Ehrenamtlichenkultur – Freiwilligenmanagement

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created at: 2010-07-28
Last major update at: 2010-07-28
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Ehrenamt

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Ehrenamtlich Mitarbeitende der Kirche brauchen unterstützende Rahmenbedingungen. Auch muss das Verhältnis zu den Hauptamtlichen geklärt sein.

SITUATION / KONTEXT

Kirchliches Leben wird von ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitenden gestaltet. Motive für ein ehrenamtliches Engagement wandeln sich jedoch stark: In der Vergangenheit führte eine altruistische Haltung und der Dienstgedanke zu einer langfristigen, verbindlichen Mitarbeit in der Kirchengemeinde. Nicht selten wurden Ehrenamtliche in hierarchischem Sinn als Mitarbeitende des Pastors verstanden. Gegenwärtig mischen sich eine altruistische Haltung mit Erwartungen, im ehrenamtlichen Engagement durch Sinn-Erfahrungen, bereichernde Begegnungen und Freude bei der Arbeit persönlich zu gewinnen. Selbstbestimmtes Handeln wird groß geschrieben – dadurch kann es zu Konflikten mit Hauptamtlichen kommen. Die Wahl des Engagements richtet sich häufig nach der eigenen biographischen Phase. Eine projektbezogene Mitarbeit wird einer unbefristeten, kontinuierlichen Mitarbeit oftmals vorgezogen. Kirchengemeinden, Kirchenkreise und Landeskirchen müssen eine Ehrenamtlichenkultur aufbauen, um ihrem Anspruch einer Dienstgemeinschaft gerecht zu werden und um weiterhin Ehrenamtliche zur Mitarbeit zu gewinnen.

IDEE

Ehrenamtlich Mitarbeitende der Kirche brauchen unterstützende Rahmenbedingungen, Begleitung und Wertschätzung wie sie im Freiwilligenmanagement beschrieben werden. Auch muss das Verhältnis zu hauptamtlich Mitarbeitenden, insbes. Pfarrern/Pfarrerinnen im Sinne einer Dienstgemeinschaft auf der Basis des Allgemeinen Priestertums geklärt sein. 

Kirche kann aus Erfahrungen des Freiwilligenmanagements lernen und Standards für das Ehrenamt in der Kirche entwickeln. Hierzu zählen u.a.: Erstellung eines Konzepts für ehrenamtliche Arbeit, Berufung einer Ansprechperson für Ehrenamtliche, Gespräch zum Austausch der beiderseitigen Erwartungen, schriftliche Verabredung über Inhalte, Art und Dauer der ehrenamtliche Tätigkeit, Beauftragung in einem Gottesdienst, Bereitstellung eines Budgets, Gewährleistung des Zugangs zu Räumen und Arbeitsmitteln, Angebot bzw. Verpflichtung zu Fortbildungen, regelmäßige Gespräche zur Reflexion der Arbeit, gegenseitige Beratung, Information und Mitsprachemöglichkeiten, explizite Wertschätzung (Zertifikate, Presse u.a.), Verabschiedung (ggf. in einem Gottesdienst) bei Beendigung der Tätigkeit.

GRÜNDE & HERAUSFORDERUNGEN

Mittelkürzungen in der Kirche, ein höherer Bedarf an kirchlicher und sozialer Arbeit in der Gesellschaft und ein neues Selbstverständnis von Ehrenamtlichen sind Anlässe, die Ehrenamtlichenkultur theologisch neu zu durchdenken und in der Praxis zu gestalten. Praktische Hinweise zur Umsetzung erhält man aus dem Freiwilligenmanagement. Allerdings ergeben sich bei der Anwendung dieser Vorschläge in der Kirche Besonderheiten, die es zu beachten gilt:

