Lebensspuren - Pilgern in Willingen

Autor/innen
ein Geistreich-Mitglied
Erstellt am: 14.11.2011
Letzte größere Änderung: 14.11.2011
Sprachen
Deutsch (Original, angezeigt)
Einsortiert in
Offene Kirchen und Wegekirchen, Arbeit mit Touristen und Kurseelsorge, Pilgern, Sonderseelsorge , Mission
Gemeinden/Institutionen
Kur- und Urlauberseelsorger Willingen in Willingen (Upland)
Stichworte
Zielgruppen
Mitarbeitende
Informationen
Vorbereitung: Ca. 5 - 6 Monate; Kurzfristige Kernzeit ca. 5 - 6 Wochen
Durchführung: Ein auf Dauer angelegtes Projekt, das immer wieder Neuerung erfährt
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Pilgern in Willingen

Kurzbeschreibung

Ein Pilgerweg führt auf die Spuren Gottes im eigenen Leben. Zusätzlich gibt es einen umgestalteten Kirchraum, der zum Pilgern einlädt.

Situation / Kontext

Der Willinger Pilgerweg "Lebensspuren" ist ein 17 km langer Besinnungsweg, der auf die Spuren Gottes im eigenen Leben führen möchte.

Dazu ist der Pilgerpfad in vier Wegstrecken untergliedert, die auf insgesamt fünfzig Stationsschildern jeweils einer besonderen Thematik nachgehen.

Die Schwalefelder Pilgerkirche ist für den Besucher ein besonderer Höhepunkt. Nach dem Motto "Pilgern in der Kirche", begibt sich der Gast in einen kreativ gestalteten Kirchenraum, der alle Sinne emotional anspricht und zu einer persönlichen Begegnung mit Gott führen möchte.

Ziele

Das Projekt "Pilgern in Willingen" hat äußerst großen Zuspruch bei den Gästen in Willingen, wie auch bei den Einheimischen gefunden.

Kirche möchte sich modern und kreativ darstellen und ihrem missionarischen wie auch ökumenischen Auftrag gerecht werden.

Reflexion / Hintergrund

Die Kirchengemeinden Schwalefeld und Rattlar verfügen nicht über alte Kirchen mit besonders sehenswerten sakralen Objekten.

Das Gemeindezentrum in Schwalefeld eignet sich dagegen für einen kreativen Aufbau, der die Besucher mit ansprechenden Kurztexten und liebevoll gestalteten Elementen zur Ruhe und Besinnung einlädt.

Willingen im Hochsauerland ist bekannt für seine schönen Wanderwege. Es gibt zahlreiche Wanderrouten und den 64 km langen Qualitätsweg "Uplandsteig".

Die Kur- und Urlauberseelsorge wollte mit seinen Gemeinden Schwalefeld und Rattlar für die Gäste und Einheimische einen Wanderpfad mit einer christlichen Thematik installieren. So wurde aus einer bescheidenen Idee ein umfangreiches Projekt, welches innerhalb von 18 Monaten über 10.000 Besucher aus Nah und Fern anlockte; Tendenz weiter steigend.

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

---

Vorbereitung

Für den Pilgerweg musste eine Wegstrecke erschlossen werden, die auf relativ leicht zu gehenden Pfaden führt.

Die Gemeinde hat es sich zum Ziel gesetzt, dass der Pilgerweg von Wanderern mit unterschiedlichen Möglichkeiten zu begehen ist. So können geübte Wanderer den gesamten Pilgerweg in einer Tagestour entdecken. Weniger Geübte nehmen sich einzelne Wegstrecken von drei bis sechs km vor, die thematisch in sich abgeschlossen sind.

Ein organisiertes Pilgertaxi holt die Pilger von den gewünschten Stationen ab.
Die Pilgerkirche stellte die Herausforderung dar, dass der helle Kirchenraum auch für Gottesdienste der Gemeinde weiterhin zur Verfügung stehen musste. Dem Kirchenvorstand gelang es, die Gemeindemitglieder in das Projekt mit einzubeziehen, so dass die Neugestaltung der Kirche sowohl als missionarischer Auftrag als auch als ein innergemeindlicher Arbeitsschwerpunkt angesehen wurde.

