Kirchen-Bulli

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 09.09.2010
Letzte größere Änderung: 09.09.2010
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
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Gemeinwesen
Gemeinden/Institutionen
Ev. Luth. Kirchengemeinde St. Johannis in Rosche
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
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2 Stimmen
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Kirchen-Bulli

Kurzbeschreibung

Eine Kirchengemeinde in ländlicher Gegend mit vielen kleinen Ortschaften bietet einen Fahrdienst in den Hauptort an.

Situation / Kontext

 Eine Kirchengemeinde engagiert sich dort, wo kommunale Infrastruktur wegbricht.

Ziele

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Reflexion / Hintergrund

Der Ort Rosche mit Prielip bildet das Zentrum für die umliegenden 24 Dörfer, die zu der Kirchengemeinde gehören. Rosche liegt ca. 15 km von der Kreisstadt Uelzen (Niedersachsen) entfernt und hat 1.256 Einwohner. In den Dörfern um Rosche herum leben 1.622 Menschen. Die Entfernung der Dörfer zu Rosche beträgt bis zu 11 km.


Aus folgenden Gründen ist es essentiell, aus den Dörfern nach Rosche kommen zu können:

  • Die gesamte Nahversorgung liegt für die Bewohner der Dörfer in Rosche.
  • In Rosche gibt es kein Taxi-Unternehmen mehr. Die einzige Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von einer Vielzahl der Dörfer nach Rosche zu gelangen, bietet der Schulbus, der nur zu bestimmten Zeiten fährt (in den Schulferien gar nicht).
  • Die 26 Dörfer der Kirchengemeinde Rosche liegen auf den Gebieten von vier verschiedenen kommunalen Gemeinden. Rosche ist Sitz der Samtgemeindeverwaltung mit Rathaus. Die Bürger müssen sich also auf Rosche konzentrieren für alles, was kommunale Dinge betrifft (Behördengänge).
  • Viele Ärzte sind nur noch in Rosche zu finden. 

Der Kirchen-Bulli, der eine Verbindung von den Dörfern, den Rändern zum Zentrum herstellt, hat also gleichsam eine zentrierende Wirkung und Ausrichtung der Kirchengemeindeglieder auf Rosche.
In der Kirchengemeinde Rosche gibt es zunehmend mehr ältere Menschen, denen es schwer fällt, ihre Einkäufe zu erledigen.
Bedingt durch den demografischen Wandel, die Lage der Dörfer, aber auch die spezifische Kleinheit der Dörfer um Rosche herum (Teilweise gibt es Einwohnerzahlen zwischen 15 und 20 Personen) kann die Nachbarschaftshilfe in diesem Bereich des Fahrdienstes nicht greifen, weil tagsüber einfach nicht genügend Menschen in den Orten sind.
Für Menschen an der Armutsgrenze, ohne Auto, ist der Kirchen-Bulli die einzige Chance, zu den Einkaufsmöglichkeiten oder Ärzten zu gelangen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Ein Kleinbus wurde der Kirchengemeinde als Spende zur Verfügung gestellt. Ebenso ein Handy. Gleichzeitig sollte versucht werden, einen Kreis ehrenamtlicher Fahrer zu bilden.

Durchführung

Ursprüngliche Idee

 Die Helfer fahren tageweise den Bus und bringen Menschen nach Verabredung aus den Dörfern um Rosche herum nach Rosche oder zurück nach Hause. Verabredung für Fahrten durch Anruf auf dem Handy.
Die Nutzer des Fahrdienstes können sein:

  • Kinder, die zum Flötenunterricht oder Konfirmandenunterricht  o. ä. fahren
  • Erwachsene, deren Auto mit dem Partner/der Partnerin bei der Arbeit ist
  • ältere Menschen, die ohne Auto nicht mobil sind und zum Einkaufen oder zum Arzt fahren wollen
  • Fahrdienst zu Gottesdiensten 


Konkrete Umsetzung

 Die Suche nach Fahrern und Mitfahrern bedingt sich gegenseitig. Da der Bulli nicht an jedem Tag genutzt wird, werden auch zurzeit nicht für jeden Tag Fahrer gebraucht. Hauptsächlicher Einsatz des Kirchen-Bullis ist ein wöchentlicher Liniendienst nach Fahrplan durch die Dörfer der Kirchengemeinde. Der wird genutzt zum Einkaufen, zu Erledigungen, zum Gang auf dem Friedhof... Dazu Fahrdienste zu Gottesdiensten, die nicht in Rosche stattfinden (z.B. Kapelle Polau). Ferner für individuelle Fahrten zum Arzt (auch nach Uelzen) mit Hilfe und Unterstützung durch den Fahrer. Den Winter über gibt es regelmäßige Fahrten zum Thermalbad in Bad Bevensen. Außerdem wird der Bulli ohne Fahrer ausgeliehen. 

 

Dauer

 Das Projekt ist auf Dauer angelegt.

 

Arbeitsaufwand

 Bei selbständiger Mitarbeit der Ehrenamtlichen ist der Arbeitsaufwand nicht groß.

 

Mitarbeitende

 Es sind im Moment zwei ehrenamtlich Mitarbeitende, die hauptsächlich die Fahrdienste übernehmen. Einer von beiden kümmert sich verantwortlich um den Bulli (Werkstatt, Inspektion, Reparaturen, Reifenwechsel, TÜV ...). Die andere koordiniert die Termine für Fahrten und Ausleihe.  Dazu gibt es vier weitere Ehrenamtliche, die einspringen können, bzw. bereit sind, nach Vorabsprache, auch Fahrten nachts zu machen.

 

Materialien

 Kleinbus

 

Kosten

 Die monatlichen Kosten liegen bei ca. 200,- €.

 

 

Link/Homepage

http://www.kirche-uelzen.de/KKUelzen/gem/rosche.html

 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Es ist geplant, für Jugendliche abends Fahrten nach der Disco oder dem Besuch bei Freunden nach Hause anzubieten. Als Gemeinschaftsauto schont der Kirchen-Bulli so auch die Umwelt.

Wirkung / Erfahrung

Wenn für einzelne Menschen der Lebensmut fehlen sollte, dann bietet der Kirchen-Bulli eine Keimzelle der Kommunikation. Dies gilt sowohl für die Fahrer, die eine ehrenamtliche Beschäftigung in einer strukturschwachen Region finden, als auch für die Fahrgäste. Der Kirchen-Bulli bietet auch die Möglichkeit zu Kontakten über Generationsgrenzen hinweg. Regelmäßige Fahrten zu regelmäßigen Terminen sorgen für Kontinuität der Begegnungen und können der Anstoß sein für weitere Treffen oder Aktionen. In diesem Rahmen können auch die bestehenden Angebote der Kirchengemeinde beredet werden, stärker bemerkt werden und bekannter werden.
Offensichtlich gibt es allerdings bei einigen Einwohnern - trotz andauernder Werbung - eine gewisse Unkenntnis oder Scheu, den Kirchen-Bulli zu nutzen.

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