Kuba: Mehr Geschlechtergerechtigkeit in Kirchen und Gemeinden

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ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 01.03.2016
Letzte größere Änderung: 01.03.2016
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Deutsch (Original, angezeigt)
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Frauen
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Weltgebetstag der Frauen - Deutsches Komitee e.V. in Stein
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Kurzbeschreibung

Geschlechtersensibler Führungsstil – Weiterbildungszyklus für kirchliche Leiter/-innen an der Basis

Situation / Kontext

Das Verhältnis zwischen Staat und Religion hat im revolutionären Kuba nach 1959 verschiedene Phasen durchlaufen.

Bereits 1961 kam es nach der Verstaatlichung des Bildungswesens zum Bruch mit der katholischen Kirche. In den protestantischen Kirchen belasteten die wachsenden Spannungen zwischen Havanna und Washington zunehmend das Verhältnis. Die ideologische Annäherung an die Sowjetunion verstärkte die antiklerikalen Tendenzen und führte letztlich zur jahrzehntelangen Eiszeit zwischen Staat und Kirche. Das 1985 erschienene Buch „Fidel und die Religion“ markierte den Beginn einer Tauwetter-Periode: Religion wurde als legitimes gesellschaftliches Bedürfnis anerkannt, ein staatliches Büro für religiöse Angelegenheiten eingerichtet.

1992 wurde Kuba durch eine Verfassungsänderung von einem atheistischen Staat zu einem laizistischen Staat, Religionszugehörigkeit und Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei galten nun nicht mehr als unvereinbar. Seitdem wurden die Kirchen zunehmend bedeutsamer als gesellschaftliche Gestaltungskraft.

Ziele

In den kirchenfeindlichen Zeiten führten gläubige Christ/-innen ein gesellschaftliches Nischendasein. Damals waren es vor allem Frauen, die die Gemeinden am Leben hielten. Sie feierten Gottesdienste in Privathäusern, hielten Katechese und organisierten Sozialprojekte.

Trotz ihres Engagements sind Frauen bis heute kaum in kirchlichen Führungspositionen zu finden. Gründe dafür sind in biblisch begründeten patriarchalen Kirchenstrukturen zu suchen, welche Frauen diskriminieren und ausgrenzen. Das „Christliche Zentrum für Soziale Dienste und Ausbildung B.G.Lavastida“ (CCSCBGL) will dem Abhilfe schaffen und Frauen für kirchliche Führungsämter fit machen.

Reflexion / Hintergrund

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Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

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Durchführung

Dass das leichter gesagt ist als getan, weiß CCSCBGL aus seiner jahrelangen Bildungsarbeit nur zu gut: der legendäre kubanische Machismo, eine über Jahrzehnte eingeübte Passivität und der Einfluss konservativer Kirchenführer haben kritisches Denken und Eigeninitiative verkümmern lassen.

Nun hat CCSCBGL in vier Kirchengemeinden in Santiago de Cuba und Bayamo ein mehrjähriges Training für Frauen begonnen. Ausgewählt wurden dabei bewusst Gemeinden, deren Leitungen für ihre extrem konservative Haltung in theologischen und sozialen Fragen bekannt sind. Konsequent haben sie sich bisher dem Thema Geschlechtergerechtigkeit gegenüber verschlossen.

Genau dort setzt das CCSCBGL mit seiner geschlechtersensiblen Bildungsarbeit an. Von Hermeneutik über kirchliche Soziallehre bis zu Liturgie-Gestaltung steht so einiges auf dem Programm.

In den Fortbildungszyklen arbeiten die Frauen in einem ersten Schritt heraus, wo kirchliche Traditionen auch heutzutage noch Frauen unterdrücken und Ungerechtigkeit festschreiben. In einem zweiten Schritt interpretieren sie das Wort Gottes neu – aus einer Perspektive heraus, die Frauen wertschätzt.

Im Nachdenken über ihre Glaubenspraxis lernen die Frauen auch, ihre eigenen Vorstellungen von Frau-Sein und eine Geschlechterordnung zu hinterfragen, die für Frauen nur eine untergeordnete Stellung in Kirche und Gesellschaft bereithält. Und sie erleben christliche Verkündigung als Botschaft von Befreiung und sozialer Gerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit eingeschlossen. 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

Der eigenständige Umgang mit der Bibel stärkt das Vertrauen in ihre Analysefähigkeit und Urteilskraft. Diese Fähigkeiten helfen den Frauen dabei, leitende Funktionen in Pastoral- und Sozialarbeit kompetent auszufüllen. Ein wichtiger Schritt in Richtung gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern an Gemeindeleben und kirchlichen Ämtern ist getan!

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