So wurde die Pilgerkirche seit ihrer Gestaltung zu einem neuen, alltäglichen Treffpunkt im Dorf, auf den die Gemeindemitglieder stolz sind.

Zur Vorbereitung waren nötig:

  • Ein vom Kirchenvorstand erarbeitetes Konzept, welches in Einklang mit dem Gemeindekonzept steht.
  • Die inhaltliche Gestaltung der vier Themen auf dem Pilgerweg sowie innerhalb der Schwalefelder Kirche.
  • Die praktische Vorbereitung für die Wegstrecke und die umfangreiche Beschilderung.

 

Durchführung

Zur Durchführung waren viele ehrenamtliche Mitarbeiter im Einsatz.

Es bildete sich ein Pilgerkirchenteam, das für die Gestaltung der Kirche verantwortlich war und ist. Die Mitarbeiter für den Pilgerweg wurden aktiv von dem hiesigen Wanderverein und den kommunalen Mitarbeitern unterstützt, da auch schweres Gerät für das Pflocken der Stationsschilder und der Wegweiser nötig war.

Über mehrere Monate wurde das Projekt geplant. Der Aufbau benötigte ca. vier bis fünf Wochen.

 

Dauer
Der Pilgerweg war von Beginn an als ständige Einrichtung konzipiert. Dagegen sollte die Kirche in Schwalefeld ursprünglich nur ein Projekt für den deutschen Wandertag 2009 sein.

Der starke Besucherzuspruch verdeutlichte dem Kirchenvorstand jedoch die missionarischen Möglichkeiten, die durch das Projekt auf Dauer möglich erschienen. So entschied der Kirchenvorstand, in dem Projekt einen langfristigen, kirchlichen Auftrag für sich zu sehen. Die Schwalefelder Kirche erhielt offiziell die Bezeichung "Pilgerkirche".

 

Arbeitsaufwand
Es ist nicht möglich, den Arbeitsaufwand in Stunden zu berechnen.

Weit über 30 Mitarbeiter verbrachten sehr viel Zeit mit den Vorbereitungen und der Umsetzung. Auch die Pflege und Veränderung der Aufbauten bedürfen zahlreiche, motivierte Mitarbeiter. Ohne eine hauptamtliche Küsterstelle wäre die tägliche Säuberung und Pflege der Pilgerkirche nicht möglich.

Zu dem Arbeitsaufwand ist auch zu zählen, dass die Pilgerkirche täglich für die Gäste geöffnet und wieder geschlossen werden muss.

Außerdem fordert die Arbeit der Pilgerkirche für den Urlauberseelsorger einen stark gestiegenen Seelsorgeauftrag sowie die Verantwortung, Besucher auf deren Bitte in Andacht und persönlicher Segnung zu begleiten.

Der organisatorische Aufwand, - Anmeldung und Koordination von Gruppen wie auch die telefonische Kontaktsuche von Gästen mit dem Pfarrer - gehören ferner zu dem täglichen Arbeitsaufwand.

Der Kur- und Urlauberseelsorger bietet seit 2011 mehrere Pilgerwochen und Pilgerwochenenden an, bei denen er bzw. eine geschulte Mitarbeiterin die Wanderer auf dem Pilgerweg begleitet und ein Rahmenprogramm für die Urlaubszeit in Willingen anbietet.

 

Mitarbeitende
Über 30 ehrenamtliche Mitarbeiter, Mitglieder des Wandervereins, Mitarbeiter des Bauhofes der Kommune, Küsterin, Kirchenvorsteher/innen sowie Pfarrer.

