, dem interreligiösen Dialog, ethischen Fragestellungen oder symboldidaktischen Zugängen zu kirchlichen Räumen.
Ergänzt werden all diese geistlichen Rhythmen unseres Hauses zudem durch begleitende Gesprächsangebote unserer Sozialpädagogin und unseres Schulpfarrers. Diese richten sich vor allem an das Kollegium sowie unsere Schülerinnen und Schüler, aber auch an ihre Eltern und Familien und finden sowohl als Einzel- als auch als Gruppengespräche in einem stets geschützten und vertrauensvollen Rahmen statt.
All diese Formen gemeinsamen geistlichen Lebens bereichern und vertiefen unser tägliches Tun auf heilsame Weise, denn
"Lernen ohne Liebe macht blind und
Lehren ohne Liebe macht müde." (Klaus Goldkuhle)

http://www.gymnasium-neuruppin.de

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Das „Evi“ wie die Evangelische Schule von Lehrern und Schülern fast zärtlich genannt wird, erhielt im Jahr 2012 den Deutschen Schulpreis. „Zum ersten Mal zeichnen wir ein Gymnasium mit dem ersten Preis aus“, sagt Professor Mag. Dr. Michael Schratz, Sprecher der Jury. Er hat das „Evi“ zwei Tage lang inspiziert. „Bisher hat keines unsere sechs Kriterien hinreichend erfüllt. Dies hier ist in allen Bereichen exzellent.“ Beim Kriterium Verantwortung erhielt das „Evi“ sogar eine Eins plus. „Wir hatten die Evangelische Schule Neuruppin nicht auf dem Radar“, gesteht der Erziehungswissenschaftler. „Wir hatten noch nichts von der Schule gehört.“ Doch beim Deutschen Schulpreis geht es nicht um große Namen, die in der pädagogischen Fachwelt kursieren, sondern hier zählt allein die Leistung, das Potential einer Schule. Und das „Evi“ sei ein Leuchtturm, von dem andere Schulen viel lernen können, lobt Schratz.
Hier lernen Kinder von Hartz-IV-Empfängern gemeinsam mit den Söhnen und Töchtern von Ärzten und Richtern. 70 Prozent der Schüler zahlen entweder kein Schulgeld oder nur den Mindestsatz von 45 Euro im Monat. Viele sind ganz vom Schulgeld befreit. „Wir sind keine Privat- oder Eliteschule“, betont Schulleiterin Anke Bachmann. Schüler und Eltern sind extrem zufrieden mit ihrer Schule. 96 Prozent der Mütter und Väter sagten bei einer Umfrage: „Ich schicke mein Kind gern auf diese Schule.“ Und fast 90 Prozent der Schüler gaben an: „Ich gehe gern in diese Schule.“ Das spricht sich rum: Inzwischen gibt es doppelt so viele Bewerber wie Plätze. Manche Schüler reisen jeden Tag aus Berlin an.

 

Evangelische Schulen sind auch Thema beim 6. Bundeskongress Evangelische Schule, der unter dem Motto "Ein starkes Ich für ein starkes Wir - Evangelische Schule: Privatsache oder öffentliches Interesse" vom 29.-30. September 2014 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart stattfinden wird: http://www.bkes-2014.de  

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