Seniorennetzwerk in der Gemeinde durch Veeh-Harfen

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 26.09.2011
Letzte größere Änderung: 27.09.2011
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Senioren, Alter und Pflege
Gemeinden/Institutionen
Diakoniestation Remchingen e.V. in Remchingen
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Regelmäßig wöchentlich mind. 8 Stunden
Durchführung: Regelmäßig wöchentlich mind. 6 Stunden
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Musikalische Betreuungsgruppe

Kurzbeschreibung

Ehrenamtliche Senior/innen integrieren die an Demenz erkrankten Senior/innen in das soziale Leben der Gemeinde durch gemeinsames Musizieren mit den Veeh-Harfen.

Situation / Kontext

Dem sozialen Rückzug von an Demenz erkrankten Menschen begegnen wir in einer ländlichen Flächengemeinde durch Angebote des gemeinsamen Musizierens mit den Veeh-Harfen in den Kirchengemeinden.

Ziele

1. Ehrenamtlich tätige Senioren haben über das Veeh-Harfen Spielen eine Möglichkeit Zugang zu an Demenz erkrankten Menschen zu erlangen, diese zu integrieren und sich selbst aktiv in das gemeindliche Leben einzubringen.

2. Die an Demenz erkrankten Menschen erleben sich, durch das Musizieren, als aktiver Teil der Gemeinde. Sie erinnern sich an Liedtexte oder Erlebnisse und ein Teil von ihnen präsentiert das Spielen mit der Veeh-Harfe gerne bei kleinen Auftritten oder in der (Übungs-)Gruppe. Dadurch verbessert sich das Selbstwertgefühl.

3. Das gemeindliche Leben wird durch die Auftritte der Veeh-Harfen Gruppe bereichert; Integration wird möglich, gerade auch für Menschen mit Beeinträchtigungen.

Reflexion / Hintergrund

Die Diakoniestation Remchingen stellt den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und bietet ehrenamtlich engagierten Personen die Rahmenbedingungen, Schulungen und Reflexionen, um sich für die Integration von an Demenz erkrankten Menschen in der Gemeinde einzusetzen.

Die an Demenz erkrankten Menschen erleben sich als vollwertige Mitglieder der Gemeinde und erfahren Wertschätzung, wenn sie aktiv oder durch Anwesenheit/Zuhören in die musizierende Gemeinschaft integriert sind.

Wenn beide Zielgruppen zusammen bei Veranstaltungen in den drei Kirchengemeinden musizieren, erleben sie Lebensfreude, können ihre Fähigkeiten entfalten und sich als aktive Glieder der Gemeinde erleben.

Die Arbeit mit der Veeh-Harfe bietet besondere Ansatzpunkte, um den Gedanken der Nächstenliebe und des Erhalts der Menschenwürde bis zuletzt in die gesamte Gemeinde und darüber hinaus, zu tragen.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Die (im Moment 25) ehrenamtlich engagierten Senior/innen erlernen das Spielen mit der Veeh-Harfe und erhalten grundlegende Informationen/Schulungen zum Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen. Sie erhalten regelmäßig die Möglichkeit zum Austausch und zur Reflexion.

Die an Demenz erkrankten Menschen, die selbst musizieren wollen, werden in einer 1:1 Betreuung durch die ehrenamtlichen Senior/innen in die Handhabung der Veeh-Harfe eingeführt, sodass regelmäßig 14täglich gemeinsame musikalische Nachmittage in der Diakoniestation stattfinden und das Veeh-Harfen Musizieren zunehmend auch bei anderen Gruppenangeboten sowie Einzelbetreuungen zum festen Bestandteil der Arbeit wird.

Die Gruppe der Ehrenamtlichen und ein Teil der an Demenz erkrankten Gemeindemitglieder beteiligen sich mind. zweimal monatlich an (kirchen-)gemeindlichen Veranstaltungen, bei denen gemeinsam mit der Veeh-Harfe musiziert wird. Ergänzt werden die Darbietungen durch Gedichte, Darstellung der Hintegründe zu den Musikstücken usw., wodurch akive Erinnerungsarbeit geleistet wird. Dabei wird darauf geachtet, dass die an Demenz erkrankten Gemeindeglieder an diesen Veranstaltungen teilnehmen können.

