Sterbebegleitung (interprofessionell)

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ein Geistreich-Mitglied
erstellt am: 28.07.2010
Letzte größere Änderung: 28.07.2010
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Erwachsene
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Sterbebegleitung

Kurzbeschreibung

Wenn Menschen sterben, sollen sie diesen Weg nicht allein gehen müssen, sondern das Angebot bekommen, begleitet zu werden. Begleiten können Angehörige, Freunde, Nachbarn, Seelsorger wie auch ehrenamtlich Mitarbeitende eines Besuchs- oder eines Hospizdienstes. Zu den Begleitenden gehören ggf. auch Pflegende, Ärzte/Ärztinnen, Psychologen/innen und Sozialarbeiter/innen. Wenn der/die Sterbende im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen soll, sind alle Begleitungs- und Behandlungsmaßnahmen aufeinander abzustimmen. 

Wahrnehmung

Situation

Sterben ist ein Lebensprozess, der Angst auslöst – bei dem Sterbenden, aber auch bei Angehörigen und Freunden wie auch bei Pflegenden, Ärzten und anderen professionell Begleitenden. Dies führt nicht selten dazu, dass Sterbende seelisch allein gelassen werden, selbst dann, wenn Pflege und medizinische Versorgung in der häuslichen Umgebung, im Pflegeheim oder im Krankenhaus gut organisiert sind. Oftmals erfahren Kirchengemeinden (Besuchsdienste, Hospizdienst, Pfarrer/innen) nicht oder nicht rechtzeitig, dass schwer kranke oder sterbende Menschen Begleitung wünschen. Manche Pflegende und Ärzte kennen nicht die Möglichkeiten von Sterbebegleitung und Seelsorge, so dass sie diese den Sterbenden nicht nahe bringen können. Somit wird Sterbebegleitung oftmals auf die pflegerischen und medizinischen Aspekte beschränkt. Darüber hinaus arbeiten die Begleitenden und Behandelnden nicht selten nebeneinander, statt miteinander, worunter die Patientenorientierung leidet.

Idee

Alle Personen, die mit Sterbenden zu tun haben, arbeiten entsprechend ihrer jeweiligen Kompetenzen und Rollen zusammen: Pflegende Angehörige können in Selbsthilfegruppen lernen, wie sie ihr sterbendes Familienmitglied begleiten können. Ehrenamtliche Hospiz-Mitarbeitende können nach der eigenen Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod mit Sterbenden mittels Wörtern, Bildern und Symbolen kommunizieren. Seelsorger können durch Gespräch und Rituale (Beichte, Abendmahl, Krankensalbung, Segen u.a.) Sterbende in ihrem Glauben stärken. Professionelle Helfer aus Pflege, Medizin und Psychologie können palliativpflegerisch bzw. -medizinisch tätig werden, also Schmerzen und andere belastende Symptome lindern. Sozialarbeiter können in sozialrechtlichen und finanziellen Fragen beraten. Diejenigen Personen, die einen Menschen im Sterben begleiten, sollten sich als Team verstehen (sog. Palliative-Care-Team) und ihr Handeln untereinander abstimmen. Um die Zusammenarbeit der Beteiligten zu fördern, können an einem „Runden Tisch Hospizarbeit und Palliativversorgung“ Informationen ausgetauscht, Rahmenbedingungen für ein gemeinsames Handeln in der Begleitung und Behandlung von Sterbenden in der Region abgesprochen, Fortbildung organisiert und Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden.

