Passion und Ostern auf geistreich

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a geistreich member
Created at: 2011-04-21
Last major update at: 2014-04-22
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Deutsch (Original, currently shown)
In section
Osterkreis, Passionszeit
Institutions
Kirchenamt der EKD in Hannover
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Zweig

Abstract

geistreich wünscht frohe und gesegnete Ostern! Informationen zu Passion und Ostern auf geistreich.

Situation / context

 

Osternachtliturgien

http://www.geistreich.de/P1936

http://www.geistreich.de/discussions/489

 

Kinderabendmahl im Kunstraum Notkirche

http://www.geistreich.de/P1948

  

Von der VELKD

http://www.velkd.de/gruendonnerstag.php

http://www.velkd.de/karfreitag.php

http://www.velkd.de/karsamstag.php

  

  

Ostern im Komplettdurchgang findet sich hier. Viele Liturgien - eine super Hilfe für alle, die jetzt sehr sehr viel zu tun haben...

http://evangelische-liturgie.de


Unsere Sammlungen zur Passionszeit und Ostern:

Passionszeit

http://www.geistreich.de/articles/360

Gründonnerstag
http://www.geistreich.de/articles/2

Karfreitag

Drei Predigten zu Karfreitag:

http://www.geistreich.de/P1947
http://www.geistreich.de/articles/120

Ostern
http://www.geistreich.de/articles/442

  

http://www.geistreich.de/FokusPassion

http://www.geistreich.de/FokusKreuzweg
http://www.geistreich.de/FokusOstern

 

 

Gottesdienste zum Finden und Eintragen

http://www.ostergottesdienste.de

 

Brotpredigt

   

Auch für Gründonnerstag möglich

  
Friede sei mit euch...
 
Vier Geschichten vom Brot
   
Liebe Gemeinde.
Von Nord nach Süd.
 
Gespartes Brot oder: Die ausgestopfte Blaumeise
Neben uns wohnten Tante Hellene und Onkel Gerhard.
Meine Schwester und ich hatten gehört, dass die beiden sehr reich seien. Das merkte man ihnen aber nicht an. Tante Hellene und Onkel Gerhard waren nämlich außerordentlich sparsam.
Wahrscheinlich sammelten sie das gesparte Geld in Goldbarren und Diamanten unter ihrem Bett – aber das vermuteten wir nur.
Es war eine Mutprobe, in die Wohnung von Tante Hellene und Onkel Gerhard zu gehen. Dort roch es nämlich. Es roch so, dass man nur durch den Mund atmen konnte. Das lag daran, dass Tante Hellene und Onkel Gerhard nie lüfteten, weil dann ja die Wärme nach draußen gehen würde und also die Heizkosten höher wären. Wir gingen trotzdem manchmal hin – zum einen, weil unsere Mutter das eine Tat der Nächstenliebe fand und der Herr Jesus, von dem ich in der Kinderkirche gehört hatte, sicher ihrer Meinung war. Zum anderen, weil es in der Wohnung ein geheimes, nie benutztes Zimmer gab. Mit abgedeckten Möbeln und einem Büfett aus gedrechselter Eiche. Auf diesem Büfett saßen auf drei kleinen Aststücken drei kleine, ausgestopfte Vögel: ein Dompfaff, ein Rotkehlchen und eine Blaumeise. Ich hätte sie zu gern einmal angefasst, ganz vorsichtig, mit nur einem Finger. Aber das durfte man nicht. Man hätte sie zerstören können und schließlich waren sie teuer gewesen. Und Tante Hellene und Onkel Gerhard eben sehr sparsam.
So sparsam, sagte meine Mutter, dass sie nie das Brot anschnitten am ersten Tag, wenn es noch frisch war. Nein, sie warteten bis zum zweiten oder dritten. Bis das Brot trocken war und nicht mehr so schmeckte, dass man womöglich zu viel davon gegessen hätte.
 
Refrain
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Wer Brot ißt, soll sprechen:
Baruch atta adonai elohenu, melech ha-olam, ha-mozi lechem min ha aretz.
Gepriesen seist du, Ewiger, unser G'tt; du regierst die Welt. Du lässt die Erde Brot hervorbringen.
 