  • Die Freiheit des Glaubens ist das zentrale Motiv für Christen, für andere tätig zu sein. Eine Wertschätzungskultur hat in (Einführungs- und Verabschiedungs-) Gottesdiensten, in der Begleitung der Ehrenamtlichen und in der öffentlichen Darstellung der Arbeit die unbedingte Wertschätzung des Christen durch Gott als den Ermöglicher freiwilliger, ehrenamtlicher Arbeit darzustellen und somit einer Werkgerechtigkeit entgegen zu wirken.
  • Jede ehrenamtliche oder hauptamtliche Tätigkeit hat sich inhaltlich an der Nächsten-, Selbst- und Gottesliebe zu orientieren. Bei der Gewinnung, Begleitung und Fortbildung von Ehrenamtlichen ist zu beachten, dass das freiwillige Handeln in hinreichendem Maß aus der Freiheit von eigennützigen Motiven heraus und damit im freien Blick für die Nöte und Bedürfnisse der Menschen geschieht.
  • Freiwilliges Engagement in der Kirche geschieht im Rahmen einer Dienstgemeinschaft mit hauptamtlich Mitarbeitenden. Dieses Miteinander ist nach dem Modell des Allgemeinen Priestertums zu gestalten, nach dem allen Christen die geistliche Befähigung zur Bezeugung des Evangeliums zuerkannt wird und zugleich die Beauftragung bestimmter Personen mit bestimmen Aufgaben vorgesehen ist. In allen Maßnahmen der Ehrenamtlichenkultur muss die gleichartige geistliche Würdigung durch Gott im Glauben und die Beauftragung bestimmter Personen mit bestimmten Aufgaben nach funktionalen Gesichtspunkten deutlich werden.

WIRKUNG / ERFAHRUNG

Von einer Umsetzung wichtiger Elemente des Freiwilligenmanagements kann eine Belebung des kirchlichen Lebens, das ohne ehrenamtliche Mitarbeit undenkbar ist, erwartet werden. Es wird darauf ankommen, eine Ehrenamtlichenkultur zu entwickeln, die den Aufgaben der Kirche entspricht und einen Weg zwischen Vernachlässigung und Über-Professionalisierung der Ehrenamtlichenkultur findet. 

ALLGEMEINE HINWEISE ZUR UMSETZUNG

Eine Person aus der Kirchengemeinde/dem Kirchenkreis sollte eine Ausbildung als Freiwilligenmanager/in absolvieren. Die gegenwärtig ehrenamtlich und hauptamtlich Mitarbeitenden sind für neue Aspekte der Ehrenamtlichenkultur zu gewinnen. Von „traditionellen“ Ehrenamtlichen sind Widerstände zu erwarten, die ihre Motive des Engagements entwertet sehen könnten. Hier ist auf die Gleichwertigkeit verschiedener Selbstverständnisse der ehranamtlichen Arbeit hinzuweisen. Hauptamtlich Mitarbeitende könnten einen Machtverlust fürchten. Darum ist zugleich mit dem Bild des „neuen Ehrenamtlichen“ auch die Rollenbeschreibung der Hauptamtlichen neu zu bestimmen. Der Öffentlichkeitsarbeit kommt eine wichtige Rolle zu, weil sich ein neues Bild der Ehrenamtlichenkultur erst gegen ein tradiertes Bild durchsetzen muss, wenn neue Ehrenamtliche gewonnen werden sollen.

IMPULS

Wenn die reformatorische Einsicht des Allgemeinen Priestertums nachvollzogen wird, wenn die Bereitschaft vieler zur ehrenamtlichen Mitarbeit nach dem Bild eines selbstbestimmten, projektbezogenen und wirksam unterstützten Engagements gesehen wird und wenn der Bedarf nach ehrenamtlicher Tätigkeit in unserer Gesell-schaft wahrgenommen wird, sind wesentliche Impulse zum Aufbau einer Ehren-amtlichenkultur gegeben. Durch eine interne Reflexion sowie eine externe Kommuni-kation der Ehrenamtlichenkultur kann diese nachhaltig aufgebaut werden.

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