Lektorendienst

Author
a geistreich member
created at: 2010-08-27
Last major update at: 2011-12-29
Languages
Deutsch (Original, currently shown)
Table of content
Prädikant/innen und Lektor/innen, Gemeindeaufbau, Kirchliche Berufe & Ämter, Ehrenamtliche
Keywords
Target audiences
Practitioners
Votes
4 votes
Comments to the document
Kanzel

definition

Lektorinnen und Lektoren halten Gottesdienste mit Lesepredigten.

Zur Begriffsklärung

In den verschiedenen Landeskirchen werden unter dem Oberbegriff „Lektorinnen und Lektoren“ diverse Funktionen der Mitwirkung Ehrenamtlicher im Gottesdienst zusammengefasst.

In diesem Artikel geht es um Lektorinnen und Lektoren, die als ehrenamtliche Predigerinnen und Prediger Lesepredigten halten und eigenständig Gottesdienste leiten.

Daher gibt es

Idee

Ehrenamtliche werden dazu ausgebildet, Gottesdienste zu halten.
Dabei bildet in der Regel eine Lesepredigt die Grundlage der Verkündigung. Sie wird durch das Vorlesen neu zur Sprache gebracht, wie Rudolf Bohren formuliert hat:

  • "Ein Lektor ist ein Christ, der für andere liest. Indem er vorliest, bringt er eine Predigt aus dem Unbekannten und Gewesenen ins Bewusste und Gegenwärtige...Das gedruckte Prosastück, das von einer gehaltenen Predigt berichtet, wird wieder Predigt." (Rudolf Bohren, 154)

Warum sollen Ehrenamtliche überhaupt predigen und Gottesdienste leiten? Liegt das am um sich greifenden Pfarrermangel? Keinesfalls!

Denn die Verkündigung des Wortes Gottes steht wie die gegenseitige Fürbitte, die geschwisterliche Seelsorge aneinander, wie die Feier von Taufe und Abendmahl, die Sündenvergebung und Segnung seit Beginn der Kirche immer schon als gemeinsame Aufgabe in der Verantwortung aller Christinnen und Christen.

Die priesterliche Würde und damit verbunden der Auftrag zur Verkündigung des Wortes Gottes kommt nach 1. Petrus 2,9 allen Glaubenden allein durch die in der Taufe empfangene Gnade Christi gleichermaßen zu.

Der heutige Dienst der Lektorinnen und Lektoren ist insofern ein lebendiger Ausdruck für das biblisch-reformatorische „Priestertum aller Glaubenden“ bzw. aller Getauften.
An ihnen wird sichtbar, dass der Auftrag zur Wortverkündigung nicht an einen (gar akademischen) Berufs“stand“ gebunden ist.

Dennoch ist für das öffentliche "Amt" der Wortverkündigung in der Reformationszeit eine grundsätzliche Regelung getroffen worden, die sich auf die bereits in neutestamentlicher Zeit ausdifferenzierenden Gemeindeämter bezieht und zugleich eine entsprechende Ordnungsfunktion innerhalb der Gemeinde ausübt: Niemand soll öffentlich predigen, der nicht in einer gottesdienstlichen Handlung dazu berufen wurde.

Die heute nebeneinander bestehende Praxis der Ordination von Pastorinnen und Pastoren und der zeitlich und räumlich begrenzten Beauftragung zur öffentlichen Wortverkündigung für Lektorinnen und Lektoren können in ihrem Verhältnis wohl nicht explizit mit der reformatorischen Tradition begründet werden.

Dennoch hat dieses „Nebeneinander“ gute theologische Gründe, denn es entspricht der biblisch beschriebenen Vielfalt der geistlichen Gaben in der Gemeinde (1. Kor 12) und dem grundsätzlich an die ganze Gemeinde gegebenen Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums und der Verwaltung der Sakramente, wie er in im Augsburgischen Bekenntnis von 1530 in Artikel V als „Predigtamt“ allgemein beschrieben ist. Beide, Ordination und Beauftragung, werden im gottesdienstlichen Vollzug unter Gebet und Handauflegung begründet und können deshalb als ordnungsgemäße Berufung (CA XIV) in das allgemeine, von Gott gegebene Predigtamt verstanden werden .