Gesegnetes Brot oder: Kattis Großmutter
Die Katti hat ein Dirndl. Oder zwei oder drei.
Wohnen tut sie in Kreit. Das ist noch hinter Miesbach, im Moos, Richtung Schliersee, out of Rosenheim.
Einmal erzählt mir die Katti von ihrer Großmutter. Die hatte einen langen, dünnen Zopf aus grauem Haar, den sie zu einem winzigen Dutt drehte.
Wenn es Gewitter gab am Himmel oder zwischen den Menschen, dann stieg die Großmutter auf den Stuhl und holte von oben vom Schrank die schwarze Gewitterkerze. Die zündete sie dann an – und es dauerte nicht lange und das Gewitter löste sich auf.  In ganz argen Fällen, erzählte mir die Katti, wenn keine Gewitterkerze half, dann konnte man noch den Kräuterbusch von Mariä Himmelfahrt in den Ofen werfen. Dann ließ sich aber wirklich kein Blitz mehr sehen.
Die Großmutter hatte immer und für jeden Fall ein Heilmittel für Leib und Seel im Haus und im Gedächtnis.
Zu allem hatte sie ein Segens- oder Zaubersprüchlein.
Für jeden gab es eine Hilfe und für jede ein Wunder im Großmutterhaus, wo das Leben nach Kamille roch und nach Geborgenheit und nach frisch gebackenem Brot.
Den Brotlaib schnitt sie nie an, ohne nicht vorher ein Kreuz mit dem Messer auf seine Unterseite geritzt zu haben. Weil das Brot nicht ihr gehöre, sagte sie dazu, sondern eine Gabe sei vom Herrgott im Himmel und der Jungfrau Maria.
Die Katti bekam dann aber trotzdem immer das erste Stück. Und putzte es weg wie nix, so gut war es.
 
Refrain
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Wer Brot ißt, soll sprechen:
Baruch atta adonai elohenu, melech ha-olam, ha-mozi lechem min ha aretz.
Gepriesen seist du, Ewiger, unser G'tt; du regierst die Welt. Du lässt die Erde Brot hervorbringen.
 
Himmelsbrot oder: wie Semmel und Honig
AUS EXODUS 16
 
Refrain
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Wer Brot ißt, soll sprechen:
Baruch atta adonai elohenu, melech ha-olam, ha-mozi lechem min ha aretz.
Gepriesen seist du, Ewiger, unser G'tt; du regierst die Welt. Du lässt die Erde Brot hervorbringen.
 
Brot fürs Leben oder: Du nimmst einen Sack Mehl
(vgl.: http://www.tagesspiegel.de/zeitung/brot-fuers-leben/579552.html)
Also, du nimmst einen Sack Mehl... sagte der Vater zu Debbie, als er ihr endlich sein Rezept verriet für das Challa-Brot, das es am Schabbat zu essen gibt.
Einen Sack Mehl. Solomon Filler wußte nicht, wie man nur ein Brot machte. Sein Leben lang war er ein Bäcker gewesen, hatte jeden Freitag hunderte von Challa-Broten gemacht.
Die Challa-Brote oder Challot sind süße Hefebrote, allerdings ohne Milch.
Du knetest und schlägst den Teig, sagte der Vater zu Debbie. Dann teilst du ihn und flechtest ihn. Mach mindestens vier Zöpfe, besser mehr.
Die verschlungenen Zöpfe – das sind unsere verzweigten Familien. Deine Mum, du, Granny, ich...
Die Challot bedeuten: wir gehören zusammen.
Die Challot bedeuten auch: alles hängt mit allem zusammen, auch das Lachen mit dem Weinen, auch die Freude mit dem Schmerz, auch der Tod mit dem Leben.
 
