Liturgiebörse

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 15.10.2010
Letzte größere Änderung: 15.10.2010
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Personalwesen, Qualitätsentwicklung im Gottesdienst, Kirchliche Berufe & Ämter
Gemeinden/Institutionen
Frauenreferat der Evangelischen Kirche im Rheinland
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Mind. 6 Monate
Durchführung: ein Tag
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Liturgiebörse

Kurzbeschreibung

Die Liturgiebörse ist ein Workshoptag für Pfarrerinnen und theologisch interessierte ehrenamtliche Frauen, an dem ein gottesdienstliches Thema praxis- und erfahrungsbezogen vorgestellt wird. Durch Referentinnen aus der Region werden z.B. Segen, Dank, Klage, Passion und Ostern als Thema vorgestellt.
Dabei werden Anregungen, Materialien und Ideen ausgetauscht und weitergegeben, die die eigene Spiritualität und die berufliche Praxis bereichern können

Situation / Kontext

Wie bekommen haupt- und ehrenamtliche Frauen, die regelmäßig Gottesdienste gestalten, Zugang zu neuen Aus- und Fortbildungsangeboten und zur neuesten liturgischen Literatur? Bei der Liturgiebörse als Fortbildungsangebot in wechselnden Teilen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) werden Elemente des Gottesdienstes durch neue Zugänge wie Bibliolog, Training der liturgischen Präsenz, aber auch Körperarbeit lebendig gestaltet und für Erfahrungen von Frauen geöffnet.

Ziele

Es werden Anregungen, Materialien und Ideen ausgetauscht und weitergegeben, die die eigene Spiritualität und die berufliche Praxis bereichern können.

Reflexion / Hintergrund

Das Frauenreferat der Evangelischen Kirche im Rheinland ermöglicht und organisiert seit seiner Errichtung verschiedene feministisch-theologische Fortbildungen für interessierte Frauen. 
Manches, was experimentell begann, wurde zu einem Ausbildungszweig oder einer lernbaren Methode zur Gestaltung von liturgischen Feiern. Die Liturgiebörse ist ein Workshoptag, der jährlich in einem anderen Kirchenkreis der Evangelischen Kirche im Rheinland stattfindet. Sie ermöglicht den Austausch über die eigene Praxis, vermittelt Informationen über regionale Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten, gewährt einen Einblick in neuere Literatur zu alternativen Gottesdienstformen und erprobt ausgewählte Methoden und Materialien zu einem Thema des Kirchenjahres oder des Gottesdienstes.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Die Liturgiebörse wird vom Frauenreferat der Evangelischen Kirche im Rheinland in Kooperation mit einer Ansprechpartnerin aus dem gastgebenden Kirchenkreis organisiert. Die Kooperationspartnerin (z.B. die Vorsitzende des Frauenfachausschusses oder eine Pfarrerin) entscheidet, welches Gemeindehaus geeignete Räumlichkeiten für drei bis vier Workshops und einen Saal für das Plenum hat, zentral und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist und beantragt die Nutzung des Hauses für die geplante Veranstaltung. Sie übernimmt auch die praktischen Absprachen wie Einsatz der Küsterin, Organisation der Verpflegung usw. Gemeinsam wir das Thema des Tages festgelegt und über mögliche Referentinnen beraten. In der Planung der Workshops und der Wahl der Referentinnen wird darauf geachtet, dass jeweils ein theologisch-wissenschaftlicher Zugang, ein Element der Körperarbeit und ein Angebot für die eigene spirituelle Praxis bzw. für die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema kombiniert werden. In einem Reader werden Lieder, Texte und Materialhinweise gesammelt und zur Verfügung gestellt, so dass zusammen mit den Informationsmaterialien der Referentinnen das Erlebte für die eigene Arbeit übernommen werden kann. Der Reader entsteht u.a. durch eine Emailabfrage bei den Teilnehmerinnen der letzten Börsen und feministisch-theologisch Interessierten, so dass auch nichtveröffentlichte Ideen und Anregungen weitergegeben werden.
Die Liturgiebörse wird landeskirchenweit beworben über Mailverteiler und Flyer. Sie ist offen für alle theologisch interessierte Frauen.

Durchführung

Die Liturgiebörse ist ein Workshoptag für Frauen, der an wechselnden Orten in der Landeskirche veranstaltet wird. Die Tagesstruktur wechselt zwischen Plenumsphasen und Workhops ebenso wie zwischen inhaltlicher Arbeit und spiritueller Feier. Der Tag beginnt mit einer spirituellen Hinführung zum Thema (durch Musik oder einen geistlichen Impuls) und einer inhaltliche Einleitung. Dann folgen zwei unterschiedliche Workshops, ein gemeinsames Mittagessen und ein musikalischer Nachtisch. Den Abschluss bildet nach der Kaffepause eine liturgische Feier, ein Gottesdienst, in den Elemente der Workshops einfließen.
Themen der letzten Jahre waren z.B.

