Biblische Geschichte als Schattentheater

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 18.11.2014
Letzte größere Änderung: 18.11.2014
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Weihnachtskreis, Gottesdienstbausteine
Gemeinden/Institutionen
Evang.-Luth. St.-Paulus Gemeinde in München
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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Kurzbeschreibung

In der Christvesper am Heiligen Abend führen Schüler/innen der Grundschule mit selbst gebauten Schattenfiguren die Weihnachtsgeschichte auf.

Situation / Kontext

Im Keller der Kirchengemeinde befand sich eine Rückprojektionsleinwand. Das brachte mich auf die Idee, in diesem Jahr statt eines üblichen Krippenspieles ein Schattenspiel aufzuziehen.

Ziele

Die Weihnachtsgeschichte kann neu erlebt und gesehen werden, wenn man neue Formen einsetzt, die über das übliche Krippenspiel hinausgehen.

Reflexion / Hintergrund

Indem die Schüler/innen ihr eigenes Gesicht als Schattenriss auf Papier zeichneten, konnten sie sich als Teil der Weihnachtsgeschichte erleben.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Mit den Kindern der 4. Klasse baute ich im Religionsunterricht Schattenfiguren. Dabei zeichneten die Kinder den eigenen projizierten Schattenriss ihres Gesichtes auf Papier. Diese Silhouette wurde dann auf die entsprechende Größe herunterkopiert und aus kartoniertem Papier zusammen mit dem Körper ausgeschnitten. Die Größe der Figuren ergab sich durch den in A4-Größe vorhandenen Pappdeckel (160g Papier ist die unterste Grenze!).  Damit war die Figurengröße mit max. 29,7 cm definiert. 

Die Schattenrisse der Köpfe der Kinder wurden mit einem Overheadprojektor an die Wand projiziert und in Partnerarbeit auf Papier übertragen. Dieser Schattenriss wurde dann auf dem Kopierer verkleinert. Normalerweise ist das Verhältnis von Kopf zu Körper 1:9. Ich habe die Köpfe etwas größer gelassen: ca. 1:6 oder 7. Auf diese Weise sind sie auf die Entfernung ausdrucksstärker. Danach wurde ein Köper unter den Kopf gezeichnet und die Figurine ohne die beweglichen Körperteile ausgeschnitten. Ein paar abstehende "Haare", eine charakteristische Kopfbedeckung, ein passendes Gewand machen die Figur individuell.

Aus dem Verschnitt werden die beweglichen Teile gefertigt. Wir hatten es so gehalten, dass ein Teil des Körpers bewegt werden konnte. Soll zB. der Arm bewegt werden können, müssen Hand-, Ellenbogen und Schultergelenk hinzugefügt werden. D.h. Die Hand, der Unter- bzw. Oberarm werden jeweils um einen halbkreisförmigen Bogen verlängert. Diese Verlängerungen werden aufeinander gelegt; mit einer Lochzange wird ein Loch gestanzt, durch welches dann eine Spreizklammer geschoben wird. Die Lochgröße muss so gewählt werden, dass sich das Körperteil reibungslos und ruckfrei bewegen lässt. Wichtig: Die langen "Flügel" der Spreizklammer kürzen, damit sie nicht überstehen und mit einem Stück Tesafilm gegen das Verdrehen fixieren.

Das Führungsholz für die Figur ist ein nicht zu dicker Rundstab oder auch eine nicht zu dicke Leiste aus dem Baumarkt, die der Figur gleichzeitig Stabilität verleiht. Für den beweglichen Teil haben wir etwas dickeren Blumendraht verwendet, den es im Blumenladen in abgelängten Stücken (kostenfrei) gibt. Die Floristen stüzen damit zB. die Dahlien.

Als Lichtquelle haben wir einen Overhead verwendet. Das Lichtfeld muss scharf zu stellen sein. Denkbar ist auch der gute alte Diaprojektor. Vorteil des Tageslichtprojektor ist, dass man gleich die Dekoration (Landschaft, Sternenhimmel, Häuser, Zimmer etc., malen, die man auf Folien kopieren kann). Besonders reizvoll wirken farbige Hintergründe und schwarze Schattenrisse. Die meisten Overheads verfügen über eine Lampensparschaltung, die man sinnvollerweise einsetzt, sonst wird das Bild zu hell. Bewährt hat sich bei mir, dass ich aus einem Bindesystem für Präsentationen graue Klarsichtdeckfolien auf die Overheadfolie gelegt habe. Ein Dimmen der Overheadprojektoren ist im Regelfall wegen der elektrischen Bauteile (Transformatoren) nicht möglich.

Projektionsfläche ist entweder eine sog. "Rückpro-Leinwand" oder auch ein weißes Sonnensegel. Ein normaler (Nessel-, Baumwoll- oder Leinen-) Stoff ist nicht dicht genug; dadurch entsteht ein unangenehm störender, sehr heller Lichthof in der Mitte des Bildes um die Projektionsquelle herum.

Die Schattenspieler benötigen eine querverlaufende, gehobelte und abgefaste "Dachlatte" an der unteren Seite der Projektionsfläche, auf der sie ihre Hände abstützen können. Die Arme sollten beweglich sein. Deshalb verbanden wir Ober- und Unterarm und auch die Hand mit Spreizklammern, wie sie bei Postumschlägen verwendet werden. Ein Führungsstab auf der Rückseite angeklebt, an der Hand ein etwas stärkerer Draht befestigt und schon war die Figurine fertig.

Die Texte schrieb ich selbst. Die Schwierigkeit dabei ist, dass erzählte biblische Handlung, Empfindungen und Informationen in Dialoge gefasst werden müssen. Jedes Kind bekam so eine Rolle „auf den Leib geschrieben“. Damit aber immer möglichst viele Kinder gleichzeitig beschäftigt sind, hatte ich Sprecher und Spieler getrennt. So war immer die gleiche Anzahl an Sprechern und Spielern beschäftigt. Das verringerte die Unruhe hinter der Bühne beträchtlich.

     

Durchführung

In der Christvesper war hinter dem Altar die Leinwand aufgestellt.
Stehen vier oder gar fünf Kinder hinter dem Screen, ist der Bewegungsspielraum sehr eingeengt. Figuren, die auftreten oder abgehen, werden deshalb von Hand zu Hand weitergereicht, bis sie den/die jeweilige/n Spieler/in erreicht haben. Weniger Bewegungen sind oft mehr. Bei kleineren Gruppen kann man auch den Text vorher aufnehmen und im PC entsprechend bearbeiten (oft werden Pausen für Auftritte und Abgänge gebraucht, für Reaktionen der Figuren) oder Szenen auch mit Musik unterlegen. Der Nachteil eines solchen "eisernen Bandes": Es läuft unerbittlich durch; ein Anhalten der Vorführung ist kaum noch möglich.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.
  
Die helle Projektionsfläche und die bewegten Figuren zogen die Blicke magnetisch an. Es war still in der Kirche.

Bemerkung eines Vaters am Schluss: „Es war fast zu professionell!“

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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