Escola Popular

Escola Popular

Kurzbeschreibung

Samba und Capoeira bedeuten Leidenschaft und Lebensfreude in der Gemeinde. So entsteht eine neue Form der Gemeindearbeit, zu der jede und jeder herzlich willkommen ist.

Situation / Kontext

Im eher entkirchlichten Osten Deutschlands tritt die Kirche mit niedrigschwelligen, qualitativ hohen Angeboten auf. Sie bietet kraftvolle und integrative kulturelle Zugänge am Beispiel eines multikulturellen Gegenstandes mit gesellschaftspolitischem Hintergrund. So werden Menschen sowohl mit der Kirche als auch mit deren inhaltlichen Positionierungen im gesellschaftlichen Kontext in Kontakt gebracht. Durch aktive Mitgestaltung von Gottesdiensten und kirchlichen Festen werden eigene positive Erfahrungen mit geprägten spirituellen Räumen vermittelt.

Eine Arbeitsgemeinschaft innerhalb einer Landeskirche orientiert sich mit Samba und Capoeira an zwei kulturellen Äußerungen Brasiliens. Sie leistet mit ganz verschiedenen Angeboten hierzu evangelische Bildungsarbeit. Sie bildet eine neue Form der Gemeindearbeit, zu der jeder herzlich willkommen ist.

Ziele

Wir wollen Menschen ausserhalb der Kirche erreichen und neugeirig machen auf mehr. Wir wollen Gemeinschaft fördern, Gemeindegruppen gründen. Wir wollen unsere Kirche offen und damit zukunftsfähig gestalten. Vor allem aber wollen wir das befreiende Handeln Gottes in der Welt erfahrbar machen. 

Reflexion / Hintergrund

Die Escola Popular lehnt sich in der Wortbedeutung an die lateinamerikanische Bedeutung des Begriffs an und ist am besten mit "Schule von unten" zu übersetzen.
Capoeira und Samba entstanden mit afrobrasilianischen Wurzeln in den Elendsvierteln, den Favelas.

Samba ist ein Tanz, Capoeira ist eine Mischung aus Tanz und stilisiertem Kampfsport. Mit akrobatischen Figuren und unter Einsatz aller Extremitäten spielen zwei Kampftänzer/ innen ein Spiel körperlicher Annäherung und Ausweichens.
Beide, Capoeira und Samba, bilden Identitätspole im Kampf gegen unwürdige Lebensverhältnisse und haben inzwischen eine große integrative Kraft in allen Bevölkerungsschichten Brasiliens entwickelt.
Da der feste Standort der Escola Popular in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen kirchlichen Institutionen mit großer Strahlkraft (Bildungszentrale der EKM und Gemeindedienst der VELKD) liegt, ist auch hierüber eine gute Vernetzung gegeben.
Die Escola Popular ist auf dem WEG zu einer Profilgemeinde.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Die Escola Popular wurde mit ihren Bereichen Percussão (lateinamerikanische Schlaginstrumente), Banda (eine Band mit Schlaginstrumenten des Samba, Melodieinstrumenten einer Rockband, und Gesang), Capoeira sowie Projektarbeit von einem Gemeindepädagogen, seit 1994 als ein eigener Arbeitsansatz, in einem langen Prozess entwickelt. Die Anregung, zunächst mit Capoeira in der Kirche zu arbeiten, kam von einer Schülerin. Das Projekt fand zunächst im Rahmen der Schüler/innenarbeit der evangelisch-lutherischen Kirche in Thüringen statt. Grundgedanke war, die Impulse aus dem Ökumenischen Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung aus den 80er Jahren für die Menschen von heute ganzheitlich erfahrbar zu machen. Die Capoeira bietet dafür verschiedene Ansätze mit ihrer Geschichte, ihren Liedern und ihren Bewegungen, unabhängig von intellektuellen Möglichkeiten oder religiöser Prägung der Einzelnen. Später wurde dann der inzwischen erprobte Ansatz erweitert und mit einer Samba-Batucada (Sambatrommelgruppe) umgesetzt.

