Tango-Gottesdienst

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 06.04.2010
Letzte größere Änderung: 07.04.2010
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Alternative Gottesdienste, Theater und Tanz, Zielgruppengottesdienst, Integration und Inklusion
Gemeinden/Institutionen
Evangelische Gemeinde Lutherkirche-Südstadt in Köln
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Keine Angaben
Durchführung: 1 Stunde
Meinungen
2 Stimmen
Kommentare zum Dokument
Tango-Gottesdienst

Kurzbeschreibung

Ein Gottesdienst, der durch das Orchester und die Tänzer/innen geprägt ist von der Musik des Tangos und jeweils einen anderen gesellschaftsrelevanten Themenschwerpunkt hat.

Situation / Kontext

Die besondere Gottesdienstform und die Verbindung von Tango mit der Beleuchtung eines aktuellen Themas eignen sich gut dazu, Kirchendistanzierte anzusprechen. Die Tango-Musik und der Tanz als entscheidende Elemente im Gottesdienst regen bei den Besucher/innen Emotionen und Gedanken an.

Ziele

Über die Kerngemeinde hinaus sollen Menschen angesprochen werden, die sich für Tango oder für gesellschaftspolitische Themen interessieren.

Reflexion / Hintergrund

Im Tango vereint sich alles, was das Leben ausmacht. Sehnsucht, Einsamkeit, Leidenschaft, Erotik und Wut. Es ist ein Tanz, der sich zwischen Beherrschung und Unterwerfung abspielt, zwischen Begehren und Zurückweisung. Tango ist aber vor allem ein getanzter Traum von einem besseren Leben.

In den argentinischen Hafenstädten, der Heimat des Tango, existierten im 19. Jahrhundert multiethnische Gesellschaften ganz eigenen Charakters. Indios, Kreolen, Europäer lebten nebeneinander. Sie gehören keiner bürgerlichen Oberschicht an. Die meisten sind Glückssucher, die der Armut und Hoffnungslosigkeit entrinnen wollen. Es entsteht ein Tanz, der genau dieses Lebensgefühl widerspiegelt. Da sind die Gegensätze, die aus der multi-ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung entstehen, das soziale Elend, die Kriminalität und das Verlassensein. Tango wird immer dann aktuell, wenn sich wirtschaftliche und gesellschaftliche Krisen auftun. Er ist ein Spiegel der Unsicherheit und Zerbrechlichkeit einer Welt, die sich in rasender Geschwindigkeit verändert. Der Tango symbolisiert enttäuschte Erwartungen, die Sehnsucht nach Heimat und Geborgenheit.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

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Vorbereitung

Bei einer Besprechung mit professionellen Musiker/innen des Orchesters und die Tänzer/innen wird ein zeitgemäßes, gesellschaftlich herausforderndes Thema für den Gottesdienst festgelegt. Ein bis zwei Journalist/innen machen sich ehrenamtlich an die Recherche relevanten Materials zu diesem Thema. Der Pfarrer fungiert als Bindeglied zwischen allen Beteiligten, bündelt das Material und erarbeitet Liturgie und Predigt. Der Kantor und der ehrenamtliche Geiger sondieren die Musik zum Thema für das Orchester und proben einmal dafür.

 

Materialien
Noten, Materialien zu den jeweiligen Themen, Plakate, Liedblätter

 

Kosten
Ca. 400,- Euro.

Die meisten Kosten fallen für Plakate und andere Werbemittel an.

Durchführung

Der gesamte Gottesdienst ist geprägt von der Musik des Tango Argentino. Der Introitus "im Namen des dreieinigen Gottes" ist eine gemeinsame Improvisation von Pfarrer und Orchester. Die Improvisation ist an das Thema des Gottesdienstes angepasst, und ergibt sich aus der Stimmung in der Gemeinde.  Ein wesentliches Element des Gottesdienstes ist die Ausgestaltung des Themas, wobei ganz verschiedene Themen im Mittelpunkt stehen:"Hartz IV - Theorie und Wirklichkeit".  Neben der kritischen Reflexion gibt es ein Gespräch mit einer Hartz IV-Empfängerin, einer 28-jährigen alleinerziehenden Mutter, die sich mutig äußert. Dazwischen antworten immer wieder das Orchester und die Tänzer/innen. Ein Tango-Paar versucht zu interpretieren. Oder ein Solotänzer interpretiert zum Tango des Orchesters.

Beim Thema "Flüchtlinge - ein afrikanischer Exodus" tanzt ein Solotänzer Tango mit einem Stuhl, wobei die Einsamkeit und die Sehnsucht des Flüchtlings gespürt werden können.

Zum Thema "Palästina - Menschen ohne Heimat" tanzt ein lateinamerikanischer Solotänzer zwei Tänze zum Tango: Zunächst stellt er einen Menschen dar mit einem heruntergekommenen Koffer. Dramatisch wird seine Heimatlosigkeit deutlich. Später tanzt er mit Erde, die er über sich streut: ein Bild für den Menschen ohne Heimat, ohne Erde, zu der er gehören kann.

Mitten im Gottesdienst gibt es eine mit dem jeweiligen Thema korrespondierende Lesung und eine Predigt, die Tango-Philosophie und christliches Bekenntnis mit dem Thema verbindet.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Direkt nach dem Gottesdienst besteht beim Kirchencafé Gelegenheit, die Eindrücke auszutauschen. In der Regel entstehen durch die spontanen Reaktionen der Gottesdienstbesucher/innen neue Ideen für weitere Elemente und Themen.
In der Folge gibt es weitere Gespräche mit den Tänzer/innen und dem Kantor, um neue Ideen weiter auszufeilen.
Die Eindrücke werden noch mal rekapituliert, woraus sich z.B. einmal ergab, das Thema dieses Gottesdienstes (Rollenverständnis von Mann und Frau) in weiteren Tango-Gottesdiensten dialogisch aufzugreifen und zu vertiefen.

Wirkung / Erfahrung

Bei den Tango-Gottesdiensten ist die Kirche in der Regel voll besetzt Menschen, die sich schon lange nicht mehr von Kirche angesprochen fühlten, kommen neugierig und sind berührt und begeistert. Viele werden dadurch wieder offen für Kirche, kommen auch zu anderen Gottesdiensten und  werden aufmerksam
auf die Gemeinde. Einige bringen sich auch aktiv neu ein.

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