Vorbereitung

Bei Veranstaltungen der Diakoniestation und der Kirchengemeinden wurde die Veeh-Harfe und die Arbeit vorgestellt. Dabei wurde deutlich, dass dieses Instrument ohne Notenkenntnisse und sonstige Anforderungen gespielt werden kann. Da die Noten quasi abgelesen werden können, kann dieses Instrument auch mit stark ausgeprägten Gedächtnisstörungen gespielt werden.

Die (Kirchen-)Gemeinden und Verantwortlichen für verschiedene Angebote wurden über das neue Angebot informiert.

Daraufhin meldeten sich Interessenten, die das Spielen mit der Veeh-Harfe erlernen und sich ehrenamtlich engagieren wollten. Auch heute noch finden regelmäßige Schnupperkurse statt.

Durch Spenden war es möglich inzwischen acht Instrumente anzuschaffen; ein Teil der Ehrenamtlichen hat inzwischen eigene Veeh-Harfen.

Die musikalischen Nachmittage in der Diakoniestation und die Veranstaltungen in den Gemeinden werden durch die Medien bekannt gegeben und zum Teil unterstützende Dienste (Fahrdienst, Betreuung) für die an Demenz erkrankten Menschen angeboten.

Durchführung

Wir bieten 14täglich musikalische Nachmittage für an Demenz erkrankte Menschen, in Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen, in den Räumen der Diakoniestation an.

Wir werden regelmäßig zu den Seniorennachmittagen, in die Tagespflege und in Seniorenheime sowie ans Krankenbett von schwer an Demenz erkrankten Menschen eingeladen.

Konkret werden Volkslieder, Choräle, klassische Stücke einstudiert und ergänzend dazu Informationen über die Komponisten sowie thematisch passende Gedichte bereit gehalten. So wird das gemeinsame Musizieren durch andere Bestandteile biografischer Arbeit ergänzt.

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Das Projekt ist auf Dauer angelegt und soll, mithilfe der Veeh-Harfen Arbeit, ein stabiles Seniorennetzwerk in der Gesamtgemeinde Remchingen hervorbringen.

Derzeit wird über ein zweites Angebot des musikalischen Nachmittags in der Diakoniestation nachgedacht.

Die Arbeit wurde unter anderem auf dem Alzheimer Kongress Baden-Württemberg vorgestellt, es wurden verschiedene Vorträge und Workshops veranstaltet. Die Veeh-Harfen Arbeit wird von umliegenden Diensten/Einrichtungen positiv zur Kenntnis genommen.

Auch für Personen mit geistiger Behinderung ist die Veeh-Harfen Arbeit geeignet, sodass inzwischen elf Personen wöchentlich Unterricht erhalten und bei Auftritten mitwirken. So erweitert sich das Netzwerk, das zunächst auf die Integration von an Demenz erkrankten Menschen und ihren Angehörigen in das gemeindliche Leben ausgerichtet war, auch auf andere Personengruppen mit Einschränkungen.

Wirkung / Erfahrung

Nächstenliebe durch Integration und Erhalt von Menschenwürde sowie Lebensqualität bis zuletzt, trotz (körperlicher/geistiger) Einschränkungen, sind zwei zentrale Ziele des Projekts "Seniorennetzwerk in der Gemeinde durch Veeh-Harfen Arbeit".

Diese Ziele realisieren sich im freudigen und engagierten gemeinsamen Musizieren von Senior/innen mit und ohne Demenzerkankung oder geistiger Behinderung.

Die Ehrenamtlichen äußern sich zu den gesammelten Erfahrungen folgendermaßen:

Ich möchte alten und kranken Menschen Freude bereiten. Ich kann im Alter noch ein Instrument erlernen. Ich erhalte viel Wertschätzung. Die Liebe, die ich selbst erfahre, möchte ich an andere weitergeben. Ich kann noch eine wichtige Aufgabe erfüllen. Ich kann von meinem Glauben durch das entsprechende Liedgut etwas weitergeben. ...

Aufgegriffen und weiterentwickelt

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