Konfirmandenunterricht & Konfirmandenarbeit

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2 Geistreich-Mitglieder
erstellt am: 17.06.2010
Letzte größere Änderung: 09.10.2010
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Konfirmandenarbeit
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Definition

Im Konfirmandenunterricht geht es um einen strukturiert organisierten Lernprozess. Zugleich umfasst dieser mehr als ein rein unterrichtliches Geschehen: Gottesdienste, Freizeiten, Projekte eröffnen vielfältige Begegnungsformen und Erfahrungsfelder. Deshalb wird - in Betonung des gemeindepädagogischen Gesamtrarrangements - seit den 80er Jahren eher von "Konfirmandenarbeit" gesprochen bzw. das Angebot des Konfirmandenunterrichts als "Konfirmandenzeit" bezeichnet

Der KONTEXT

Die Konfirmandenzeit hat im Bewußtsein der Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien eine ungebrochen hohe Akzeptanz. Sie ist ein Angebot der Evangelischen Kirchen, das Jahr für Jahr von ca. 250.000 Jugendlichen wahrgenommen wird. Dies entspricht ca. 30% aller Mädchen und Jungen überhaupt und über 80% aller evangelischen Jugendlichen eines Jahrgangs. In den Großstädten und Ballungsräumen gehen die Konfirmandenzahlen eher zurück als in anderen Regionen. Gleichzeitig ist wahrzunehmen, dass in den letzten Jahren die Zahl der ungetauften Jugendlichen, die sich zum Konfirmandenunterrricht anmelden oder an ihm teilnehmen, gestiegen ist und in Ballungsräumen über zehn Prozent eines Jahrgangs beträgt (vgl. hier).

Im Bewußtsein der beteiligten Konfirmandinnen und Konfirmanden und deren Familien ist der Konfirmandenunterricht ein "biografisches Projekt" (vgl. Analyse "Fremde Heimat Kirche"). Dieses Projekt findet seinen Höhepunkt und Abschluss in der festlichen Feier der Konfirmation, in der sich die Jugendlichen auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben bewußt (vgl. Bekenntnis) unter den Segen Gottes stellen. Die Stabilität der Konfirmation ist maßgeblich in dieser Verknüpfung mit der Schwelle von der Kindheit zum Erwachsenenleben gegründet (Passage-Ritual).

Auch in der theologischen Diskussion wird Konfirmation (www.konfirmation.de) im Sinne einer Theologie der Lebensübergänge verstärkt als eine Kasualie verstanden: als Kasualie der Kirchlichkeit (M.Meyer-Blank) bzw. der Religionsmündigkeit (W. Gräb). Sie markiert den Abschied von der Kindheit und das Hineinwachsen in die Herausforderungen, Möglichkeiten und Aufgaben des sich aufbauenden Erwachsenendaseins in der Jugendzeit. Sie ist so zu verstehen als öffentlich dargestellte Mündigkeit des Christseins, in der ein Bekenntnis der Jugendlichen- als öffentliche Momentaufnahme- und der Zuspruch des Segens für den weiteren Lebensweg die beiden zentralen Elemente bilden.

Die Situation der Konfirmandenarbeit in Deutschland und die Bedeutung der Feier der Konfirmation für die Jugendlichen und ihre Familien ist in einer ersten bundesweiten empirischen Erhebung untersucht worden. Deren Ergebnisse liegen nun in einer Studie vor (5 Bände "Konfirmandenarbeit erforschen und gestalten", Gütersloh 2009 - 2010 hier Bd. 3: "Konfirmandenarbeit in Deutschland", W. Ilg, Fr. Schweitzer, V. Elsenbast, in Verbindung mit M. Otte, Gütersloh 2009; vgl. www.konfirmandenarbeit.eu).

