Interreligiöse Feiern und Erntedankfeste

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 28.05.2015
Letzte größere Änderung: 28.05.2015
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Interreligiöse Begegnungen
Gemeinden/Institutionen
Evangelische Paulusgemeinde Gießen in Egerländer Str. 6, 35396 Gießen ()
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: 3 Mal 1 Stunde Vorbereitungstreffen. Die Zeit zum Schreiben von Texten, Üben mit Kindern etc. hält sich in Grenzen.
Durchführung: 4 Stunden (Aufbau, die Feier selbst, geselliges Beisammensein, Aufräumen)
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Kurzbeschreibung

Zwei Mal im Jahr gestaltet unsere evangelische Paulusgemeinde gemeinsam mit Muslimen, Aleviten, Eziden und Christen unterschiedlicher Konfession eine Interreligiöse Feier im Gemeindesaal oder ein Interreligiöses Erntedankfest auf dem Gelände einer Gärtnerei im Stadtteil.

Situation / Kontext

Als evangelische Stadtrandgemeinde in der Gießener Nordstadt betreiben wir ein großes Kinder- und Familienzentrum, das von Kindern und Familien unterschiedlicher sozialer, ethnischer, kultureller und religiöser Prägung und Herkunft besucht wird. Wir verstehen uns als Kirche im Stadtteil, die einen Beitrag zur Integration leisten will.

Ziele

Die Interreligiösen Feiern sind ein Beitrag zu gelebter Nachbarschaft im gegenseitigen Respekt voreinander; zugleich empfinden die Beteiligten den Austausch über Religionsgrenzen hinweg als bereichernd für ihr eigenes Glaubensleben.

Reflexion / Hintergrund

Wer in einer multireligiösen Nachbarschaft, insbesondere in einer multireligiösen Kita in evangelischer Trägerschaft, den evangelisch-christlichen Glauben profiliert zum Ausdruck bringen will, darf sich weder in der Kerngemeinde abkapseln noch in besserwisserischer Weise missionarisch auftreten oder Menschen anderen Glaubens vereinnahmen. Zum evangelischen Profil, Liebe in Freiheit zu leben, gehört auch die Bejahung der Vielfalt religiöser Überzeugungen und der Dialog mit dialogbereiten Vertreter(inne)n anderer Religionen und Weltanschauungen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Das Projekt besteht seit 2012. Ursprünglich initiiert wurde es vom Gemeindepfarrer nach einem Studienurlaub zum Thema "Geschichten teilen", in dem es um interreligiöse Fragestellungen und Konzeptionen ging. Es gehört mittlerweile zum festen Bestand der jährlich stattfindenden Veranstaltungen.

Vorbereitung

Zur konkreten Vorbereitung jeder einzelnen interreligiösen Feier gab es ein bis drei einstündige Vorbereitungstreffen, an denen der Pfarrer, ein bis zwei Erzieher(innen), ein bis zwei Kita-Eltern sowie je ein bis zwei Vertreter(innen) der Türkisch-Islamischen Gemeinde, der arabischen Moschee und der alevitischen Gemeinde teilgenommen haben. Zusätzliche Beiträge von Grundschullehrerinnen und ihren Schüler(inne)n oder von Einzelpersonen aus anderen Gemeinden wie der Ezidischen Gemeinde wurden gerne aufgenommen.

Durchführung

Die Feiern hatte immer ein besonderes Thema, das in der Regel einige Monate vor der Feier in einem informellen Gespräch einiger Beteiligter aus verschiedenen Religionsgemeinschaften entstand, zum Beispiel "Gemeinsam Spielen". Aus christlicher und muslimischer Sicht wurden Texte aus den jeweiligen Traditionen - Bibel, Gesangbuch, Koran, Hadithe - ausgesucht und Gedanken zum Thema formuliert, Gebete wurden beigesteuert aus allen beteiligten Religionsgemeinschaften, zum Beispiel von der Ezidischen Gemeinde oder in gesungener Form von den Aleviten. Weitere Musik bestand in Liedern, die der Pfarrer mit der Gitarre begleitete, oder die der Türkisch-Islamische Mädchenchor sang. Im Anschluss an die Feier gab es ein Beisammensein mit Kaffee, Saft und Plätzchen sowie im konkreten Fall der Feier "Gemeinsam Spielen" spielten anschließend Kinder und Erwachsene gemeinsam nach Herzenslust (Murmeln, Beschtasch usw.). 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Aus der Arbeit mit den Interreligiösen Feiern entstand die Anregung, im Stadtteil eine "Arbeitsgruppe für interkulturelle und -religiöse Zusammenarbeit" zu gründen, die kontinuierlich Projekte dieser Art plant und auch nach- bzw. vorbereitet.

Wirkung / Erfahrung

Alle Beteiligten, sowohl in der Kirchengemeinde als auch in der Kita und ihrem Umfeld als auch in den benachbarten religiösen Gemeinschaften nahmen die Feiern positiv auf. Auch das Erntedankfest als interreligiöse Veranstaltung stieß auf lebhaften Zuspruch.

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