Basisgemeinde Wulfshagenerhütten

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 28.08.2014
Letzte größere Änderung: 21.11.2014
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Besondere Gemeindeformen
Gemeinden/Institutionen
Basisgemeinde Wulfshagenerhütten e.V. in Tüttendorf
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Auf Dauer
Meinungen
2 Stimmen
Kommentare zum Dokument

Kurzbeschreibung

Die Basisgemeinde ist eine generationsübergreifende Lebens- und Arbeitsgemeinschaft mit Standorten in Wulfshagenerhütten (bei Kiel) und Prenzlauer Berg in Berlin. Nach dem Vorbild der ersten Christen leben wir in Gütergemeinschaft. 

Situation / Kontext

Die Frage nach Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen und die ganze Schöpfung hatte die Mitglieder des Anfangs zusammen geführt. Wir suchten nach Alternativen zur bestehenden Lebens- und Wirtschaftsform.

Ziele

Gemeinsam wollen wir den Weg der Nachfolge Jesu gehen.

Reflexion / Hintergrund

Ein Kennzeichen dieser neuen Lebenskultur des Friedens ist, dass wir miteinander teilen;
dass wir aus unserer Kultur des Raubens, des Privatbesitzes umkehren in die Lebenskultur des Miteinanderteilens, des Schenkens und des Sich-Verschenkens.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

---

Vorbereitung

Die Frage nach Frieden und Gerechtigkeit für alle Menschen und die ganze Schöpfung hatte die Mitglieder des Anfangs zusammen geführt. Wir suchten nach Alternativen zur bestehenden Lebens- und Wirtschaftsform. Die Antwort darauf fanden wir in der Apostelgeschichte im Vorbild der ersten Christen. Dort heißt es:

  • "Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet...
    Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam.
    Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte." (Apg 2,42.44-45)

Wir wollten die Einladung Jesu ernst nehmen, dem verheißenen Reich Gottes entgegen zu leben:

  • "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen." (Matthäus 6,33)

Durchführung

Unsere Antwort ist unser Leben in Arbeits- und Gütergemeinschaft, die ein gerechtes Miteinander Aller möglich macht. Hier leben zur Zeit ca. 50 Menschen - Familien und Alleinstehende, Frauen und Männer - generationenübergreifend und in großer Verbindlichkeit miteinander.

In der Entwicklung der Basisgemeinde ist die gemeinsame Arbeit sehr wichtig geworden. Hier geht es darum, eine Alternative zu leben, zu einem kapitalistischen Wirtschaften, das von Leistung und Konkurrenz bestimmt ist. Wir verstehen Arbeit als eine sinnvolle und würdevolle Tätigkeit, die dem Menschen und seiner Umwelt dient.

Ein wesentlicher Lebensbereich unserer Gemeinde ist die Herstellung und der Verkauf von Holzspielzeug.

Wir haben eine alte Scheune auf dem Gelände zu einer modernen Holzwerkstatt mit 25 Arbeitsplätzen ausgebaut, an denen auch Menschen aus der Region mitarbeiten.

Hier werden hochwertige Spiel- und Bewegungsgeräte für Kindergärten, Schulen und therapeutische Einrichtungen hergestellt.

Wir laden Menschen herzlich ein, die unser Leben in verbindlicher Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu kennenlernen wollen. Wir laden ein, unseren Alltag zu erleben:

  • in den Wohngruppen, bei den gemeinsamen Mahlzeiten, beim Fest, beim gemeinsamen Gebet, bei der Arbeit in Hauswirtschaft, Holzwerkstatt und anderen Arbeitsbereichen.
  • Wir haben keine besonderen Programme.
  • Nehmen Sie sich möglichst eine Woche Zeit für Ihren Besuch.
  • Wir bitten um vorherige Anmeldung.
  • Junge Menschen sind uns auch für eine Orientierungszeit willkommen (z.B. für 2 Monate oder ein halbes Jahr).
  • Der Aufenthalt ist für jeden Besucher kostenfrei.

 
Die Basisgemeinde ist konfessionell nicht gebunden. Wir sind Mitglied des Diakonischen Werkes und Mitglied des europäischfriedenskirchlichen Netzwerks Church and Peace.

 

Website:

http://www.basisgemeinde.de

  

   

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)


Als wir letztes Jahr in unseren Gemeindegliederversammlungen über unser 40-Jahr-Fest gesprochen haben, wurden uns zwei Dinge klar. Zum einen wollten wir unsere Dankbarkeit für den gegangen Weg unter der Führung Gottes zum Ausdruck bringen.

• Wir sind Gott dankbar dafür, dass wir in diese Gemeinde gerufen worden sind.
• Wir sind Gott dankbar für die Heilung, die hier stattgefunden hat.
• Wir sind Gott dankbar für die Versorgung, die wir über die Jahre erlebt haben.

