Videoclips und Ausstellung von MigrantInnen

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 10.02.2011
Letzte größere Änderung: 25.02.2011
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Gemeinwesen, Integration und Inklusion
Gemeinden/Institutionen
Kirchenbezirk Schorndorf in Schorndorf
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: 1 1/2 Monate
Durchführung: Keine Angaben
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eine Stimme
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Tore der Vergangenheit

Kurzbeschreibung

MigrantInnen aus dem Rems-Murr-Kreis bekamen die Möglichkeit in kurzen Videoclips zu Wort zu kommen und über ihr "Ankommensgeschichte" zu berichten. Die Videoclips waren Teil einer öffentlichen Ausstellung und wurden zugleich auf Videoportalen und Facebook (als Sneakpreview) gepostet. Dort konnten diese Videos - nach Anmeldung - kommentiert werden. Menschen, deren Erfahrungen in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werden, bekamen so eine Stimme.

Situation / Kontext

Im Jahr 2008 erklärte die (damalige) deutsche Bundesregierung das Themenfeld "Migration und Integration" zum politischen Schlüsselthema. Eine hohe Bedeutsamkeit besitzt das Thema gerade auch im Rems-Murr-Kreis und in der Stadt Schorndorf. Die Zahl der MigrantInnen liegt hier mit etwa 29% wesentlich über dem Bundes- (19%) und Landesdurchschnitt (25%). Der hohe Anteil in Schorndorf erklärt sich durch die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt und der gesamten Region, die seit Jahrzehnten einen Zuzug von inländischen und ausländischen ArbeitnehmerInnen begünstigt. Zu diesem ohnehin hohen Anteil kommen die zahlreichen deutschen Kriegsvertriebenen hinzu, die bereits zum Ende des 2. Weltkriegs und in den 50er Jahren (v.a. aus Ostpreußen und Besarabien) ins Remstal zogen.

Ziele

Menschen, die über das Thema des "Ankommens" einen ähnlichen Erfahrungshintergrund besitzen, aber nur selten miteinander ins Gespräch kommen - wie der Ostpreuße Heinrich und die 16-jährige Lana aus Bosnien (s. "Eröffnung Vernissage.doc") - werden nebeneinander porträtiert. Die Öffentlichkeit wird über diese biographischen Kurzporträts und die gesamte Ausstellung zum Dialog über vermeintliche Grenzen hinweg angeregt. 

Reflexion / Hintergrund

Ein überraschendes Ergebnis der Videoaufnahmen war, dass für viele MigrantInnen das Thema Religion einen zentralen Stellenwert besaß. Sowohl muslimische als auch christliche InterviewpartnerInnen sahen den Anschluss an eine religiöse Gemeinschaft als Grundlage für eine gelingende Integration an. Die religiöse Gemeinschaft mit anderen Menschen trug wesentlich zum Gefühl des Angekommenseins bei.

Der Versuch, die Videos in die Internetportale der Landeskirche sowie des Kirchenbezirks einzubinden, scheiterte und offenbart technische Defizite im Bereich der kirchlichen Internet- und Öffentlichkeitsarbeit. Problemlos ließ sich hingegen ein ansprechender Veranstaltungshinweis über das Bildungsportal sowie über diverse regionale Internetportale (Antenne1, MeineStadt) realisieren.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

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Durchführung

Erste Projektphase

Zu Beginn des Projektes wurde der Kontakt zu ganz unterschiedlichen Migrationsgruppen und Personenkreisen hergestellt. Dies geschah mit Hilfe des Jugendmigrationdienstes, der Schorndorfer Moschee, dem Brüderrat des Nord-Süd-Verbandes sowie über persönliche Kontakte. Zahlreiche Personen zeigten sich hierbei an der Idee einer Ausstellung über das „Ankommen“ interessiert. Hierzu zählten auch zahlreiche Unternehmen, die das Projekt finanziell (mit rund 1200 Euro) unterstützen.
Um möglichst vielen MigrantInnen die Chance zu bieten, ihren Erfahrungen Ausdruck zu verleihen, war es von Anfang an ein wichtiges Bestreben des Organisationsteams, den Beteiligten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen und diese nicht vorzugeben. Mit jeder beteiligten Gruppe bzw. einzelnen MigrantInnen wurde nach einer passenden und realisierbaren Ausdrucksmöglichkeit gesucht. So fanden die Lebensgeschichten der MigrantInnen am Ende einen vielfältigen Ausdruck in Form von Gemälden, Fotografien, Skulpturen und Scrapbooks sowie durch die Ausstellung persönlicher Gegenstände – wie z.B. einer Siebenbürger Tracht oder eines türkischen Samowars.