Einmal wäre Solomon Filler fast gestorben für ein Stück Brot. Er hatte nur diese eine Kruste, die ihm aus dem Fenster im Lager gefallen war. Und hätten die anderen ihn nicht festgehalten, er wäre hinterhergesprungen. 25 Meter tief.
Er war nach Auschwitz verschleppt worden, dort hat er Kohle geschippt, seine Eltern wurden ermordet, seine Brüder, 72 Verwandte insgesamt. Solomon und sein Bruder Ben wurden in Theresienstadt befreit. Von den Russen hat er sich damals Mehl geben lassen und mit deutschen Kriegsgefangenen und für sie Brot gebacken. Der russische Offizier, der jiddisch mit ihm sprach, konnte es nicht fassen: „Du backst Brot für die Deutschen?“ „Ja“, sagte Solomon Filler zu ihm: „Ich habe Hunger – du hast Hunger – sie haben Hunger.“
Heute backt Solomons Tochter Debbie das Challa-Brot. Auf der Bühne. Sie ist nach eigenen Angaben die „einzige neuseeländisch-jüdische Komikerin der Welt“.
Während sie singt und spricht und über ein dutzend Menschen hinreißend imitiert, knetet und schlägt sie den Challa-Teig. Und schiebt schließlich das Brot in den Ofen.
Immer verführerischer füllt der Duft des süßen Brotes dann den Theatersaal, immer heftiger steigt er den Zuschauern in die Nase. Nach der Vorführung stürzen sie sich gierig darauf, reißen Stücke vom heißen Challa ab, schmieren dick Butter drauf und – seufzen vor Glück.
„Just eat.“ Sagt Debbie. „I am hungry, you are hungry. Just eat.“
 
Refrain
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Wer Brot ißt, soll sprechen:
Baruch atta adonai elohenu, melech ha-olam, ha-mozi lechem min ha aretz.
Gepriesen seist du, Ewiger, unser G'tt; du regierst die Welt. Du lässt die Erde Brot hervorbringen.
 
Amen.

 

 

 

Karfreitag

 

Karfreitagspredigt I

(eignet sich auf für Karfreitag)

Landesbischof Dr. Fischer zu

WARUM MUSSTE CHRISTUS LEIDEN?

PREDIGT.tv - EKIBA

http://www.youtube.com/watch?client=mv-google&hl=de&gl=DE&v=Tp1m-oyQxZ8&nomobile=1

  


Karfreitagspredigt II

Predigt von Pastorin Ute Köppen am Karfreitag in der Kirche in Gelting


Liebe Gemeinde!


Was fällt Ihnen auf, wenn Sie die Darstellungen der Kreuzigung in Ihrer Kirche betrachten?
Am auffälligsten am Kreuz dort an der Wand…
dann geschnitzt vorn am Altar
schließlich an der Kanzel…
Wir haben schon so viele Darstellungen von Jesus am Kreuz gesehen, dass wir uns  schon dran gewöhnt haben: Jesus ist überall fast nackt dargestellt. Auffallen würde, wenn er plötzlich bekleidet wäre.

Die Passionsgeschichte erzählt: Die Soldaten haben Jesus seine Kleider genommen und sie geteilt und über sein Übergewand das Los geworfen. Das war so üblich bei Hinrichtungen, ein kleines Zubrot.
Aber könnte diese Nacktheit noch eine andere, tiefere Bedeutung haben? Wenn Sie nun noch einmal neu hin sehen, wie jemand, der die Geschichte nicht kennt und in die Kirche kommt  ...was kommt Ihnen da in den Sinn?
Wann ist ein Mensch eigentlich nackt?
Wir alle kommen nackt zur Welt. In einem Weihnachtslied singen wir über das Jesuskind „Dort liegt es elend, nackt und bloß in einem Krippelein,“ Und am Ende stirbt Jesus unbekleidet. Es ist doch seltsam, dass wir Christen diese Momente als unsere höchsten Feiertage feiern, Momente, die Jesus zeigen, wo er nackt und schutzlos ist.
Was feiern wir da? Ich glaube, wir feiern unsere tiefste Menschlichkeit. So sind wir alle unter der Kleidung.  Wir kommen nackt. Wir lieben nackt. Und wir gehen nackt.

Nacktheit bedeutet Intimität, Nähe.
Wer einen Menschen gepflegt hat, wer einen Säugling zu versorgen hat, der weiß, welche Nähe da entsteht.

