Interreligiöse Begegnungen

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created at: 2010-04-29
Last major update at: 2010-04-29
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Deutsch (Original, currently shown)
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Erwachsene, Interreligiöse Begegnungen
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Dialog

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Deutschland ist durch Migrationsbewegungen vor neue gesellschaftliche Herausforderungen gestellt. So ergibt sich die Notwendigkeit interreligiöser Begegnungen.

Situation und Kontext

Deutschland ist - in der Mitte Europas liegend - von jeher durch viele kulturelle und religiöse Einflüsse geprägt worden. Dies hat sich nach dem 2. Weltkrieg durch die Migrationsbewegungen auch aus sog. islamischen Ländern weiter verstärkt. So ergeben sich neue gesellschaftliche Herausforderungen.

Idee

Die multikulturelle und multireligiöse Situation einer Stadt oder einer Region nötigt zum einen, sich über die Glaubenstraditionen zu informieren, die andere Menschen mitbringen oder inzwischen angenommen haben. Dies geschieht durch Kontakte und Begegnungen, durch interreligiöse Begegnung. Nur sie ermöglichen letztlich, Ängste und Vorurteile gegenüber dem "Anderen" abzubauen und wirkliche Verständigung zu erreichen. In Theorie und Praxis gilt es darum, die Religion des anderen zu respektiern und seine andere religiöse Lebensweise zu akzeptieren. Die Wertschätzung des anderen Glaubensverständisses muss sich im Sinne aktiver Toleranz entwickeln, damit die Religionen insgesamt zum Frieden in der Gesellschaft beitragen können.

Herausforderungen

Wie kann in einer multikulturellen Gesellschaft Begegnung und Gespräch zwischen den Religionen stattfinden?

Erfahrungen

Weil die großen Weltreligionen nicht auf eine Region beschränkt sind, hat ihre Universalität teilweise Voraussetzungen, die aufgrund von religiösen und politischen Vorgegebenheiten durchaus Konflikt fördernd sind, und zwar besonders dann, wenn die betreffenden Religionen mit einem Absolutheitsanspruch im Blick auf Wahrheit und Heil gegenüber den anderen auftreten.

Man kann zugespitzt zwischen drei Haltungen gegenüber anderen Religionen unterscheiden:

1. Exklusivismus

Im katholischen Raum galt viele Jahrhunderte (bis zum 2. Vatikanischen Konzil 1963-1965) die exklusivistische Position ("außerhalb der Kirche ist kein Heil"), der man die protestantische Variante zuordnen kann: "Außerhalb des Christentums ist kein Heil". Christliche Mission ist bis ins 20. Jahrhundert unter dieser Maxime durchgeführt worden.

2. Inklusivismus

Von dieser harten Position sind inzwischen die meisten Kirchen abgerückt. Gerade unter ethischen Gesichtspunkten für die gemeinsame Weltverantwortung empfinden Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen große Gemeinsamkeiten. Man denke nur an das Projekt "Weltethos" von Hans Küng. So entwickelte sich ein Inklusivismus.

Gehen wir vom Christentum aus, dann kann man sagen, dass andere Religionen auch eigenständige Möglichkeiten zu Heil und Wahrheit finden können, allerdings bleibt die göttliche Offenbarung in Jesus Christus unüberbietbar. Diese Aussagen wirken sich insofern problematisch aus, weil damit doch eine gewisse (noch so verdeckte) Höherwertigkeit des Christentums nicht ausgeschlossen wird. Fundamentalistische Gruppierungen aller Religionen versuchen allerdings immer wieder, ihre Ansprüche auf Wahrheit und Heil auch politisch durchzusetzen und auch inklusivistische Positionen als "Weichspülung" zu diskreditieren.

3. Religionspluralistische Position

Aus dem Ernstnehmen religiöser Pluralität in vielen Gesellschaften, besonders im Westen, wurden religionspluralistische Theologien entwickelt (religionspluralistische Position). Diese versuchen nicht nur, jeder Glaubensweise ihr Recht zu lassen, sondern die anderen Religionen auch als eigenständige und gleichwertige (nicht gleichartige) Wege zum Heil anzuerkennen. Das geht soweit, dass zum heutigen Verständnis des eigenen Glaubens die anderen religiösen Traditionen als Anfrage, Korrektiv und Bereicherung mit einbezogen werden sollten (Komplementarität der Religionen).

Dies beinhaltet, dass sich die Religionen bzw. ihre Vertreter wirklich als gleichwertige Partner behandeln, ihre Absolutheitsansprüche bewusst relativieren und nur noch für den eigenen Glauben als absolut gelten lassen. Auch eine Mission mit dem Ziel, den anderen zum eigenen Glauben zu bekehren, ist dann nicht mehr möglich.

  

Umsetzung

Die Basis und Konsequenz für jede interreligiöse Begegnung sollte darum sein, die sprachlichen, rituellen und spirituellen Annäherungen an Gott, das Göttliche bzw. das Transzendente im Sinne einer herkömmliches Verständnis übersteigenden Wirklichkeit zu akzeptieren und damit zuzugeben, dass alle (auch dogmatischen) Aussagen des Glaubens menschliche Ausdrucksweisen sind. Als vorläufige bedürfen sie immer wieder der Revision.

Die positive Erkenntnis des Eingebundenseins von Religionen in vielfältige Kulturen und differierende Denkweisen macht es leichter, andere Religionen als unterschiedliche und eigenständige Wege zum Heil zu verstehen. Es geht also darum, in der interreligiösen Begegnung den Gedanken von Toleranz und Versöhnung umfassend zu fördern. Bewahrung, Vertiefung und Förderung der eigenen religiösen Identität und Spiritualität werden auf diese Weise nicht beschädigt oder abgelehnt, sondern in neuem Zusammenhang bestärkt. Damit gehört der interreligiöse Dialog zum Wesenskern eines bewussten Glaubenslebens im Rahmen gesellschaftlichen Lebens.

Auf solche und ähnliche Überlegungen stützen sich eine Fülle von Dialog-Initiativen, die es inzwischen in den Kirchen, andern religiösen Gemeinschaften und gesellschaftlichen Gruppen gibt.

  

 

Links und Literatur

Es gibt zum Thema einen Kurzlink auf geistreich

http://www.geistreich.de/FokusInterreligioeseBegegnungen

Buchtipps für Kinder

Unten bei den Materialien finden Sie zur Thematik Buchtipps für Kinder. Sie sind uns von http://www.eliport.de zur Verfügung gestellt worden.

Link für Schulen, Schüler und Lehrer

http://www.religionen-entdecken.de

Einen Link

http://www.oikoumene.org/de/dokumentation/documents/oerk-programme/interreligious-dialogue-and-cooperation/christian-identity-in-pluralistic-societies/das-christliche-zeugnis-in-einer-multireligioesen-welt.html

dort auch der Link zur PDF-Version

 

Impuls

Von der Reflexion zur Aktion: Wenn interreligiöse Begegnung als Bereicherung angesehen wird, dann wirkt der Dialog auf den verschiedenen Ebenen als Katalysator, der sowohl die Grundlagen anspricht und weiter bedenkt und dies auch durch praktische Begegnungen und Unterstützung interreligiöser Projekte zum Ausdruck bringt.

Diese Initiativen sind natürlich von den jeweiligen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen vor Ort abhängig, machen allerdings Chancen und Schwierigkeiten zugleich deutlich, werden jedoch die bisherigen Gesellschaftsstrukturen z.T. nachhaltig verändern.

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