Arbeitsstelle "Kirche im Dialog" - mit Konfessionslosen

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a geistreich member
Created at: 2014-09-15
Last major update at: 2014-09-26
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
Landeskirche und mittlere Ebene, Organisationsentwicklung
Institutions
KIRCHE IM DIALOG - Arbeitsstelle der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland in Rostock
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Preparation: no information
Execution: Auf Dauer
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Team Kirche im Dialog

Abstract

Eine landeskirchliche Arbeitsstelle kümmert sich besonders um den kirchlichen Dialog mit Konfessionslosen und zeigt Perspektiven für ein besseres Miteinander auf, etwa durch gleichberechtigte Partnerschaften in Projekten.

Situation / context

Im Zuge der Fusion dreier ehemals selbständiger Landeskirchen zur Nordkirche wurde als besondere Herausforderung die wachsende Zahl konfessionsloser Menschen erkannt.

Goals

Grundsätzlich arbeitet die Arbeitsstelle in einem Dreischritt:

  • Sie hilft der Kirche, die Situation wahrzunehmen und zu deuten.
  • Sie gibt Impulse, wie die eigene Aussagefähigkeit überprüft und kirchliche Identität angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen weiterentwickelt  werden kann.
  • Als Folge trägt die Arbeitsstelle zur Entwicklung von neuen Arbeitsformen und Begegnungsräumen bei.

Dafür fördert die Arbeitsstelle die Wahrnehmungsfähigkeit der Kirche, sich aus dem Blickwinkel kirchlicher und religiöser Distanziertheit oder Desinteressiertheit zu sehen und sich selbst als Fragende und Suchende zu verstehen. Die Arbeit der Arbeitsstelle zielt auf die Bereitschaft der Kirche, diesen Perspektivwechsel vorzunehmen. Kirche versteht sich dabei zunehmend als lernende Organisation.

Die Arbeitsstelle verfolgt das Ziel, neue Begegnungsräume zu eröffnen. Sie fördert die Kommunikation in verschiedenen Dimensionen: kulturell und diakonisch, liturgisch und bildend, religiös, spirituell und kybernetisch.

Die Arbeitsstelle initiiert und koordiniert entsprechende Aktivitäten und sie befähigt Einzelne und kirchliche Einrichtungen dazu, in diesem Sinne tätig zu werden. Dies setzt die Bereitschaft voraus, sich auf neue Dialog- und Begegnungsformen einzulassen, aus denen heraus auch neue missionarische Impulse erwachsen können.

Die Arbeitsstelle ermöglicht der Kirche, die eigene Verunsicherung im Dialog zuzulassen. Sie bedenkt, welche Möglichkeiten es gibt, auf die Infragestellung in diesem Dialog zu antworten und trägt so zur Vergewisserung der eigenen Identität bei.

  

Website:

http://www.kircheimdialog.de

  

Reflection / background

Im Zuge der Fusion dreier ehemals selbständiger Landeskirchen zur Nordkirche wurde als besondere Herausforderung die wachsende Zahl konfessionsloser Menschen erkannt. Daher wurde das Ziel formuliert, dass insbesondere der Dialog mit Menschen, die nicht der Kirche angehören, besonders gefördert werden solle. 

  
Im Mittelpunkt steht die wechselseitige Bezogenheit von Binnen- und Außenperspektive. Dies zwingt zu einer neuen Positionierung kirchlichen Handelns. Niemals zuvor standen die Kirchen vor der Voraussetzung, in bestimmten Regionen auf nachchristliche Voraussetzungen zu treffen. Die Kirchen sind zwar strukturell präsent und durch ihre Gebäude und Einrichtungen sichtbar, aber sie repräsentieren für viele Menschen nicht mehr die christliche Botschaft. Ein großer Bevölkerungsteil lebt nicht „neben der Kirche“, sondern die Kirche ist etwas „neben ihrem Leben“.

Die Zielgruppe ist extrem heterogen. Sie differenziert sich im Blick auf ihre institutionellen (kirchendistanziert), ihre kulturellen (säkularisiert) und ihre religiösen (konfessionslos, religiös interessiert oder ansprechbar aufgeschlossen) Entscheidungen und Präferenzen. Normalitätserwartungen, kirchliches Analphabetentum, religiöse Entwöhnungs- und Absetzprozesse (Ausgetretene) überlagern sich dabei.

Viele Formen kirchlicher Kommunikation bleiben auch wegen der mangelnden Berücksichtigung dieser Heterogenität wirkungslos und verlangen nach neuen Formen.

  

General information on realization

Das Team von Kirche im Dialog besteht aus einem Diplom-Sozialpädagoge (gleichzeitig Qualitätsmanager für soziale Dienstleistungsunternehmen), einem Pastor und einer Religionswissenschaftlerin. Bewusst ist hier also ein heterogenes Team für den kirchlichen Dialog mit Konfessionslosen aufgestellt worden.

Preparation

Konzeptentwicklung, Beantragung der Arbeitsstelle bei der Landessynode der Ev.-Luth. Kirchen in Norddeutschland etc.

Realization

Die Arbeitsstelle betätigt sich in zahlreichen Aktivitäten:

  • Die Arbeitsstelle nimmt gesellschaftliche Ausdifferenzierungen wahr.
  • Sie ermittelt das Selbstverständnis der jeweiligen Lebenseinstellungen.
  • Sie unterstützt exemplarische Projekte.
  • Die Arbeitsstelle erarbeitet Reflexions- und Entwicklungshilfen für die eigenen Mitarbeitenden.
  • Sie kommuniziert theologische Fragen, die sich aus dieser Arbeit ergeben.
  • Sie beteiligt sich an der Aus-, Fort- und Weiterbildung für Mitarbeitende der Kirche.
  • Die Arbeitsstelle führt Gemeindeberatungen durch.
  • Die Arbeitsstelle führt Projekte gemeinsam mit Konfessionslosen/ Kirchendistanzierten durch, auch jenseits kirchlicher Handlungsfelder.
  • Sie publiziert Ergebnisse als good-practice-Modelle.