 

Konfirmandenzeit als gemeindepädagogische Aufgabe

Konfirmandenunterricht gehört zum Dienstauftrag der Pastorinnen und Pastoren und wird bei entsprechender Stellenausstattung auch von Diakoninnen und Diakonen/ Gemeindepädagoginnen und Gemeindepädagogen erteilt. Zunehmend werden auch ehrenamtliche Teamerinnen und Teamer einbezogen (Konfirmierte Jugendliche mit einer Teamerschulung oder auch Eltern - wie beim Konzept des Frühkonfirmandenunterrichts KU 3 / KU 4). Dadurch wird eine ganz eigene Dynamik für den Gemeindeaufbau in Gang gesetzt. Lebendige Ansätze in der Konfirmandenarbeit und positive Erfahrungen von Gemeinden im Arbeitsfeld Konfirmandenunterricht leben meist von diesem "Überschritt": aus der Vereinzelung durch eine/n Pastor heraus in eine gemeinsam verantwortete und durchgeführte Arbeit mit den Konfirmandengruppen. Die Schulung von Teamern hat für die gesamte gemeindepädagogische Anlage der Konfirmandenzeit einen hohen Stellenwert und wird von Gemeinden selbst, von Kirchenkreisen (Jugendreferenten), den Landeskirchen (KU-Beauftragte der PTIs, Jugendpfarrämter) gefördert (siehe z.B. unter www.Teamercard.de). Insbesondere bei ganztägigen Modellen, bei Projekten, auf Freizeiten und in Camps können am ehesten ehrenamtliche Teamer für eine klar beschriebene Aufgabe zur zeitweisen Mitarbeit in der Konfirmandenzeit gewonnen werden.

So können auch Übergänge zwischen Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit einer Gemeinde bzw. Region frühzeitig angelegt werden. Dazu bedarf es der personellen Verknüpfung und konzeptionellen Abstimmung beider Bereiche und der Kreise der jeweils Mitarbeitenden.

 

Veränderte Bedingungen - Suche nach neuen Formen

Innnerhalb des stabilen Rahmens der Nachfrage und der Akzeptanz gibt es gravierende Veränderungsprozesse, die die Voraussetzungen und Notwendigkeiten von Konfirmandenarbeit betreffen.
Veränderte Formen von Wahrnehmung und Lebensausdruck bei Jugendlichen (Mediennutzung, Kommunikationsweisen), Freizeitmöglichkeiten (sportlich-kulturell-touristisch), vielfältige Jugendszenen (und Rhythmen, die Identifikationen ermöglichen), Verhaltensauffälligkeiten (von der diffusen Unruhe vieler bis hin zur Gewaltproblematik einzelner), radikale Veränderungen im gesellschaftlichen Umfeld (flächendeckende Entwicklung von Ganztagsschulen), beschreiben in Stichworten das Feld veränderter Bedingungen bei Kindern und Jugendlichen in der Konfirmandenzeit.

In vielen Gemeinden wird deshalb nach Organisationsformen der Konfirmandenarbeit gesucht, mit denen man angemessener auf die entstandenen Herausforderungen reagieren kann als mit einem früher üblichen wöchentlichen stündlichen Treffen der 12- bis 14- Jährigen. Neben der Ausrichtung der Konfirmandenzeit als gemeindepädagogischer Aufgabe in einem Team und neben der Verbindung zu weiterführenden Angeboten der Jugendarbeit in der Region stellt die Entwicklung zur Ganztagsschule die zentrale Herausforderung dar. In welchen Zeitfenstern innerhalb einer Woche / in welchen Rhythmen innerhalb eines Jahres lassen sich Angebote der Konfirmandenzeit - wöchentliche Treffen, monatliche Sonnabende, Praktika, Projekte etc. - sinnvoll und gewinnbringend platzieren? Welche Organisationsformen (Modelle) hier stimmig sind und welche inhaltlichen Schritte wie aufeinander aufbauen (Curriculum), ist jeweils von den Verantwortlichen vor Ort zu planen und zu entscheiden.