  • 2009 "Danke! Soviel Zeit muss sein" (Thema: Dank, Erntedank),
  • 2010 "Passion - Leidenschaft für das Leben" (Thema Passionszeit, Kreuzestheologie) und für
  • 2011 ist das Thema "Segen" in Planung.

Jeweils eine Referentin erschließt die theologisch-homiletische Dimension des Themas und ermöglicht zugleich einen methodisch neuen Zugang. So näherte sich z.B. beim Thema "Dank" Pfarrerin Susanne Wolf-Witthöfft biblischen Texten des Danksagens mit der Methode des Bibliologs. Dieser Workshop floss in den liturgischen Abschluss des Tages als "Predigt mit der ganzen Gemeinde" ein.
Zum Thema Passion eröffnete die Theologin und Journalistin Katrin Keita einen Zugang zur Kreuzestheologie durch die Analyse von Kreuzesdarstellungen in der Kunst. Während dieser kunsthistorische Zugang in den Workshops der eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema diente, floss er in Form einer Bildpredigt auch in den gemeinsamen liturgischen Abschluss ein. Während beim Thema "Dank" den eigenen Zugängen durch einen Bibliodrama-Workshop nachgespürt wurde, arbeitete zum Thema Passion eine Trauertherapeutin in einem Workshop mit Körperübungen an eigenen biographischen Passionserfahrungen. Für die Umsetzung in Bewegung und Energie sorgten zum Thema Dank Trommelworkshops mit der Percussion-Künstlerin Susanne Strobel und beim Thema Passion Tänze aus verschiedenen Kulturen. Die Abschussgottesdienste setzen sich zusammen aus Elementen der Workshops, neue Lieder und Gebete aus dem Reader werden ge- und erprobt. Beim Thema Passion wurde das Abendmahl mit eine alternativen Liturgie gefeiert. Die Veranstaltung endet mit dem Gottesdienst.

Dauer

Ein Samstag von 10-17 Uhr

Arbeitsaufwand

Der Vorbereitungsaufwand ist erheblich. Neben der inhaltlichen Planung müssen Referentinnen angefragt werden, der Reader muss erstellt werden, die Werbung muss landeskirchenweit durchgeführt werden, die Organisation vor Ort ist mit Reisetätigkeit verbunden.

Mitarbeitende

  • Theologische Referentin des Frauenreferats der EKiR,
  • Assistenzkraft,
  • Kooperationspartnerin und Küsterin am Veranstaltungsort,
  • Referentinnen,
  • Musikerin


Materialien

Werbeflyer, Reader, Büchertisch, Informationsmaterialien, Raumgestaltung, Bedarf für die Workshops

Kosten

Verpflegung und Druckkosten werden durch den Teilnahmebeitrag von 20,- Euro abgedeckt. Honorare für Referentinnen je nach Forderung, Räume werden kostenfrei überlassen.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Die Anregungen und Wünsche der Teilnehmerinnen für die nächste Litugiebörse werden aufgenommen und weiterverfolgt. Der Reader wird jeweils auch nach der Veranstaltung noch gut nachgefragt. Die Adressen der Teilnehmerinnen werden aufgenommen, um sie zu ähnlichen Veranstaltungen einzuladen.

Wirkung / Erfahrung

In den letzten Jahren haben jeweils ca. 60 Frauen an der Liturgiebörse teilgenommen, davon etwa die Hälfte Pfarrerinnen. Das Alter der Teilnehmerinnen liegt bei 40 bis 60 Jahren, alle sind mehrfach ehren- und / oder hauptamtlich in der Kirche engagiert.
Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden: Die Rückmeldungen sind sehr positiv. Der Tag wird als anregendes Auftanken empfunden. Viele haben Lust und Ideen für eine längere Fort- oder Ausbildung bekommen. Der Austausch und die Vernetzung mit anderen feministisch-theologisch interessierten Frauen werden als Kraftquelle empfunden. Für jüngere Frauen ist es oft die erste Begegnung mit feministischer Theologie und Frauenspiritualität. Sie haben sich häufig überrascht-positiv geäußert und entdeckt, dass sie in ihrer eigenen Praxis auch schon länger Wert auf körper- und erfahrungsbezogene Elemente legen.


Tipps für Nachahmer/innen

Als überregionale Vernetzungs- und Fortbildungsmöglichkeit für Pfarrerinnen und andere feministisch-theologisch interessierte Frauen muss sich eine jährliche Veranstaltung erst etablieren und herumsprechen. Hilfreich ist die Anbindung an eine Gemeinde, in der aktive Frauenarbeit stattfindet. Notwendig ist ein Anmeldeschluss, damit die Zahl der Teilnehmerinnen rechtzeitig bekannt ist und ggfs. nachgeworben werden kann. In der Evangelischen Kirche im Rheinland hat sich die sehr frühzeitige Ankündigung (mindestens ein halbes Jahr vorher) in Kombination mit einer persönlichen Einladung etwa drei Monate vorher bewährt.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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