In dem Film „Ziemlich beste Freunde“ pflegt ein junger Mann einen Querschnittsgelähmten, kein Pfleger, sondern ein Arbeitsloser aus der Vorstadt. Als es darum geht, dem Gelähmten bei der Intimpflege zu helfen, sagt der junge Mann: „Nein! Das kann ich nicht…das kann keiner von mir verlangen…“  Nachher, als sie Freunde geworden sind, sieht man, wie liebevoll er seinem älteren Freund hilft, bei allem.
Wenn ICH diesen entblößten Leib am Kreuz sehe, denke ich an meine Jahre als Krankenhausseelsorgerin.
Auf der Intensivstation spielt es keine Rolle, ob es ein Mann oder eine Frau ist. Natürlich versuchen die Pflegenden, die Intimsphäre zu wahren. Aber was wirklich zählt, ist die Zuwendung zu diesem geschundenen Leib.
Der Mann dort am Kreuz aber ist nicht nur nackt und hilflos. Er ist verwundet.
Viele Kranke haben mir ihre Wunden gezeigt.“ Wollen Sie mal sehen?“ Und ehe ich antworten konnte, sah ich die Wunde.  Seitdem ich im Krankenhaus gearbeitet habe, ahne ich, dass da etwas dran ist, wenn es in der Bibel heißt: Durch seine Wunden sind wir geheilt. Durch seine Wunden ist der Gekreuzigte allen nah, die verwundet sind.
In vielen Passionsliedern ist davon die Rede, dass Christus am Kreuz unsere Schuld trägt. Er trägt aber nicht nur unsere Schuld. Er trägt unsere Scham. Das Kreuz zeigt, was wir verbergen. 
Sicher, die Soldaten, die Jesu die Kleider genommen haben, wollen  ihn damit demütigen. Aber Jesus behält seine Würde. Und auf geheimnisvolle Weise stellt damit die Würde Aller wieder her, die entblößt werden. Adam und Eva schämten sich, als sie merkten, dass sie nackt waren. Hier sehen wir den neuen Menschen, nackt, geschmäht, verwundet und dennoch würdevoll. „Seht, welch ein Mensch!“ sagte Pilatus. ECCE  HOMO, steht auf manchen Kreuzen.
Wir erkennen, wenn wir uns die Kreuzigungsszene am Altar ansehen: Menschlich sind nicht diese Soldaten, verpanzert bis zur Unkenntlichkeit, geschützt durch ihre Rüstung. Menschlich ist dieser mit der Dornenkrone.
Aber ich sehe noch etwas anders, wenn ich diesen Christus am Kreuz sehe. Zu seiner Nacktheit kommt noch seine Haltung hinzu: die ausgebreiteten Arme.  Wenn Sie einmal in Gedanken die Arme so ausbreiten…an was erinnert Sie diese Haltung? Ein Mensch, der die Arme ausbreitet, kann sich nicht wehren. Darum heißt es: Hände hoch, wenn jemand entwaffnet werden soll.
So steht der Pastor, so stehe ich da, wenn ich die Arme zum Segen ausbreite. Noch am Kreuz verwandelt Jesus den Ausdruck von Hilflosigkeit in eine Geste des Segens.
„Du, ans Kreuz genagelt
aus der Last des Leibes
breitest du die Arme
wie kaputte Flügel
über unsere Angst.“ (Anders Frostenson)
So sehe ich Christi Leib am Kreuz: „Seht, welch ein Mensch!“ Und: „Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen“
Amen

 

ostern

 

 

... so etwa sah es kurz nach der Auferstehung aus.
Die Vögel wollten nicht schweigen. 
Ihr Geschrei weckte die Berge.
Von jetzt an ist niemand mehr sicher vor göttlicher Gegenwart - 
jedes Gesicht und jeder Fels kann sie tragen. 

  


Das Grab ist leer. Du bist nicht mehr zu fassen.
Du könntest überall zu finden sein:
Im Himmel über uns auf unseren Strassen,
in Häusern, Kirchen, Nacht und Sonnenschein.
 
Es ist als ob aus dieser großen Leere
des Morgens damals sich die Welt verwandelt,
unaufgeregt und still und ohne Schwere,
weil niemals mehr der Tod am Ende handelt.
 
Seit jenem Anfang fließt der Himmel in die Welt
Und füllt die Finsternisse aller Zeiten auf.
So wird die dunkle Ordnung einfach umgestellt,
uns aus dem letzten Gang entsteht ein Lebenslauf.
 