Und zweitens wollten wir das Fest „authentisch“ feiern. Das heißt hier in diesem Fest sollten all unsere Erfahrungen einen Platz haben. Nicht nur unsere guten, aufbauenden und schönen Erfahrungen. Sondern auch unsere schmerzlichen, tränen-gefüllten Erfahrungen. Wir wollten nicht, dass die schweren Erlebnisse ausgeblendet werden und somit nur einen Teil unserer Geschichte feiern. Wie die Bibel eine Erzählung von Treue und Verrat, von Mut und Unmut, von Licht und Schatten ist, so auch die Geschichte der Basisgemeinde. Und in diesem Sinne wage ich zu sagen, dass wir eine biblische Gemeinde sind. Nur so.

Wir haben einige Ausdrücke in der Gemeinde, die gut zusammenfassen, was wir erlebt haben und wie wir uns sehen. Einer davon ist: „Wir gehen einen offenen Weg der Nachfolge“ Dieser offene Weg bedeutet dass wir immer miteinander Suchende und Fragende bleiben. Und nach vierzig Jahren unterwegs bleibt die Suche nach Orientierung, nach dem nächsten Wegpunkt nach wie vor äußerst aktuell.

Nach vierzig Jahren wird natürlich die Frage gestellt, was von der ursprünglichen Vision und deren praktischen Ausdruck weiterhin als uns anvertraut bleiben soll? Was dürfen wir als für damals richtig und wichtig halten, aber nicht mehr für unseren Weg als Willen Gottes ansehen? Solche Fragen sind nicht leicht zu beantworten. Halten wir aus schlechter Gewohnheit an Dingen fest die eigentlich unwichtig sind? Oder werfen wir aus Leichtfertigkeit oder Faulheit notwendige und wesentliche Dinge beiseite, weil wir nicht mehr die Geduld aufbringen können?

Der offene Weg ist ein suchender Weg. Wie erkennen wir Gottes Auftrag für uns im Hier und im Jetzt?

In den ersten Jahren war es klar, dass wir eine gemeinsame Arbeit brauchten. Der Aufbau dieser Arbeit war erst hier in Wulfshagenerhütten möglich. Der Bau der Werkstatt und die Verbreitung der Hengstenberg und Pikler Pädagogik hat in den letzten Jahren wirklich Frucht getragen. Der Aufbau eines Betriebes als Alternative zum herrschenden Wirtschaftsmodell war schon eine riesige Herausforderung. Jetzt wird uns eine noch größere Herausforderung gestellt: wie bleiben wir alternativ, wie können wir einen erfolgreichen Betrieb betreiben und nicht kapitalistisch handeln? Und da wir Angestellte haben – werden wir einfach die Chefs einer Firma?

Eine andere Herausforderung ist das zunehmende Durchschnittsalter der Gemeindeglieder. In den Siebzigern- und Achtzigerjahren hatte Gemeinschaftsleben sozusagen Konjunktur. Die Basisgemeinde erlebte Zuwachs. Jetzt ist Gemeinschaft, zumindest wie wir sie leben, anscheinend nicht mehr so attraktiv, dass die Leute sich hier zahlreich anschließen wollen. Wenn dieser Trend so bleibt - wird die Gemeinde am Leben bleiben?

Das Älter Werden stellt viele Fragen. Was heißt es älter zu werden in einer Gemeinde, in der Arbeit so einen hohen Stellenwert hat? Wie können die älteren Geschwister mit Würde hier ihren jeweiligen Beitrag einbringen, wenn dieser Beitrag nicht in den bisherigen Arbeitsbereich-Schubladen passt?

Die Gemeinde begann mit der Einladung von armen Menschen in die Häuser der Gemeindeglieder. Diese Offenheit für die Armen und auch für suchende Menschen ist, was wir unter „Grundauftrag“ der Basisgemeinde verstehen. Diese Offenheit wird jetzt sehr anders gelebt als in der Anfangszeit hier in Wulfshagenerhütten. Werden wir lasch? Oder passen wir unsere Gastfreundschaft in gesunder Art und Weise unserem Alter an?

Vielleicht noch ein Beispiel. Die Einmütigkeit der Gemeinde ist für uns ein Kennzeichen der vom Heiligen Geist inspirierten Gemeinde. Hier ist unser großes Bild das aus der Apostelgeschichte 2 und 4. Die Frage nach der Einmütigkeit in unseren Gemeinde Entscheidungen ist weiterhin eine brennende Frage. Zu welchen Fragen müssen wir ganz einig sein als Gemeindeglieder. Was ist die Entscheidungskompetenz unseres Gemeindienstes? Definitive Antworten stehen noch aus.

Diese sind einige Herausforderungen, die uns auf dem offenen Weg als Gemeinde – dem Weg der Nachfolge – gestellt sind.

Wirkung / Erfahrung

40 Jahre Bestehen zeigen den Erfolg.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Spiegel
      Es geht hier um Wohnprojekte wie Wohngemeinschaften, aber auch um Ansätze zu neuen Lebenskonzepten.
      Dieser Artikel ist für alle Internetnutzer sichtbar.
      von einem Geistreich-Mitglied
    • Thumb_article-default-image
      Eine große Spannbreite von festen und lockeren Netzwerken...
      Dieser Artikel ist für alle Internetnutzer sichtbar.
      von einem Geistreich-Mitglied

    geistreich Videos

    Videos ausblenden