Reflexion

Gründe & Herausforderung

Sterben geht mit dem Verlust der Identität einher: Oft muss das Zuhause aufgegeben werden, soziale Beziehungen brechen ab oder werden problematisch, Fähigkeiten der Alltagsbewältigung nehmen ab, Lebensüberzeugungen und Glaubensfundamente geraten ins Wanken. Ohnmacht muss ausgehalten werden. Wut und Verzweiflung können sich breit machen. Manche Sterbenden oder Begleitenden ziehen sich innerlich zurück. Nicht selten muss entschieden werden, welche medizinischen Maßnahmen (z.B. künstliche Ernährung) ergriffen oder abgelehnt werden. Fragen nach einem schnellen Tod durch (ärztlich begleiteten) Suizid oder sog. aktive Sterbehilfe werden gestellt. Wie kann verhindert werden, dass alle Beteiligten auf ihren „Kommunikationsinseln“ sitzen, die Situation jeweils für sich deuten und nicht miteinander ins Gespräch über eine bestmögliche Gestaltung der letzten Lebensphase kommen?

Wirkung

Erfahrungen aus der Hospizarbeit und Palliativversorgung (Linderung von Schmerzen und anderer belastender Symptome durch medizinische, pflegerische Maßnahmen sowie spirituelle, psychologische und sozialarbeiterische Begleitung) zeigen, wie wichtig eine patientenorientierte Kommunikation und eine Zusammenarbeit aller Behandelnden und Begleitenden ist (Interprofessionalität). Eine patientenorientierte Kommunikation setzt eine empathische Haltung und ein gewisses Maß der Selbstwahrnehmung und -reflexion voraus. Nur wer ausreichend frei von eigenen Ängsten ist bzw. sie im Blick hat, kann sich auf die individuelle Gefühlslage seines Gegenübers einlassen. Interprofessionalität und Zusammenarbeit zwischen Angehörigen, Ehrenamtlichen und Professionellen ist notwendig, damit alle Beteiligten ihr Handeln aufeinander abstimmen können. Dabei muss der Wille des schwer Kranken oder Sterbenden immer wieder erfragt werden und vorrangige Richtschnur des Handelns sein.

Umsetzung / Konkretion

Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Kirchengemeinden können alle Personen, die mit Sterbenden zu tun haben, an einen Tisch holen, um abzusprechen, wie (nicht-vertrauliche) Informationen weitergegeben werden können und der Bedarf an Sterbebegleitung erhoben sowie ggf. eine gemeinsame Sterbebegleitung organisiert werden kann. Auf der Ebene eines Kirchenkreises kann ein Runder Tisch Ärzte (aus Krankenhäusern und freien Praxen), Pflegende (aus ambulanten Pflegediensten, Krankenhäusern und Altenheimen), Seelsorgende, Psychologen/innen, Sozialarbeiter/innen, Koordinatoren/innen ambulanter Hospizdienste, Leiter/innen von stationären Hospizen, Selbsthilfegruppen, Altenheimleitungen u.a. zusammenführen, um ein Zusammenwirken abzusprechen. Im Rahmen eines solchen Runden Tisches Hospizarbeit und Palliativversorgung können auch interprofessionelle Fallbesprechungen und Fortbildungen angeboten oder vermittelt werden. Außerdem kann von dort aus Öffentlichkeitsarbeit zum Themenfeld „Sterben und Tod“ sowie „Sterbebegleitung“ betrieben werden. Es hat sich bewährt, dass ein solcher Runder Tisch von einem kirchlichen Mitarbeitenden moderiert wird, weil hierdurch eine ökonomische Neutralität gewährleistet ist, was die Zusammenarbeit erleichtert.

Impuls

Über Sinn und Zweck eines Begleitungsangebotes von Sterbenden sind sich alle Beteiligten i.R. einig. Es kommt darauf an, dass von einer oder mehreren Seiten die Initiative ergriffen wird, die Beteiligten aus Kirchen und Partnern des Gesundheitswesens an einen Runden Tisch einzuladen und die Rahmenbedingungen für eine gemeinsame Sterbebegleitung in der Region abzusprechen. Kirchengemeinden oder Kirchenkreise sind prädestiniert, hierfür Impulsgeber zu sein und die kontinuierliche Zusammenarbeit durch Moderation zu unterstützen.

Praxisbeispiele

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