Zeitreise

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 30.01.2011
Letzte größere Änderung: 02.04.2014
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Kultur und Kirchenmusik, Themengottesdienste und Reihen
Gemeinden/Institutionen
Stadtkirche Rotenburg/Wümme in Rotenburg (Wümme)
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: Keine Angaben
Meinungen
5 Stimmen
Kommentare zum Dokument
1914

Kurzbeschreibung

Ein Gottesdienst, der sich der Kultur, Musik und der Theologie eines Jahres oder einer Epoche annimmt.

Situation / Kontext

Ortsgemeinde

Ziele

Wie bei jedem anderem Gottesdienst auch: Verkündigung.

Der Samstagabendtermin zieht zudem andere Besucher als der Sonntagmorgen an.

Reflexion / Hintergrund

Ursprungsidee war die Umkehrung der Arbeitsteilung von Organist und Pastor.

In den vergangenen Jahren hat unser Organist Peer Schober großes Talent gezeigt Stimmungen, Themen und Motive der Gottesdienste kreativ musikalisch umzusetzen. In der Reihe Zeitreise gibt der Musiker das Thema des Gottesdienstes vor und der Pastor muss einen Gottesdienst dazu gestalten. Die Musik eines Jahres oder einer Epoche erschien uns dabei am einfachsten umzusetzen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Zeitreise ist ein Spin-Off der Kulturgottesdienste. Als Termin haben wir Samstagabend, 19.30 Uhr gewählt. Nach dem Gottesdienst laden wir zu Getränk und Snacks ein.

Vorbereitung

Recherche der historischen und künstlerischen Gegebenheiten und Einarbeitung in zeitgeschichtliche Theologumena.

Durchführung

Wie ein normaler Gottesdienst

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

---

Wirkung / Erfahrung

Zeitreise 1914

Die erste Zeitreise war dem Jahr 1914 gewidmet. Für einen Kulturgottesdienst hatte unser Musiker ein altes Harmonium restauriert, das in diesem Jahr gebaut wurde und er hatte Lust die Musik jenes Jahres zu spielen. Gesanglich unterstützt wurde er von einer Opernsängerin, die zum Team der Kulturgottesdienste gehört.

Mit Unterstützung des Michaelisklosters und dem Fachbereich Kirchengeschichte der Humboldtuniversität Berlin haben wir einen Gottesdienstablauf des Jahres 1914 rekonstruiert und gehalten. Gebete und anlässlich des Krieges umgedichtete Kirchenlieder wurden einem "Kriegslieder- und Gebetsbuch" von 1914 entnommen. Credo und Vaterunser im alten Wortlaut. Einzige Änderung des Ablaufes war, dass zwei Predigten gehalten wurden.

 

Die erste Predigt wurde von Otto Dibelius verfasst und zeigt, wie sehr Kirche in dieser Zeit der deutschnationalen Idee verhaftet war. Die Predigt entspricht den umgedichteten Liedern und Gebeten (Zitat aus einem der Gebete: Deinem allmächtigen Schutz befehlen wir uns alle, unser ganzes deutsches Vaterland und seine Fürsten und Völker, insbesondere den Kaiser, unseren König und sein Haus. Laß deine Güte ihn und sein Volk und Land allewege behüten.Ziehe aus in deiner Kraft mit den Heeren unseres Königs und seiner Verbündeten.) Die zweite Predigt stammt aus der Feder Karl Barths und ist - nach der Lektüre unzähliger furchtbarer Predigten während der Gottesdienstvorbereitungen - als Gegenentwurf und auch als ein Stück "Ehrenrettung" dazu genommen worden.

 

Wir haben den Gottesdienst von 1914 vorzeitig abgebrochen und sind "wieder in die Gegenwart zurückgekehrt". Der historische Gottesdienst war - wie von uns erwartet - eine inhaltliche Zumutung. Ein Gottesdienstbesucher sagte im Anschluss bei den Gebeten und der Predigt hätte er das Credo nicht mitsprechen können.  

Vor dem Schlusssegen haben wir den "historischen Teil" des Gottesdienstes abgebrochen und sind wieder in die Gegenwart zurückgegehrt. Der Schlussteil des Gottesdienstes beschäftigte sich mit der Frage, ob das bislang ein Gottesdienst war. Kopfschütteln war die Reaktion. Wir haben im Schlussteil den historischen Gottesdienst als eine Form des Schuldbekenntnises gedeutet.

Dass das Schuldbekenntnis, das in unseren Sonntagsgottesdiensten in vielen Gemeinden nicht verwendet wird, so lang und ausführlich war und das was unsere Schuld als Kirche war so eindrücklich und ausführlich vor Augen geführt wurde, hat bei vielen Gottesdienstbesuchern zu einem Denkprozeß angeregt, der auch noch nicht am Abend der Veranstaltung beendet war. 

 

In den vergangenen Jahren bin ich immer wieder von "Kirchenkritischen" auf Kreuzzüge und Hexenverfolgung angesprochen worden. Davon ausgehend, dass diese Erfahrung auch Gemeindemitglieder machen, sollte der Gottesdienst auch ein Handwerkzeug geben, sich mit den unrühmlichen Seiten unserer Religion auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu Hexenverfolgung und Kreuzzügen haben wir eine Epoche gewählt, die die Schuld der Kirche eindeutig vor Augen führt, historisch näher ist und dazu auch eindeutig die evangelische Kirche betrifft.

 

Abschließend betrachtet, hat der Gottesdienst "funktioniert".

 

 

 

 

 

 

 

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

    • Buch
      In einem Themengottesdienst werden Ereignisse erfaßt, die für die Gemeinde in einem größeren ggfs. sogar kulturell bedeutsamen Rahmen wichtig sind. Es geht bei einem kulturellen Gottesdienst vor allem darum, kulturelle und religiöse Bezüge sichtbar zu machen und Handlungsfelder zu vermitteln.
      Dieser Artikel ist für alle Internetnutzer sichtbar.
      von 2 Geistreich-Mitgliedern

    geistreich Videos

    Videos ausblenden