ALTE Kirchen: NEUE Ideen

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created at: 2011-06-26
Last major update at: 2011-07-07
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Bildung und Unterricht
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Abstract

Lösung aller Probleme: EIN VEREIN

 

Es gibt viele sehr alte und denkwürdige Kirchen, die niemand mehr haben will und die deshalb vielleicht bald dem Abrißbagger zum Opfer fallen oder als Magazin verwendet werden. Dies wäre ein unvorstellbarer Verlust.

 

DIESE Kirchen könnte man vielleicht dadurch retten, indem man sie öffnet:

 

Man brauchte lediglich einen Verein zu gründen, der sie von der zuständigen Gemeinde pachtet und zum BETEN, zum NACHDENKEN und zur ANDACHT abgibt .

 

Eine gute aber nicht allumfassende Idee , die zumindest auf Rettung der Substanz geht, finden wir zum Beispiel hier:

 

http://stiftung-kiba.de/

 

(a)  Die rechtlichen  Details solcher Vereine sind kein Problem: Es kann insoweit auf die nachfolgenden Hinweise zur "UMSETZUNG" Bezug genommen werden.

(b)  Im Hinblick auf den theologischen Aspekt könnte die "Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche"  ein wesentlicher fachlicher Bestandteil des abzuschließenden Pachtvertrages  (§§ 581 ff BGB) werden.

 

Diese Orientierungshilfe ist vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland vorgelegt worden und im Gütersloher Verlagshaus erschienen (derzeitiger Preis 4,95 EUR).

Situation / context

Die Kirchen - und gerade auch die alten, ehrwürdigen Gebäude - sind, modern und ziemlich "brutal"  ausgedrückt, ein wichtiger WERBETRÄGER für unsere Kirche. Das sollte einmal ganz deutlich gesagt werden, weil sich der Verzicht auf deren werbende Funktion negativ auf die Anzahl der kirchensteuerzahlenden Mitglieder auswirkt und dem Budget der Kirchenleitung riesige VERBORGENE Verluste einbringt, die im übrigen durch eine langfristige Studie leicht nachgewiesen werden könnten.

 

Wir wissen, daß es die erwähnten Abrißkirchen ALS NEGATIVE WEBUNG UND ABSCHRECKUNG überall in Europa gibt, wenn es sich auch in Deutschland noch in Grenzen hält - wie sich sehr eindruckvoll aus einem Beitrag von Herrn Dr.Schümmer zum gleichen Thema (aber an anderer Stelle) ergibt.

 

Durch den Abriß oder Verkauf alter Kirchengebäude gehen uns unersetzliche Schätze verloren: Sie sind ein wichtiges und bedeutsames Vermächtnis aus der Vergangenheit, denn sie machen deutlich,  daß die Kirche einen festen Platz in unserer Gemeinschaft hat und auch in Zukunft haben muß.

 

Im Zuge einer neuen Eröffnung alter nicht mehr benötigter Kirchengebäude können  sich - nach den bisherigen Erfahrungen bei GEISTREICH - neue Möglichkeiten ergeben, das kirchliche Leben zu bereichern und vielleicht stellenweise auch neu zu gestalten, ganz im Sinne vieler hier bei GEISTREICH dargestellter und entwickelter Projektideen, auch in Verbindung mit einem gewerblichen Angebot, wie zum Beispiel in PASTORS GARTEN. Gerade dies ist ein GEISTREICH-PROJEKT, das ganz besonderes Interesse sowohl beim Landesbischof wie auch in der Presse  gefunden hat:

 

http://www.geistreich.de/experience_reports/286

 

 

Goals

I.  Besonders wichtig sind die folgenden drei Zielsetzungen:

 

(1) Gottesdienst durch theologisch nicht geschulte Bürger:

 Der Verein untersteht nicht der Kirchenleitung: Er ist selbständig und hat an dem von ihm gepachteten Kirchengelände ein eigenes HAUSRECHT. Dies berechtigt ihn dazu  AUCH theologisch nicht ausgebildete Gemeindemitglieder in der Durchführung von Meditation und Andacht einzusetzen, was das Presbyterium aufgrund SEINES Hausrechts in anderen Gemeinderäumen sonst verhindern könnte. Wichtig ist diese Regelung im Hinblick auf das von Eduard Kopp in chrismon-plus (Heft 03/2011 S. 70 ff) beschriebene "Priestertum aller Gläubigen".