 

Materialien
Für den Pilgerweg wurden 50 wetterfeste Stationen von einem Schreiner hergestellt und von einer weiteren Firma mit einem Metalldach versehen. Die Stationsschilder wurden auf einem PC gestaltet und von einer Firma gedruckt und versiegelt. Unterschiedliche wetterfeste, professionelle Wegweiser wurden ebenfalls bei Firmen in Auftrag gegeben.

 

Kosten
Einschließlich der Informationsflyer waren für das Projekt ca. 24.000,- € nötig. Die Folgekosten werden jährlich auf ca. 3.500,- € beziffert.

 

Link/Homepage

www.Urlauberseelsorge-Willingen.de
www.Pilgerkirche-Schwalefeld.de
www.Pilgerweg-Willingen.de

Nachbereitung & weitere Umsetzung (Einbettung)

Der Pilgerweg bedarf der Pflege. Die Wegweiser müssen immer wieder kontrolliert und gegebenenfalls erneuert werden.

Das Konzept beinhaltet auch, die Themen der vier Wegabschnitte jährlich zu erneuern, so dass es für die Wanderer immer wieder ein "neuer" Erlebnisweg ist.

Ebenso bedarf die Gestaltung der Pilgerkirche einen eines hohen Pflegeaufwands. Bei besonderen Gemeindeveranstaltungen muss der Aufbau sogar entfernt werden.

Die hohen Besucherzahlen (in der Saison zwischen 30 und 200 Gästen täglich), erfordern für die Raumpflege und die Säuberung der sanitären Anlage einen nicht geringen, täglichen Zeitaufwand, der von der Küsterin geleistet wird.

Auch für die Pilgerkirche sind ständige Veränderungen im Interesse der Verantwortlichen. Jegliche Elemente sind jedoch in ehrenamtlicher Arbeit kreativ gestaltet.

Begrüßt wird der Wanderer in der Pilgerkirche mit einem Glas Wasser. Beim Abschied darf er eine Kerze entzünden. Wir nehmen keinen Eintritt! Die Kirche ist täglich von 10 bis 17 Uhr, in der Wandersaison von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Wirkung / Erfahrung

Unsere Erwartungen wurden bei weitem übertroffen.

Niemand hätte die weit über 10.000 Besucher in wenigen Monaten für möglich gehalten. Es muss jedoch darauf verwiesen werden, dass die Region Willingen ein beliebter Urlaubsort mit über 1 Million Übernachtungen pro Jahr ist.

Nicht nur für die Ev. Landeskirche von Kurhessen-Waldeck ist das Projekt gelungen und vorbildhaft. Auch die Gäste, die ihre Heimat außerhalb Hessens haben, nehmen Kirche als innovativ und äußerst einladend wahr. Die Kirche von Kurhessen-Waldeck erfüllt somit einen überregionalen Auftrag, der zudem ökumenisch ausgerichtet ist. Die Kur- und Urlauberseelsorge der Landeskirche arbeitet überkonfessionell.

 

Rückmeldungen der Teilnehmenden und Mitwirkenden:
Die teilnehmenden Mitarbeiter haben ihre Freude an der Umsetzung und der Gestaltung des Pilgerprojektes.

War es anfangs die Freude, ihre Kirche innovativ und modern der Öffentlichkeit zu präsentieren, kommt heute auch die Motivation der zahlreichen positiven und dankbaren Rückmeldungen hinzu. Es ist für alle beteiligten eine äußerst erfüllende Mitarbeit, die jedoch auch nicht wenig Zeit in Anspruch nimmt.

Die besagten Rückmeldungen der Gäste können in dem ausliegenden Pilgerbuch der Schwalefelder Pilgerkirche oder in Auszügen auch auf der Homepage im "Gästebuch" nachgelesen werden.

Die zahlreichen Rückmeldungen verdeutlichen der örtlichen Kirchengemeinde den missionarischen Aspekt, dem sie sich verpflichtet sieht.

Menschen, die sich bisher selbst nicht als Christen bezeichnet haben, teilten mit, dass sie in der Pilgerkirche auf einen neuen Weg zum Glauben gefunden haben. Besucher fühlen sich von Gott berührt.

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