Durchführung

 In einem eigenen Gebäude finden Workshops zu Samba und Capoeira sowie interne Kurse und Treffen der in der Escola Popular Mitarbeitenden statt. Diese gehen in Schulen und Kirchengemeinden, um dort mit Jugendlichen und Erwachsenen zu arbeiten. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen. Inhaltliche Elemente dabei sind u.a. die Rhythmustraining-Ausbildung (die Ausbildung) an verschiedenen Schlaginstrumenten, originale Lieder und Rhythmen aus Brasilien, (lateinamerikanische) Interpretationen von Kirchenliedern, Körper- Kampfsport-Tanz-Artistiktraining, pädagogischer Unterricht für Anleiter, Grundelemente christlichen Glaubens,  Präsenzübungen, Choreographien sowie  Improvisationen im Spiel.
Neben der inhaltlichen Arbeit haben die einzelnen Projekte auch einen ganzheitlichen Seelsorgeansatz, indem die jeweiligen Wirkungen auf Körper, Geist und Seele immer im Blick behalten werden. Außerdem gibt es Angebote zu seelsorgerlichen Gesprächen und Therapien (Der Leiter der Escola Popular hat entsprechende Zusatzqualifikationen.)
In Gottesdiensten und Andachten wird die besondere Musik eingebracht. Da der Leiter auch ordinierter Gemeindepädagoge ist, darf er auch die Sakramente verwalten: So können auch direkt in Gottesdiensten der Escola Popular Taufen und Abendmahlsfeiern stattfinden. Hinzu kommen besondere Einsätze bei Kunstfesten und Demonstrationen (z.B. gegen Rechtsradikalismus).
In der Regel wird die Escola von Gemeinden, Schulen, Veranstaltern von Festen oder Demonstrationen engagiert. Wir legen Wert auf gemeinsame Absprachen, zielgerichtete Vorbereitungen und Realisierungen.
Zur Zeit gibt es  14 Gruppen in 12 Städten. Darin sind 120 Mitwirkende registriert. Diese sind nicht einfach nur Konsumenten, sondern selbst auch ehrenamtlich (z.B. bei Einsätzen, Auftritten, Festen usw.) tätig.


Dauer

Regelmäßige Teamsitzungen

Arbeitsaufwand

Das Projekt ist auf Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit ausgerichtet.

Mitarbeitende

Wöchentliches Training/Proben 3-4 Stunden, zusätzlich Auftritte, Workshops, hoher Organisationsaufwand
Wir haben zwei Hauptamtliche, von den einer fest und der andere auf Honorarbasis dauerhaft angestellt ist. Die hauptamtlichen Mitarbeiter müssen auch Spezialisten werden und einen wesentlichen Teil ihrer Arbeitszeit für diesen Ansatz zur Verfügung haben. Dazu kommen ca.  fünf externe Spezialisten, welche punktuell bei einigen Workshops einbezogen werden.
Es sind 25 ehrenamtliche Anleiter/innen tätig, welche Gruppen anleiten, geschult und begleitet werden.

 

Materialien:

210 Instrumente, weiteres Bandequipment,  große Räume für Bewegungsübungen,  und  für Musik 

Kosten der Zenrale:

Leitung, Sekretariat,  Ref. Samba, Ref. Capoeira, Büroräume, Lager für Instrumente, Proben-/Trainingsräume, Seminarraum, sakraler Raum

Kosten der regionalen Gruppen

ggf. Referant für einen oder mehrere Kirchenkreise/Probsteien, Proben-/Trainingsraum möglichst der Kirchgemeinde. 

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

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Wirkung / Erfahrung

 Erreicht werden beinahe alle Altersgruppen, Kirchenferne und Kirchennahe, es kommt zu Gruppenbildungen. Damit eröffnete sich für verschiedene Menschen die Chance und eine neue Möglichkeit, mit Evangelischer Kirche in Kontakt zu kommen oder sie von einer offenen und fröhlichen wie bewegten Seite kennen zu lernen.  
Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitarbeitenden:

  • "Mit Euch lasse ich mich gerne taufen, in meiner Gemeinde kenne ich niemanden." (junger Mann einer Capoeiragruppe der Escola Popular)
  • "So wie hier Kirche gelebt wird, kann ich sie annehmen und bekomme ich Stärkung für mich." (kirchenferne Frau aus einer unserer Sambagruppen)
  • "Hier bekomme ich nicht nur hochwertige musikalische Bildung, sondern auch Tiefe und Sinn." (Mitglied unserer Kirchenliedband "Banda Popular")
  • "Es ist niemals Zwang, nur die Regeln eines Spiels, welches die Leichtigkeit unseres Seins hervorbringt, Wohlbefinden und Freude erzeugt und Neugierig auf die ganze Welt macht." (Projektpartnerin, Lehrerin einer Berufsbildenden Schule)

 

Tipps für Nachahmer/innen

Die Escola Popular ist gern zu Hilfestellungen bereit. Es ist nicht mit Samba und Capoeira getan. Kirche muss darin als Kirche erkennbar werden. Der Erfolg der Arbeit hängt wesentlich mit hoher Professionalität in der Vorbereitung und Durchführung sowie der Beteiligung der Zielgruppen als Protagonisten von Kirche als Gemeinschaft und Institution zusammen.

Links / Homepage

www.escola-popular.de

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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