Bibel Schnupperkurs

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2 Geistreich-members
created at: 2010-04-09
Last major update at: 2010-04-27
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Deutsch (Original, currently shown)
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Erwachsene
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Preparation: no information
Execution: no information
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Bibel

Abstract

Gesprächs- und diskussionsorientierte Einführungskurse in Themen und Inhalte der Bibel für Menschen, die kirchendistanziert sind.

Situation / context

Besonders in den neuen Bundesländern sind viele Menschen komplett ohne Kontakt zur Kirche aufgewachsen und wissen sehr wenig über den christlichen Glauben. Einige empfinden dies als Bildungsmangel. Sie besichtigen beispielsweise im Urlaub eine Kirche und können die Bilder und Symbole im Kirchenraum nicht deuten. Oder sie stoßen in einem Roman oder einem Kunstwerk auf religiöse Bezüge, die sie nicht auflösen können. Immer wieder äußern Menschen Interesse, mehr über den Glauben der Christen und die Geschichten, Bilder und Symbole der Bibel wissen zu wollen – ohne selbst Christ oder Kirchenmitglied werden zu müssen. Glaubens- oder Taufkurse sind daher für sie nicht interessant.

Goals

Die Schnupperkurse wollen Menschen mit wesentlichen Inhalten des Glaubens und der Bibel vertraut machen, ohne sie kirchlich zu vereinnahmen. Sie finden an einem neutralen Ort statt (Bürgerhaus) und sind auf sieben Abende begrenzt. Sie setzen keinerlei religiöses Vorwissen voraus; sind aber inhaltlich durchaus anspruchsvoll. Bei den Kurstreffen werden Texte aus Bibel und Kirchengeschichte gelesen und offen diskutiert, ohne Denkzwänge oder dogmatische Vorfestlegungen. Spirituelle oder liturgische Elemente kommen nicht vor.

Reflection / background

In unserem Stadtteil leben viele Menschen, die zu DDR-Zeiten Parteimitglied und in systemstabilisierender Funktion waren. Wir spüren häufig die Sorge, in der Kirche nicht akzeptiert oder aber vereinnahmt zu werden. Ein reines Bildungsangebot auf „neutralem Boden“ bietet eine gute Möglichkeit, sich unauffällig und unverbindlich – aber oft sehr ernsthaft und persönlich – mit Kirche und Glauben auseinanderzusetzen. Viele Teilnehmer beginnen im Lauf des Kurses, sich mit der evangelischen Kirche zu identifizieren.   

Die Schnupperkurse leben von der Überzeugung: Biblische Texte „machen etwas mit den Menschen“. Wer sich mit ihnen auseinandersetzt, entwickelt „wie von selbst“ neue Gedanken und Vorstellungen; er lernt Bilder, Symbole und Haltungen kennen, die ihn in Zustimmung und Ablehnung prägen werden. Im offenen Gespräch können die Teilnehmer ihre eigenen Gedanken und Empfindungen zur Diskussion stellen und einander zu neuen Erkenntnissen verhelfen. Sie erleben Kirche als offene Gemeinschaft, in der auch ihre Einsichten gewürdigt werden und in der niemand vereinnahmt, „auf Linie gebracht“ oder zu irgendetwas genötigt wird.

Implementation

General information on realization

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Preparation

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Realization

Vorbereitung: Zunächst wird ein Oberthema festgelegt und daraus ein Rahmenplan für die sieben Abende abgeleitet. Der Kurs wird in verschiedenen Medien und vor allem durch Aushang am Veranstaltungsort beworben. Für die einzelnen Abende wird ein Arbeitspapier erstellt, auf dem die zu diskutierenden Texte und ggf. notwendige Hintergrundinformationen zu finden sind. Den von uns genutzten Seminarraum gestalten wir bewusst nicht um.

Durchführung: Nach einer kurzen Begrüßung entwickelt sich entlang der ausgewählten Texte die Diskussion: die Teilnehmer bringen ihre Wahrnehmungen und Gedanken ein, der Kursleiter an geeigneter Stelle unterschiedliche Deutungsmuster und Haltungen aus Kirchengeschichte und Gegenwart. Die Gesprächsdauer ist auf 60-90 Minuten begrenzt; am Ende gibt es einen kurzen Ansageblock mit ein, zwei Einladungen zu Gemeindeangeboten. 