 

(2) Gelegenheit zum Nachdenken und Beten:

Wer kreativ denken (und schreiben) will, braucht einen geeigneten Raum, um die Gedanken in die Ferne zu senden. Dieser Raum sollte eine besondere Beschaffenheit haben, er sollte nicht nur gewährleisten, daß niemand stört, sondern er sollte auch schön und so gestaltet sein, daß er uns zum Nachdenken anregt. Religiöse Meditation ist kreatives Denken und Kirchen sind genau der Raum, in dem sich gerade dieses religiöse kreative Denken besonders gut entwickeln kann. Wir brauchen sie. Das macht ein Artikel von Christine Tergau-Harms besonders eindrucksvoll deutlich:

 

(Zitat:) "Menschen gehen gern in offene, leere Kirchen. Ihre Zahl ist weit höher, als die Zahl der Gottesdienstfeiernden. Manche sind am liebsten ganz für sich. Wenn wir davon ausgehen, dass auch ein spirituelles Interesse Menschen in Kirchenräume lockt, so liegt darin eine doppelte Chance: Es kann aus dem leeren, stillen Raum heraus ein behutsamer Zugang nicht nur zum GEBET, sondern auch zu anderen gottesdienstlichen Formen eröffnet werden. Auch die Bedeutung der Kirchenräume wird neu eingeschätzt (Ende des Zitats, aus STILLE-KLANG-ZEIT: in "Kleiner Gottesdienst, weiter Raum, Hrsg. Jochen Arnold u. Christine Tergau-Harms, Hannover 2009, 402 S., hier S. 162 ff).

 

(3) Experimentierfeld für neue Ideen:

Wir erleben bei GEISTREICH zur Zeit eine Unmenge neuer und guter Ideen, die uns einerseits unseren christlichen Glauben wieder nahe bringen, andererseits aber auch zum kritischen Nachdenken veranlassen. Wir alle - die inzwischen mehr als 2000 Mitglieder bei GEISTREICH (und darüber hinaus) - würden uns natürlich freuen, wenn uns unsere Kirche die Möglichkeit einräumen würde, diese neuen Erkenntnisse nun auch IN DER PRAXIS umzusetzen, nämlich über einen VEREIN und dort, wo wir keinen geistlichen Schaden anrichten können, eben in alten nicht mehr benötigten Kirchen.

 

II. Begründung: Heranführung theologischer Laien in Aufgaben der Verkündung

 

(Zitat Anfang:)"Eine evangelische Kirche, die sich am biblischen und reformatorischen Zeugnis orientiert, braucht ecclesia semper reformanda zuweilen als Neubesinnung auf das Wesen und das Wesentliche ihres Auftrages und ihrer Verheißung..."

und " Können wir uns ernsthaft leisten, in einer Zeit zurückgehender finanzieller und personeller Resourcen auf die geistliche Gabe der Nichtordinierten, namentlich aber auf ihre Fähigkeit zum priesterlich-prophetischen Dienst an vielen Stellen zu verzichten ?.."

 

und..." Die Gemeinden müssen sich von einer Haltung des Betreuungsanspruchs hin zur Eigenverantwortung entwickeln, die Pastorinnen und Pastoren sich darin üben, auch Kernfelder pastoralen Handelns im Team zu gestalten und punktuell zu delegieren. Es geht dabei nicht darum Pfarrerinnen und Pfarrern theologische Kompetenz abzusprechen, ...eine zentrale Aufgabe des Pfarramts wäre es dann auch ANDERE darin anzuleiten und zu begleiten.." (Ende des Zitats von Jochen Arnold: Verkündigung im kleinen Gottesdienst" aus  "Kleiner Gottesdienst weiter Raum" S. 232 ff (237).

 

III. Fazit:

 

(1) Jochen Arnold (wie oben, S. 232 ff, 239):

 

(Zitat Anfang): "Warum nicht aus der Not eine Tugend machen ? Die Kirchenräume sind da und könnten (fast) zu jeder Zeit genutzt werden. Vielerorts sind auch die Menschen da, denen es ein Anliegen ist, dass in ihrer Kirche oder Kapelle ein geistliches Angebot gemacht wird. Vielleicht sind sie auch gerade deshalb bereit, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren und NEUE GEISTLICHE ENTDECKUNGEN zu machen"... (Ende des Zitats).