IDEE

Rahmenpläne und Stundenumfang der Konfirmandenzeit sind landeskirchlich vorgegeben. Innerhalb dieser Parameter gibt es einen großen Spielraum (vgl. Übersicht Kapitel 6, S. 242 - 336, in Konfirmandenarbeit in Deutschland - Empirische Einblicke Herausforderungen Perspektiven, W. Ilg, Fr. Schweitzer, V. Elsenbast, in Verbindung mit M. Otte, Güterlsoh 2009).

Drei Grundmodelle lassen sich voneinander unterscheiden:

  • Grundmodell 2 jähriger Konfirmandenzeit
  • Komprimiertes 1 jähriges Modell
  • Das 2 phasige Modell (KU 4 - bzw. KU 3 - und KU 8).

Innerhalb dieser Rahmenmodelle gibt es verschiedene Organisationsformen:

  • Einzelstunden
  • Blockstunden (Doppelstunden)
  • Konfirmandennachmittage (mit mehreren Stunden)
  • Konfirmandentage
  • Wochenendseminare
  • Freizeiten
  • Praktika / Projekte
  • Konfi-camp-Modelle

Alle Modelle bieten Vorteile und haben gleichzeitig Nachteile - was in welcher Kombination stimmig ist, wird vor Ort in der Region bzw. Gemeinde jeweils unterschiedlich wahrgenommen werden. (Siehe dazu auch: E. Langbein, Handreichung zu Organisationsmöglichkeiten der Konfirmandenzeit, online unter http://www.pti-nordelbien.de).So ist eine flächendeckend einheitliche Form aufgrund der regional unterschiedlichen Anforderungen wenig sinnvoll und kaum umsetzbar.

 

Vielmehr geht es darum, unter Berücksichtigung der verbindlichen Rahmenbedingungen (Stundenumfang / Rahmenpläne) vor Ort die jeweils eigene Organisation der Konfirmandenzeit - in Verbindung verschiedener Elemente- zu wählen. Dabei gilt: Organisatorische Fragen sind immer auch inhaltliche Fragen.

Es geht darum, Lern- und Begegnungsmöglichkeiten zu erweitern und Erfahrungsräume vielfältig zu ermöglichen.

 

Lern- und Begegnungsmöglichkeiten werden erweitert durch:

  • Längere Zusammenkünfte. Hier wird der Einsatz unterschiedlicher Methoden, eine Selbstbeteiligung in kreativen Prozessen und vertiefendes Arbeiten sowie Formen von geistlichem Leben in der Begegnung während der Gruppentreffen besser möglich. Längere Zusammenkünfte sind: Doppelstunden, Nachmittage, Tage.
  • Wechsel von Plenum - und Kleingruppen bzw. Stationen. Hier wird die Individualisierung im Lernen und die Beteiligung von Teamern gefördert.
  • Offene Angebote. Hier wird durch räumliche und zeitliche Nähe zum "Konfer" ein Übergang in Angebote der Jugendarbeit eröffnet.

Lernsituationen und Erfahrungsräume werden vielfältiger durch neue Lernorte:

  • Projektzeiten. Sie bilden in der Praxis eine Phase von 2 bis 6 Wochen, innerhalb einer Gemeinde oder - zunehmend - als ein regionales Angebot (Kooperation benachbarter Gemeinden, z.T. beschrieben auch als 'Kurse im Konfer')
  • Praktika. Sie eröffnen eine vielseitiges Kennenlernen von kirchlichen Arbeitsfeldern und diakonischen Einrichtungen.
  • Camps. Sie bieten eine Zeit gemeinsamen Lebens und Lernens - von einigen Tagen bis zu vier Wochen (vgl. www.konficamp.de). Mit der Reise zu einem neuen Ort, mit der notwendigen Beteiligung zahlreicher Teamerinnen und Teamer, mit erlebnisorientierten Arbeitsmöglichkeiten, mit jugendgemäßen Musikimpulsen (Band) und nicht zuletzt mit der Erfahrung, in einem großen Kreis Jugendlicher dabeizusein, haben sie für Konfirmandinnen und Konfirmanden eine große Anziehungskraft.