 

Zweite Projektphase

Zugleich wuchs in einer zweiten Phase des Projekts das Bestreben, über ein einheitliches Medium die Lebensgeschichten miteinander vergleichen zu können. Inspiriert durch den französischen Künstler Yann Arthus-Bertrands und seine Pariser Ausstellung „6milliardsdautres" entstand die Idee jede und jeden Beteiligten, um ein kurzes Videostatement zu bitten. Anders als im Fall Arthus-Betrands’, sollten die Beiträge in der jeweiligen Muttersprache der TeilnehmerInnen aufgezeichnet und anschließend mit deutschem Untertitel versehen werden. Auf diese Weise konnte in der späteren Ausstellung für die BesucherInnen gleich beim Betreten des Ausstellungsraumes die Begegnung mit der Fremde über die Sprache erfahrbar werden.
Zwölf MigrantInnen erklärten sich zur Beteiligung und zur öffentlichen Wiedergabe eines Videostatements bereit. Alle Interviewten wurden jeweils gefragt, was ihnen in den Sinn komme, wenn sie an ihr „Ankommen“ in Schorndorf oder in Deutschland dächten. Im Vorfeld zu den eigentlichen Aufnahmen wurden die MigrantInnen gebeten, ihre Gedanken kurz in ihrer Muttersprache und auf Deutsch aufzuschreiben, damit mit Hilfe dieser Texte die Aufnahmen zügig verlaufen und die notwendigen Untertitel erstellt werden konnten.

 

Dritte Projektphase

In einer dritten Projektphase, in der die konkrete Planung des Ausstellungsaufbaus und die Öffentlichkeitsarbeit im Fokus standen, gewann die Internetnutzung zunehmend an Bedeutung. Hierzu wurden nacheinander die Verantwortlichen des Kirchenbezirks und des Bildungsportals mit dem Projekt bekannt gemacht und um technische Unterstützung gebeten. Allerdings erwies sich bereits das Hochladen der Ausstellungsdaten auf die
Seite des Bildungsportals als problematisch. Der Internetbeauftragte des Kirchenbezirks war mit dem Portal und seiner Nutzung noch gar nicht vertraut. Auch das Vorhaben ausgewählte Videos auf einer landeskirchlichen Seite einzubinden, um den BesucherInnen bereits im Vorfeld zur Ausstellung einen Einblick („Sneak-Preview“) in das Projekt zu gewähren und über die Kommentierung der Videos in einen Dialog zu treten, ließ sich weder über die Seite des Kirchenbezirks noch über das Bildungsportal realisieren. Kurzfristig wurden deshalb sechs – zuvor anonymisierte Videos – auf dem Videoportal YouTube sowie auf Facebook hochgeladen.

 

Ausstellung

Die Ausstellung mitsamt der Videos wurde durch eine Vernissage eröffnet. Bei dieser Gelegenheit wurden offizielle Vertreter von Stadt und Land, sowie Vertreter aus Kunst und Kirche angefragt. Insofern die Vernissage in der Schorndorfer Stadtkirche stattfand und biblische Erzählungen des "Ankommens" und der "Fremde" Verwendung fanden (z.B. Hagarerzählung) gewann die Ausstellung ein klar erkennbares evangelisches Profil. Durch die gute finanzielle Unterstützung konnte sich das Organisationsteam den Aufbau  Messestellwände leisten. Diese trugen zu einem professionelleren Eindruck der Ausstellung bei.

Die Ausstellung wurden durch Gemälde aus der Wanderausstellung "Frauen-Kunst im Exil" (Projekt des Arbeitskreises Flüchtlingsfrauen Stuttgart) ergänzt.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

 

 

Wirkung / Erfahrung

Die Ausstellung stieß auf eine große Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und wurde u.a. von Schulklassen besucht. Die Videos wurden im Nachhinein von LehrerInnen angefragt und können im Schuklunterricht weiter verwendet werden.

Hierzu ist es notwendig, die Interviewten bereits im Vorfeld um eine Einverständniserklärung zu bitten.

Aufgegriffen und weiterentwickelt

    Umfeld des Beitrags

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      Ausstellungen bieten Anlass sich auf neue Weise emotional und intellektuell mit einem Thema auseinanderzusetzen - in einem breiten Spektrum der Formate.
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