 

(2) Ralf-Peter Fuchs und Matthias Rost in "Ad Fontes Gebetszeiten" (aus Kleiner Gottesdienst - weiter Raum S. 32 ff, 32 oben):

 

(Zitat): Es gehört zu den bedenklichen Entwicklungen in unserer Kirche, dass der Eindruck entstanden ist, auch eine einfache Andacht könnte nur von ausgebildeten Theologen und Theologinnen gehalten werden. Um zu Gott zu beten, sich für ihn zu öffnen und die Texte der Bibel zu verstehen braucht es keine Voraussetzungen.." (Ende des Zitats).

 

Reflection / background

NEUE AUFGABE IN ALTEN KIRCHEN:

 

Die Lutherische Verlagshaus GmbH in Hannover (LVH) bietet unter anderen zwei Bücher an, die der denkbaren "neuen Aufgabe" zur ANDACHT IN ALTEN KIRCHEN besonders gerecht werden. Das ist unter

 

(a) das schon erwähnte Buch von Jochen Arnold/Christine Tergau-Harms (Hgg): Kleiner Gottesdienst - weiter Raum. 403 S., Hannover, 2009, (29,95 EUR) und

(b)  Loccumer Brevier: Verstehen durch Stille, Hannover, 2008, 438 S. (24,90 EUR). Inzwischen gibt es zu (b) wohl eine neue 5.Aufl vom März 2011.

Implementation

General information on realization

Es gibt einige rechtliche Gesichtspunkte, die unbedingt beachtet werden sollten:

(a) Es empfiehlt sich einen eingetragenen Verein zu gründen und diesen beim Amtsgericht eintragen zu lassen und beim "Finanzamt für Körperschaften und Vereine" anzumelden. Das Finanzamt wiederum sollte darum gebeten werden, eine Bescheinigung der Gemeinnützigkeit auszustellen, damit der steuerliche Spendenabzug gesichert ist, denn es wird sicherlich eine große Spendenbereitschaft geben.

(b) Das Vereinsvermögen muß im Falle der Auflösung des Vereins an die Gemeinde abgeführt werden, der die alte und gepachtete Kirche gehört.

(c) Soweit umsatzsteuerpflichtige Einnahmen anfallen, müßten diese beim Finanzamt zwar gemeldet werden, sie wirken sich aber wegen Geringfügigkeit vermutlich nicht als Belastung aus, möglicherweise ergeben sich aber Vorteile in Verbindung mit dem Vorsteuerabzug.

(d) Das Gleiche wie zu (c) gilt wegen der eventuellen Gewerbesteuer bei der zuständigen Gemeinde.

(e) Die Satzung könnte von vergleichbaren Einrichtungen abgeschrieben werden. Dadurch ließen sich auch die Erfahrung ANDERER sehr sinnvoll einbringen und diskutieren.

(f) Die Vereinsmitglieder werden weitgehend ehrenamtlich arbeiten, es sollte daher eine Haftpflichtversicherung für diese Tätigkeit abgeschlossen werden. Das ist bei Ehrenamtlichen wohl auch allgemein üblich, es darf nur nicht vergessen werden.

(g) Als Buchführung genügt vermutlich die "einfache Buchführung" im steuerlichen Sinne. WAS da zu geschehen hat, wird das Finanzamt mitteilen und was steuerlich an Buchführung notwendig ist, ist auch zivilrechtlich notwendig. IM PRINZIP genügt es, wenn Ausgaben sinnvoll "sortiert" (erkennbar aufgelistet und mit Belegnummern versehen) und damit nach Ziel und Zweck belegbar sind. Das ist viel einfacher, als mancher von uns annehmen mag.

Preparation

Man sollte in aller Ruhe an die Arbeit gehen, man sollte rechtzeitig die Ortspresse interessieren, man sollte vor allem Interesse bei der Kirchenleitung (ggfs. bis hinaus zum Bischof) wecken und dann im Verlauf der Arbeit überall wo es geht, den notwendigen Rechtsrat einholen.

Realization

Alles das, was unter VORBEREITUNG steht, ist nachher nicht weiter problematisch. Es gilt nur RUHE BEWAHREN !!!

Wrap up & follow-up actions

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Effect / experience

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stimulus

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