"Dem Himmel ganz nah" - gemeinsam unterwegs

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a geistreich member
Created at: 2015-09-08
Last major update at: 2015-10-05
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
In section
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Institutions
Carolin Kalbhenn, Ev. Michaelsgemeinde Gießen-Wieseck
Keywords
Target audiences
Practitioners
Information
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Execution: no information
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Abstract

Einmal im Jahr bieten wir eine dreitägige Pilgerwanderung für Erwachsene an.

Situation / context

Wir sind eine sehr heterogene, junge Gemeinde am Stadtrand von Gießen mit einer wenig ausgeprägten klassischen "Kirchlichkeit". Das Pilgern - aus einer spontanen Idee heraus entstanden - hat sich über die Jahre zu einem Projekt für eine Zielgruppe entwickelt, die wir sonst schwer erreichen: Leute zwischen 30 und 70.

Goals

Zu den Zielen unseres Pilgerprojekts gehört es, während dieser drei Tage einen Raum zu eröffnen, in dem intensive Begegnungen ermöglicht werden: mit sich selbst, mit den Mitpilgern/innen und mit Gott. Das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten, Singen, Beten und Schweigen strukturiert unseren Tag und macht vertraut mit verschiedenen Formen von Spiritualität. Das gemeinsame Unterwegs-Sein eröffnet Raum für Austausch über alles das, was Menschen zwischen Himmel und Erde bewegt, ermutigt zum Fragen und Nachdenken, zum Zuhören und selbst Sprache finden.

Reflection / background

Mit seinen unterschiedlichen Facetten ist das Projekt auf der Schnittstelle zwischen Gottesdienst, Seelsorge und Erwachsenenbildung angesiedelt. Ursprünglich gedacht als eine Form von "Gemeinde auf Zeit" machen wir mit den Jahren die Erfahrung, dass die Bindungskraft des Projekts groß ist (wer einmal dabei war, möchte wieder mitgehen) und das Projekt durchaus auch Kräfte der Integration in die sogenannte "Kerngemeinde" hinein hat.

Auch wenn nach 7 Jahren sich ein Kern von "Stammgästen" beim Pilgern gebildet hat, ist das Projekt nach wie vor ein offenes Angebot für alle. Und es gelingt uns bisher gut, jedes Jahr wieder Menschen mitzunehmen und zu begeistern, die zum ersten Mal dabei sind. Diese Offenheit ist uns wichtig und zählt für uns zu den wichtigen Merkmalen des Angebots.

Idealtypisch empfinden wir an unserem Projekt die Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, zwischen Laien und Pfarrerin: das Projekt geht auf die Initiative einer Ehrenamtlichen zurück, die auch in anderem Kontext Wanderungen organisiert hat. Sie hat die Ortspfarrerin explizit für die geistliche Begleitung und Gestaltung des Projekts angefragt. Seit 7 Jahren führen wir es nun in dieser bewährten Arbeitsteilung durch.

General information on realization

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Preparation

Für das "Pilgerteam", das die Wanderung plant und vorbereitet, beginnt die Arbeit damit ca. ein Jahr im Vorfeld. Dann wird die Route ausgewählt und von den beiden Ehrenamtlichen im Team abgefahren, zum Teil abgelaufen. Dabei werden die Unterkünfte gebucht und schon erste Kontakte zu den Kirchengemeinden an der Strecke geknüpft. Im März/April laden wir durch Hinweis im Gemeindebrief und den Schaukästen unserer Gemeinde zu einem Infoabend ein,bei dem wir über das Pilgern allgemein und die diesjährige Route informieren. Danach läuft die Anmeldephase.
Die Pfarrerin nimmt nun Kontakt zu den Kirchengemeinden am Weg auf, verabredet, in welchen Kirchen wir für Gottesdienste und Abendandachten zu Gast sein können und plant die geistlichen Impulse. Für die Ehrenamtlichen beginnt die Feinplanung der Route.
Ca. eine Woche vor der eigentlichen Wanderung treffen wir uns in der Gruppe, die zusammen gehen wird zum Kennen lernen und zu letzten Absprachen.

Zeitaufwand: für die Vorfahrten: 2-3 Wochenenden, für die Vorbereitungstreffen: 2 Abende, inhaltliche und organisatorische Vorbereitung: ca. 48 Stunden verteilt auf mehrere Personen

Realization

Jeder Pilgertag steht unter einem Thema, auf das sich die geistlichen Impulse beziehen. Sie beginnen mit einem Morgengebet (in einer Kirche oder am Weg) und enden mit einem Nachtgebet vor dem Schlafen gehen. Unterwegs feiern wir einen Abendmahlsgottesdienst und beschließen unsere Rasten mit kurzen Impulsen zum Nachdenken. Eine Strecke unterwegs gehen wir schweigend. Alle Lieder, Texte, Liturgien, die wir für die Pilgerwanderung benötigen, sind in einem Heft abgedruckt, das jeder Mitpilger am Anfang bekommt. Vor der ersten gemeinsamen Feier besprechen wir die Liturgie, so dass jeder sich "zu Hause" fühlen kann. Fürs nächste Jahr planen wir im Vorfeld der Wanderung einen Singabend, bei dem wir neue und alte Lieder für unsere Wanderung schon einmal zusammen ausprobieren.
Für den reibungslosen Ablauf ist es wichtig, dass einer die Strecke gut kennt, so dass man im Vorhinein weiß, wo Pausen sinnvoll sind, welche Schwierigkeiten die Strecke birgt, wo es ggf. auch Ausstiegsmöglichkeiten (Bus, Taxi) gibt, wenn jemand seine körperlichen Kräfte falsch eingeschätzt hat.

Zeitaufwand: Wir sind in der Regel drei volle Tage unterwegs (Freitag - Sonntag).

Wrap up & follow-up actions

Nach dem Pilgern treffen wir uns im Abstand von ca. 6 Wochen zu einem Nachtreffen mit allen, die dabei waren.
In der Regel ist unsere Wanderung finanziell so gut kalkuliert, dass wir am Ende einen Überschuss haben, den wir für ein soziales/kirchliches/diakonisches Projekt spenden. Diese Spendenübergabe erfolgt dann meist auch im Rahmen unseres Nachtreffens.

Und dann ist nach dem Pilgern vor dem Pilgern: Beim Nachtreffen wird bereits der Termin fürs nächste Pilgern bekannt gegeben und von da an laufen die Vorbereitungen und die Vorfreude aufs nächste Mal!

Effect / experience

Abgesehen davon, dass das Pilgern für alle, die einmal mitgegangen sind wohl ein unvergessliches und prägendes Erlebnis ist, hat das Projekt über diesen engeren Kreis hinaus eine große Anziehungskraft gewonnen:
wir verzeichnen eine wachsende Zahl derer, die zum Informationsabend kommen und steigende Teilnehmerzahlen. Neben denen, die sich letztendlich zum Mitgehen entschließen, gibt es viele Menschen in der Gemeinde, die das Pilgern in Gedanken begleiten, gespannt auf den Bericht im Gemeindebrief warten oder sich immer wieder fest vornehmen, doch eines Tages dabei zu sein.
Unsere Gemeinde hat über das Pilgern ein Projekt gewonnen, das Verbindungen zur Gemeinde und innerhalb der Gemeinde stärkt.

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