Es steht noch aus, was damals wirklich war,
noch haben wir das alles nicht verstanden.
Doch rede, Gott, und mach die Dinge selber klar
In uns und allen, die dich jemals fanden.
 
Verwandle, was sich an sich selbst verliert,
und öffne, die sich selbst verschlossen haben,
gib, dass das Leben wieder deine Nähe spürt,
die Kraft und all die Schönheit deiner Gaben.
Amen

  

Gottesdienstinstitut Nordkirche

Königstr. 54

Hamburg 22767

Germany

Ostern -  das Ungeheure zelebrieren
erschienen bei Mag. ‚Andere Zeiten‘ 1.15
 
Ich wiege fast zwei Zentner, man hat mich aus dem Fels herausgeschlagen.
Dann auf Holzstämmen bis zu einem Ochsenkarren gerollt. Schweißhände an mir, Blut, unter mir ein angebrochener Menschenfuß. Warum lassen sie mich auch nicht da, wo ich entstand? Mit dem Karren an einen Ort mit vielen Menschen, Peitschenschläge unterwegs, Rufe, Sonnenglut bis in mein Innerstes. An einem Ort liegen, monatelange Stille nachts, Gehämmer am Tag, nicht bei mir, eher woanders. Dann harte Hände, hartes Werkzeug. Ich soll gefügig werden, passend - wer weiß wofür. An mir wird gearbeitet.  Schläge. Splitterndes. Mein Inneres wird sichtbar, die Linien, die Risse. Fertig? Fertig. Stummes Liegen.
Wieder ein Karren, wieder Rufe, woanders hinkommen, Kommandos, Stöhnen. Wer macht sich diese Mühe mit mir?
Lagern an stillem Ort. Schritte. Weinen.
Stille.
Donner ist plötzlich in der Luft, Geschrei.
Wieder Stille.
Dann eine Menge Menschen, an mir vorbei mit Stimmen aus Glas, brüchig wie meine Splitter. Sie tragen etwas Weiches. Legen es ab in meiner Nähe. Gesang, der leiser wird. Schritte, die sich entfernen. Wieder Schweißhände, die mich bewegen, bis ich irgendwo passe. Offenbar in eine Lücke wie die, die ich in den Bergen hinterlassen habe. Bin ich wieder zuhause? Eine Seite von mir ist frei, die andere im Fels mit Hohlraum.
Stille.
Nacht.
Tag.
Nacht.
Dann ein Vibrieren von innen, wie Erdbeben. Glut. Sog. Schmelze. Außen Schreie. Etwas drückt mich von der Raumseite, etwas wie Sonnenglut.
Kein Halten.
Alles zittert.
Ich falle aus meiner Fassung.
Dann Stille.
Wieder Stimmen. Fragen, Rufe.
 
Nicht nur die Frage nach der Auferstehung ist geheimnisvoll. 
Auch: Wie die Liebe zwischen zwei Menschen entsteht - wer kann das beschreiben, geschweige denn erklären? Wie Steine sind wir vielleicht, die nichts sehen, sondern nur ahnen, was Ungeheures geschieht mit uns. Wir denken, wir könnten sehend verstehen. Und können doch nicht einmal erklären, wie unser Immunsystem uns so fein balanciert am Leben hält,  wie ein Same zum Fötus und der Fötus zum Menschen wird, wie Materie zuinnerst gebaut ist - all das wird immer unausforschlicher, je mehr man weiß.
Schauen wir in den Bauplan der sog. Materie, so entdecken wir am Ende überhaupt nichts wirklich Gegenständliches, Stoffliches mehr, sondern im Wesentlichen nur noch Schwingungen.
Was dort passiert, ist ein permanentes Absterben und Neuwerden. Immerzu, jede Sekunde bestehen wir aus etwas, die im Innersten zerfällt und neu wird. So ahnt es die Quantenphysik.
 
Oder die anderen Geheimnisse:
Einen Menschen in Hamburg befällt wildes Herzklopfen, und er erfährt Stunden später, dass der Bruder in Montreal zur selben Minute in einen Unfall verwickelt war. Was sind das für Gleichzeitigkeiten über große Entfernung hinweg? Viele kennen das aus eigener Erfahrung.
 