 

Nachbereitung: In der Diskussion sichtbar gewordene Interessen und Fragestellungen der Teilnehmer fließen in die Themenplanung für den Folgekurs ein. Das Konzept und die Gestaltung der Abende werden an ihre Wünsche, Anregungen und Kritik angepasst. Mit Einzelnen ergeben sich Nachgespräche, häufig zu persönlichen Themen.

 

Hinweise:

- Es ist damit zu rechnen, dass einige der Teilnehmer sehr wenig Grundwissen in Bezug auf Glauben und Kirche mitbringen und aus kirchlicher Sicht fast schockierend grundlegende Fragen stellen. Diese Fragen müssen Raum und ihr Recht bekommen – die Antworten sollten elementar, aber nicht simplifizierend ausfallen.

- Um einen breiten Raum für eigene Erkenntnisse der Teilnehmer zu öffnen, macht es Sinn, nicht eine “richtige” Antwort oder Lehrmeinung zu präsentieren, sondern unterschiedliche Stimmen aus Kirchengeschichte und aktueller theologischer Diskussion ins Gespräch zu kommen. Dabei sollten nicht einzelne als “richtig” und andere als “falsch” benannt werden; stattdessen ggf. auf das relative Recht der unterschiedlichen Positionen hinweisen.

- Der Kursleiter sollte immer wieder auch in seiner eigenen Meinung und Glaubenshaltung erkennbar werden. Seine Position soll aber nicht als „die richtige“ präsentiert werden, sondern als eine Stimme im vielstimmigen Chor der Christenheit.

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

Die Schnupperkurse sollen kirchendistanzierten Menschen einen zeitlich klar begrenzten Raum bieten, sich offen mit Glauben und Kirche auseinanderzusetzen.

Tatsächlich sind 2/3 der Teilnehmer nicht Mitglied einer christlichen Kirche.

Entgegen der ursprünglichen Intention nehmen die allermeisten Teilnehmer nicht nur an einem Kurs teil. Nach drei Jahren Schnupperkurs-Arbeit ist eine feste Kerngruppe von 8 Personen entstanden. Vereinzelt kommen „Neue“ dazu, die z.T. „hängenbleiben“ und z.T. auch nur einen Kurs oder einzelne Abende besuchen.

Innerhalb der Kerngruppe ist zu beobachten, wie sich die Deutung der eigenen Glaubensbiographie verändert: Fast alle beschrieben sich zu Anfang als ohne Bezug zu Kirche und Glauben. Inzwischen beschreiben dieselben Menschen ihr Geschichte als eine langsame Annäherung zum Glauben hin und benennen z.T. auch frühere punktuelle Erfahrungen mit der Kirche als Schritte auf diesem Weg. Einige besuchen regelmäßig Gottesdienste verschiedener Gemeinden; eine Frau ließ sich taufen.

stimulus

Schnupperkurs Kirchengeschichte, religiöse Kunst oder Architektur, Spiritualität, Gemeindeleben usw.: Ein Schnupperkurs könnte z.B. anhand der Architektur eines das Stadt- oder Dorfbild prägenden Kirchengebäudes oder anhand elementarer religiöser Praxis eine erste Begegnung mit dem christlichen Glauben ermöglichen. Denkbar wäre auch ein Kurs, der erklärt, wie die örtliche Gemeinde funktioniert (und welche inhaltlichen Überzeugungen dahinterstehen), oder anhand religiöser Motive in der Kunstgeschichte oder im Kino elementare Glaubensinhalte zugänglich macht. Ein aktuell im gesellschaftlichen Umfeld relevantes Thema könne anhand von Antworten aus Bibel und Kirchengeschichte beleuchtet werden – in unserem Umfeld (sozialer Brennpunkt) stieß z.B. ein Schnupperkurs zum Thema „Kirche und Armut“ auf hohe Resonanz.

Eine Übersicht über Glaubenskurse allgemein findet sich hier: >>>Glaubenskurse - Übersicht <<<.

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