 

Vom Konfirmandenunterricht zur Konfirmandenzeit

 

 Die Fragen einer geschlechtergerechten Formulierung sind damit allerdings nicht zufriedenstellend gelöst. "Konfirmationsunterricht" ist zwar eine geschlechterneutrale Bezeichung, geht aber hinter die Idee einer gemeindepädagogischen Vernetzung zurück. Als populäre Kürzel haben sich "Konfer" eingebürgert und "KU" erhalten. Verstärkt wird "KA" für Konfirmandenarbeit genutzt, besser: Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden. Die Verbindung der Anliegen ist abzulesen an dem Titel der renommierten, seit 1973 erscheinenden EKD-weiten Schriftenreihe "KU-Praxis - für die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden" (www.ku-praxis.de).

 

Lernen durch Erfahren-Verstehen-Gestalten

 

Inhaltlich signalisiert die Bezeichnung "Konfirmandenzeit" einen in der Didaktik vollzogenen Perspektivwechsel, der sich an den Subjekten des Lernprozesses orientiert (eingefordert bereits bei W. Neidhardt "Konfirmandenunterricht in der Volkskirche", 1964; die Entwicklung der Didaktik des KU im vergangenen Jahrhundert siehe bei Kl. Hahn, KU-Praxis 31, S. 70- 86, Gütersloh 1993). Die Fragestellungen, Suchbewegungen und Wahrnehmungen der Jugendlichen werden thematisiert und zum Brennpunkt für Lernerfahrungen in der Begegnung mit Inhalten des christlichen Glaubens. Erleben und Erfahren, Verstehen und Wissen, Gestalten und Handeln bilden die drei Dimensionen, in denen sich die Themen der Konfirmandenzeit entfalten. Dieser grundsätzliche Ansatz spiegelt sich in unterschieldichen Arbeitsmedien wie z.B. "kreuzundquer" (N. Dennerlein, M. Rothgangel, VELKD, Göttingen 2005) und "Im Himmel und auf Erden - das Holk-Projekt" (B. Nolte, H.U. Kessler, Gütersloh 2006).

Bei der inhaltlichen Arbeit in der Konfirmandenzeit ist es heute notwendig, in der Fülle möglicher Themen zu elementarisieren und klare Schwerpunkte zu setzen. Anders als eine ausgiebige Themenkette früherer Konzepte, bei denen in jeder Einzelstunde ein Arbeitsblatt thematisch zu bearbeiten war, sind heute vertiefende Ansätze notwendig, um mit eigener Beteiligung bzw. Selbsttätigkeit der Jugendlichen und dafür ausreichender Zeit Fragestellungen erschliessen zu können. Dabei bilden thematische Kernfelder wie die Frage nach Gott, Christus, der Geist-Kraft sowie Taufe, Abendmahl und das Verständnis der Konfirmation verbindliche Bezugspunkte. Wie diese Felder gestaltet werden, wann sie mit welchen Zugängen zu Themen werden, welche spezifischen Fragen einen Schlüssel bilden können, ist in der Planung für die jeweiligen Gruppen vor Ort zu entwickeln. Von daher sind Arbeitsmaterialien, die sich selbst als Steinbruchsammlung und Modul-Angebot verstehen, heute wichtiger als ausgearbeitete Gesamtentwürfe mit einem festgelegten curricularem Fahrplan.

 

Raum für christliche Spiritualität erweitern

 

Konfirmandenzeit ist heute in der Regel die erste intensivere Begegnung Jugendlicher mit gelebtem christlichen Glauben. Im Sinne eines performativen Ansatzes kann es nicht nur darum gehen, Fragen des Glaubens zu erklären und verständlich zu machen, sondern Jugendliche mit hineinzunehmen in Formen christlicher Spiritualität. Die Verknüpfung von Gruppenarbeit (Katechetische Dimension) mit Elementen des Gottesdienstes (Liturgische Dimension) gewinnt in der Gestaltung der Konfirmandenzeit an Bedeutung und verlagert die Schwergewichte und Anforderungen. Durch Rituale zum Beginn und zum Abschluss der Treffen, durch Hinführungen zu Meditation und Gebet, durch kleine Formen eigener Gottesdienste verlagern sich die zeitlichen Strukturen und die inhaltlichen Schwerpunkte hin zu einer Integration spiritueller Impulse in die Gruppenarbeit.