Ein anderer fühlt so lebendig die Gegenwart seiner verstorbenen Mutter am Tisch auf seiner linken Seite, dass er aufstehen muss, weil ihn dieser Eindruck physisch bedrängt.
 
Auf den Gesichtern der Pina-Bausch-Tänzerinnen und –Tänzer  im Film über die große Choreografin:  ihre Gegenwart. Greifbar lebendig  die Verschwundene bis in die Mimik, wenn die Lebenden  - sich erinnernd - erzählen. Fast ist sie stärker anwesend als zu Lebzeiten. In den anderen, dann auch in uns Filmguckern. Und beschreibt nicht der Mythos aus Himmelfahrt und Pfingsten eben diese Ahnung: Richtig lebendig in uns ist einer oft erst, wenn er weg ist? Aber was heißt dann ‚weg‘?
 
In meinen Knochen die vitalen Botschaften meiner Vorfahren, abgespeichert als genetischer Abdruck, der in mir zum Leben, zur Welt kommt.
In meinen Kindern -  mein Gesicht, unser Gesicht, meine Gegenwart, unsere Gegenwart. Im Enkel die Wiederkehr aus unseren und den Gesichtern der Kinder und doch in eigener Mischung.
 
Bei einer frischen Liebe in einem Augenblick aus Ewigkeit der Satz: „Wir kennen uns schon lange!“, obwohl wir uns erst ein paar Tage kennen. Ausdehnung dieses einen Moments tiefer Verbundenheit. In der Seelensprache heißt es dann: „Wir sind schon lange zusammen.“ Oder als Zukunft: „Im Himmel werden wir zu einem Stern verschmelzen.“
 
So auch die Seelensprache der Kirche: „Dann werden wir auferstehen.“
Woher diese Sprache? Sie entsteht in den Augenblicken voller Ewigkeit. In diesen Momenten weiß sich jemand angeschlossen an etwas, das nicht vergeht. Und weil die Sprache das nicht gut fassen kann, verwendet sie Vergangenheit und Zukunft, um die ungeheure Ausdehnung dieser Wahrheit zu beschreiben. „So war es immer und so wird es immer sein!“ Aber eigentlich will sie sagen: „Jetzt ist der Moment, wo alle Fragen verstummen. Wo ich weiß. Wo all das nicht zu löschen ist durch den Tod. Wo es überdauert.“ Und oft sind das die Momente der Liebe, der Schönheit  und  der Wahrheit.
 
Vielleicht will die Rede von Ostern, von der Auferstehung der Toten, so etwas andeuten. Mehr ahnen als wissen. Und doch so mächtig, dass auch skeptische Menschen angezogen sind von dieser eigenartigen Idee. Denn viele wissen, wie lebendig etwas sein kann, das als verstorben gilt, Menschen, Ideen, Verhältnisse.
 
Dies Geheimnis umkreisen wir nun fast 2000 Jahre, und es wird tiefer mit jedem Jahr. Das feiert die Kirche. Sie zelebriert das Ungeheure, das uns durchzieht wie die Adern den Stein. Sie führt Geheimnisse auf. Weihnachten, Ostern und alle Ausformungen davon im Jahrkreis. Geburt und Wiedergeburt. Sie verwendet die mythische Sprache vom Stein, der nicht mehr vor dem Grab liegt. Weil im Raum der Liebe die Geheimnisse größer werden, mag Kirche eben diesen Raum mit Geschichten offenhalten. „Es ist schön, dass ich dich nie begreifen werde. So lass uns leben.“ sagen die Liebenden. Sagt die Kirche. Schön ist es, weiter Ostern für Ostern darum zu kreisen und jedes Jahr einen neuen Aspekt des keimenden Lebens zu entdecken.
 

(Thomas Hirsch-Hüffell)

Goals

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Reflection / background

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General information on realization

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Preparation

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Realization

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Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

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Adopted and refined

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    • Gedenkstätte NS-Zwangsarbeiterlager in Neukölln
      Gedenken und Erinnern an Ereignisse wie den 9. November oder die Befreiung von Auschwitz.
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