Das Lektorenamt ist insofern Ausdruck des reformatorischen Verständnisses des Priestertums aller Glaubenden: Alle Getauften bzw. Glaubenden haben Anteil am Priestertum Christi, sind „Geistliche“ in seiner Nachfolge. „Laien“ gibt es in diesem Sinne in der evangelischen Kirche ebenso wenig wie Kleriker.

So können auch ehrenamtlich arbeitende Christinnen und Christen in das Predigtamt berufen und z.B. als Lektorinnen und Lektoren in einem Gottesdienst eingeführt werden. Voraussetzungen sind eine entsprechende Ausbildung und die Beauftragung durch die Gemeinde, vertreten z.B. durch die Superintendentur. Der Auftrag der Lektorinnen und Lektoren ist meist örtlich begrenzt, z.B. auf die Ortsgemeinde, und auch zeitlich befristet. Er muss z.B. in der Landeskirche Hannovers alle sechs Jahre im Rahmen der Gemeindevisitation durch den Superintendenten/ die Superintendentin erneuert werden.

Eine Herausforderung stellt die Frage dar, inwieweit die Verkündigung des Wortes Gottes und die Verwaltung der Sakramente, die im reformatorischen Kirchenverständnis eng zusammengehören (CA VII), derart strikt voneinander zu trennen sind. In der Praxis einiger Landeskirchen bleibt die Feier des Abendmahls mit der Gemeinde allein in der Verantwortung der Pastorinnen und Pastoren.

 

Literaturtipps

  • Rudolf Bohren, Seligpreisungen der Bibel - heute. Mit einem Anhang: Traktat über das Lesen von Predigten, Neukirchen Vluyn 1974, 154f.
  • „Ordnungsgemäß berufen“ Eine Empfehlung der Bischofskonferenz der VELKD zur Berufung zu Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung nach evangelischem Verständnis. Ahrensburg, 14. Oktober 2006.

Reflexion

Das Amt der Lektorin bzw. des Lektors ist eine attraktive Form der ehrenamtlichen Arbeit in der evangelischen Kirche.

Frauen und Männer aus verschiedenen Berufen, mit ihren je eigenen Lebens- und Glaubenserfahrungen übernehmen Verantwortung dafür, gemeinsam mit der Gemeinde die Liturgie zu feiern, das Wort Gottes zur Sprache zu bringen und zu beten. Viel Gestaltungsfreiheit gibt es dabei, trotz der im Wortlaut feststehenden Predigt aus dem Pool der Lesepredigten, die eigens zu diesem Zweck durch Pastorinnen und Pastoren gewissermaßen als "Steilvorlagen" vorbereitet werden.

Die Ausbildung zur Lektorin bzw. zum Lektor wird von denen, die sie durchlaufen, durchweg als persönlicher Gewinn, als Wachstum im Glauben und als Bereicherung erlebt.

Lektorinnen und Lektoren werden nicht selten durch ihre Qualifikation ermutigt, größere Verantwortung im Leben der Gemeinde zu übernehmen und ihre Gaben dauerhaft in verschiedenen Bezügen des Gemeindelebens einzusetzen.

Lektorinnen und Lektoren sind deshalb nicht einfach "Ersatz" für fehlende hauptberufliche Pfarrerinnen und Pfarrer. Sie sind auch nicht erst in den letzten Jahren nachgefragt oder nun gar plötzlich „in“, weil aktuell die Not des Pfarrermangels allerorten um sich greift.

Lektorinnen und Lektoren sind wie Prädikantinnen und Prädikanten für die evangelische Gottesdienstgemeinde wesentlich und deshalb auch unabhängig vom Stellenplan der Pastoren eine Bereicherung für das Leben der Gemeinde.

 

Wirkung

„Das war so gut, da können wir die Pastoren jetzt ja glatt einsparen!“ – so ein ehrlich begeisterter Kirchenvorsteher nach der ersten Predigt der neuen Lektorin.

Natürlich verschafft hier jemand zugleich seinem Unmut über die jüngst unter Sparzwängen vollzogene Pfarrstellenkürzung Luft – in diesen Zeiten ist Sarkasmus einfach ein seelisches Ventil.