 

Herausforderungen heute

 

Mit der Konfirmandenzeit ist der Pfarrer / die Pfarrerin, beteiligte Diakone / Diakoninnen und Gemeindepädagogen / Gemeindepädagoginnnen vor die Herausforderung gestellt, christlichen Glauben in elementarisierter Form zur Sprache zu bringen und "zu inszenieren".

Die Gestaltung der Konfirmandenarbeit erfordert bewußte Klärung, was den zeitlichen Rahmen, die Modellform und die Methoden betrifft. Es sind verschiedene Faktoren in den Blick zu nehmen:

 

Perspektive Konfirmandinnen und Konfirmanden

  • Die religiöse Sozialisation der Jugendlichen will reflektiert sein. Zunächst ist die Abwesenheit der Jugendlichen wahrzunehmen, die im Unterricht gar nicht angemeldet sind. Hier sind mögliche Gründe zu bedenken. Umgekehrt sind die angemeldeten Jugendlichen wahrzunehmen und ihre Gründe, teilzunehmen.
  • Es ist zu klären, in welcher Weise die Konfirmandenzeit optimal gestaltet werden kann, also auch: wer unterrichten soll. Es ist ratsam, permanent oder temporär ein Team von Ehrenamtlichen zu gewinnen. Das können jugendliche Teamer sein oder auch Studierende.
  • Es ist zu klären, welche Unterrichtsform gewählt wird. Vom wöchentlichen Angebot oder monatlichen Treffen , über Angebote im Zusammenhang mit der Ganztagsschule bis hin zu KonfiCamps und Freizeit-Block-Konzepte hat sich ein großes Spektrum an Möglichkeiten entwickelt. Dabei stellen sich im Blick auf die (zukünftige) Entwicklung zur Ganztagsschule die Fragen der Organisation der Konfirmandenzeit immer eingeengter. Aber auch unter neuen Bedingungen lassen sich im Für und Wider verschiedene Möglichkeiten konzeptionell klären. Eine Hilfe dazu: R. Franke, "Konfirmandenarbeit und Schule" - Positions- und Diskussionspapier, unter www.pti-nordelbien.de.
  • Es ist zu klären, ob reine Mädchen- und Jungengruppen für die ganze Zeit des Konfirmandenunterrichts oder einzelne Phasen besondere Chancen haben. Und welche Themen sich speziell für die Mädchen und speziell für die Jungen anbieten (vgl. dazu "KU-weil ich ein Mädchen bin", S. Ahrens, A. Pithan, Gütersloh 1999,  und "KU-weil ich ein Junge bin", Th. Knauth, F. Bräsen, E. Langbein, J. Schroeder, Gütersloh 2002).
  • Es ist zu klären, welche Ziele sich das Team setzen möchte. Welche Unterstützung und welche Formen des kollegialen Austausches lassen sich organisieren? Welcher Zeitaufwand ist realistisch mit welchen Angeboten für die Konfirmandenzeit verbunden, wie ist das mit den Verantwortlichen in der Gemeindeleitung kommuniziert?

Es ist wichtig, sich neben der regelmäßigen Auswertung der eigenen Arbeit mindestens ein Mal im Jahr (z.B. nach der Konfirmation eines Jahrgangs) eine intensivere Zeit grundsätzlicher Selbstreflektion einzuräumen, um Konzept, Methoden, Bausteine und Absprachen zu überdenken und (neu) zu klären.

 

Sich die notwendige Zeit einräumen

 

Längere Einheiten schaffen, um vertiefendes Arbeiten zu ermöglichen; kreative Methoden anwenden, damit nicht nur der Kopf, sondern auch die Hände beteiligt werden; Raum herstellen für Meditation, Gebet und Rituale, damit das Innere der Beteiligten in der Begegnung mit christlichem Glauben nach Hause kommen kann...

