Buß- und Bettag - Freude an der Buße

Author
a geistreich member
created at: 2010-06-04
Last major update at: 2010-06-04
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
Table of content
Buß- und Bettag
Keywords
Target audiences
Practitioners
Votes
4 votes
Comments to the document
Zum Bußtag

definition

Ein Gottesdienst am Buß- und Bettag, in dem das Gotteslob nicht zwischen dem Kyrie und der Absolution verstummt, sondern in dem von Anfang bis Ende deutlich und spürbar wird, dass der Mensch zugleich Sünder und gerechtfertigt ist, also in ein und demselben Menschen Böses und Gutes vorhanden sind.

SITUATION / KONTEXT

Der Buß- und Bettag ist ein schwieriger Feiertag.

Auf der einen Seite sind es die äußeren Umstände. Es handelt sich sozusagen um einen bürokratisch eingeführten Feiertag. Im Jahr 1893 wurde – zunächst in Preußen – von staatlicher Seite ein solcher Buß- und Bettag als Feiertag verordnet, um die Vielzahl der Bußtage zu reduzieren und den Termin zu vereinheitlichen. Im Jahr 1994 war es dann kein unumstrittener Beschluss, den Buß- und Bettag als arbeitsfreien Tag mit Wirkung ab 1995 zu streichen. Dies geschah mit der heute doch etwas befremdlich erscheinenden Begründung, die Mehrbelastung für die Arbeitgeber, die durch die Beiträge zur neu eingeführten Pflegeversicherung entstehen, durch Mehrarbeit der Arbeitnehmer auszugleichen.

Und inhaltlich ist „Buße“ kein populärer und angenehmer Begriff. Negativ besetzt sind vor allem das Bußgeld und der Bußgeldkatalog. Hier geht es um ein stark formalisiertes Verfahren, das Buße mit Strafe gleichsetzt, die oft als ungerecht empfunden wird, weil die Bestrafung eher zufällig erfolgt. Auf der anderen Seite ist Buße verbunden mit der Vorstellung vom Büßer im härenen Gewand, barfuß und sich selbst kasteiend: das Bild eines Menschen aus dem „finstern Mittelalter“ in all seiner Beschränktheit und Abhängigkeit.

All das sind keine guten Voraussetzungen für einen Gottesdienst an einem grauen Novembertag.

Freude an der Buße – Buß- und Bettag bewusst feiern.

IDEE

Nicht ohne Grund wird die Vorstellung, etwas zu feiern, mit Gemeinschaft, Austausch, Anteilnahme verbunden. Wenn der Gottesdienst im Anschluss an F.D.E. Schleiermacher als „darstellendes Handeln“ verstanden wird, dann muss sich in ihm der Mensch auch als „Gottes gutes Geschöpf“ glücklich und froh erfahren können. Bevor Sünde, Schuld und Versagen an- und ausgesprochen werden, stellt zuerst Gott sich selbst uns als seine Geschöpfe gegenüber. Und als Geschöpf Gottes wird der Wert eines Menschen bestimmt, in seiner schönsten und auch noch in seiner elendsten Gestalt. Die Unterscheidung zwischen Tat und Täter impliziert, dass sowohl gutes wie auch schlechtes Denken, Tun und Lassen zu unterscheiden sind vom Menschen, der dies denkt, tut und lässt.

Im Gottesdienst am Buß- und Bettag soll Grundlage allen Nachdenkens über den Menschen das sein, was im Psalm (104,24) gesagt wird: „HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“

GRÜNDE & HERAUSFORDERUNGEN

Die Gottesdienstbesucher dürfen nicht abgeschreckt und überrascht werden. Nach allen Erfahrungen wird ein Plan, den traditionellen Gottesdienstablauf zu ändern, zu Irritationen führen. Daher sollten nicht selbstverständlich der Kirchenvorstand/das Presbyterium in die Pläne einbezogen werden, sondern auch die Pfarrerinnen und Pfarrer der Gemeinden im Kirchenkreis und die/der Dekan/in bzw. die/der Superintendent/in.

ALLGEMEINE HINWEISE ZUR UMSETZUNG

Der Gottesdienst wird als Mahlfeier gestaltet. Die Menschen, die ihn feiern möchten, werden wie die Gäste eines Festes begrüßt. Der Grundtenor ist: Der Mensch ist ein Geschöpf Gottes, das in dessen guter Schöpfung eine besondere Rolle spielt und daher für sein Denken, Tun und Lassen in besonderer Weise verantwortlich ist.

Um deutlich zu machen, dass es sich bei dieser Mahl nicht um ein Abendmahl handelt, könnte es aus Reis und Wasser bestehen. Diese Lebensmittel machen in ihrer Schlichtheit den Charakter des Tages deutlich und weisen überdies darauf hin, dass das Gelingen gemeinsamen Feierns nicht von der Üppigkeit dessen, was angeboten wird, abhängt.

Im Rahmen dieser Mahlfeier ist Raum gegeben, über Schuld und Versagen und über Vergebung und Befreiung zu sprechen, Texte dazu zu hören, zu beten und zu singen. In diesem Gottesdienst können dann desgleichen Schuldbekenntnis, Beichte und Absolution in angemessener Form vorkommen.

Es wäre schön, wenn dieser Gottesdienst in der Kirche und nicht in anderen Gemeinderäumen stattfindet. Er lebt auch aus der Spannung zwischen traditionellen Gottesdienstraum und bewusst anders gestaltetem Gottesdienst.

 

Weitere Literatur:

1.

Wie mein Leben wieder hell werden kann - Eine Einladung zur Beichte in der evangelisch-lutherischen Kirche, Klaus-Peter Hertzsch, im Auftrag der Kirchenleitung der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

2.

Was meinem Leben gut tut - Eine Einladung zum heiligen Abendmahl (Flyer)

Beides von der VELKD:

http://velkd.de/informationen_und_publikationen.php

 

Weitere Links:

http://www.geistreich.de/FokusBusstag

 

IMPULS

Der Impuls ist das Thema, das zum Nachdenken und auch zu Widerspruch herausfordert:

  • „Freude an der Buße“.

Manche der Ideen lassen sich auch zu Aschermittwoch umsetzen, der auch einen Bußcharakter hat.

Experience reports

Related articles

    Connected content

    • Ökumenisches Forum
      Konfessionsverbindende Paare werden gezielt zu einem Kreis eingeladen, in dem Themen und Probleme des ökumenischen Zusammenlebens im kirchlichen und persönlichen Leben besprochen werden.
      This is visible in the Web.
    • kirche harpstedt ColnradeKirchstraße 2, 27243 Colnrade
      Unsere Gottesdienste erfreuen sich seit Jahren steigender Beliebtheit. In den letzten 5 Jahren sind die Besucherzahlen um 10 Prozent gestiegen. Sie finden in der Harpstedter Kirchengemeinde in der Regel wie folgt statt: Jeden Sonntag um 10 Uhr. In der Regel ist der erste Sonntags-Gottesdienst im ...

    geistreich video

    Hide Video