Vor allem aber war diese spontane Äußerung als Ausdruck hoher Wertschätzung gegenüber der „Neuen“ auf der Kanzel gedacht: Ja, das sind vollwertige Gottesdienste mit richtig guten Predigten, die Gottesdienste von Lektorinnen und Lektoren!

Denn Lektorinnen und Lektoren bringen ihre eigene geistliche Kompetenz ein, ihre sprachliche Begabung, ihre liturgische Präsenz. Sie ergänzen und bereichern die pfarramtliche Arbeit in einer Gemeinde. Durch ihre Arbeit erst wird das evangelische Profil des Predigtamtes, sein Bezug auf das Priestertum aller Getauften, für die Gemeinde vollends sichtbar. Und das tut allen gut.

Lektorinnen und Lektoren zeigen in ihrer gottesdienstlichen Arbeit auf, dass das „Priestertum aller Getauften“ keine Leerformel ist, sondern auch abseits des pfarramtlichen Hauptberufs mit Leben gefüllt werden kann.


Allgemeine Hinweise zur Umsetzung

Augen auf in der Gemeinde: Wer ist geeignet, wer hätte Interesse, Lust und Leidenschaft für den Gottesdienst?

Der Gottesdienst ist ein kommunikatives Geschehen.

Deshalb: Wer hat Spaß am Sprechen und Lesen, an der Gestaltung von Sprache? Wer liest gerne und gut die gottesdienstlichen Lesungen? Wer schreibt oder spricht begeistert über seinen Glauben, wer reflektiert oder diskutiert gerne mit anderen über Gott und die Welt? Wer möchte gerne noch mehr wissen, sich mit anderen austauschen über Bibel, Glaube und Gottesdienst?

Weitere gute Voraussetzungen für die Lektorenausbildung sind Sicherheit im Auftreten vor anderen und Mut zur eigenen Stimme. Aber keine Angst: beides ist durchaus auch erlernbar. Hier findet ohnehin, im Ehren- wie im Hauptamt, „lebenslanges Lernen“ statt…

Informieren Sie sich unverbindlich über die nächsten Ausbildungsgänge beim „Lektorendienst“ Ihrer Kirche. Sprechen Sie mit bereits beauftragten Lektorinnen und Lektoren, besuchen Sie von ihnen geleitete Gottesdienste. Jeder Kirchenkreis hat überdies Lektorenbeauftragte, zu denen über die Superintendentur Kontakt hergestellt werden kann.

 

Link der Landeskirche Hannovers

http://www.michaeliskloster.de/lektorendienst

Experience reports

Related articles

Connected content

  • Schweißen
    Die Berufsbilder in der Kirche sind vielfältig.
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Pfarrberuf
    The professional Evangelical minister is an ordainined, salaried minister.
    This article is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-memberTranslator: a geistreich member
  • Talk
    Pfarrerinnen und Pfarrer besuchen sich gegenseitig im Gottesdienst und geben sich anschließend ein konstruktives Feedback in einem strukturierten Gesprächsmodell.
    This model is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • Gemeinsam feiern
    14 Ehrenamtliche haben eine Prädikantenausbildung absolviert. Seither wird der Gottesdienst regelmäßig von einem Zweierteam verantwortet (Präd/Pfr oder Präd/Präd).
    This is visible in the Web.
  • Thumb_article-default-image
    Lösung aller Probleme: EIN VEREIN Es gibt viele sehr alte und denkwürdige Kirchen, die niemand mehr haben will und die deshalb vielleicht bald dem Abrißbagger zum Opfer fallen oder als Magazin verwendet werden. Dies wäre ein unvorstellbarer Verlust. DIESE Kirchen könnte man vielleicht dadurch re...
    This model is visible for all internet-users.
    from a Geistreich-member
  • gottesdienstcoaching
    Gottesdienstcoaching ist ein Angebot, die Gottesdienstpraxis oder bestimmte Gottesdienstsituationen kollegial zu bearbeiten.
    This model is visible for all internet-users.
    By 2 geistreich- members

geistreich video

Hide Video