Diese Schneisen für eine Weiterentwicklung der Konfirmandenzeit stehen im Raum. Selbstverständlich ist nicht jeder / jedem alles gleich nah. So wie kein Lehrplan abzuarbeiten ist, ist auch kein Reformprojekt von oben her umzusetzen. Der persönliche Zugang bleibt der entscheidende Schlüssel. "Lehren heißt: Zeigen, was man liebt" (Fulbert Steffensky). Was hilft ist, sich wirklich Zeit zu reservieren für die Vorbereitung. Sich sicher zu machen mit vielfältigem Methodenwerkzeug. Gefragt ist letztlich aber jeder mit der eigenen Persönlichkeit. Konfirmandenarbeit ist Beziehungsarbeit. Die Verantwortlichen sind gefordert als Pädagogen, als Animateure, als Moderatoren, als Lehrerin / Lehrer - vor allem aber als geistliche Begleiter. Religiöses Lernen hat nicht zuallererst mit Denkprozessen zu tun (oder sind wir selbst so zum Glauben gekommen?); es beginnt mit Empfindungen, mit Orten, mit dem Öffnen einer inneren Tür. Erfahrungen vorbereiten, Wahrnehmungen ermöglichen- dafür gilt es sich Zeit zu nehmen.

Überhaupt: die eigene Konfirmandenarbeit weiterentwickeln - das hat am Ende immer mit Zeit zu tun. Und das heißt: mit Entscheidungen.

ALLGEMEINE HINWEISE ZUR UMSETZUNG

Die Herausforderungen sind vielfältig. Die Möglichkeiten, Konfirmandenzeit zu gestalten auch. Wo liegt der eigene Einstieg für eine Weiterentwicklung der eigenen Konfirmandenarbeit? Was liegt in der eigenen gemeindlichen / regionalen Situation an? Worin besteht der nächste Schritt, der die eigene Situation voranbringen kann? Als Einstieg in diese Überlegung hier eine Liste unterschiedlicher Punkte zur Selbstabklärung:

 

Organisatorische Rahmenbedingungen klären und verbessern

  • Die Zeitstrukturen der Konfirmandenarbeit im Blick auf die (Ganztags-)Schule
  • Die Gewinnung von ehrenamtlichen Teamerinnen und Teamern, deren Schulung in Kooperation mit der Region/ dem Kirchenkreis

Inhaltliche Schwerpunkte neu angehen

  • Spiritualität entwickeln, Formen von Ritualen und Meditation einführen, Gottesdienste im Blick auf die Jugendlichen konzipieren, sie beteiligen.
  • Den Genderaspekt in der Konfirmandenzeit gezielt angehen durch Phasen, in denen speziell die Mädchen und speziell die Jungen jeweils in einer Gruppe zusammengefasst sind.
  • Konfirmandenzeit inklusiv anlegen, die Leitung entsprechend vorbereiten, sich Rat und Unterstützung sichern (Basisinfo: www.rpi-loccum.de)
  • In den Methoden nicht ausschließlich auf Arbeit mit Sprache und Text aufbauen, sondern auch Gestalten und Handeln integrieren. Szenisches Spiel und gestalterisches Arbeiten zu Themen als regelmäßige Phase in der Erarbeitung einbauen (vgl. dazu: E. Langbein, R. Hübner (2005) Bibeltheater. In: Adam, G. u.a. (hg.)(2005) Die Bibel. Entdecken, erleben, aufführen, Vol2 KU-Praxis 49, S. 92 - 95 und P. Licht, Potentiale entdecken. Andere Wege beschreiten. Kreativität und Kunst im Konfirmandenunterricht, KU-Praxis 50 (2006), S. 36 - 39).

IMPULS

Sich Zeit für die Vorbereitung nehmen, sich einmal im Jahr auch Zeit für grundsätzlichere Selbstreflektion geben - diese Atempausen können auch in anderen Bereichen unserer Arbeit fruchtbar sein.

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