Pastors Garten

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 05.11.2010
Letzte größere Änderung: 03.08.2015
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Mitgliederbindung
Gemeinden/Institutionen
Ev.-Luth. Kirchengemeinde Sachsenhagen in Sachsenhagen
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: ein Tag Vorbereitung pro Woche
Durchführung: Jeweils sonntags 11-18 Uhr während der Sommerferien
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3 Stimmen
Kommentare zum Dokument
Pastors Garten

Kurzbeschreibung

Ein kirchlicher Bier- und Cafégarten unter einer großen Eiche am Pfarrhaus lädt ein zum Sein und Bleiben, zum Kommen und zum Reden über Gott und die Welt.

Situation / Kontext

Mit "Pastors Garten" sollte eine Plattform der Begegnung geschaffen werden, ohne dass die Besucher das Gefühl haben, kirchlich "vereinnahmt" zu werden. Zwar sind sie Gäste der Kirchengemeinde, müssen aber ihre Zusammenkunft nicht unter ein bestimmtes Thema stellen. Es zeigt sich zunehmend, dass Menschen das Bedürfnis haben, miteinander ins Gespräch kommen, dabei aber auch das Gespräch mit dem Pastor suchen.

Ziele

Plattform der Begegnung schaffen.

Reflexion / Hintergrund

Die Gemeinde suchte ein weiteres finanzielles Standbein zur Mitfinanzierung der Kirchenrenovierung. Die Idee, einen kirchlichen Bier- und Cafégarten einzurichten, entstand aus der Erfahrung, dass die üblichen Treffen nach dem Gottesdienst wie "Teestube" oder "Kirchencafé" nur eine bestimmte Zielgruppe erreichen. Meist sind diese Zusammenkünfte Treffen von "Insidern", also von Menschen, die sich schon kennen und im kirchlichen Umfeld zuhause sind. Dahinter steht oft ein Konzept, das schon auf vorhandenen persönlichen Kontakten basiert. Ein weiteres Argument für die Einrichtung eines  gemeinsamen Gartens in der Gemeinde war die Tatsache, dass es vor Ort keine adäquaten gastronomischen Einrichtungen gibt, so dass ein gewisser Bedarf erkennbar war und Bier- und Cafégärten auch "im Trend" liegen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

---

Vorbereitung

Die Kirchengemeinde hat eine Gaststättenkonzession erworben. Die räumlichen Gegebenheiten im und am Gemeindehaus reichen aus und entsprechen den Vorschrift des Gaststättenrechts. Mitglieder des Kirchenvorstandes sind bei der vorbereitenden Organisation behilflich.

Durchführung

 "Pastors Garten" wird seit 1996 im Pfarrgarten betrieben, und zwar jeweils in den Sommerferien sonntags von 11 bis 18 Uhr. (Nach Absprache wird der Garten auch außerhalb dieser Zeit für Gruppen, Kreise, Vereine etc. geöffnet) Es arbeiten pro Saison rund 100 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit. Wichtig ist, örtliche Vereine zur Mitarbeit zu motivieren. Pro Saison backen und spenden etwa 300 Gemeindemitglieder Kuchen.  Zum Konzept "Pastors Garten" gehört auch, dass der Pfarrer die gesamte Öffnungszeit über als "Wirt" anwesend sein muss. Jeder Gast wird von ihm auch persönlich durch Handschlag begrüßt. Der Gast wird ansonsten "in Ruhe gelassen". Dennoch hat der Pfarrer eine unaufgebbare Rolle als Gesprächspartner "am Biertisch" oder am Kaffeetisch.  Nicht selten kommt es dann doch zu Gesprächen über religiöse Themen. Die Kirchengemeinde hat durch den Pastor eine Gaststättenkonzession erwirkt. Die Nähe des Gartens zum Pfarrhaus wird von vielen Besuchern positiv und als Zeichen von "Offenheit" gesehen.  Zum Ausschank gelangt neben Kaffee und Kuchen u. a. auch ein alkoholfreies Bier mit dem Namen "Null-Komma-Josef". Im Jahr 2009 gab es auch das "Schaumburger Reformationsbräu", das eine Schaumburger Brauerei in Zusammenarbeit mit der Landeskirche anlässlich des 450jährigen Reformationsjubiläums in Schaumburg auf den Markt gebracht hat.
Die Saison wird meist mit einem Gartengottesdienst eröffnet. Gelegentlich sind Chöre zu Gast.
Seit drei Jahren ist dem Garten auch eine mobile Wiedereintrittstelle angegliedert. Es handelt sich dabei um die einzige Wiedereintrittstelle der Landeskirche. Rund 10 Prozent der Wiedereintritte im Bereich der Landeskirche erfolgen über die Eintrittstelle "Pastors Garten", wohl wegen des niedrigschwelligen Angebotes.

 

Dauer:

Jeweils sonntags 11-18 Uhr während der Sommerferien

 

Arbeitsaufwand:

ein Tag Vorbereitung pro Woche, ein Tag Durchführung


Mitarbeitende:

ca. 100 (vor allem aus den örtlichen Vereinen und aus kirchlichen Gruppen)


Materialien:

Bierzeltgarnituren, Geschirr usw.


Kosten:

Es entstanden anfangs einmalige Kosten für Plakate, Hinweisschilder und Mitarbeiter-T-Shirts sowie Bierzeltgarnituren. Dazu kommen weitere Kosten für Sonderaktionen (Biergläser, Caps, T-shirts usw..), diese Kosten kommen durch den Verkauf der Artikel wieder rein. Kosten für Werbung entstehen nicht, die lokale Presse und die kirchlichen Pressedienste informieren jährlich  im Vorfeld vor Saisonbeginn.  Gewinnüberschuß entsteht durch den Verkauf von diversen Getränken und  Kuchenspenden. "Pastors Garten" ist beim Finanzamt angemeldet.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Durch "Pastors Garten" sind Kontakte zum Gaststätten- und Hotelgewerbe und zu den Fachverbänden (DEHOGA) entstanden. Zu den Gastronomen-Zusammenkünften in der Region wird der Pfarrer regelmäßig eingeladen.
In "Pastors Garten" haben schon mehrere Taufen stattgefunden.

Wirkung / Erfahrung

Das Interesse der Medien ist nach wie vor groß, mehrmals wurde im Fernsehen berichtet.
(http://www.kirche-shg.de/garten/presse/presse.html ) Wir stellen fest, dass viele Besucher von außerhalb kommen, etliche mit dem Argument, den Pastor mal in einer "weltlichen Rolle" erleben zu wollen, also nur mal "von einem Pastor ein Bier oder eine Bockwurst serviert zu bekommen": Viele auswärtige Besucher berichten von einer großen Distanz zu ihren Gemeindepastoren, weil sie Begegnungen "unter normalen Umständen "  mit ihnen vermissen.
Im Bier- und Cafégarten begegnen sich Einheimische und Auswärtige, kirchlich Distanzierte und Nahestehende. Niemand sitzt allein am Tisch. Pro Sonntag sind etwa 400 Besucherinnen und Besucher zu verzeichnen.

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