Die Arbeitsstelle hat ihren zentralen Standort in Rostock und ein Büro in Hamburg. Daneben arbeiten die Referenten und Referentinnen gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern an verschiedenen Orten in exemplarischen Projekten:

   

Fotoausstellung

In der Ausstellung „Wenn ich GOTT höre, denke ich an …“ zeigen einige Fotografen, die aus unterschiedlichen Gründen der Kirche fernstehen, mit ihren Fotos ihre Assoziationen zum Thema „Gott“. Dadurch soll den Besuchern ein Anknüpfungspunkt gegeben werden, auch außerhalb etablierter kirchlicher Handlungsfelder bzw. überhaupt einmal über religiöse Fragen ins Gespräch zu kommen. Zu der Ausstellung kann bei der Arbeitsstelle ein Ausstellungskatalog bestellt werden.

  

Einstellungen zu Kirche und Religion - eine empirische Untersuchung der Arbeitsstelle
Um herauszufinden, wo mögliche Anknüpfungspunkte für den Dialog liegen, hat die Arbeitsstelle u.a. Befragungen und Interviews durchgeführt, in denen die Sicht Konfessionsloser auf Kirche und Religion erhoben wurde.

Wir führen kurz die Ergebnisse auf. Die ausführlichen Ergebnisse der Umfrage finden Sie unten im Anhang.

    

Einstellungen zu Kirche und Religion

Eine empirische Untersuchung der Arbeitsstelle „Kirche im Dialog“, Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).

Die Ergebnisse des Fragebogens sollen helfen, mögliche Anknüpfungspunkte für den Dialog mit Konfessionslosen zu finden. Gelingender Dialog ermöglicht es der Kirche, ihre gesellschaftliche Verantwortung auch denjenigen gegenüber, die ihr nicht angehören, wahrzunehmen. Dazu trägt der Fragebogen bei.

Die Verteilung der Fragebögen erfolgte im Schneeballsystem v.a. über Chöre, Diakonie und Kindergärten. Außerdem bestand die Möglichkeit, den Fragebogen online auszufüllen. Durch den Verteilmodus ist die Umfrage nicht repräsentativ, aber aufgrund der Datenmenge dennoch aussagekräftig. Bei einer Rücklaufquote von 25% konnten 498 Fragebögen ausgewertet werden, 263 davon von Konfessionslosen, also Nichtmitgliedern.

Welchen Stellenwert haben Religiosität bzw. Spiritualität im Leben der Norddeutschen?

Die meisten Ausgetretenen hatten als Kinder durchaus Kontakt zur Kirche: Religiöse Sozialisation verhindert nicht zwangsläufig Entkirchlichung.

Aber: Religiöse Sozialisation befördert nicht zwingend die Nähe zur Institution Kirche, aber die Fähigkeit zu religiösem Erleben.

Die Selbsteinschätzung als religiöser bzw. spiritueller Mensch ist stark an die Kirchenmitgliedschaft gebunden. Außerhalb der Kirche findet sich im Nordwesten eher Spiritualität denn Religiosität, im Nordosten von beidem gleich wenig.

Aber: Es gibt unter den befragten Nordostdeutschen deutlich mehr Gläubige (an Gott, höhere Mächte, ein Leben nach dem Tod etc.) als Menschen, die sich religiös fühlen. Wahrscheinlich fühlt sich nur derjenige religiös, der auch eine Religion praktiziert.

Die Wissenschaft ist für die, die nicht glauben, das Hauptargument gegen Religion, die Ostdeutschen treibt sie aber auch sehr stark die Theodizee-Frage um: Wenn es Gott gibt, wie kann er dann das Elend auf der Welt zulassen?

Wie wird Kirche wahrgenommen und eingeschätzt?

Die überwiegende Mehrheit der Konfessionslosen im Norden bescheinigt der Kirche eine wichtige gesellschaftliche, soziale und kulturelle Funktion. Dass ihre Hauptaufgabe die Weitergabe des Glaubens sei, meint immerhin etwa die Hälfte der befragten Konfessionslosen.

Was finden Konfessionslose an Kirche gut? Besonders ihr Engagement für benachteiligte Menschen, die Kirchengebäude und „dass man (in der Kirche) nicht perfekt sein muss, um angenommen zu werden“.

Viele wünschen sich noch mehr Angebote im Bereich Gemeinschaft und Geselligkeit und Kultur.

Eine Mehrheit spricht sich hingegen für die Reduzierung politischer Aktivitäten der Kirche aus.

Auch ein großer Anteil der Konfessionslosen wünscht sich: Kirche soll noch mehr als bisher auf Menschen zugehen, die nicht zu ihr gehören.

Trotz der ihr zugeschriebenen Sozial- und Wertekompetenz nehmen Konfessionslose die Kirche für sich selbst kaum in Anspruch.

Im Gegensatz zu den Konfessionslosen im Nordosten zeigen die überwiegend ausgetretenen Konfessionslosen im Nordwesten eine grundsätzlich kritischere Einstellung gegenüber der Kirche. Dennoch: Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, können sich eher vorstellen, (wieder) in die Kirche einzutreten als diejenigen, die schon immer konfessionslos waren.

Wrap up & follow-up actions

Die Arbeitsstelle steht in engem Austausch mit anderen Zentren.

Effect / experience

Für eine Einschätzung ist es noch zu früh.  

 

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